Andirobaöl – Wirkung, Inhaltsstoffe und Anwendung des Amazonas-Öls

Zuletzt aktualisiert: 18.02.26

Andirobaöl ist ein hochwertiges Pflanzenöl, das aus den Samen des Andiroba-Baums (Carapa guianensis Aubl.) gewonnen wird. Der mächtige Tropenbaum gehört zur Familie der Mahagonigewächse (Meliaceae) und ist in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas beheimatet – insbesondere im brasilianischen Amazonasgebiet, wo er seit Jahrhunderten von indigenen Völkern als Heilmittel geschätzt wird. In der traditionellen Medizin Brasiliens wird Andirobaöl vor allem zur Behandlung von Hautentzündungen, Wunden, Gelenkbeschwerden und als natürliches Insektenschutzmittel eingesetzt.

Das Öl zeichnet sich durch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus – insbesondere Ölsäure (ca. 45–52 %) und Palmitinsäure (ca. 26–32 %) – sowie durch einzigartige bioaktive Verbindungen wie Limonoide (darunter Gedunin und Andirobin), Triterpene, Flavonoide und Tannine. Diese Kombination verleiht dem Andirobaöl seine ausgeprägte entzündungshemmende, antiallergische, wundheilende und insektenabwehrende Wirkung.[1]

Andirobaöl – kaltgepresstes Öl aus den Samen des Andiroba-Baums

In diesem Ratgeber erhalten Sie einen umfassenden, wissenschaftlich fundierten Überblick über Herstellung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete sowie Vor- und Nachteile von Andirobaöl. Alle Angaben werden durch aktuelle Studien belegt.

Warum ist Andirobaöl so besonders?

Im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen hebt sich Andirobaöl durch mehrere einzigartige Eigenschaften hervor:

  • Limonoide – einzigartige Wirkstoffe: Andirobaöl enthält 3–5 % Limonoide, eine Gruppe hochoxidierter Tetranortriterpene, die fast ausschließlich in der Familie der Meliaceae vorkommen. Diese Verbindungen – darunter Gedunin, Andirobin und 6α-Acetoxygedunin – hemmen nachweislich Histamin-vermittelte Signalwege und reduzieren entzündungsfördernde Mediatoren wie TNF-α, IL-1β und IL-5.[1]
  • Starke entzündungshemmende Wirkung: Eine aktuelle Scoping-Review aus 2024 bestätigte, dass Andirobaöl die Immunantwort bei Entzündungen und Wundheilung positiv moduliert – durch Reduktion der Leukozyteninfiltration, Steigerung der Phagozytoseaktivität und Förderung der Reepithelisierung.[2]
  • Natürlicher Insektenschutz: Die Limonoide und der bittere Geschmack des Öls machen es zu einem wirksamen natürlichen Repellent gegen Mücken, Zecken und andere Insekten – eine Eigenschaft, die von der brasilianischen Gesundheitsbehörde ANVISA offiziell anerkannt ist.[3]
  • Nachhaltiges Amazonas-Produkt: Die Gewinnung von Andirobaöl unterstützt die lokale Wirtschaft in Amazonas-Gemeinden und fördert den Erhalt des Regenwaldes, da die Bäume für die Ölproduktion nicht gefällt werden müssen.

Gewinnung von Andirobaöl

Der Andiroba-Baum

Der Andiroba-Baum (Carapa guianensis Aubl.) ist ein immergrüner Tropenbaum, der Wuchshöhen von bis zu 40 Metern erreichen kann. Er wächst bevorzugt in den Überschwemmungsgebieten und Hochlandökosystemen des Amazonasbeckens, kommt aber auch in Mittelamerika (Costa Rica, Dominikanische Republik) und Westafrika vor. Ein einzelner Baum produziert jährlich 180–200 kg Samen, die einen Ölgehalt von rund 60 % aufweisen.[4]

Traditionelle und moderne Ölgewinnung

Die Herstellung von Andirobaöl erfolgt auf zwei Wegen:

  1. Traditionelle Gewinnung: Die reifen Früchte werden gesammelt, die Samen vom Fruchtfleisch getrennt, gekocht und anschließend über mehrere Tage in der Sonne fermentiert. Das Öl wird durch manuelles Pressen und Abtropfen der Samenmasse gewonnen. Diese Methode wird seit Jahrhunderten von Amazonas-Gemeinden praktiziert und liefert ein Öl mit besonders hohem Limonoidgehalt.
  2. Mechanische Kaltpressung: Bei der modernen Herstellung werden die gereinigten Samen schonend mechanisch gepresst. Dieses Verfahren bewahrt die wertvollen Fettsäuren, Limonoide und Antioxidantien und entspricht den Anforderungen für kosmetische und pharmazeutische Anwendungen. Kaltgepresstes Andirobaöl hat eine hellgelbe Farbe und einen leicht bitteren Geschmack.

