Apfelkernöl ist ein kostbares Pflanzenöl, das durch Kaltpressung aus den winzigen Kernen des Apfels (Malus domestica) gewonnen wird. Es gehört zu den seltensten und aufwendigsten Ölen der Welt – aus rund 50 kg Äpfeln lassen sich nur etwa 50–70 g Apfelkerne gewinnen, die wiederum lediglich 10–15 ml Öl ergeben. Diese Exklusivität spiegelt sich in einem vergleichsweise hohen Preis wider, der jedoch durch ein außergewöhnliches Wirkstoffprofil gerechtfertigt wird.
Apfelkernöl ist besonders reich an ungesättigten Fettsäuren – vor allem Ölsäure und Linolsäure –, Phytosterolen, Polyphenolen und Vitamin E. In der Naturkosmetik hat es sich als hochwirksames Anti-Aging-Öl etabliert, das die Hautelastizität verbessert, Feuchtigkeit spendet und die Zellregeneration fördert.[1] Darüber hinaus ist Apfelkernöl ein feines Gourmetöl mit einem fruchtig-nussigen Aroma, das in der gehobenen Küche geschätzt wird.

In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendungsgebiete von Apfelkernöl. Alle Angaben werden durch aktuelle wissenschaftliche Studien und Analysen belegt.
Gewinnung von Apfelkernöl
Die Herstellung von Apfelkernöl ist ein aufwendiger Prozess, der das Öl zu einem der exklusivsten Pflanzenöle macht. Apfelkerne fallen in großen Mengen als Nebenprodukt der Saft-, Most- und Lebensmittelindustrie an – ein klassisches Beispiel für nachhaltige Restverwertung (Upcycling).
Der Herstellungsprozess
Die Gewinnung von Apfelkernöl erfolgt in mehreren Schritten:
- Kerngewinnung: Die Apfelkerne werden aus dem Trester (Pressrückstand der Saftherstellung) mechanisch separiert. Der Trester besteht aus Schalen, Fruchtfleischresten und dem Kerngehäuse. Die Trennung der kleinen Kerne vom restlichen Material erfordert spezielle Sieb- und Waschverfahren.
- Trocknung: Die frisch gewonnenen Kerne haben einen hohen Feuchtigkeitsgehalt und müssen schonend getrocknet werden, um Schimmelbildung zu verhindern und die Qualität des späteren Öls zu sichern.
- Kaltpressung: Die getrockneten Kerne werden in Schneckenpressen bei niedrigen Temperaturen (unter 40 °C) mechanisch gepresst. Dieses kaltgepresste Verfahren bewahrt die empfindlichen Fettsäuren, Polyphenole und Vitamine im Öl. Die Ölausbeute liegt bei nur etwa 20–30 % des Kerngewichts.
- Filtration: Das frisch gepresste Öl wird durch Filtration von Schwebstoffen und Trübungen befreit, ohne dass chemische Raffination erforderlich ist.
Nachhaltigkeit und Upcycling
Apfelkernöl ist ein Paradebeispiel für nachhaltige Ölproduktion. Statt die Kerne als Abfall zu entsorgen, werden sie als wertvoller Rohstoff für ein hochwertiges Öl genutzt. Allein in Deutschland fallen jährlich mehrere hunderttausend Tonnen Apfeltrester an – ein enormes Potenzial, das zunehmend genutzt wird. Die Herstellung von Apfelkernöl schont Ressourcen, vermeidet Abfall und liefert ein Produkt mit herausragenden Eigenschaften.[2]
Qualitätsunterschiede je nach Apfelsorte
Die Zusammensetzung von Apfelkernöl variiert je nach Apfelsorte, Anbauregion und Reifegrad der Früchte. Studien zeigen, dass Kerne verschiedener Apfelsorten signifikante Unterschiede im Fettsäureprofil und Polyphenolgehalt aufweisen. Kerne von säurebetonten Apfelsorten (z. B. Granny Smith, Boskop) liefern tendenziell ein Öl mit höherem Linolsäure- und Polyphenolanteil, während süße Sorten (z. B. Gala, Fuji) einen etwas höheren Ölsäuregehalt aufweisen.[3]
Apfelkernöl Inhaltsstoffe
Apfelkernöl zeichnet sich durch ein außergewöhnlich ausgewogenes Fettsäureprofil und einen bemerkenswert hohen Gehalt an bioaktiven Pflanzenstoffen aus. Die Zusammensetzung macht es sowohl als Hautpflegeöl als auch als Speiseöl besonders wertvoll.
