Trägeröle für ätherische Öle

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Trägeröle – auch Basisöle oder Pflanzenöle genannt – sind fette, nicht-flüchtige Öle, die aus Samen, Nüssen oder Fruchtfleisch von Pflanzen gewonnen werden. Sie dienen als Verdünnungsmedium für ätherische Öle und ermöglichen deren sichere Anwendung auf der Haut. Ohne ein geeignetes Trägeröl können hochkonzentrierte ätherische Öle Hautreizungen, Rötungen oder allergische Reaktionen auslösen.

Jedes Trägeröl bringt eigene Fettsäuren, Vitamine und Wirkstoffe mit, die Ihre Haut zusätzlich pflegen. Jojobaöl etwa ähnelt dem menschlichen Hauttalg und zieht nahezu rückstandsfrei ein. Arganöl liefert Vitamin E und Phytosterole für reife Haut. Die Wahl des richtigen Trägeröls entscheidet daher nicht nur über die Verträglichkeit, sondern auch über den Pflegeeffekt Ihrer Mischung.

Verschiedene Trägeröle für ätherische Öle in Glasflaschen – Jojobaöl, Mandelöl, Kokosöl und Arganöl

Dieser Ratgeber vergleicht die wichtigsten Trägeröle nach Eigenschaften, Hauttyp und Anwendungszweck. Sie erfahren, welches Öl für Ihr Hautbedürfnis am besten geeignet ist, wie Sie Trägeröle kombinieren und worauf Sie bei der Komedogenität achten sollten.

Auf einen Blick

  • Definition: Trägeröle sind fette Pflanzenöle, die ätherische Öle verdünnen und sicher auf die Haut transportieren.
  • Hautschutz: Unverdünnte ätherische Öle können Reizungen verursachen – ein Trägeröl senkt die Konzentration und die Zytotoxizität nachweislich um bis zu 87,5 %.[1]
  • Eigenwirkung: Trägeröle liefern Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien, die Hautbarriere, Feuchtigkeit und Elastizität eigenständig unterstützen.[2]
  • Hauttyp-Auswahl: Leichte Öle wie Jojoba oder Traubenkern eignen sich für fettige Haut; reichhaltige Öle wie Avocado oder Argan für trockene Haut.
  • Komedogenität: Auf einer Skala von 0–5 bewerten Dermatologen das Poren-Verstopfungsrisiko – Jojobaöl liegt bei 2, Kokosöl bei 4.[3]
  • Haltbarkeit: Je nach Fettsäureprofil halten Trägeröle zwischen 6 Monaten (Hagebuttenöl) und über 2 Jahren (Jojobaöl).

Was sind Trägeröle und warum braucht man sie?

Trägeröle bestehen chemisch aus Triglyceriden – Verbindungen aus Glycerin und Fettsäuren – und unterscheiden sich damit grundlegend von ätherischen Ölen, die aus flüchtigen Terpenverbindungen bestehen. Während ätherische Öle innerhalb von Minuten verdunsten, bleiben Trägeröle stabil auf der Haut und bilden einen schützenden Lipidfilm.[2]

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenauszüge. Bereits wenige Tropfen enthalten Hunderte bioaktiver Moleküle, die bei direktem Hautkontakt die Epidermis reizen können. Ein Trägeröl verdünnt diese Konzentration auf ein sicheres Maß – üblicherweise 1–3 % – und verlangsamt gleichzeitig die Aufnahme über die Haut. So wirken die ätherischen Öle gleichmäßiger und länger.

Forschungsergebnisse zeigen, dass Trägeröle die antimikrobielle Wirkung ätherischer Öle nicht abschwächen. Im Gegenteil: Jojobaöl und Aloe-Vera-Gel verstärkten in einer Studie die Wirksamkeit gegen Hautkeime wie Brevibacterium epidermidis und Pseudomonas aeruginosa, während sie die Zytotoxizität deutlich reduzierten.[1] Trägeröle sind also keine bloßen Verdünnungsmittel, sondern aktive Partner in der Aromatherapie.

