Kirschkernöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Kirschkernöl – auch als Kirschöl oder Cherry Kernel Oil bekannt – ist ein hochwertiges Pflanzenöl, das durch Kaltpressung aus den Kernen von Süß- und Sauerkirschen gewonnen wird. Es zeichnet sich durch einen milden, marzipanartigen Geschmack und eine leichte, seidig-weiche Textur aus, die schnell in die Haut einzieht.[1]

Die Zusammensetzung des Öls ist bemerkenswert: Es enthält hohe Anteile an Linolsäure (Omega-6) und Ölsäure (Omega-9) sowie die seltene α-Eleostearinsäure – eine konjugierte Linolensäure, die in nur wenigen Pflanzenölen vorkommt und der in Laborstudien antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden.[2] Ergänzt wird dieses Fettsäureprofil durch natürliche Tocopherole (Vitamin E), Phytosterole und Squalen, die Kirschkernöl zu einem vielseitigen Wirkstoff in der Hautpflege, Haarpflege und Küche machen.[3]

Gewonnen wird Kirschkernöl vorwiegend als Nebenprodukt der Fruchtsaftindustrie: Bei der Verarbeitung von jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen Sauerkirschen weltweit fallen große Mengen an Kirschkernen an, die etwa 30–40 % Öl enthalten.[4] Die Nutzung dieser Kerne als Ölquelle ist daher nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern leistet auch einen Beitrag zur nachhaltigen Verwertung von Lebensmittelresten.

Im Folgenden erfahren Sie alles über die Gewinnung, die wissenschaftlich belegten Inhaltsstoffe, die Wirkung auf Haut und Gesundheit sowie die besten Anwendungsgebiete und Rezepte mit Kirschkernöl.

Kirschkernöl in einer dunklen Glasflasche neben frischen Kirschen

Gewinnung von Kirschkernöl

Kirschkernöl wird aus den Samen zweier Kirscharten gewonnen: der Süßkirsche (Prunus avium) und der Sauerkirsche (Prunus cerasus). Die Kerne machen etwa 15 % des Frischgewichts der Frucht aus und enthalten je nach Sorte zwischen 17 und 40 % Rohfett.[2] Neben dem Fettanteil bestehen die Kerne aus circa 29 % Protein und 30 % Ballaststoffen, was sie insgesamt zu einem nährstoffreichen Rohstoff macht.[5]

Die Ölgewinnung beginnt nach der Entsteinung der Kirschen mit dem Trocknen und Reinigen der Kerne. Anschließend kommen zwei Hauptverfahren zum Einsatz:

Kaltpressung: Bei der mechanischen Kaltpressung werden die Kerne ohne Zufuhr von Wärme oder Chemikalien gepresst. Dieses schonende Verfahren bewahrt die hitzeempfindlichen Tocopherole, Carotinoide und Polyphenole im Öl und gilt als Qualitätsstandard für kosmetische und kulinarische Anwendungen.[6] Das resultierende Öl ist hellgelb, klar und besitzt einen charakteristischen, leicht an Bittermandel erinnernden Duft.

Lösungsmittel-Extraktion: Bei der industriellen Extraktion wird ein Lösungsmittel wie Hexan oder überkritisches CO₂ eingesetzt, um das Öl aus den Kernen zu lösen. Die Hexan-Extraktion liefert zwar höhere Ausbeuten und bewahrt laut einer Studie von Yılmaz und Gökmen (2013) mehr Tocopherole und β-Carotin als die CO₂-Extraktion, ist aber weniger schonend als die Kaltpressung.[5] Das Lösungsmittel wird anschließend vollständig entfernt.

Für den Einsatz als Speiseöl oder in der Naturkosmetik wird ausschließlich kaltgepresstes Kirschkernöl empfohlen, da dieses Verfahren die wertvollen bioaktiven Verbindungen am besten erhält.