| Apfelkernöl | |
|---|---|
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| 100 g Apfelkernöl enthält durchschnittlich: | |
| Inhaltsstoff | Menge |
| Kalorien | 884 kcal (3.699 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 7–10 g |
| – davon Palmitinsäure (C16:0) | ca. 5–7 g |
| – davon Stearinsäure (C18:0) | ca. 1–3 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | ca. 35–55 g |
| – davon Ölsäure (C18:1, Omega-9) | ca. 35–55 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | ca. 38–58 g |
| – davon Linolsäure (C18:2, Omega-6) | ca. 38–58 g |
| – davon α-Linolensäure (C18:3, Omega-3) | ca. 0,5–1,5 g |
| Ungesättigte Fettsäuren gesamt | ca. 90–93 g |
| Cholesterin | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g |
| Protein | 0 g |
| Vitamin E (Tocopherole) | ca. 30–40 mg |
| Phytosterole | ca. 300–500 mg |
| Polyphenole (gesamt) | ca. 50–150 mg |
| – davon Phloridzin | ca. 10–50 mg |
| Rauchpunkt | ca. 200 °C (geschätzt) |
| Komedogenitätsgrad | 1 (gering) |
Fettsäureprofil
Apfelkernöl besitzt ein Fettsäureprofil, das dem von Traubenkernöl und Distelöl ähnelt: Es enthält einen hohen Anteil an Linolsäure (Omega-6) und Ölsäure (Omega-9), bei gleichzeitig niedrigem Anteil gesättigter Fettsäuren. Dieses Verhältnis ist für die Hautpflege besonders vorteilhaft, da Linolsäure ein essenzieller Bestandteil der Hautbarriere (Ceramide) ist und die Barrierefunktion stärkt.[4] Je nach Apfelsorte variiert das Verhältnis von Linolsäure zu Ölsäure erheblich – bei manchen Sorten dominiert Linolsäure, bei anderen Ölsäure.[3]
Bioaktive Pflanzenstoffe
Was Apfelkernöl von vielen anderen Pflanzenölen besonders abhebt, ist sein Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen:
- Polyphenole: Apfelkerne gehören zu den polyphenolreichsten Pflanzenteilen des Apfels. Insbesondere Phloridzin – ein Dihydrochalcon, das fast ausschließlich in Äpfeln vorkommt – besitzt starke antioxidative und hautschützende Eigenschaften. Studien zeigen, dass Phloridzin die Kollagenproduktion stimulieren und UV-bedingte Hautschäden reduzieren kann.[5]
- Vitamin E (Tocopherole): Mit 30–40 mg pro 100 g enthält Apfelkernöl einen überdurchschnittlich hohen Vitamin-E-Gehalt. Tocopherole schützen die Zellmembranen vor oxidativem Stress und verlangsamen die Hautalterung.[6]
- Phytosterole: Der hohe Phytosterolgehalt (300–500 mg/100 g) unterstützt die Hautbarriere, wirkt entzündungshemmend und fördert die Wundheilung. Phytosterole wie β-Sitosterol und Campesterol sind strukturelle Bausteine der Zellmembranen und können die Kollagensynthese anregen.[7]
Wirkung von Apfelkernöl
Die Wirkung von Apfelkernöl beruht auf dem Zusammenspiel seiner ungesättigten Fettsäuren, Polyphenole, Phytosterole und Tocopherole. Die folgenden Wirkungen werden durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt:
- Hauterneuernde und Anti-Aging-Wirkung: Apfelkernöl fördert die Zellregeneration und unterstützt die natürliche Hauterneuerung. Die Kombination aus Linolsäure, Vitamin E und Phytosterolen stärkt die Hautbarriere, verbessert die Elastizität und kann das Erscheinungsbild feiner Linien und Fältchen reduzieren. Phloridzin stimuliert nachweislich die Kollagenbildung in der Haut.[5]