Einen Überblick über die Grundlagen ätherischer Öle finden Sie im Einführungsartikel.

Trägeröle im Vergleich: Eigenschaften, Hauttyp und Besonderheiten

Die folgende Vergleichstabelle fasst die zehn gängigsten Trägeröle zusammen. Entscheidend für die Auswahl sind Fettsäureprofil, Einziehdauer, Komedogenität und Haltbarkeit. Jedes Öl hat ein eigenes Wirkprofil – und keines ist universell „das Beste".

TrägerölWichtigste FettsäurenKomedogenität (0–5)HauttypEinziehdauerHaltbarkeit
JojobaölGadoleinsäure (68–75 %), Erucasäure (13–15 %)2Alle HauttypenSchnellÜber 2 Jahre
Mandelöl (süß)Ölsäure (62–86 %), Linolsäure (7–30 %)2Empfindlich, trocken, normalMittel6–12 Monate
KokosölLaurinsäure (49 %), Myristinsäure (18 %)4Trockene Haut, Körper (nicht Gesicht)LangsamÜber 2 Jahre
ArganölÖlsäure (43 %), Linolsäure (37 %)0Trocken, reif, normalMittel12–18 Monate
HagebuttenölLinolsäure (45 %), α-Linolensäure (32 %)1Reif, unrein, NarbenSchnell3–6 Monate
AprikosenkernölÖlsäure (58–74 %), Linolsäure (20–34 %)2Empfindlich, BabyhautSchnell6–12 Monate
TraubenkernölLinolsäure (60–76 %), Ölsäure (12–28 %)2Fettig, MischhautSehr schnell3–6 Monate
AvocadoölÖlsäure (50–70 %), Palmitinsäure (11–25 %)2Trocken, reif, strapaziertLangsam8–12 Monate
OlivenölÖlsäure (55–83 %), Linolsäure (3–21 %)2Trocken (Körper)Langsam12–18 Monate
SesamölÖlsäure (35–50 %), Linolsäure (35–50 %)2Trocken, normalMittel6–12 Monate

Jojobaöl – der Allrounder für jeden Hauttyp

Jojobaöl (Simmondsia chinensis) ist streng genommen kein Öl, sondern ein flüssiges Wachs. Es besteht zu etwa 97–98 % aus Wachsestern – Verbindungen aus langkettigen Fettsäuren und Fettalkoholen.[4] Dieses Profil ähnelt dem menschlichen Hauttalg (Sebum) stärker als jedes andere Pflanzenöl. Die Hauptfettsäure Gadoleinsäure (C20:1) macht 68–75 % aus und ist eine Omega-9-Fettsäure, die die Haut effektiv durchdringt, ohne einen fettigen Film zu hinterlassen.[5]

Jojobaöl wirkt entzündungshemmend, antioxidativ und antibakteriell. Eine Ex-vivo-Studie an menschlicher Haut zeigte, dass topisch aufgetragenes Jojobawachs die Synthese von Prokollagen III und Hyaluronsäure steigert und gleichzeitig proinflammatorische Zytokine senkt.[6] Das Öl reguliert die Talgproduktion: Bei fettiger Haut signalisiert es den Talgdrüsen, weniger Sebum zu produzieren; bei trockener Haut gleicht es den Lipidmangel aus.

Ein besonderer Vorteil ist die Oxidationsstabilität. Wachsester oxidieren deutlich langsamer als Triglyceride, was Jojobaöl eine Haltbarkeit von über zwei Jahren verleiht – die längste unter den gängigen Trägerölen.