Im Vergleich zur Gewinnung anderer kaltgepresster Öle ist die Andiroba-Ölproduktion besonders eng mit den traditionellen Wirtschaftsweisen der Amazonasbevölkerung verbunden.

Nachhaltigkeit und Qualitätsmerkmale

Da Andiroba-Bäume nicht gefällt werden müssen und die Samen natürlich zu Boden fallen, gilt die Ölgewinnung als besonders nachhaltiges Verfahren. Beim Kauf sollte auf folgende Qualitätsmerkmale geachtet werden:

  • Kaltgepresst und unraffiniert für den höchsten Wirkstoffgehalt
  • Herkunft aus nachhaltigem Wildsammelgebiet oder kontrolliertem Anbau
  • Fair-Trade-Zertifizierung, die die Lebensgrundlage der Sammlergemeinschaften sichert
  • Hellgelbe Farbe und leicht bitterer, charakteristischer Geschmack als Zeichen hoher Qualität

Andirobaöl Inhaltsstoffe und Nährwerte

Andirobaöl hat eine einzigartige Zusammensetzung aus Fettsäuren und bioaktiven Verbindungen, die es von den meisten anderen Pflanzenölen deutlich unterscheidet. Der hohe Anteil an Ölsäure macht es dem Olivenöl ähnlich, während die enthaltenen Limonoide einzigartige pharmakologische Eigenschaften verleihen.

Andirobaöl
Andirobaöl Inhaltsstoffe und Nährwerte
100 g Andirobaöl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien884 kcal (3.699 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäurenca. 37–40 g
– davon Palmitinsäure (C16:0)ca. 26–32 g
– davon Stearinsäure (C18:0)ca. 7–10 g
Ungesättigte Fettsäurenca. 60 g
Einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure C18:1)ca. 45–52 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure C18:2)ca. 9–11 g
Palmitoleinsäure (C16:1)ca. 0,5–1 g
Linolensäure (C18:3)ca. 0,5–0,8 g
Cholesterin0 mg
Kohlenhydrate0 g
Protein0 g
Limonoide (Gedunin, Andirobin u. a.)ca. 3–5 g
Triterpene & Sterolevorhanden
Flavonoide & Tanninevorhanden
Dichte0,91–0,95 g/ml

Die Dominanz der Ölsäure verleiht Andirobaöl gute Hautpflegeeigenschaften und eine relativ hohe Oxidationsstabilität. Die enthaltene Linolsäure spielt eine zentrale Rolle bei der Kollagenregulierung und Wundheilung.[5] Besonders hervorzuheben ist der Gehalt an Limonoiden: Diese Bitterstoffe sind verantwortlich für die einzigartigen antiallergischen, entzündungshemmenden und insektenabwehrenden Eigenschaften, die Andirobaöl von anderen Pflanzenölen wie Arganöl oder Jojobaöl unterscheiden.[1]

Wirkung von Andirobaöl

Die gesundheitliche Wirkung von Andirobaöl beruht auf dem Zusammenspiel seiner Fettsäuren mit den bioaktiven Limonoiden und Triterpenen. Die wichtigsten wissenschaftlich belegten Wirkungen sind:

