Lavendelöl Anwendung

Zuletzt aktualisiert: 15.02.26

Lavendelöl lässt sich auf mindestens acht verschiedene Arten anwenden – von der Inhalation über den Diffuser bis zur Massage mit Trägeröl – und jede Methode eignet sich für unterschiedliche Zwecke. Welche Methode Sie wählen, hängt davon ab, ob Sie Stress abbauen, besser schlafen, Hautbeschwerden lindern oder Insekten abwehren möchten. Entscheidend für Wirksamkeit und Sicherheit ist bei jeder Methode die korrekte Dosierung: Ätherisches Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist hochkonzentriert – ein einziger Tropfen enthält die Essenz von rund 30 Lavendelblüten.

Dieser Artikel ist die zentrale Referenz für alle Anwendungsmethoden von Lavendelöl auf oelerini.com. Sie finden hier zu jeder Methode konkrete Tropfenangaben, Verdünnungsverhältnisse und Praxistipps. Für die wissenschaftlichen Hintergründe, warum Lavendelöl wirkt, verweisen wir auf den Artikel zur Wirkung von Lavendelöl. Einen umfassenden Überblick über das gesamte Thema bietet der Lavendelöl-Ratgeber.

Lavendelöl Anwendung – verschiedene Methoden mit Diffuser, Massageöl und Sprühflasche

Sie erfahren, welche Methode für welchen Zweck die beste Wahl ist, wie Sie Lavendelöl richtig verdünnen und welche Fehler Sie vermeiden sollten. Am Ende des Artikels finden Sie eine Vergleichstabelle als Entscheidungshilfe.

Auf einen Blick

  • Acht Anwendungsmethoden: Topisch/Einreiben, Diffuser, Dampfinhalation, Badezusatz, Raumspray, Roll-On, Fußsohlen-Anwendung und Kissenspray – jede mit eigener Dosierung.
  • Standardverdünnung für Erwachsene: 2–3 % ätherisches Öl in Trägeröl, das entspricht 6–9 Tropfen pro 15 ml (1 Esslöffel) Trägeröl.
  • Diffuser-Faustregel: 3–5 Tropfen pro 100 ml Wasser für einen 20-m²-Raum, Laufzeit 30–60 Minuten mit Pausen.
  • Emulgator-Pflicht im Bad: Lavendelöl nie direkt ins Badewasser geben – immer mit Milch, Sahne, Meersalz oder flüssiger Seife vermischen.
  • Pur auf die Haut? Einzelne Tropfen auf kleinen Stellen (Insektenstiche, kleine Kratzer) gelten bei Lavandula angustifolia als vertretbar, großflächige Pur-Anwendung erhöht das Risiko einer dauerhaften Sensibilisierung.
  • Orale Einnahme nur als Fertigpräparat: Reines ätherisches Öl sollte nie ohne ärztliche Anleitung geschluckt werden.

Lavendelöl topisch anwenden – Einreiben mit Trägeröl

Verdünntes Lavendelöl auf die Haut aufzutragen ist die vielseitigste Anwendungsmethode, weil sie lokale und systemische Effekte kombiniert – die Wirkstoffe Linalool und Linalylacetat durchdringen die Hautbarriere innerhalb von 5 Minuten und erreichen nach 19–30 Minuten ihre Spitzenkonzentration im Blut.[1]

Verdünnung für verschiedene Anwendungsbereiche

AnwendungsbereichVerdünnungTropfen pro 15 ml TrägerölHinweis
Tägliche Körperpflege2 %6 TropfenFür Massageöl, Bodylotion
Gesichtspflege0,5–1 %1–3 TropfenEmpfindliche Gesichtshaut
Gezielte Anwendung (Muskelverspannung)3–5 %9–15 TropfenLokal, zeitlich begrenzt (max. 2–3 Wochen)
Akute Erste Hilfe (Insektenstich)5–10 %15–30 TropfenPunktuell, kurzfristig
Kinder (2–12 Jahre)0,5–1 %1–3 TropfenImmer Erwachsene-Dosis halbieren
Babys (3–24 Monate)0,25–0,5 %1 TropfenNur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt

Welches Trägeröl passt?