Süßes Mandelöl – der Klassiker für empfindliche Haut

Süßes Mandelöl (Prunus dulcis) enthält bis zu 86 % Ölsäure und hohe Anteile an Vitamin E, Vitamin A und Zink. Seit der Antike wird es in der ayurvedischen Medizin, der traditionellen chinesischen Medizin und der griechisch-persischen Heilkunde zur Behandlung von Ekzemen und Schuppenflechte eingesetzt.[7]

Klinische Studien bestätigen seine Wirkung als Emolliens: Es verbessert Hautton und -beschaffenheit und reduziert narbiges Gewebe.[7] Ein Review von 2022 dokumentiert, dass Mandelöl bei Erwachsenen und Kindern die Hautbarriere stärkt, sofern die Formulierung und Ölqualität stimmen.[8] Mandelöl zieht mittlere schnell ein, hinterlässt einen leichten Schutzfilm und eignet sich besonders als Massageöl.

Achtung: Menschen mit Nussallergie sollten Mandelöl meiden. Führen Sie vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest durch. Detaillierte Hinweise zum Patch-Test finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Kokosöl – antimikrobiell und feuchtigkeitsspendend, aber komedogen

Natives Kokosöl (Cocos nucifera) besteht zu rund 49 % aus Laurinsäure, einer mittelkettigen Fettsäure mit nachgewiesener antimikrobieller Wirkung.[9] In einer randomisierten, doppelblinden Studie an 117 Kindern mit leichter bis mittelschwerer Neurodermitis senkte Kokosöl den SCORAD-Index um 68 % – signifikant stärker als Mineralöl (38 %).[10]

Kokosöl verbessert die Hautbarriere, senkt den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und besitzt antibakterielle Eigenschaften gegen Staphylococcus aureus: In einer kontrollierten Studie waren nach vierwöchiger Anwendung nur noch 5 % der mit Kokosöl behandelten Patienten mit S. aureus besiedelt, verglichen mit 50 % in der Olivenöl-Gruppe.[11]

Der Nachteil: Mit einem Komedogenitätswert von 4 verstopft Kokosöl leicht die Poren. Für die Gesichtspflege bei fettiger oder zu Unreinheiten neigender Haut ist es deshalb ungeeignet. Auf dem Körper, den Händen oder im Haar entfaltet es hingegen seine volle Pflegewirkung.

Arganöl – das Anti-Aging-Öl aus Marokko

Arganöl (Argania spinosa) enthält etwa 80 % ungesättigte Fettsäuren, davon rund 43 % Ölsäure und 37 % Linolsäure. Sein hoher Gehalt an Tocopherolen (Vitamin E), Phytosterolen, Squalen und Polyphenolen macht es zu einem der nährstoffreichsten Trägeröle.[2] Studien zeigen, dass Arganöl die Hautelastizität verbessert und antioxidativ gegen freie Radikale wirkt.[12]

Arganöl gilt mit einem Komedogenitätswert von 0 als nicht komedogen und eignet sich daher auch für das Gesicht. Es zieht mittlere schnell ein, ohne zu fetten, und lässt sich gut mit leichteren Ölen kombinieren. Für reife Haut ist Arganöl eine besonders gute Wahl: Die Kombination aus Linolsäure, Vitamin E und Squalen unterstützt die Kollagensynthese und schützt vor lichtbedingter Hautalterung.

Hagebuttenöl – Vitamin A und C für Hautregeneration

Hagebuttenöl wird aus den Samen der Wildrose (Rosa canina) gewonnen und ist reich an Linolsäure (ca. 45 %), α-Linolensäure (ca. 32 %), natürlichem Vitamin A (Trans-Retinsäure) und Vitamin C.[13] Diese Zusammensetzung macht es zu einem der wirksamsten Trägeröle für die Hautregeneration.

Eine Pilotstudie mit VISIA-Bildanalyse zeigte, dass topisch aufgetragenes Hagebuttenöl Falten, UV-Flecken und Rötungen signifikant reduziert.[14] Tierexperimentelle Daten belegen, dass das Öl die Wundheilung beschleunigt, indem es den Übergang von pro-entzündlichen M1-Makrophagen zu regenerativen M2-Makrophagen fördert.[15]

Hagebuttenöl zieht schnell ein, ist mit einem Komedogenitätswert von 1 nahezu nicht komedogen und eignet sich auch für unreine Haut. Der Nachteil: Es oxidiert schnell. Lagern Sie es im Kühlschrank und verbrauchen Sie es innerhalb von drei bis sechs Monaten. Tipps zur richtigen Lagerung bietet der Ratgeber zur Haltbarkeit ätherischer Öle.