  • Entzündungshemmende Wirkung: Andirobaöl gehört zu den wirksamsten entzündungshemmenden Pflanzenölen überhaupt. Die enthaltenen Limonoide hemmen die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB und reduzieren dadurch die Produktion proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α und IL-1β. Sie blockieren zudem Histamin-, Bradykinin- und PAF-vermittelte Signalwege.[1] Eine Scoping-Review aus 2024 mit 22 eingeschlossenen Studien bestätigte die entzündungshemmende Wirkung sowohl in vitro als auch in vivo und bei klinischen Anwendungen.[2]
  • Wundheilungsfördernde Wirkung: Andirobaöl fördert die Wundheilung auf mehreren Ebenen: Es steigert die Phagozytoseaktivität, fördert die Fibroblastenproliferation, stimuliert die Kollagenbildung und beschleunigt die Reepithelisierung. In einer Tierstudie der Universidade Federal do Rio de Janeiro erreichten mit einer Andiroba-Emulsion behandelte Wunden eine höhere Zugfestigkeit und eine organisierte, weniger dichte Kollagenstruktur – ähnlich unverletzter Haut.[6]
  • Antiallergische Wirkung: Die Limonoide in Andirobaöl hemmen die Aktivierung von Mastzellen, Eosinophilen und T-Lymphozyten. Dadurch werden allergische Reaktionen auf zellulärer Ebene unterdrückt – eine Eigenschaft, die das Öl für Personen mit empfindlicher, zu Allergien neigender Haut besonders interessant macht.[1]
  • Schmerzlindernde Wirkung: Andirobaöl stimuliert die körpereigene Produktion von Glukokortikoiden, was zu einer systemischen Schmerzlinderung führen kann. In präklinischen Studien zeigte das Öl analgetische und antipyretische Eigenschaften.[2]
  • Antioxidative Wirkung: Die im Öl enthaltenen Polyphenole und Flavonoide wirken als natürliche Antioxidantien und schützen Zellen vor oxidativem Stress durch freie Radikale. Die antioxidative Aktivität wurde in mehreren In-vitro-Analysen bestätigt.[7]
  • Insektenabwehrende Wirkung: Andirobaöl besitzt eine nachgewiesene repellierende Wirkung gegen verschiedene Insektenarten, darunter Aedes-aegypti-Mücken (Überträger von Dengue und Zika) sowie verschiedene Fliegenarten. In einer In-vivo-Studie wurde die Zahl der Fliegen auf behandelten Tieren um 57,7 % reduziert.[3]
  • Antitumorale Wirkung: In vitro zeigte Andirobaöl zytotoxische Effekte auf Magenkrebszellen (ACP02-Zelllinie), indem es Apoptose auslöste, ohne mutagene Wirkungen zu zeigen. Dieses Ergebnis wird auf die Fettsäuren und Limonoide zurückgeführt, wobei weitere klinische Forschung nötig ist.[8]

Anwendungsgebiete von Andirobaöl

Andirobaöl für die Haut

Andirobaöl ist ein vielseitiges Hautpflegeöl, das besonders bei entzündlichen, gereizten und trockenen Hautzuständen seine Stärken entfaltet. Im Vergleich zu leichteren Ölen wie Mandelöl ist es reichhaltiger und eignet sich besonders für intensive Pflege.

  1. Entzündliche Hauterkrankungen: Die ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung der Limonoide macht Andirobaöl zu einer wertvollen Unterstützung bei Neurodermitis, Ekzemen, Psoriasis und Dermatitis. Es reduziert Rötungen, lindert Juckreiz und beruhigt gereizte Haut. Eine prospektive Doppelblindstudie am Menschen zeigte, dass eine Andiroba-Emulsion bei durch Lichtepilation verursachten Hautverletzungen Schmerz und Erythem ebenso wirksam linderte wie ein niedrigpotentes Kortikoid.[6]
  2. Wundheilung und Narben: Andirobaöl fördert die Kollagensynthese und die Bildung von Granulationsgewebe. Es kann bei kleineren Schnitten, Schürfwunden und Verbrennungen die Heilung beschleunigen und die Narbenbildung reduzieren.[5]
  3. Trockene und schuppige Haut: Die Ölsäure dringt gut in die Haut ein und spendet intensive Feuchtigkeit. Andirobaöl eignet sich hervorragend für trockene, rissige Hautstellen an Ellbogen, Knien und Fersen.
  4. Anti-Aging: Die antioxidativen Eigenschaften schützen die Haut vor freien Radikalen und UV-bedingter Hautalterung. Andirobaöl fördert die Zellerneuerung und kann das Erscheinungsbild feiner Linien verbessern.
  5. Cellulite: In der brasilianischen Volksmedizin wird Andirobaöl traditionell als Massageöl zur Cellulite-Prävention eingesetzt, da die enthaltenen Tannine die Durchblutung fördern sollen.