Kirschkernöl Inhaltsstoffe

Kirschkernöl verfügt über ein einzigartiges Inhaltsstoffprofil, das es von vielen anderen Pflanzenölen unterscheidet. Die wissenschaftliche Analyse zeigt folgende Hauptbestandteile:[2][3]

Fettsäurezusammensetzung

Die dominierenden Fettsäuren im Kirschkernöl sind Linolsäure (Omega-6) mit einem Anteil von etwa 31–46 % und Ölsäure (Omega-9) mit circa 25–50 % – die genauen Werte variieren je nach Kirschsorte und Anbaugebiet. Ein besonderes Merkmal ist der Gehalt an α-Eleostearinsäure (ca. 7–16 %), einer konjugierten Linolensäure, die in In-vitro-Studien antioxidative und zellschützende Eigenschaften gezeigt hat.[7] Hinzu kommen Palmitinsäure (5–7 %) und Stearinsäure (1–3 %) als gesättigte Fettsäuren. Insgesamt besteht Kirschkernöl zu über 90 % aus ungesättigten Fettsäuren.[2]

Tocopherole und Tocotrienole (Vitamin E)

Der Gesamtgehalt an Tocochromanolen liegt zwischen 83 und 164 mg pro 100 g Öl, wobei γ-Tocopherol mit 61–83 % den Hauptanteil bildet.[3] Dieser hohe Vitamin-E-Gehalt verleiht Kirschkernöl eine bemerkenswerte Oxidationsstabilität und schützt die Hautzellen vor freien Radikalen – ein Vorteil, der es sowohl als Hautpflegemittel als auch als natürliches Antioxidans in kosmetischen Formulierungen wertvoll macht.[2]

Phytosterole und Squalen

Kirschkernöl enthält zwischen 234 und 1.041 mg Phytosterole pro 100 g Öl, wobei β-Sitosterol mit etwa 77–84 % den Hauptanteil stellt.[3][6] Phytosterole können nachweislich den LDL-Cholesterinspiegel senken und besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Ergänzend enthält das Öl 61–128 mg Squalen pro 100 g – einen Triterpen, der als natürlicher Bestandteil des Hautfetts die Feuchtigkeitsbarriere stärkt und die Haut geschmeidig hält.[2]

Polyphenole und Carotinoide

Kirschkernöl liefert zudem Polyphenole (19,6–29,5 mg/100 g) mit antioxidativer Wirkung sowie Carotinoide (0,38–1,75 mg/100 g), die als Vorläufer von Vitamin A zur Hautregeneration beitragen.[2][3]

Kirschkernöl Kalorien und Nährwerttabelle

Kirschkernöl
Kirschkernöl Nährwerte
100 g Kirschkernöl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien900 kcal (3.700 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäuren8–10 g
Ungesättigte Fettsäuren90–92 g
Einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure)25–50 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure, α-Eleostearinsäure)38–62 g
Cholesterin0 mg
Natrium0 mg
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g
Zucker0 g
Protein0 g
Vitamin E (Tocopherole)83–164 mg
Phytosterole234–1.041 mg
Squalen61–128 mg
Rauchpunkt (kaltgepresst)ca. 120 °C

Die Schwankungsbreite der Werte ergibt sich aus den unterschiedlichen Kirschsorten und Anbaubedingungen. Süßkirschen (Prunus avium) weisen tendenziell einen höheren Ölsäure-Anteil auf, während Sauerkirschen (Prunus cerasus) oft mehr Linolsäure enthalten.[3][4]

Wirkung von Kirschkernöl

Gesundheitliche Vorteile

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Kirschkernöl lassen sich auf das Zusammenspiel seiner bioaktiven Inhaltsstoffe zurückführen. Die hohe Konzentration an Linolsäure und Ölsäure unterstützt die Herzgesundheit, indem diese Fettsäuren zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beitragen. Ergänzend regulieren die enthaltenen Phytosterole – insbesondere β-Sitosterol – nachweislich die LDL-Cholesterinaufnahme im Darm und können so zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.[2]

Besonders bemerkenswert ist der Gehalt an α-Eleostearinsäure, einer konjugierten Linolensäure. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass diese Fettsäure über oxidationsabhängige Mechanismen das Wachstum von Krebszellen hemmen kann.[7] Dabei ist zu betonen, dass es sich bislang ausschließlich um Laborergebnisse handelt und keine klinischen Studien am Menschen vorliegen, die eine therapeutische Wirkung belegen.