Aprikosenkernöl – sanft genug für Babyhaut

Aprikosenkernöl (Prunus armeniaca) enthält 58–74 % Ölsäure und 20–34 % Linolsäure sowie Vitamin A und E. In Textur und Wirkung ähnelt es Mandelöl, ist aber noch leichter und wird oft als nussfreie Alternative verwendet – obwohl es botanisch aus einem Steinobstkern stammt.[2]

Aprikosenkernöl zieht schnell ein, pflegt ohne Fettfilm und eignet sich hervorragend für empfindliche oder gereizte Haut. In der Babypflege ist es ein beliebtes Basisöl für sanfte Massagen. Für die Anwendung ätherischer Öle bei Babys gelten strenge Sicherheitsregeln – diese finden Sie im Ratgeber für Babys und ätherische Öle.

Traubenkernöl – die leichte Wahl für fettige Haut

Traubenkernöl (Vitis vinifera) besteht zu 60–76 % aus Linolsäure und enthält Proanthocyanidine – starke Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren. Linolsäure ist eine essentielle Fettsäure, die die Haut zur Synthese von Ceramid-I-Linoleat benötigt, einem wichtigen Bestandteil der epidermalen Barriere.[9]

Traubenkernöl zieht sehr schnell ein, fühlt sich nahezu „trocken" an und eignet sich ideal für fettige Haut und Mischhaut. Als Massageöl ist es etwas zu dünnflüssig; in Kombination mit einem reichhaltigeren Öl (etwa Mandelöl im Verhältnis 1:1) liefert es jedoch eine angenehme Gleiteigenschaft. Sein einziger Schwachpunkt ist die kurze Haltbarkeit: Der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren macht es anfällig für Oxidation.

Avocadoöl – reichhaltige Pflege für sehr trockene Haut

Avocadoöl (Persea americana) liefert 50–70 % Ölsäure und ist reich an Vitamin A, D, E und Lecithin. Es dringt tief in die Haut ein und gilt als eines der reichhaltigsten Trägeröle. Studien ordnen Avocadoöl entzündungshemmende und wundheilende Eigenschaften zu.[9]

Avocadoöl eignet sich besonders für strapazierte, rissige oder sehr trockene Haut und lässt sich gut in dickere Cremes oder Balsame einarbeiten. In der Gesichtspflege sollten Sie es sparsam dosieren oder mit einem leichteren Öl mischen, da es langsam einzieht und einen spürbaren Film hinterlässt.

Olivenöl – bewährt am Körper, problematisch im Gesicht

Olivenöl (Olea europaea) enthält 55–83 % Ölsäure und ist reich an Polyphenolen und Squalen. Es wurde in der Mittelmeerregion seit Jahrtausenden zur Hautpflege verwendet. Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Ölsäure in hoher Konzentration die Hautbarriere stören kann: Im Gegensatz zu linolsäurereichen Ölen durchbricht Ölsäure die Lipidstruktur des Stratum corneum und kann bei empfindlicher Haut Dermatitis auslösen.[9]

Olivenöl eignet sich daher eher für den Körper als für das Gesicht, besonders bei Neurodermitis-Patienten. Ein weiterer Nachteil ist sein intensiver Eigengeruch, der ätherische Öle überlagern kann. Für Aromatherapie-Mischungen gibt es bessere Alternativen.