Hinweis zur Komedogenität: Andirobaöl gilt als gering komedogen und ist in der Regel auch für empfindliche Gesichtshaut geeignet. Bei stark zu Unreinheiten neigender Haut sollte es dennoch zunächst an einer kleinen Stelle getestet werden.

Andirobaöl für die Haare

Die Fettsäurezusammensetzung und die entzündungshemmenden Eigenschaften machen Andirobaöl zu einem wirksamen Mittel in der natürlichen Haarpflege:

  1. Kopfhautpflege: Die antiallergischen und entzündungshemmenden Limonoide beruhigen gereizte, schuppige oder juckende Kopfhaut. Andirobaöl kann als Kopfhautbehandlung vor dem Waschen einmassiert werden.
  2. Gegen Schuppen: Das Öl hilft, überschüssiges Sebum auf der Kopfhaut zu regulieren und kann so Schuppenbildung reduzieren.[9]
  3. Haarkur und Spitzenöl: Die Ölsäure pflegt trockenes, strapaziertes Haar und reduziert Frizz. Für eine intensive Haarkur wird das Öl in die Haarlängen und Spitzen einmassiert und nach 30–60 Minuten (oder über Nacht) ausgewaschen.
  4. Haarwachstum: Durch die Förderung der Durchblutung der Kopfhaut kann Andirobaöl das Haarwachstum unterstützen.

Andirobaöl als natürlicher Insektenschutz

Die insektenabwehrende Wirkung ist eine der bekanntesten Eigenschaften von Andirobaöl. In Brasilien ist das Öl offiziell als natürliches Insektenrepellent bei der Gesundheitsbehörde ANVISA registriert.

  1. Gegen Mücken: Studien der Universität Botucatu (Brasilien) zeigten, dass Andirobaöl eine repellierende Wirkung gegen Aedes-aegypti-Mücken besitzt. Die Wirkung beruht vor allem auf den Limonoiden, insbesondere dem Bitterstoff Andirobin, der den Appetit der Mücken hemmt und so die Stichrate reduziert.[10] Allerdings ist die Wirksamkeit geringer als bei synthetischen Repellents wie DEET – Andirobaöl eignet sich daher besonders als Ergänzung oder als natürliche Alternative bei leichtem bis mittlerem Insektenaufkommen.
  2. Gegen Zecken und Parasiten: Indigene Völker wie die Wayãpi und Palikur verwenden Andirobaöl traditionell gegen Zecken und Läuse. Die antiparasitäre Wirkung wird den Limonoiden und Meliacinen zugeschrieben.[9] Ergänzend können auch ätherische Öle gegen Mücken eingesetzt werden.
  3. Gegen Fliegen: In einer experimentellen Studie wurde die insektizide und repellierende Wirkung von Andirobaöl gegen Stallfliegen (Haematobia irritans) und Hausfliegen (Musca domestica) nachgewiesen. Bei Rindern, die mit dem Öl behandelt wurden, sank der Fliegenbefall um 57,7 %.[3]

Anwendungstipp: Für den Insektenschutz wird Andirobaöl pur oder verdünnt mit einem Trägeröl auf die exponierte Haut aufgetragen. Die Wirkung lässt sich durch die Kombination mit Zitronengrasöl oder Eukalyptusöl verstärken.

Andirobaöl als Massageöl

Die schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften machen Andirobaöl zu einem wirksamen Massageöl, insbesondere bei:

  • Muskelschmerzen und Verspannungen
  • Rheumatischen Beschwerden und Gelenkschmerzen
  • Sportverletzungen und Prellungen
  • Durchblutungsfördernder Massage bei schweren Beinen

Für Massagen wird Andirobaöl pur oder gemischt mit einem leichteren Öl wie Mandelöl oder Sesamöl verwendet. Die Kombination mit ätherischen Ölen wie Lavendelöl oder Rosmarinöl verstärkt die entspannende Wirkung.