Darüber hinaus schützen die im Kirschkernöl enthaltenen Antioxidantien – Tocopherole, Polyphenole und Carotinoide – die Zellen vor oxidativem Stress durch freie Radikale. Die antioxidative Kapazität von Sauerkirschkernöl, gemessen mit den DPPH- und ABTS-Methoden, wurde von Stryjecka et al. (2022) mit 57,7–63,5 bzw. 38,2–43,2 mg Trolox-Äquivalente pro 100 g Öl bestimmt.[2]

Kirschkernöl Wirkung auf die Haut

Auf der Haut entfaltet Kirschkernöl eine mehrschichtige Wirkung: Die Linolsäure stärkt als Bestandteil der Ceramide die Hautbarriere und kann den transepidermalen Wasserverlust reduzieren. Ölsäure verbessert die Penetration und sorgt für ein weiches, geschmeidiges Hautgefühl. Squalen – ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Hauttalgs – wirkt rückfettend, ohne die Poren zu verstopfen, und schützt als Antioxidans vor UV-bedingten Schäden.[2]

Vitamin E (insbesondere γ-Tocopherol) hemmt zudem entzündungsfördernde Prozesse in der Haut und spielt eine wichtige Rolle bei der Prävention lichtbedingter Hautalterung.[2] Diese Kombination macht Kirschkernöl besonders geeignet für trockene, reife oder empfindliche Haut.

Unterschiede zu anderen Ölen

Im Vergleich zu anderen Pflanzenölen hat Kirschkernöl ein eigenständiges Profil. Während Olivenöl durch seinen hohen Ölsäureanteil (ca. 70 %) dominiert und Rapsöl ein günstiges Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnis bietet, zeichnet sich Kirschkernöl durch den einzigartigen Gehalt an α-Eleostearinsäure aus. Diese konjugierte Fettsäure fehlt in den meisten herkömmlichen Speise- und Pflegeölen.

In der Hautpflege lässt sich Kirschkernöl am ehesten mit Aprikosenkernöl oder Mandelöl vergleichen – es ist jedoch leichter, zieht schneller ein und hinterlässt keinen fettigen Film. Geschmacklich unterscheidet sich Kirschkernöl durch sein marzipanartiges Aroma deutlich von anderen Kernölen und eignet sich daher als Finishing-Öl für besondere Speisen.

Anwendungsgebiete von Kirschkernöl

Kirschkernöl für die Haut

Die Verwendung von Kirschkernöl in der Hautpflege zählt zu seinen wichtigsten Anwendungsgebieten. Dank seiner leichten Textur und schnellen Absorption eignet es sich sowohl als alleiniges Gesichtsöl als auch als Bestandteil von Seren, Cremes und Lotionen. Konkret profitieren vor allem folgende Hauttypen:

Trockene und schuppige Haut: Die Kombination aus Linolsäure und Squalen stellt den Feuchtigkeitshaushalt wieder her und mildert raue Stellen. Tragen Sie abends 3–4 Tropfen auf die gereinigte, leicht feuchte Haut auf und massieren Sie das Öl sanft ein.

Reife Haut: Die antioxidativen Tocopherole und Polyphenole können dazu beitragen, oxidativen Stress in den Hautzellen zu reduzieren und feine Linien zu mildern. Kirschkernöl kann als Anti-Aging-Serum pur oder gemischt mit Hagebuttenöl verwendet werden.

Empfindliche und gereizte Haut: Dank der entzündungshemmenden Eigenschaften von γ-Tocopherol und Phytosterolen kann das Öl Rötungen und Irritationen beruhigen. Es ist nicht komedogen und verstopft die Poren nicht, was es auch für Mischhaut geeignet macht.

Kirschkernöl lässt sich zudem hervorragend als Pflegeöl für Lippen, Nagelhaut und beanspruchte Hautpartien an Händen und Füßen einsetzen.