- Antioxidative Wirkung: Der hohe Gehalt an Polyphenolen, Tocopherolen und ungesättigten Fettsäuren verleiht Apfelkernöl eine ausgeprägte antioxidative Kapazität. Es schützt die Hautzellen vor freien Radikalen, die durch UV-Strahlung, Umweltgifte und natürliche Alterungsprozesse entstehen. In Laborstudien zeigten Apfelkernextrakte eine signifikante Hemmung der Lipidperoxidation.[8]
- Feuchtigkeitsspendende Wirkung: Die hohe Konzentration an Ölsäure und Linolsäure ermöglicht es Apfelkernöl, tief in die Epidermis einzudringen, den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) zu reduzieren und die Haut nachhaltig mit Feuchtigkeit zu versorgen. Linolsäure ist ein essenzieller Bestandteil der Ceramide, die die Hautbarriere bilden.[4]
- Entzündungshemmende Wirkung: Die in Apfelkernöl enthaltenen Phytosterole und Polyphenole besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Studien belegen, dass Apfelpolyphenole die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine hemmen und chronische Entzündungsprozesse in der Haut abschwächen können.[9]
- Hautbarriereunterstützende Wirkung: Linolsäure ist der wichtigste Baustein der hauteigenen Ceramide. Ein Mangel an Linolsäure führt zu einer gestörten Hautbarriere, trockener Haut und erhöhter Empfindlichkeit. Apfelkernöl liefert Linolsäure in einer Form, die von der Haut gut aufgenommen werden kann, und trägt so zur Reparatur und Stärkung der natürlichen Schutzschicht bei.[4]
- UV-Schutz-unterstützende Wirkung: Polyphenole im Apfelkernöl, insbesondere Phloridzin und Chlorogensäure, besitzen photoprotektive Eigenschaften. Sie können UV-induzierte DNA-Schäden in Hautzellen reduzieren. Apfelkernöl ersetzt jedoch keinen Sonnenschutz, sondern ergänzt ihn auf zellulärer Ebene.[5]
- Lipidsenkende Wirkung: Studien an Apfelkernextrakten deuten darauf hin, dass die enthaltenen Phytosterole und Polyphenole den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen können, indem sie die Cholesterinabsorption im Darm hemmen und das LDL-Cholesterin senken.[7]
Anwendungsgebiete von Apfelkernöl
Apfelkernöl für die Haut
In der Hautpflege entfaltet Apfelkernöl sein volles Potenzial. Durch seinen niedrigen Komedogenitätsgrad (1) und die hautaffine Fettsäurezusammensetzung eignet es sich für nahezu jeden Hauttyp:
- Trockene und reife Haut: Apfelkernöl ist ein intensiver Feuchtigkeitsspender, der trockene, schuppige Haut mit essenziellen Fettsäuren versorgt und die Hautbarriere repariert. Morgens und abends wenige Tropfen auf die noch leicht feuchte Haut auftragen und sanft einmassieren. Die Kombination aus Linolsäure und Phytosterolen reduziert den Feuchtigkeitsverlust und hinterlässt die Haut geschmeidig.[4]
- Empfindliche und gereizte Haut: Die entzündungshemmenden Polyphenole und Phytosterole beruhigen irritierte Haut, lindern Rötungen und stärken die natürliche Widerstandsfähigkeit der Haut. Apfelkernöl ist frei von allergenen Proteinen und wird in der Regel sehr gut vertragen.