Andirobaöl zur Wundheilung

Die wundheilende Wirkung von Andirobaöl ist eines der am besten erforschten Anwendungsgebiete. Eine umfassende Scoping-Review (2024) analysierte 22 Studien und fasste die Wirkmechanismen zusammen:[2]

  1. Entzündungsmodulation: Andirobaöl reduziert die Leukozyteninfiltration in Wundgewebe und steigert gleichzeitig die Phagozytoseaktivität der Makrophagen – das Immunsystem bekämpft Erreger effizienter, während überschießende Entzündungsreaktionen gedämpft werden.
  2. Gewebeneubildung: Das Öl fördert die Fibroblastenproliferation, die Kollagenproduktion und die Angiogenese (Bildung neuer Blutgefäße), was die Gewebereparatur beschleunigt.
  3. Reepithelisierung: Die Neubildung der Hautoberfläche wird beschleunigt, was zu einer schnelleren Wundschließung führt.
  4. Schmerzlinderung: Durch die Stimulation der körpereigenen Glukokortikoidproduktion wirkt Andirobaöl systemisch schmerzlindernd.

In einer tierexperimentellen Studie zur oralen Mukositis (Mundschleimhautentzündung) zeigte Andirobaöl Heilungsergebnisse, die mit einer Lasertherapie vergleichbar waren, ohne genotoxische Effekte zu zeigen.[5]

Wichtig: Andirobaöl eignet sich als unterstützende Maßnahme bei kleineren Verletzungen. Bei größeren oder infizierten Wunden sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

Andirobaöl in der Kosmetik

In der Kosmetikindustrie wird Andirobaöl zunehmend als natürlicher Inhaltsstoff in Hautpflege- und Haarpflegeprodukten eingesetzt. Seine Vorteile in der Kosmetik:

  1. Feuchtigkeitspflege: Der hohe Ölsäureanteil sorgt für eine intensive, langanhaltende Feuchtigkeitsversorgung der Haut.
  2. Anti-Aging-Formulierungen: Die antioxidativen Limonoide und Polyphenole schützen vor vorzeitiger Hautalterung und finden sich in Anti-Falten-Cremes und Seren.
  3. Beruhigende Hautpflege: Die entzündungshemmenden Eigenschaften machen Andirobaöl ideal für Produkte für empfindliche und reaktive Haut.
  4. Haarpflegeprodukte: In Shampoos, Conditionern und Haarkuren verbessert Andirobaöl die Haarstruktur und beruhigt die Kopfhaut.
  5. Natürliche Insektenschutzprodukte: In Brasilien ist Andirobaöl ein häufiger Bestandteil von natürlichen Mückensprays und After-Bite-Produkten.

Andirobaöl lässt sich als Trägeröl für ätherische Öle verwenden und gut mit anderen Pflanzenölen wie Hagebuttenöl, Tamanuöl oder Kaktusfeigenkernöl kombinieren.

Andirobaöl für Tiere

Auch bei Haustieren kann Andirobaöl eingesetzt werden, insbesondere als natürlicher Insektenschutz:

  • Floh- und Zeckenschutz: Die repellierende Wirkung der Limonoide kann als natürliche Ergänzung zu herkömmlichen Parasitenschutzmitteln dienen. Das Öl wird dünn auf das Fell aufgetragen, wobei Hunde es besser vertragen als Katzen.
  • Hautpflege bei Tieren: Bei Hautirritationen, Juckreiz oder trockener Haut kann Andirobaöl punktuell aufgetragen werden.
  • Pfotenpflege: Im Winter schützt das Öl empfindliche Hundepfoten vor Kälte und Streusalz.

Wichtig: Die orale Aufnahme größerer Mengen sollte bei Haustieren vermieden werden. Der bittere Geschmack der Limonoide dient als natürlicher Schutz vor übermäßigem Verzehr. Bei Katzen ist besondere Vorsicht geboten, da sie Fett langsamer verstoffwechseln.