Sesamöl – Ayurveda-Klassiker mit antioxidativer Kraft

Sesamöl (Sesamum indicum) enthält zu etwa gleichen Teilen Ölsäure und Linolsäure (je 35–50 %) sowie Sesamol und Sesamin – zwei natürliche Antioxidantien, die dem Öl eine überdurchschnittliche Oxidationsstabilität verleihen. In der ayurvedischen Heilkunde (Abhyanga-Massage) gilt es als das Basisöl schlechthin.[2]

Sesamöl hat eine wärmende Qualität und wird in der traditionellen Medizin bei Muskel- und Gelenkbeschwerden eingesetzt. Es zieht mittelschnell ein und eignet sich gut für Ganzkörpermassagen. Beim Kauf sollten Sie auf kaltgepresstes, nicht geröstetes Sesamöl achten – geröstetes Sesamöl hat einen starken Geruch und ist für die Aromatherapie ungeeignet.

Weitere Trägeröle im Überblick

Neben den zehn genannten Ölen gibt es weitere Trägeröle mit speziellen Eigenschaften:

  • Macadamianussöl: Enthält Palmitoleinsäure (ca. 20 %), die mit zunehmendem Alter in der Haut abnimmt. Besonders geeignet für reife und trockene Haut. Komedogenität: 2.
  • Hanföl: Hoher Anteil an γ-Linolensäure (GLA), entzündungshemmend, Komedogenität: 0. Kurze Haltbarkeit (3–6 Monate).
  • Nachtkerzenöl: Reich an GLA (8–14 %), traditionell bei Neurodermitis eingesetzt. Sehr oxidationsanfällig.
  • Tamanuöl: Dickflüssig, stark regenerierend, in der polynesischen Wundheilung verwendet. Für großflächige Anwendung zu schwer – besser punktuell auf Narben.
  • Schwarzkümmelöl: Enthält Thymochinon mit immunmodulierenden Eigenschaften. Kräftiger Eigengeruch, am besten mit milderen Ölen mischen.

Welches Trägeröl passt zu welchem Hauttyp?

Die Wahl des Trägeröls richtet sich vor allem nach dem Hauttyp. Entscheidend ist das Verhältnis von Ölsäure zu Linolsäure im Fettsäureprofil: Linolsäurereiche Öle stärken die Hautbarriere, ohne die Poren zu belasten. Ölsäurereiche Öle dringen tiefer ein und pflegen intensiver, können aber bei fettiger Haut Unreinheiten begünstigen.

Trockene Haut – reichhaltige Öle mit hohem Ölsäureanteil

Trockene Haut leidet unter einem Mangel an hauteigenen Lipiden. Öle mit hohem Ölsäureanteil stellen diesen Lipidfilm wieder her und reduzieren den transepidermalen Wasserverlust. Besonders geeignet sind:

  • Avocadoöl – sehr reichhaltig, dringt tief ein, liefert Vitamin A, D und E
  • Arganöl – nährstoffreich, nicht komedogen, verbessert nachweislich die Hautelastizität
  • Mandelöl – bewährt, mild, bildet einen schützenden Film
  • Sesamöl – wärmend, gute Gleitfähigkeit für Massage

Fettige Haut und Mischhaut – leichte, linolsäurereiche Öle

Bei fettiger Haut ist die Talgproduktion erhöht. Öle mit hohem Linolsäureanteil regulieren die Sebumproduktion, stärken die Barriere und ziehen schnell ein, ohne die Poren zu verstopfen. Wählen Sie Öle mit einer Komedogenität von 0–2:

  • Jojobaöl – reguliert die Talgproduktion, zieht rückstandsfrei ein
  • Traubenkernöl – sehr leicht, 60–76 % Linolsäure, adstringierende Wirkung
  • Hanföl – Komedogenität 0, entzündungshemmend durch GLA
  • Hagebuttenöl – leicht, regenerierend, mit natürlichem Retinol

Empfindliche Haut – milde, reizarme Öle

Empfindliche Haut reagiert schnell mit Rötung und Juckreiz. Verwenden Sie milde, gut verträgliche Öle mit einem ausgewogenen Fettsäureprofil:

  • Mandelöl – seit Jahrhunderten in der Dermatologie bewährt, hohe Verträglichkeit
  • Aprikosenkernöl – sehr mild, schnell einziehend, auch für Babyhaut geeignet
  • Jojobaöl – sebumähnlich, nicht reizend, für alle Hauttypen verträglich