- Neurodermitis und Ekzeme: Aufgrund seines hohen Linolsäuregehalts kann Apfelkernöl bei Hauterkrankungen unterstützend eingesetzt werden, die mit einer gestörten Hautbarriere einhergehen. Studien zeigen, dass linolsäurereiche Öle die Barrierefunktion der Haut bei Neurodermitis-Patienten verbessern können.[4]
- Sonnenstrapazierte Haut: Nach dem Sonnenbaden kann Apfelkernöl die Haut beruhigen und die Regeneration unterstützen. Die antioxidativen Polyphenole mildern UV-bedingte Zellschäden.
Apfelkernöl für das Gesicht
Das Gesicht ist eines der wichtigsten Anwendungsgebiete für Apfelkernöl. Sein niedriger Komedogenitätsgrad von 1 (auf einer Skala von 0–5) macht es zu einem der wenigen Öle, die auch bei öliger und zu Unreinheiten neigender Gesichtshaut geeignet sind:
- Anti-Aging-Serum: Apfelkernöl wird von Naturkosmetik-Experten als natürliches Anti-Aging-Serum geschätzt. Die Phloridzin-Polyphenole stimulieren die Kollagenproduktion, während Vitamin E und Linolsäure freie Radikale neutralisieren und die Hautelastizität verbessern. Abends 3–4 Tropfen auf die gereinigte Gesichtshaut auftragen.[5]
- Augenpflege: Für die empfindliche Augenpartie ist Apfelkernöl aufgrund seiner leichten Textur und seiner nicht-komedogenen Eigenschaften gut geeignet. Einen Tropfen sanft um die Augenpartie klopfen – dies kann das Erscheinungsbild von Augenringen und feinen Fältchen mildern.
- Gesichtsöl für Mischhaut: Die Linolsäure in Apfelkernöl reguliert die hauteigene Talgproduktion. Studien belegen, dass ein Linolsäuremangel die Talgzusammensetzung verändert und komedogener macht. Die äußerliche Zufuhr von Linolsäure kann dieses Ungleichgewicht korrigieren.[10]
- Gesichtsmaske: 1 Teelöffel Apfelkernöl mit 1 Teelöffel Honig und 1 Esslöffel Joghurt vermischen, 15–20 Minuten auf dem Gesicht einwirken lassen und mit lauwarmem Wasser abspülen. Die Maske spendet intensive Feuchtigkeit und sorgt für einen frischen, strahlenden Teint.
Apfelkernöl für die Haare
Apfelkernöl bietet auch in der Haarpflege bemerkenswerte Vorteile, die auf seiner Fettsäurezusammensetzung und seinem Polyphenolgehalt basieren:
- Haarspitzenöl: Die leichte Textur von Apfelkernöl macht es zu einem idealen Öl für trockene, spröde Haarspitzen. 2–3 Tropfen in die handtuchtrockenen Spitzen einarbeiten – das Öl glättet aufgeraute Haarschuppen, reduziert Spliss und verleiht natürlichen Glanz, ohne das Haar zu beschweren.
- Intensiv-Haarkur: Für eine Tiefenpflege 1–2 Esslöffel Apfelkernöl im gesamten Haar verteilen, besonders in den Längen und Spitzen. Ein warmes Handtuch um den Kopf wickeln und das Öl mindestens 30 Minuten oder über Nacht einwirken lassen. Anschließend gründlich mit Shampoo auswaschen.
- Kopfhautpflege: Die entzündungshemmenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften können eine trockene, juckende Kopfhaut beruhigen. Einige Tropfen Apfelkernöl in die Kopfhaut einmassieren und 20 Minuten vor dem Waschen einwirken lassen.
- Hitzeschutz: Vor dem Föhnen oder Glätten können wenige Tropfen Apfelkernöl als natürlicher Hitzeschutz in das feuchte Haar eingearbeitet werden. Die Antioxidantien schützen das Haar vor thermischen Schäden.