Wissenschaftliche Studienlage zu Andirobaöl

Die wissenschaftliche Erforschung von Andirobaöl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Forschungsergebnisse zusammen:

Entzündung und Wundheilung

Die umfangreichste Aufarbeitung der Studienlage stammt von Fonseca et al. (2024), die in einer Scoping-Review nach JBI-Methodik 22 Studien analysierten. Die Ergebnisse zeigen, dass Andirobaöl die Immunantwort bei Entzündungen und Wundheilung positiv moduliert – sowohl in vitro als auch in vivo. Besonders hervorzuheben ist die Erkenntnis, dass Formulierungen wie Nanoemulsionen und Gele die Wirksamkeit gegenüber reinem Öl nochmals steigern können.[2]

Sicherheit und Verträglichkeit

Mehrere Studien haben die Sicherheit von Andirobaöl untersucht. In einer Studie zur Genotoxizität, Hämatotoxizität und antioxidativen Aktivität zeigten sich keine genotoxischen, zytotoxischen oder mutagenen Effekte. Die Ergebnisse legen nahe, dass die in den Fettsäuren enthaltene apoptotische Aktivität nicht auf genetische Schäden zurückzuführen ist.[7]

Antiparasitäre Wirkung

Andirobaöl und seine Limonoidfraktionen zeigten in einer Studie Wirksamkeit gegen Leishmanien (Leishmania amazonensis), wobei bestimmte Limonoidfraktionen – insbesondere solche mit hohem Gehalt an 11β-Hydroxygedunin – signifikant niedrigere IC50-Werte erzielten als das Vollöl.[11]

Klinische Studien

Eine randomisierte, doppelblinde klinische Studie aus 2020 untersuchte die therapeutische Wirkung von Andiroba-Gel auf orale Mukositis bei leukämiekranken Kindern nach Chemotherapie. Das Andiroba-Gel zeigte vielversprechende Ergebnisse bei der Reduktion der Symptomatik und der Beschleunigung der Heilung.[12]

Es ist zu beachten, dass die Mehrheit der Studien bisher in vitro oder im Tiermodell durchgeführt wurde. Größere randomisierte klinische Studien am Menschen werden benötigt, um die vielversprechenden Ergebnisse weiter zu bestätigen.

Andirobaöl im Vergleich zu anderen Pflanzenölen

Die folgende Gegenüberstellung zeigt die Besonderheiten von Andirobaöl im Vergleich zu verwandten Hautpflegeölen:

  • Andirobaöl vs. Kokosöl: Während Kokosöl vor allem durch seine mittelkettigen Fettsäuren (Laurinsäure) und antimikrobielle Wirkung punktet, zeichnet sich Andirobaöl durch seine Limonoide und die stärkere entzündungshemmende Wirkung aus. Kokosöl ist komedogener (Grad 4) als Andirobaöl und kann bei fettiger Haut Unreinheiten fördern.
  • Andirobaöl vs. Arganöl: Arganöl ist reich an Vitamin E und essentiellen Fettsäuren, hat jedoch keine vergleichbare antiallergische oder insektenabwehrende Wirkung. Arganöl eignet sich besser als tägliches Gesichtsöl für normale Haut, Andirobaöl besser für entzündliche und gereizte Hautzustände.
  • Andirobaöl vs. Tamanuöl: Tamanuöl ist ebenfalls für seine wundheilenden Eigenschaften bekannt. Beide Öle ergänzen sich gut in einer Kombination für die Pflege geschädigter oder narbiger Haut.
  • Andirobaöl vs. Neemöl: Neemöl gehört wie Andirobaöl zur Familie der Meliaceae und enthält ebenfalls Limonoide. Neemöl hat einen stärkeren Geruch und wird primär als Insektizid eingesetzt, während Andirobaöl besser für die Hautpflege geeignet ist.
  • Andirobaöl vs. Jojobaöl: Jojobaöl (eigentlich ein Wachs) ist leichter und nicht-komedogen – ideal für die tägliche Gesichtspflege bei fettiger und Mischhaut. Andirobaöl ist reichhaltiger und therapeutischer, besser geeignet für gezielte Behandlungen.

Einen umfassenden Überblick über die Eigenschaften verschiedener Öle finden Sie in unserer Speiseöl-Übersicht.