Reife Haut – regenerierende Öle mit Antioxidantien

Reife Haut benötigt Öle, die die Kollagensynthese unterstützen und oxidativen Stress reduzieren. Vitamin A, Vitamin E und Carotinoide spielen hier eine zentrale Rolle:

  • Hagebuttenöl – enthält Trans-Retinsäure und Carotinoide, reduziert Falten und UV-Flecken nachweislich[14]
  • Arganöl – Vitamin E, Phytosterole und Squalen schützen vor vorzeitiger Hautalterung
  • Macadamianussöl – liefert Palmitoleinsäure, die in der alternden Haut abnimmt
  • Avocadoöl – reich an Vitamin A und E, fördert die Kollagenproduktion

Weitere Informationen zur Hautpflege mit ätherischen Ölen bietet der Ratgeber zu ätherischen Ölen für die Haut.

Trägeröl nach Anwendungszweck auswählen

Neben dem Hauttyp bestimmt auch der Anwendungszweck die Wahl des Trägeröls. Ein Massageöl muss anders beschaffen sein als ein Gesichtsserum.

Trägeröle für die Massage

Für Massagen brauchen Sie ein Öl mit guter Gleiteigenschaft, das nicht zu schnell einzieht. Es sollte die Hände geschmeidig über die Haut gleiten lassen, ohne rasch zu trocknen:

  • Mandelöl – der Klassiker in der Massagetherapie, mittlere Viskosität, angenehmer Gleitfilm
  • Sesamöl – wärmend, ideal für Ayurveda-Massagen
  • Jojobaöl + Mandelöl (1:1) – kombiniert Gleiteigenschaft mit schneller Aufnahme

Massagetechniken und Öl-Mischungen speziell für die Aromatherapie-Massage beschreibt der Ratgeber zur Massage mit ätherischen Ölen.

Trägeröle für die Gesichtspflege

Für das Gesicht eignen sich leichte, schnell einziehende Öle mit niedriger Komedogenität. Tragen Sie abends 2–3 Tropfen auf die gereinigte, noch leicht feuchte Haut auf – so kann das Öl die Feuchtigkeit einschließen:

  • Jojobaöl – reguliert den Hauttalg, als Serum morgens und abends verwendbar
  • Arganöl – nährstoffreich, nicht komedogen, als Nachtpflege ideal
  • Hagebuttenöl – regenerierend, bei Pigmentflecken und feinen Linien

Trägeröle für die Haarpflege

In der Haarpflege kommt es auf die Fähigkeit des Öls an, das Haar zu durchdringen und Proteinverlust zu reduzieren:

  • Kokosöl – dringt nachweislich in den Haarschaft ein und reduziert Proteinverlust (hier ist die hohe Komedogenität kein Problem)
  • Arganöl – glättet die Haaroberfläche, reduziert Frizz
  • Jojobaöl – pflegt Kopfhaut und Haarspitzen ohne zu beschweren

Trägeröle für Babypflege

Babyhaut ist dünner und durchlässiger als Erwachsenenhaut. Verwenden Sie ausschließlich milde, reizarme Öle ohne starken Eigengeruch:

  • Aprikosenkernöl – sehr mild, schnell einziehend
  • Mandelöl – bewährt, nur bei nachgewiesener Nussallergie-Freiheit
  • Jojobaöl – sebumähnlich, hypoallergen

Vermeiden Sie Kokosöl im Gesicht von Babys (hohe Komedogenität) und Olivenöl (kann die unreife Hautbarriere stören). Ausführliche Sicherheitshinweise finden Sie im Baby-Ratgeber.

Die Komedogenitäts-Skala: Welche Trägeröle verstopfen die Poren?