Das Trägeröl verdünnt nicht nur die Konzentration, sondern verlangsamt die Verdunstung der flüchtigen Terpene und verbessert so die transdermale Aufnahme. Jojobaöl eignet sich besonders gut, weil es der Zusammensetzung des hauteigenen Sebums ähnelt und nicht ranzig wird. Süßes Mandelöl ist reich an Vitamin E und ideal für Massagen. Fraktioniertes Kokosöl bleibt bei Raumtemperatur flüssig und hinterlässt keinen fettigen Film. Für empfindliche oder zu Akne neigende Haut sind leichte Öle wie Traubenkernöl oder Jojobaöl die bessere Wahl. Welche Verdünnung und welches Trägeröl sich für bestimmte Hauttypen und Beschwerdebilder am besten eignen, erfahren Sie im Ratgeber Lavendelöl für die Haut.

Praxistipp: Mischen Sie das Lavendelöl immer zuerst in das Trägeröl, bevor Sie es auftragen – nie umgekehrt. So stellen Sie eine gleichmäßige Verteilung sicher. Tragen Sie das Öl am besten abends auf, damit die Wirkstoffe über Nacht einwirken können, ohne durch Kleidung, Schweiß oder Sonnenlicht beeinträchtigt zu werden.

Lavendelöl im Diffuser verdampfen

Ein Ultraschall-Diffuser vernebelt Lavendelöl mit Wasser zu einem feinen Kaltdampf und verteilt die Duftmoleküle gleichmäßig im Raum – für einen 20-m²-Raum reichen 3–5 Tropfen in 100 ml Wasser, was einer therapeutisch wirksamen, aber nicht überwältigenden Konzentration entspricht.[2]

Dosierung nach Raumgröße

RaumgrößeWassermenge im DiffuserTropfen Lavendelöl
Klein (Bad, Büro, bis 15 m²)100 ml3–5 Tropfen
Mittel (Schlafzimmer, bis 25 m²)200 ml6–10 Tropfen
Groß (Wohnzimmer, ab 25 m²)300–500 ml10–15 Tropfen

Laufzeit: 30–60 Minuten pro Sitzung, danach eine Pause von mindestens 30 Minuten einlegen. Dauerbetrieb ist nicht empfehlenswert, weil die Nase den Duft nach 30–60 Minuten nicht mehr wahrnimmt (olfaktorische Adaptation) und eine Überexposition Kopfschmerzen verursachen kann. Viele Geräte verfügen über eine Intervallfunktion, die automatisch Pausen einlegt.

Im Schlafzimmer: Starten Sie den Diffuser 30 Minuten vor dem Schlafengehen mit 3–5 Tropfen. Schalten Sie ihn ab, bevor Sie einschlafen, oder nutzen Sie die Timerfunktion. So ist der Raum beim Zubettgehen angenehm beduftet, ohne dass Sie die ganze Nacht einer Dauerbeduftung ausgesetzt sind. Details zu Schlaf-Routinen mit Lavendelöl finden Sie im Artikel Lavendelöl zum Einschlafen.

Für die Auswahl des richtigen Gerätetyps (Ultraschall, Vernebler, Verdunster) verweisen wir auf den übergeordneten Ratgeber zu Diffusern für ätherische Öle.

Dampfinhalation mit Lavendelöl

Bei der Dampfinhalation gelangen die flüchtigen Wirkstoffe von Lavendelöl über die heißen Wasserdämpfe direkt an die Atemwegsschleimhäute und von dort rasch ins Blut – 3–5 Tropfen in einer Schüssel mit 1–2 Litern heißem Wasser (ca. 60–70 °C, nicht kochend) reichen für eine 5–10-minütige Sitzung aus.[3]

Schritt für Schritt: Geben Sie 3–5 Tropfen Lavendelöl in das heiße Wasser. Beugen Sie sich mit geschlossenen Augen über die Schüssel und legen Sie ein Handtuch über Kopf und Schüssel, um den Dampf einzufangen. Atmen Sie 5–10 Minuten langsam und tief durch die Nase ein. Halten Sie mindestens 30 cm Abstand zur Wasseroberfläche, um Verbrühungen zu vermeiden.