Apfelkernöl bei Narben und Dehnungsstreifen
Die regenerierende Wirkung von Apfelkernöl macht es zu einem wertvollen Pflegeöl bei Narben, Dehnungsstreifen und ungleichmäßigem Hautbild:
- Narbenöl: Die Kombination aus Linolsäure, Vitamin E und Phytosterolen unterstützt die Gewebereparatur und kann das Erscheinungsbild von Narben mit der Zeit verbessern. Regelmäßig 2–3 Tropfen in das Narbengewebe einmassieren – idealerweise 2× täglich über mehrere Monate.
- Dehnungsstreifen: In der Schwangerschaft oder bei starker Gewichtsveränderung kann Apfelkernöl die Hautelastizität unterstützen und die Entstehung von Dehnungsstreifen reduzieren. Die phytosterolreiche Zusammensetzung fördert die Kollagensynthese in beanspruchtem Gewebe.[7]
- Ungleichmäßiger Hautton: Die antioxidativen Polyphenole im Apfelkernöl können Hyperpigmentierungen mildern und zu einem gleichmäßigeren Hautbild beitragen.
Für die Narbenpflege lässt sich Apfelkernöl gut mit Hagebuttenöl oder Sanddornöl kombinieren, die ebenfalls regenerierende Eigenschaften besitzen.
Apfelkernöl als Massageöl
Die seidige Textur und gute Gleitfähigkeit machen Apfelkernöl zu einem angenehmen Massageöl:
- Gesichtsmassage: Apfelkernöl eignet sich hervorragend für eine pflegende Gesichtsmassage. Das Öl zieht gut ein, hinterlässt keinen fettigen Film und versorgt die Gesichtshaut dabei mit wertvollen Nährstoffen.
- Entspannungsmassage: In Kombination mit Lavendelöl (3–4 Tropfen auf 30 ml Apfelkernöl) entsteht eine wohltuende Massagemischung für Nacken, Schultern und Rücken.
- Als Trägeröl: Apfelkernöl ist ein ausgezeichnetes Trägeröl für ätherische Öle. Es besitzt einen dezenten Eigengeruch, der sich gut mit verschiedenen Duftölen kombinieren lässt, und trägt die Wirkstoffe effektiv in die Haut.
Apfelkernöl zum Kochen
In der Gourmetküche ist kaltgepresstes Apfelkernöl ein exklusives Spezialöl, das durch sein feines, fruchtig-nussiges Aroma mit einem dezenten Apfelton überzeugt:
- Salatdressings: Apfelkernöl entfaltet sein Aroma am besten in kalten Zubereitungen. Es verleiht Salaten, insbesondere Herbst- und Wintersalaten mit Nüssen, Käse und Äpfeln, eine einzigartige Geschmacksnote.
- Desserts: Einige Tropfen Apfelkernöl über Vanilleeis, Panna Cotta oder Obstsalat geben eine raffinierte, fruchtige Nuance.
- Fisch und helles Fleisch: Als Finish-Öl passt Apfelkernöl hervorragend zu gedünstetem Fisch, Hühnchen oder Jakobsmuscheln – erst nach dem Garen über das Gericht träufeln.
- Dips und Aufstriche: In Quark, Frischkäse oder Hummus eingerührt, bringt Apfelkernöl eine interessante, fruchtige Komponente ein.
Hinweis: Apfelkernöl sollte aufgrund seines empfindlichen Fettsäureprofils nicht stark erhitzt werden. Es eignet sich als Finish-Öl und für kalte Zubereitungen, nicht jedoch zum Backen bei hohen Temperaturen oder scharfen Anbraten. Für Bratöle mit höherem Rauchpunkt bieten sich Avocadoöl oder Erdnussöl an.
Apfelkernöl in der Kosmetik
In der professionellen Naturkosmetik hat Apfelkernöl seinen festen Platz als hochwertige Wirkstoffkomponente gefunden:
- Seren und Gesichtsöle: Apfelkernöl wird in Premium-Seren als Hauptwirkstoff eingesetzt, oft in Kombination mit Hagebuttenöl, Kaktusfeigenkernöl oder Brokkolisamenöl.