Kirschkernöl für die Haare

Auch in der Haarpflege zeigt Kirschkernöl überzeugende Ergebnisse. Die ungesättigten Fettsäuren nähren und stärken die Haarstruktur, während die Tocopherole die Kopfhaut beruhigen und Schuppenbildung entgegenwirken können. Im Vergleich zu schweren Haarölen wie Kokosöl besitzt Kirschkernöl eine deutlich leichtere Textur und beschwert feines Haar weniger.

Für eine Haarölkur massieren Sie einige Tropfen Kirschkernöl in die Haarspitzen und Kopfhaut ein, lassen es mindestens 30 Minuten einwirken und waschen es dann mit einem milden Shampoo aus. Bei regelmäßiger Anwendung wird das Haar sichtbar glänzender und widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Umwelteinflüssen.

Kirschkernöl in der Kosmetik

In der Naturkosmetik wird Kirschkernöl zunehmend als Wirkstoff in professionellen Formulierungen eingesetzt. Seine Eigenschaften machen es ideal für Lippenbalsame, Gesichtsseren, Körperbutter und selbstgemachte Hautpflegeprodukte. Die natürlichen Tocopherole verleihen dem Öl eine gute Haltbarkeit, sodass es auch als Stabilisator in Cremes und Emulsionen dienen kann.

Ein einfaches DIY-Gesichtsserum: Mischen Sie 10 ml Kirschkernöl mit 10 ml Jojobaöl und 2–3 Tropfen Lavendelöl in einer dunklen Glasflasche. Dieses Serum eignet sich als Nachtpflege für trockene und reife Haut.

Kirschkernöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie dient Kirschkernöl als hochwertiges Trägeröl für ätherische Öle. Es verdünnt konzentrierte ätherische Öle auf eine hautverträgliche Konzentration und unterstützt gleichzeitig deren Aufnahme in die Haut. Sein milder, angenehmer Eigenduft harmoniert besonders gut mit blumigen und warmen ätherischen Ölen wie Rosenöl, Neroliöl oder Sandelholzöl.

Für eine entspannende Massage mischen Sie 30 ml Kirschkernöl mit 5 Tropfen des gewünschten ätherischen Öls. Das leichte Kirschkernöl ermöglicht angenehmes Gleiten auf der Haut ohne schweren, öligen Rückstand.

Kirschkernöl in der Küche

Kirschkernöl ist ein außergewöhnliches Gourmetöl, das kalte und lauwarme Gerichte mit seinem marzipanartigen Aroma bereichert. Es eignet sich hervorragend als Finishing-Öl für Salate, Desserts, Obstsalate und Frischkäsezubereitungen. Wegen seines niedrigen Rauchpunkts von circa 120 °C sollte es allerdings nicht zum Braten oder Frittieren erhitzt werden, da dabei die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört werden.

In der kalten Küche bietet Kirschkernöl vielfältige Einsatzmöglichkeiten: als Salatdressing, in selbstgemachten Dips und Marinaden oder als aromatischer Ersatz für Mandelöl im Backen (sofern die Kerntemperatur unter 100 °C bleibt). Sein nussiger Geschmack mit dezenter Kirschnote verfeinert Panna Cotta, Tiramisu oder Fruchtcremes auf einzigartige Weise.

Kirschkernöl Rezepte

Salatdressing mit Kirschkernöl

Dieses Dressing verbindet das marzipanige Aroma des Öls mit einer fruchtigen Süße und eignet sich besonders für Feldsalat, Rucola oder Blattsalate mit Ziegenkäse und Walnüssen.

Zutaten: 3 EL Kirschkernöl, 1 EL Weißweinessig oder Himbeeressig, 1 TL Honig oder Ahornsirup, 1 TL Dijon-Senf, Salz und Pfeffer nach Geschmack.

Zubereitung: Alle Zutaten in einem kleinen Schraubglas kräftig schütteln, bis eine emulgierte Vinaigrette entsteht. Direkt über den Salat träufeln und servieren. Das Dressing hält verschlossen im Kühlschrank etwa eine Woche.

Kirschkernöl-Gesichtsmaske (DIY)

Diese nährende Gesichtsmaske eignet sich besonders für trockene und beanspruchte Haut.

Zutaten: 1 TL Kirschkernöl, 1 EL Naturjoghurt, 1 TL Honig.