Häufiger Fehler: Kochendes Wasser verwenden. Bei 100 °C verdampfen die flüchtigen Terpene zu schnell und der Dampf kann die Schleimhäute verbrühen. Lassen Sie das Wasser nach dem Aufkochen 2–3 Minuten abkühlen, bevor Sie das Öl zugeben.

Die Dampfinhalation eignet sich besonders bei Erkältung, verstopfter Nase und Spannungskopfschmerzen. Für einen umfassenden Überblick über die Inhalation ätherischer Öle verweisen wir auf den übergeordneten Ratgeber.

Lavendelöl als Badezusatz

Ein Lavendelbad verbindet Inhalation und transdermale Aufnahme in einer einzigen Anwendung – 5–10 Tropfen Lavendelöl, zwingend in einem Emulgator aufgelöst, reichen für ein Vollbad aus, das Muskelspannung löst und das Nervensystem beruhigt.[4]

Warum ein Emulgator Pflicht ist: Ätherisches Öl mischt sich nicht mit Wasser. Ohne Emulgator schwimmt das konzentrierte Öl als Film auf der Wasseroberfläche und kann bei Hautkontakt Reizungen oder Verätzungen verursachen. Geeignete Emulgatoren sind:

  • Sahne oder Vollmilch: 2–3 Esslöffel – der Milchfettanteil bindet die ätherischen Öle
  • Meersalz oder Bittersalz: 2–3 Esslöffel – Tropfen ins Salz mischen, gut verreiben, dann ins Wasser geben
  • Flüssige Neutralseife / Duschgel: 1 Esslöffel – Öl untermischen, dann zum Badewasser geben
  • Honig: 1–2 Esslöffel – wirkt gleichzeitig hautpflegend

Dosierung: 5–8 Tropfen für ein Vollbad (ca. 150–180 Liter), 3–5 Tropfen für ein Fußbad (ca. 5 Liter). Die Wassertemperatur sollte zwischen 36 und 38 °C liegen – zu heißes Wasser beschleunigt die Verdunstung und mindert die Wirkdauer. Für Informationen zur Anwendung bei Schwangerschaft und bei Babys verweisen wir auf die jeweiligen Spezialartikel. Weitere Tipps finden Sie im Ratgeber ätherische Öle als Badezusatz.

Lavendelöl-Spray selber mischen

Ein Lavendelöl-Raumspray lässt sich in 2 Minuten herstellen und eignet sich als Raumduft, Kissenspray oder natürliches Insektenabwehrmittel – die Grundformel besteht aus 30–40 Tropfen Lavendelöl, 30 ml hochprozentigem Alkohol (Wodka oder Isopropanol 70 %) und 70 ml destilliertem Wasser in einer 100-ml-Sprühflasche aus Glas.

So geht's: Mischen Sie zuerst die Tropfen ätherisches Öl mit dem Alkohol in der Sprühflasche – der Alkohol dient als Lösungsvermittler, weil Öl und Wasser sich nicht verbinden. Füllen Sie dann das destillierte Wasser auf. Vor jedem Gebrauch kräftig schütteln, weil sich die Bestandteile mit der Zeit wieder trennen.

Praxistipp: Verwenden Sie eine Glasflasche, keine Plastikflasche. Ätherische Öle können bestimmte Kunststoffe angreifen und lösen. Das Spray hält bei kühler, dunkler Lagerung 2–4 Wochen. Danach lässt die Duftwirkung nach und das Öl kann oxidieren.

Lavendelöl im Roll-On

Ein Roll-On mit Lavendelöl ermöglicht die gezielte, dosierte Anwendung unterwegs – befüllt mit einer 3–5%igen Verdünnung in Jojobaöl (6–10 Tropfen auf 10 ml) lässt sich das Öl an Schläfen, Handgelenken oder im Nacken auftragen, wo die Haut dünn ist und die Wirkstoffe schnell aufgenommen werden.