- Anti-Aging-Cremes: Die kollagenstimulierende Wirkung der Phloridzin-Polyphenole macht Apfelkernöl zu einem begehrten Inhaltsstoff in Anti-Aging-Formulierungen.
- Lippenpflege: Das leichte, schnell einziehende Öl pflegt trockene Lippen und schützt sie vor Austrocknung.
- Nagelpflege: Regelmäßiges Einmassieren von Apfelkernöl in Nägel und Nagelhaut versorgt diese mit Feuchtigkeit, stärkt brüchige Nägel und fördert ein gesundes Nagelwachstum.
- DIY-Kosmetik: Für selbstgemachte Pflegeprodukte ist Apfelkernöl eine edle Basis. Ein einfaches Anti-Aging-Gesichtsöl: 15 ml Apfelkernöl, 10 ml Jojobaöl, 5 ml Hagebuttenöl und 2 Tropfen Rosenöl mischen.
Apfelkernöl im Vergleich zu anderen Ölen
Um die Besonderheiten von Apfelkernöl besser einordnen zu können, lohnt sich ein Vergleich mit ähnlichen Pflanzenölen:
| Vergleich: Apfelkernöl und ähnliche Pflanzenöle | ||||
|---|---|---|---|---|
| Eigenschaft | Apfelkernöl | Traubenkernöl | Hagebuttenöl | Arganöl |
| Linolsäure | 38–58 % | 60–75 % | 40–50 % | 29–36 % |
| Ölsäure | 35–55 % | 14–22 % | 13–16 % | 43–49 % |
| Vitamin E | 30–40 mg | 15–25 mg | 15–20 mg | 60–80 mg |
| Polyphenole | hoch (Phloridzin) | mittel | gering | mittel |
| Komedogenität | 1 | 1 | 1 | 0 |
| Anti-Aging | sehr gut | gut | sehr gut | sehr gut |
| Textur | leicht, seidig | sehr leicht | leicht, trocken | mittel, nährend |
| Preis (ca. pro 30 ml) | 12–25 € | 3–8 € | 8–18 € | 10–20 € |
Die Stärke von Apfelkernöl liegt in seiner einzigartigen Kombination: ein ausgewogenes Verhältnis von Linolsäure und Ölsäure, ein außergewöhnlich hoher Polyphenolgehalt (insbesondere Phloridzin) und ein niedriger Komedogenitätsgrad. Während Traubenkernöl mehr Linolsäure und Arganöl mehr Vitamin E enthält, bietet Apfelkernöl die vielseitigste Gesamtkombination – mit dem zusätzlichen Nachhaltigkeitsvorteil als Upcycling-Produkt.
Haltbarkeit und Lagerung von Apfelkernöl
Da Apfelkernöl einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren (Linolsäure) enthält, ist es empfindlicher gegenüber Oxidation als Öle mit überwiegend gesättigten oder einfach ungesättigten Fettsäuren. Die richtige Lagerung ist daher entscheidend für die Qualitätserhaltung:
- Ungeöffnet: In einer dunklen, lichtgeschützten Flasche ist Apfelkernöl bei kühler Lagerung etwa 12–18 Monate haltbar.
- Nach dem Öffnen: Nach dem Öffnen sollte Apfelkernöl innerhalb von 3–6 Monaten verbraucht werden. Der hohe Vitamin-E-Gehalt bietet einen gewissen natürlichen Oxidationsschutz, dennoch verkürzt sich die Haltbarkeit nach dem Öffnen deutlich.
Tipps zur richtigen Lagerung:
- Kühl und dunkel aufbewahren – idealerweise im Kühlschrank, insbesondere im Sommer. Apfelkernöl bleibt im Kühlschrank flüssig und lässt sich weiterhin gut dosieren.
- Die Flasche nach jedem Gebrauch sofort fest verschließen, um den Kontakt mit Sauerstoff zu minimieren.