Zubereitung: Alle Zutaten zu einer glatten Paste verrühren. Auf das gereinigte Gesicht auftragen, 15–20 Minuten einwirken lassen und mit lauwarmem Wasser abspülen. Die Maske spendet Feuchtigkeit, beruhigt gereizte Haut und hinterlässt ein weiches, gepflegtes Hautgefühl.

Kirschkernöl selber machen

Die Herstellung von Kirschkernöl zu Hause ist möglich, erfordert jedoch Geduld und größere Mengen an Kernen, da die Ölausbeute bei manuellen Methoden gering ist. Professionelle Kaltpressungen erzielen Ausbeuten von 17–40 %,[4] während Heimverfahren deutlich darunter liegen.

Methode 1: Rösten und Pressen

Sammeln Sie Kirschkerne über die Saison und trocknen Sie sie gründlich. Verteilen Sie die trockenen Kerne auf einem Backblech und rösten Sie sie bei 160–180 °C für 10–15 Minuten, bis sie leicht gebräunt sind und duften. Lassen Sie die gerösteten Kerne abkühlen, zerkleinern Sie sie mit einem leistungsstarken Mörser oder einer Küchenmaschine zu feinem Mehl und wickeln Sie das Mehl in ein sauberes Leinentuch oder einen Nussmilchbeutel. Pressen Sie das Öl langsam und vorsichtig heraus und fangen Sie es in einem sauberen Glasgefäß auf.

Methode 2: Kaltauszug (Mazerat)

Alternativ können Sie die grob zerkleinerten Kirschkerne in einem neutralen Trägeröl (z. B. Sonnenblumenöl) einlegen. Füllen Sie ein Schraubglas zu einem Drittel mit den Kernen und bedecken Sie sie vollständig mit dem Basisöl. Lassen Sie den Ansatz an einem dunklen, warmen Ort für 4–6 Wochen ziehen und schütteln Sie das Glas täglich. Anschließend durch ein feines Sieb oder Tuch filtern. Dieses Mazerat enthält die fettlöslichen Wirkstoffe der Kirschkerne, ist jedoch nicht mit reinem kaltgepresstem Kirschkernöl gleichzusetzen.

Wichtig: Selbstgemachtes Kirschkernöl ist weniger konzentriert und rein als kommerziell hergestelltes Öl. Bewahren Sie es stets in dunklen Flaschen an einem kühlen, trockenen Ort auf und verbrauchen Sie es innerhalb weniger Monate.

Dosierung und Einnahme von Kirschkernöl

Äußerliche Anwendung

Für die Hautpflege genügen in der Regel 3–5 Tropfen Kirschkernöl pro Anwendung. Das Öl wird auf die gereinigte, leicht feuchte Haut aufgetragen und sanft einmassiert. Zur Haarpflege reichen 4–6 Tropfen, die in die Haarspitzen und bei Bedarf in die Kopfhaut eingearbeitet werden. In der Aromatherapie wird Kirschkernöl als Trägeröl im Verhältnis von etwa 15–20 ml pro 5 Tropfen ätherisches Öl verwendet.

Innerliche Anwendung

Als Speiseöl kann Kirschkernöl in der kalten Küche täglich in Mengen von 1–2 Teelöffeln verwendet werden, um Salate, Desserts oder kalte Speisen zu verfeinern. Aufgrund des intensiven Aromas sollte es sparsam dosiert werden. Es eignet sich nicht als alleiniges Brat- oder Kochöl.

Vorsichtsmaßnahmen

Kirschkernöl ist in der Regel gut verträglich. Personen mit einer bekannten Allergie gegen Steinfrüchte (Kirschen, Pfirsiche, Pflaumen) sollten vor der Anwendung einen Hautverträglichkeitstest durchführen. Dazu wird eine kleine Menge Öl auf die Innenseite des Unterarms aufgetragen und die Reaktion über 24 Stunden beobachtet. Treten Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen auf, sollte die Verwendung unterbleiben.