Herstellung: Geben Sie 6 Tropfen (3 %) bis 10 Tropfen (5 %) Lavendelöl in eine 10-ml-Glasflasche mit Roll-On-Aufsatz. Füllen Sie mit Jojobaöl oder fraktioniertem Kokosöl auf. Beschriften Sie die Flasche mit Datum und Mischungsverhältnis. Der Roll-On hält bei kühler Lagerung 3–6 Monate.

Beste Auftragstellen: Pulspunkte an den Handgelenken (schnelle Aufnahme durch die dünne Haut), Schläfen (bei Kopfschmerzen), hinter den Ohren (diskrete Beduftung) und Nacken (bei Verspannungen). Für eine Übersicht der besten Roll-On-Rezepte mit ätherischen Ölen verweisen wir auf den übergeordneten Ratgeber.

Lavendelöl auf die Fußsohlen auftragen

Die Fußsohlen gehören zu den Körperstellen mit der höchsten Dichte an Schweißdrüsen (ca. 250.000 pro Fuß) und großen Poren, wodurch ätherisches Öl hier besonders schnell und effizient absorbiert wird – 1–2 Tropfen Lavendelöl, verdünnt in einem halben Teelöffel Trägeröl, werden in kreisenden Bewegungen in die Fußsohlen einmassiert.

Diese Methode hat drei Vorteile: Erstens ist die Hornhaut an den Fußsohlen dicker und robuster als an anderen Körperstellen, was Hautreizungen unwahrscheinlicher macht. Zweitens entfaltet sich die systemische Wirkung über die transdermale Aufnahme, ohne dass der Duft so stark wahrgenommen wird wie bei der Anwendung an Schläfen oder Handgelenken. Drittens eignet sich die Methode besonders für die Abendanwendung: Fußsohlen einölen, Baumwollsocken anziehen, ins Bett gehen. Die Socken verhindern das Verdunsten und verlängern die Einwirkzeit.

Häufiger Fehler: Lavendelöl pur auf die Fußsohlen tropfen und verreiben. Auch wenn die Fußsohlen robuster sind, sollten Sie das Öl immer verdünnen, um das Risiko einer langfristigen Sensibilisierung zu minimieren.

Lavendelöl als Kissenspray im Schlafzimmer

1–2 Tropfen Lavendelöl auf ein Taschentuch neben dem Kopfkissen oder ein leichtes Lavendelspray auf die Bettwäsche sind die einfachsten Methoden, um die schlaffördernde Wirkung von Lavendelöl zu nutzen – die niedrige Dosierung reicht aus, weil sich die Nase nur 20–30 cm von der Duftquelle entfernt befindet.

Methode 1 – Taschentuch: 1–2 Tropfen auf ein Stofftaschentuch geben und neben das Kopfkissen legen (nicht direkt auf den Bezug, da Öl Flecken hinterlassen kann). Der Duft hält 4–6 Stunden.

Methode 2 – Kissenspray: 10–15 Tropfen Lavendelöl + 15 ml Wodka + 85 ml destilliertes Wasser in eine 100-ml-Glassprühflasche geben. Vor dem Schlafengehen 2–3 Sprühstöße aus 30 cm Entfernung auf Kissen und Bettdecke sprühen. 5 Minuten auslüften lassen.

Praxistipp: Wechseln Sie das Taschentuch alle 2–3 Tage, weil oxidiertes Lavendelöl seinen Duftcharakter verändert und hautreizende Oxidationsprodukte bilden kann.

Lavendelöl einnehmen – orale Anwendung

Die orale Einnahme von Lavendelöl erfolgt ausschließlich als standardisiertes Fertigpräparat in magensaftresistenten Kapseln – reines ätherisches Öl sollte nie ohne ärztliche Anleitung geschluckt werden, da es die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts reizen kann. Für alle Details zu Kapseln, Dosierung und klinischer Evidenz verweisen wir auf den Spezialartikel Lavendelöl einnehmen.

Darf Lavendelöl pur auf die Haut?