- Dunkle Glasflaschen (braun oder violett) bevorzugen. Plastikflaschen können Weichmacher an das Öl abgeben.
- Wärme, Licht und Luft sind die drei Hauptfeinde – Apfelkernöl niemals neben dem Herd oder auf der Fensterbank aufbewahren.
Anzeichen für verdorbenes Apfelkernöl: Ein ranziger, stechender oder bitterer Geruch deutet auf Oxidation hin. Frisches Apfelkernöl duftet mild fruchtig-nussig mit einer dezenten Apfelnote. Bei Verdacht auf Ranzigkeit das Öl entsorgen – oxidierte Öle können Hautreizungen verursachen und enthalten schädliche Abbauprodukte. Hinweise zur fachgerechten Entsorgung finden Sie unter Speiseöl entsorgen.
Apfelkernöl Nebenwirkungen
Apfelkernöl gilt als sehr gut verträglich und weist ein geringes Nebenwirkungsrisiko auf. Dennoch gibt es einige Aspekte, die beachtet werden sollten:
Amygdalin in Apfelkernen
Apfelkerne enthalten Amygdalin, ein cyanogenes Glykosid, das bei enzymatischer Spaltung geringe Mengen Blausäure (Cyanid) freisetzen kann. Dieser Umstand betrifft jedoch den Verzehr roher Apfelkerne – nicht das gepresste Öl. Bei der Kaltpressung und Filtration verbleiben die wasserlöslichen Glykoside im Presskuchen und gelangen nicht in das Öl. Hochwertiges, korrekt hergestelltes Apfelkernöl enthält daher keine toxikologisch relevanten Amygdalin-Mengen und ist sowohl zur äußerlichen als auch zur innerlichen Anwendung sicher.[11]
Allergische Reaktionen
Allergien gegen Apfelkernöl sind äußerst selten. Das Öl enthält nach der Pressung und Filtration keine signifikanten Proteinrückstände, die für Apfelallergien (häufig als Kreuzreaktion bei Birkenpollenallergie) verantwortlich sind. Dennoch sollten Personen mit bekannter Apfelallergie vor der erstmaligen Anwendung einen Verträglichkeitstest durchführen: Einen Tropfen Öl auf die Innenseite des Unterarms auftragen und 24 Stunden auf Reaktionen beobachten.
Oxidiertes Öl und Hautreizungen
Die größte Gefahr geht von falsch gelagertem, ranzig gewordenem Apfelkernöl aus. Oxidierte Fettsäuren können Hautreizungen, Rötungen und ein unangenehmes Hautgefühl verursachen. Verwenden Sie ausschließlich frisches, korrekt gelagertes Öl und beachten Sie das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bei der üblichen kosmetischen Anwendung von Apfelkernöl nicht bekannt. Bei der innerlichen Einnahme größerer Mengen könnten die Phytosterole theoretisch die Aufnahme fettlöslicher Medikamente beeinflussen – dies ist jedoch bei den typischen Verzehrmengen als Speiseöl praktisch irrelevant.
Apfelkernöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Da Apfelkernöl ein Nischenprodukt mit großen Qualitätsunterschieden ist, sollten beim Kauf folgende Kriterien beachtet werden:
- Kaltgepresst und nativ: Achten Sie auf die Kennzeichnung „kaltgepresst" oder „nativ". Nur bei der schonenden Pressung ohne Hitze oder Lösungsmittel bleiben die wertvollen Polyphenole, Vitamine und Fettsäuren vollständig erhalten. Raffinierte Varianten verlieren einen Großteil der bioaktiven Wirkstoffe.
- Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Apfelkernöl (EU-Bio, Naturland, Demeter) garantiert, dass die Äpfel ohne synthetische Pestizide angebaut wurden. Da Apfelkerne Rückstände aus dem konventionellen Anbau akkumulieren können, ist Bio-Qualität besonders empfehlenswert.