Nebenwirkungen und Hinweise

Verträglichkeit und Sicherheit

Andirobaöl gilt als gut verträglich und zeigt in Studien keine genotoxischen oder mutagenen Effekte.[7] Dennoch gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Bitterer Geschmack: Andirobaöl schmeckt aufgrund der enthaltenen Limonoide ausgeprägt bitter. Es wird daher primär äußerlich angewendet und eignet sich nicht als Speiseöl.
  • Mögliche Hautreaktionen: Bei empfindlichen Personen kann Andirobaöl in seltenen Fällen Hautreaktionen auslösen. Es empfiehlt sich, das Öl zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen.
  • Orale Aufnahme: Während Andirobaöl in der brasilianischen Volksmedizin auch innerlich angewendet wird, sollte eine orale Einnahme nur unter ärztlicher Anleitung erfolgen. Der hohe Limonoidgehalt kann in großen Mengen Magenreizungen verursachen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung von Andirobaöl – insbesondere in großen Mengen – mit einem Arzt besprochen werden, da keine ausreichenden Studien zur Sicherheit in dieser Phase vorliegen.
  • Wechselwirkungen: Bisher sind keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Medikamenten bekannt. Bei gleichzeitiger Anwendung mit entzündungshemmenden Medikamenten sollte dennoch ein Arzt konsultiert werden.

Kein Ersatz für medizinische Behandlung

Andirobaöl ist kein Arzneimittel. Bei schwerwiegenden Hauterkrankungen, nicht heilenden Wunden oder chronischen Entzündungen sollte immer eine ärztliche Diagnose und Behandlung erfolgen. Andirobaöl kann als ergänzende, natürliche Pflegemaßnahme eingesetzt werden, ersetzt aber keine medizinische Therapie.

Andirobaöl kaufen – Worauf sollte man achten?

Beim Kauf von Andirobaöl sind folgende Qualitätskriterien entscheidend:

  1. Kaltgepresst und nativ: Nur kaltgepresstes, unraffiniertes Andirobaöl enthält den vollen Gehalt an Limonoiden, Polyphenolen und ungesättigten Fettsäuren. Raffiniertes Öl verliert einen Großteil dieser Wirkstoffe.
  2. Herkunft: Hochwertiges Andirobaöl stammt aus dem brasilianischen Amazonasgebiet, wo die Bäume unter optimalen Bedingungen wachsen. Achten Sie auf transparente Herkunftsangaben.
  3. Nachhaltige Gewinnung: Da die Andiroba-Bäume nicht gefällt werden, ist die Ölgewinnung grundsätzlich nachhaltig. Fair-Trade-Zertifizierungen stellen sicher, dass die Sammlergemeinschaften fair entlohnt werden.
  4. Farbe und Geruch: Hochwertiges Andirobaöl hat eine hellgelbe, leicht durchscheinende Farbe und einen charakteristisch bitteren Geschmack. Ein ranziger oder unangenehmer Geruch deutet auf minderwertige Qualität oder falsche Lagerung hin.
  5. Verpackung: Lichtgeschützte Glasflaschen bewahren die Qualität und die empfindlichen Limonoide am besten.
  6. Reinheit: Achten Sie auf 100 % reines Andirobaöl ohne Zusätze oder Verdünnungen. Der INCI-Name lautet „Carapa Guianensis Seed Oil".

Andirobaöl ist in Deutschland in spezialisierten Naturkosmetik-Shops, Reformhäusern und online erhältlich. Aufgrund der aufwendigen Gewinnung und des Transports liegt der Preis über dem gängiger europäischer Pflanzenöle.

Lagerung und Haltbarkeit von Andirobaöl

Andirobaöl weist dank seines hohen Anteils an Ölsäure und der enthaltenen antioxidativen Verbindungen eine gute Haltbarkeit auf:

  • Ungeöffnet: Bei sachgemäßer Lagerung ist Andirobaöl in der Regel 12–24 Monate haltbar.
  • Nach dem Öffnen: Nach dem Öffnen sollte das Öl innerhalb von 6–12 Monaten aufgebraucht werden.

Richtige Lagerung:

  • Kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahren – am besten in einer dunklen Glasflasche.
  • Andirobaöl muss nicht gekühlt werden, profitiert aber von Lagerung bei konstanter Temperatur (unter 25 °C).
  • Direktes Sonnenlicht und Wärme vermeiden, da diese den Abbau der empfindlichen Limonoide beschleunigen.
  • Die Flasche nach jedem Gebrauch fest verschließen, um Oxidation durch Luftkontakt zu minimieren.

Zeichen von Verderb: Ein ranziger, scharfer Geruch oder eine deutlich dunklere Verfärbung deuten darauf hin, dass das Öl nicht mehr verwendet werden sollte.