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist eines der wenigen ätherischen Öle, bei dem erfahrene Aromatherapeuten in Ausnahmefällen eine punktuelle Pur-Anwendung für vertretbar halten – etwa ein einzelner Tropfen auf einen frischen Insektenstich, eine kleine Schürfwunde oder eine Brandblase.[5] Diese Ausnahme gilt ausschließlich für hochwertiges, frisches Öl von Lavandula angustifolia (nicht Lavandin, nicht Speiklavendel) und nur auf kleinen, begrenzten Hautstellen.

Warum Verdünnung trotzdem besser ist: Auch wenn Lavendelöl vergleichsweise hautfreundlich ist, kann wiederholte Pur-Anwendung zu dauerhafter Sensibilisierung führen. Einmal sensibilisiert, reagiert die Haut bei jedem künftigen Kontakt mit Lavendel – auch in verdünnter Form – mit Kontaktdermatitis. Dieser Zustand ist irreversibel.[6] Die sichere Empfehlung lautet daher: Verdünnen Sie Lavendelöl immer auf mindestens 2 % in einem Trägeröl, auch für die Pur-Anwendung scheinbar unproblematischer Stellen.

Für ausführliche Informationen zu Nebenwirkungen, Kontraindikationen und dem Patch-Test verweisen wir auf den Sicherheitsratgeber.

Welche Methode für welchen Zweck? Entscheidungshilfe

Die Wahl der Anwendungsmethode hängt vom gewünschten Effekt, der Geschwindigkeit des Wirkungseintritts und der praktischen Umsetzbarkeit ab – diese Vergleichstabelle ordnet jede Methode dem passenden Einsatzgebiet zu.

MethodeWirkungseintrittHaupteinsatzgebietVorteileEinschränkungen
Diffuser1–5 Min.Raumbeduftung, Entspannung, SchlafGleichmäßige Verteilung, einfache DosierungNur inhalativ, nicht für lokale Beschwerden
Massage / Einreiben5–30 Min.Muskelverspannung, Hautpflege, StressabbauLokal + systemisch, lang anhaltendTrägeröl nötig, Flecken auf Textilien möglich
Dampfinhalation1–3 Min.Erkältung, Sinusitis, KopfschmerzenHohe Konzentration an den AtemwegenVerbrühungsgefahr, nicht für Kinder unter 6
Badezusatz10–20 Min.Ganzkörperentspannung, Muskelschmerzen, SchlafInhalation + Haut-Aufnahme gleichzeitigEmulgator zwingend, höherer Ölverbrauch
Roll-On5–15 Min.Kopfschmerzen unterwegs, Stress-AkuthilfeTragbar, dosiert, kein VerschüttenKleine Fläche, begrenzte Wirkstoffmenge
RaumspraySofortRaumduft, Insektenabwehr, TextilerfrischerFlexible Dosierung, einfache HerstellungWirkung verflüchtigt nach 1–2 Stunden
Fußsohlen10–30 Min.Systemische Wirkung, AbendanwendungRobuste Haut, wenig Reizrisiko, diskretKein Inhalationseffekt, Socken nötig
Kissenspray5–10 Min.EinschlafhilfeExtrem niedrige Dosierung, sanftNur inhalativ, kurze Wirkdauer

Faustregel für die Methodenwahl: Für akute, lokale Beschwerden (Insektenstich, Muskelverspannung) wählen Sie die topische Anwendung. Für Stimmung, Schlaf und Raumklima den Diffuser oder das Kissenspray. Für Ganzkörperentspannung das Bad. Für unterwegs den Roll-On.

Typische Anwendungsfehler und wie Sie sie vermeiden

Fünf Fehler treten bei der Lavendelöl-Anwendung besonders häufig auf – sie lassen sich alle mit einfachem Wissen vermeiden.

Fehler 1 – Öl direkt ins Badewasser geben. Ätherisches Öl schwimmt als konzentrierter Film auf der Wasseroberfläche und kann Hautverbrennungen verursachen. Lösung: Immer einen Emulgator (Sahne, Salz, Seife) verwenden.