Bei bestehenden Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten empfiehlt es sich, vor der regelmäßigen Einnahme therapeutischer Mengen ärztlichen Rat einzuholen. In der Schwangerschaft gilt Kirschkernöl als unbedenklich, da es keine bekannten toxischen Verbindungen enthält – allerdings fehlen hierzu spezifische Studien.

Kirschkernöl Nebenwirkungen

Kirschkernöl gilt als sehr gut verträglich und es sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch bekannt. Mögliche unerwünschte Reaktionen beschränken sich auf seltene allergische Hautreaktionen bei Personen mit Steinfruchtallergie, die sich als Rötung, Juckreiz oder Kontaktdermatitis äußern können.

Bei der innerlichen Einnahme in übermäßig großen Mengen kann es – wie bei allen fettreichen Ölen – zu Verdauungsbeschwerden kommen. Werden moderate Mengen von 1–2 Teelöffeln pro Tag nicht überschritten, sind solche Effekte jedoch nicht zu erwarten.

Da Kirschkernöl einen niedrigen Rauchpunkt aufweist, sollte es niemals stark erhitzt werden: Beim Überschreiten des Rauchpunkts können gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte wie Acrolein entstehen.[8]

Kirschkernöl kaufen

Auswahlkriterien für hochwertiges Kirschkernöl

Beim Kauf von Kirschkernöl sollten Sie auf folgende Qualitätsmerkmale achten:

  • Herstellungsverfahren: Wählen Sie ausschließlich kaltgepresstes (natives) Kirschkernöl. Dieses Verfahren erhält die wertvollen Tocopherole, Phytosterole und Polyphenole bestmöglich.
  • Reinheit: Hochwertiges Kirschkernöl sollte ohne Zusätze, Konservierungsstoffe oder Beimischung anderer Öle sein. Der INCI-Name auf kosmetischen Produkten lautet Prunus Avium Seed Oil (Süßkirsche) oder Prunus Cerasus Seed Oil (Sauerkirsche).
  • Herkunft und Bio-Qualität: Öl aus ökologischem Anbau garantiert den Verzicht auf synthetische Pestizide. Europäische Erzeuger (z. B. aus Polen, Ungarn oder Deutschland) bieten oft kürzere Lieferwege und transparente Produktionsbedingungen.
  • Verpackung: Dunkle Glasflaschen schützen das Öl vor UV-Licht und verlangsamen die Oxidation erheblich. Vermeiden Sie Kirschkernöl in durchsichtigen Kunststoffbehältern.
  • Haltbarkeit und Lagerung: Ungeöffnet hält kaltgepresstes Kirschkernöl etwa 12 Monate. Nach dem Öffnen sollte es kühl und dunkel gelagert und innerhalb von 6 Monaten verbraucht werden.

Bezugsquellen

Kirschkernöl erhalten Sie in Bioläden und Reformhäusern, in spezialisierten Online-Shops für Naturkosmetik und Feinschmecker-Öle sowie direkt bei regionalen Ölmühlen in Kirschenanbaugebieten. Beim Online-Kauf helfen Kundenbewertungen und Zertifizierungen (Bio-Siegel, Analysezertifikate) dabei, die Qualität einzuschätzen. Achten Sie darauf, dass der Anbieter Angaben zum Herstellungsverfahren, zur Herkunft der Kirschen und zur Chargennummer macht.

Häufig gestellte Fragen zu Kirschkernöl

Ist Kirschkernöl gesund?

Ja, Kirschkernöl gilt als gesundes Öl. Es besteht zu über 90 % aus ungesättigten Fettsäuren, enthält natürliches Vitamin E (Tocopherole), Phytosterole und die seltene α-Eleostearinsäure mit antioxidativen Eigenschaften.[2] Es eignet sich sowohl als Nahrungsergänzung in der kalten Küche als auch für die äußerliche Anwendung auf Haut und Haaren.

Kann man Kirschkernöl essen?

Ja, kaltgepresstes Kirschkernöl ist als Speiseöl verwendbar und wird in der Feinschmeckerküche als Finishing-Öl für Salate, Desserts und kalte Gerichte eingesetzt. Es sollte wegen seines niedrigen Rauchpunkts (ca. 120 °C) nicht zum Braten oder Frittieren erhitzt werden. Der Geschmack erinnert an Marzipan mit einer leicht nussigen Note.