- Herkunft und Transparenz: Bevorzugen Sie Hersteller, die Informationen zur Herkunft der Äpfel und zum Pressverfahren angeben. Apfelkernöl aus europäischer Produktion (Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien) unterliegt strengen Qualitätsstandards.
- Verpackung: Dunkle Glasflaschen (braun oder violett) schützen das empfindliche Öl vor Lichteinwirkung und sind Plastikverpackungen deutlich überlegen. Kleine Flaschengrößen (30–50 ml) sind empfehlenswert, da das Öl nach dem Öffnen zeitnah verbraucht werden sollte.
- Reinheit: Hochwertiges Apfelkernöl ist ein reines Monoöl ohne Zusätze, Konservierungsstoffe oder Streckung mit günstigeren Ölen. Prüfen Sie die Inhaltsstoffangabe – es sollte ausschließlich „Prunus malus (Apple) Seed Oil" oder „Malus domestica Seed Oil" aufgeführt sein.
- Preis: Aufgrund der aufwendigen Gewinnung kostet hochwertiges Bio-Apfelkernöl in der Regel 10–25 € pro 30 ml. Deutlich günstigere Produkte sind oft mit anderen Ölen gestreckt oder nicht kaltgepresst.
Apfelkernöl ist in spezialisierten Online-Shops für Naturkosmetik, in Bio-Läden, Reformhäusern und vereinzelt in gut sortierten Drogerien erhältlich. Für die Gesichtspflege und als Gourmetöl lohnt sich die Investition in ein hochwertiges Bio-Produkt.
Apfelkernöl Alternativen
Je nach Einsatzbereich und Budget gibt es empfehlenswerte Alternativen zu Apfelkernöl:
- Hagebuttenöl: Hagebuttenöl (Wildrosenöl) ist die bekannteste Alternative für die Anti-Aging-Pflege. Es enthält ebenfalls viel Linolsäure sowie natürliche Retinoide (Vitamin-A-Vorstufen), die die Zellerneuerung fördern. Für die Narbenpflege und bei Hyperpigmentierung ist es eine hervorragende Wahl.
- Traubenkernöl: Traubenkernöl teilt mit Apfelkernöl den hohen Linolsäuregehalt und den niedrigen Komedogenitätsgrad. Es ist deutlich günstiger und ebenfalls ein Upcycling-Produkt (aus Weintraubenkernen). Ideal als kostengünstige Alternative für die tägliche Gesichtspflege.
- Kaktusfeigenkernöl: Kaktusfeigenkernöl ist die Premium-Alternative in der Anti-Aging-Kategorie. Es enthält noch höhere Vitamin-E-Werte und besitzt eine außergewöhnliche antioxidative Kapazität – ist jedoch das teuerste aller genannten Öle.
- Arganöl: Arganöl ist ein vielseitiger Allrounder für Haut und Haare mit hohem Vitamin-E-Gehalt und einem ausgewogenen Fettsäureprofil. Es ist reichhaltiger als Apfelkernöl und eignet sich besonders für sehr trockene Haut.
- Himbeersamenöl: Himbeersamenöl ist ein weiteres seltenes Fruchtsamenkernöl mit beeindruckenden antioxidativen Eigenschaften. Es besitzt einen besonders hohen natürlichen UV-Absorptionswert und ist reich an Omega-3-Fettsäuren.
- Granatapfelöl: Granatapfelöl enthält die seltene Punicinsäure, eine konjugierte Fettsäure mit starker entzündungshemmender Wirkung. Es ist eine exzellente Alternative für reife Haut und bei entzündlichen Hauterkrankungen.
Einen umfassenden Überblick über Pflanzenöle und ihre Eigenschaften finden Sie in unserer Speiseöl-Übersicht und im Ratgeber zu Pflanzenölen.
Quellen
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- Górnaś, P., Rudzińska, M., & Soliven, A. (2017). Industrial by-products of plum, cherry, and apple as potential sources of oil rich in bioactive compounds. European Journal of Lipid Science and Technology, 119(4), 1500505. doi:10.1002/ejlt.201500505
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