Fehler 2 – Den Diffuser im Dauerbetrieb lassen. Nach 30–60 Minuten adaptiert die Nase und nimmt den Duft nicht mehr wahr. Sie neigen dann dazu, mehr Öl nachzugeben, was zu Kopfschmerzen oder Schleimhautreizungen führen kann. Lösung: Intervallbetrieb (30 Min. an, 30 Min. aus).

Fehler 3 – Lavendelöl und Lavandin verwechseln. Lavandinöl enthält 6–8 % Campher und ist stimulierender – das Gegenteil des gewünschten Entspannungseffekts. Lösung: Auf der Flasche muss Lavandula angustifolia stehen. Achten Sie beim Kauf auf die botanische Bezeichnung und ein GC/MS-Analysezertifikat. Details zur Qualitätserkennung finden Sie im Kaufratgeber.

Fehler 4 – Zu hohe Konzentration bei Kindern. Die Erwachsenen-Dosierung ist für Kinder unter 12 Jahren zu hoch. Lösung: Halbieren Sie die Tropfenanzahl und die Konzentration. Spezifische Altersrichtlinien finden Sie im Artikel Lavendelöl für Kinder.

Fehler 5 – Oxidiertes Öl verwenden. Lavendelöl oxidiert bei Licht- und Luftkontakt. Oxidiertes Linalool bildet hautreizende Hydroperoxide. Lösung: Dunkel, kühl und fest verschlossen lagern. Geöffnete Flaschen innerhalb von 12 Monaten aufbrauchen.

Sicherheitshinweis: Lavendelöl kann Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen. Führen Sie vor der ersten Anwendung immer einen Patch-Test durch (1 Tropfen verdünnt auf die Innenseite des Unterarms, 24 Stunden abwarten). Bei bestehenden Hauterkrankungen oder Schwangerschaft konsultieren Sie vorab Ihren Arzt oder Ihre Hebamme. Alle Nebenwirkungen und Kontraindikationen im Detail finden Sie im Sicherheitsratgeber.

Qualitätshinweis: Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreines, nicht gestrecktes ätherisches Öl von Lavandula angustifolia. Synthetische Duftöle oder Lavandin-Verschnitte haben ein anderes Wirkprofil und können stärker reizen. Detaillierte Qualitätskriterien und Kaufempfehlungen finden Sie im Kaufratgeber.

Häufige Fragen

Wie verdünne ich Lavendelöl richtig?

Für die tägliche Anwendung bei Erwachsenen mischen Sie 6 Tropfen Lavendelöl in 15 ml (1 Esslöffel) Trägeröl – das ergibt eine 2%ige Verdünnung. Für das Gesicht reicht 1 Tropfen pro 15 ml (0,5 %). Als Faustregel gilt: 1 % Verdünnung entspricht 3 Tropfen pro 15 ml Trägeröl. Für Kinder und empfindliche Haut die Tropfenanzahl halbieren. Geeignete Trägeröle sind Jojobaöl, Mandelöl oder fraktioniertes Kokosöl.

Wie viele Tropfen Lavendelöl kommen in den Diffuser?

Für einen Standard-Ultraschall-Diffuser mit 100 ml Wasserkapazität reichen 3–5 Tropfen Lavendelöl. Bei einem größeren Gerät (200 ml) verwenden Sie 6–10 Tropfen. Starten Sie mit der niedrigeren Tropfenzahl und erhöhen Sie bei Bedarf. Die Laufzeit sollte 30–60 Minuten pro Sitzung betragen, danach eine mindestens 30-minütige Pause einlegen.

Kann man Lavendelöl pur auf die Haut auftragen?

Erfahrene Aromatherapeuten halten die punktuelle Pur-Anwendung von hochwertigem Lavandula angustifolia-Öl auf kleinen Stellen (einzelner Insektenstich, kleine Schürfwunde) für vertretbar. Großflächige oder regelmäßige Pur-Anwendung wird nicht empfohlen, weil sie das Risiko einer irreversiblen Hautsensibilisierung erhöht. Sicherer ist es, das Öl immer in einem Trägeröl zu verdünnen – auch für scheinbar robuste Hautstellen wie Fußsohlen.