Wie wirkt Kirschkernöl auf die Haut?

Kirschkernöl wirkt feuchtigkeitsspendend, antioxidativ und entzündungshemmend auf die Haut. Die enthaltene Linolsäure stärkt die Hautbarriere, Squalen wirkt rückfettend ohne die Poren zu verstopfen, und Vitamin E schützt vor freien Radikalen. Es zieht schnell ein, hinterlässt keinen fettigen Film und eignet sich für trockene, reife und empfindliche Haut.[2]

Was ist der Unterschied zwischen Kirschkernöl und Schwarzkümmelöl?

Kirschkernöl und Schwarzkümmelöl unterscheiden sich grundlegend. Kirschkernöl stammt aus Kirschkernen, hat einen milden marzipanartigen Geschmack und eine leichte Textur. Schwarzkümmelöl wird aus Schwarzkümmelsamen gewonnen, hat einen intensiveren, würzigen Geschmack und enthält Thymochinon als aktiven Wirkstoff. Beide Öle sind reich an Linolsäure, haben aber unterschiedliche Anwendungsschwerpunkte.

Wie lagere ich Kirschkernöl richtig?

Kirschkernöl sollte in einer dunklen Glasflasche an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahrt werden – idealerweise bei Temperaturen unter 20 °C. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 6 Monaten verbraucht werden. Direktes Sonnenlicht und Wärme beschleunigen die Oxidation und beeinträchtigen die Qualität des Öls.

Quellen

  1. Krist, S. (2013). Kirschkernöl. In: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer, Vienna. doi:10.1007/978-3-7091-1005-8_52
  2. Stryjecka, M., Michalak, M., Cymerman, J., & Kiełtyka-Dadasiewicz, A. (2022). Comparative Assessment of Phytochemical Compounds and Antioxidant Properties of Kernel Oil from Eight Sour Cherry (Prunus cerasus L.) Cultivars. Molecules, 27(3), 696. doi:10.3390/molecules27030696
  3. Górnaś, P., Rudzińska, M., Raczyk, M., Mišina, I., & Segliņa, D. (2016). Impact of Cultivar on Profile and Concentration of Lipophilic Bioactive Compounds in Kernel Oils Recovered from Sweet Cherry (Prunus avium L.) by-Products. Plant Foods for Human Nutrition, 71(2), 158–164. doi:10.1007/s11130-016-0538-5
  4. Górnaś, P., Rudzińska, M., Raczyk, M., Mišina, I., Soliven, A., & Segliņa, D. (2016). Composition of bioactive compounds in kernel oils recovered from sour cherry (Prunus cerasus L.) by-products: Impact of the cultivar on potential applications. Industrial Crops and Products, 82, 44–50. doi:10.1016/j.indcrop.2015.12.023
  5. Yılmaz, C., & Gökmen, V. (2013). Compositional characteristics of sour cherry kernel and its oil as influenced by different extraction and roasting conditions. Industrial Crops and Products, 49, 130–135. doi:10.1016/j.indcrop.2013.04.048
  6. Kazempour-Samak, M., Rashidi, L., Ghavami, M., Sharifan, A., & Hosseini, F. (2021). Sour Cherry (Cerasus vulgaris Miller) Kernel Oil as the Novel Functional Edible Oil: Sensory Evaluation and Antioxidant and Physicochemical Properties. Journal of Food Quality, 2021, 5529613. doi:10.1155/2021/5529613
  7. Grossmann, M. E., Mizuno, N. K., Dammen, M. L., Schuster, T., Ray, A., & Cleary, M. P. (2009). Eleostearic Acid Inhibits Breast Cancer Proliferation by Means of an Oxidation-Dependent Mechanism. Cancer Prevention Research, 2(10), 879–886. doi:10.1158/1940-6207.CAPR-09-0088
  8. Schormüller, J. (1969). Handbuch der Lebensmittelchemie: Band IV – Fette und Lipoide (Lipids). Springer-Verlag, Berlin. ISBN: 978-3-662-23548-5