Quellen

  1. Penido, C., Conte, F. P., Chagas, M. S., Rodrigues, C. A., Castelo-Branco, J. F., & Henriques, M. G. (2013). The therapeutic properties of Carapa guianensis. Current Pharmaceutical Design, 19(14), 2637–2650. doi:10.2174/1381612811319140012
  2. Fonseca, A. C., et al. (2024). Effects of andiroba oil (Carapa guianensis Aublet) on the immune system in inflammation and wound healing: A scoping review. Journal of Ethnopharmacology, 323, 117698. doi:10.1016/j.jep.2024.117698
  3. Klauck, V., Pazinato, R., Lopes, L. S., et al. (2014). Insecticidal and repellent effects of tea tree and andiroba oils on flies associated with livestock. Medical and Veterinary Entomology, 28(Suppl 1), 33–39. doi:10.1111/mve.12078
  4. Novello, A. A., Lopes, N. P., & de Oliveira, J. S. (2015). Andiroba oil (Carapa guianensis): Descriptive analysis and applicability. Industrial Crops and Products, 167, 108575. doi:10.1016/j.indcrop.2023.108575
  5. Gomes, J. T., Wanzeler, A. M. V., Júnior, S. M. A., et al. (2023). The chromatographic constitution of andiroba oil and his healing effects, compared to the LLLT outcomes, in oral mucositis induced in golden Syrian hamsters. Oncotarget, 14, 45–63. doi:10.18632/oncotarget.28338
  6. Chia, C. Y., Medeiros, A. D., Corraes, A. M., et al. (2018). Healing effect of andiroba-based emulsion in cutaneous wound healing via modulation of inflammation and transforming growth factor beta 3. Acta Cirúrgica Brasileira, 33(11), 1000–1015. doi:10.1590/s0102-865020180110000007
  7. Milhomem-Paixão, S. S., Fascineli, M. L., Roll, M. M., et al. (2016). The lipidome, genotoxicity, hematotoxicity and antioxidant properties of andiroba oil from the Brazilian Amazon. Genetics and Molecular Biology, 39(2), 248–256. doi:10.1590/1678-4685-GMB-2015-0098
  8. Farias, L. H. S., Damasceno, L. M. O., Pinto, R. H. H., et al. (2020). Andiroba oil (Carapa guianensis Aubl) shows cytotoxicity but no mutagenicity in the ACPP02 gastric cancer cell line. Journal of Medicinal Food, 23(3), 316–320. doi:10.1089/jmf.2019.0102
  9. Ferraz, I. D. K., Camargo, J. L. C., & Sampaio, P. T. B. (2023). Bioactive limonoids from Carapa guianensis seeds oil and the sustainable use of its by-products. Chemical and Biological Technologies in Agriculture, 10, 24. doi:10.1186/s40538-023-00395-3
  10. Miot, H. A., Lauterbach, G. P., Ribeiro, F. A. H., et al. (2004). Comparative study of the topical effectiveness of the Andiroba oil (Carapa guianensis) and DEET 50% as repellent for Aedes sp. Revista da Sociedade Brasileira de Medicina Tropical, 37(6), 488–490. doi:10.1590/S0037-86822004000600009
  11. da Silva, M. A. C., et al. (2018). Carapa guianensis Aublet (Andiroba) Seed Oil: Chemical Composition and Antileishmanial Activity of Limonoid-Rich Fractions. BioMed Research International, 2018, 5032816. doi:10.1155/2018/5032816
  12. Soares, E. A., et al. (2020). Therapeutic effects of andiroba (Carapa guianensis Aubl) oil, compared to low power laser, on oral mucositis in children underwent chemotherapy: A clinical study. Journal of Ethnopharmacology, 264, 113388. doi:10.1016/j.jep.2020.113388
  13. Santos, A. O., Izumi, E., Ueda-Nakamura, T., et al. (2013). Antileishmanial activity of diterpene acids in copaiba oil. Memórias do Instituto Oswaldo Cruz, 108(1), 59–64. doi:10.1590/S0074-02762013000100010
  14. Lima, M. R. F., et al. (2021). PCL/Andiroba Oil (Carapa guianensis Aubl.) Hybrid Film for Wound Healing Applications. Polymers, 13(10), 1591. doi:10.3390/polym13101591
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