Darf Lavendelöl ins Badewasser?

Lavendelöl darf ins Badewasser, aber nie ohne Emulgator. Ätherisches Öl mischt sich nicht mit Wasser und schwimmt als konzentrierter Film auf der Oberfläche, was zu Hautreizungen führen kann. Vermischen Sie 5–8 Tropfen Lavendelöl zuerst mit 2–3 Esslöffeln Sahne, Meersalz oder flüssiger Neutralseife und geben Sie diese Mischung dann zum einlaufenden Badewasser.

Ist Lavendelöl essbar?

Reines ätherisches Lavendelöl sollte nicht ohne ärztliche Anleitung eingenommen werden, da es die Magen-Darm-Schleimhäute reizen kann. Es gibt jedoch standardisierte Fertigpräparate (z. B. magensaftresistente Kapseln mit 80 mg Lavendelöl), die für die orale Einnahme zugelassen sind und in klinischen Studien auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft wurden. Selbst hergestelltes Lavendelöl aus einem Ölauszug ist kein ätherisches Öl und nicht vergleichbar.

Quellen

  1. Jäger, W., Buchbauer, G., Jirovetz, L., & Fritzer, M. (1992). Percutaneous absorption of lavender oil from a massage oil. Journal of the Society of Cosmetic Chemists, 43(1), 49–54.
  2. Lillehei, A. S., & Halcon, L. L. (2014). A Systematic Review of the Effect of Inhaled Essential Oils on Sleep. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 20(6), 441–451. doi:10.1089/acm.2013.0311
  3. Göbel, H., Schmidt, G., & Soyka, D. (1994). Effect of peppermint and eucalyptus oil preparations on neurophysiological and experimental algesimetric headache parameters. Cephalalgia, 14(3), 228–234. doi:10.1046/j.1468-2982.1994.014003228.x
  4. Fismer, K. L., & Pilkington, K. (2012). Lavender and sleep: A systematic review of the evidence. European Journal of Integrative Medicine, 4(4), e436–e447. doi:10.1016/j.eujim.2012.08.001
  5. Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals (2nd ed.). Churchill Livingstone/Elsevier.
  6. Clark, M. (2008). Essential Oils and Aromatics. Silverleaf Press.
  7. Heuberger, E., Redhammer, S., & Buchbauer, G. (2004). Transdermal Absorption of (−)-Linalool Induces Autonomic Deactivation but has No Impact on Ratings of Well-Being in Humans. Neuropsychopharmacology, 29(10), 1925–1932. doi:10.1038/sj.npp.1300521
  8. Donelli, D., Antonelli, M., Bellinazzi, C., Gensini, G. F., & Firenzuoli, F. (2019). Effects of lavender on anxiety: A systematic review and meta-analysis. Phytomedicine, 65, 153099. doi:10.1016/j.phymed.2019.153099
  9. Cavanagh, H. M. A., & Wilkinson, J. M. (2002). Biological activities of Lavender essential oil. Phytotherapy Research, 16(4), 301–308. doi:10.1002/ptr.1103
  10. Bickers, D., Calow, P., Greim, H., Hanifin, J. M., Rogers, A. E., Saurat, J. H., Sipes, I. G., Smith, R. L., & Tagami, H. (2003). A toxicologic and dermatologic assessment of linalool and related esters when used as fragrance ingredients. Food and Chemical Toxicology, 41(7), 919–942. doi:10.1016/S0278-6915(03)00078-2
  11. Woronuk, G., Demissie, Z., Rheault, M., & Bhowmik, P. (2011). Biosynthesis and Therapeutic Properties of Lavandula Essential Oil Constituents. Planta Medica, 77(1), 7–15. doi:10.1055/s-0030-1250136
  12. Koulivand, P. H., Khaleghi Ghadiri, M., & Gorji, A. (2013). Lavender and the Nervous System. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013, 681304. doi:10.1155/2013/681304