Die Komedogenitäts-Skala bewertet Inhaltsstoffe auf einer Skala von 0 bis 5 danach, wie wahrscheinlich sie die Hautporen verstopfen und Komedonen (Mitesser) verursachen. Die Skala geht auf dermatologische Untersuchungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren zurück, bei denen Substanzen auf Kaninchenohren getestet wurden.[3] Die Übertragbarkeit auf menschliche Haut ist begrenzt, die Skala dient daher als Orientierungshilfe – nicht als Garantie.

WertBedeutungEmpfehlung
0Nicht komedogenFür alle Hauttypen geeignet
1Sehr geringe WahrscheinlichkeitFür die meisten Hauttypen sicher
2Mäßig geringe WahrscheinlichkeitFür empfindliche Haut mit Vorsicht
3Mittlere WahrscheinlichkeitNicht für unreine oder fettige Haut
4–5Hoch bis sehr hochNicht für Gesicht; nur Körper oder Haare

Komedogenität gängiger Trägeröle

TrägerölKomedogenitätswert
Hanföl0
Arganöl0
Sonnenblumenöl0
Sheabutter0
Distelöl (Saflor)0
Hagebuttenöl1
Rizinusöl1
Jojobaöl2
Mandelöl (süß)2
Aprikosenkernöl2
Traubenkernöl2
Avocadoöl2
Olivenöl2
Sesamöl2
Sojaöl3
Maiskeimöl3
Kokosöl4
Kakaobutter4
Weizenkeimöl5

Beachten Sie: Die individuelle Reaktion hängt auch von Hauttyp, Konzentration im Produkt und weiteren Inhaltsstoffen ab. Ein Öl mit Komedogenitätswert 2, das nur 5 % einer Creme ausmacht, verstopft die Poren weit weniger als dasselbe Öl pur aufgetragen. Testen Sie neue Öle immer erst an einer kleinen Hautstelle. Mehr zu komedogenen und nicht-komedogenen Ölen finden Sie im ausführlichen Ratgeber.

Kann man Trägeröle miteinander mischen?

Trägeröle lassen sich beliebig kombinieren. Das Mischen verschiedener Öle ist sogar eine bewährte Methode in der Aromatherapie, weil sich die Stärken einzelner Öle gegenseitig ergänzen:

  • Leichtes + reichhaltiges Öl: Traubenkernöl (schnell einziehend) + Avocadoöl (nährend) im Verhältnis 2:1 ergibt ein mittelleichtes Pflegeöl für normale Haut.
  • Basis + Wirkstofföl: Jojobaöl als Basis (80 %) + Hagebuttenöl als Wirkstoffzusatz (20 %) liefert Anti-Aging-Pflege bei guter Haltbarkeit.
  • Massageöl-Mischung: Mandelöl (60 %) + Jojobaöl (30 %) + Arganöl (10 %) kombiniert Gleiteigenschaft, Sebumähnlichkeit und Nährstoffdichte.

Achten Sie beim Mischen auf die Haltbarkeit des kurzlebigsten Öls in der Mischung – dieses bestimmt die Gesamthaltbarkeit. Eine Mischung aus Jojobaöl (über 2 Jahre haltbar) und Hagebuttenöl (3–6 Monate) hält insgesamt nur 3–6 Monate.

Haltbarkeit von Trägerölen – ein kurzer Überblick

Die Haltbarkeit eines Trägeröls hängt vom Anteil ungesättigter Fettsäuren ab. Je höher der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren (PUFAs), desto schneller oxidiert das Öl:

  • Sehr lange haltbar (über 2 Jahre): Jojobaöl (Wachsester), Kokosöl (hoher Anteil gesättigter Fettsäuren)
  • Lange haltbar (12–18 Monate): Arganöl, Olivenöl
  • Mittlere Haltbarkeit (6–12 Monate): Mandelöl, Sesamöl, Aprikosenkernöl, Avocadoöl
  • Kurze Haltbarkeit (3–6 Monate): Hagebuttenöl, Traubenkernöl, Hanföl, Nachtkerzenöl

Lagern Sie alle Trägeröle kühl, dunkel und gut verschlossen. Ranziges Öl erkennen Sie am stechenden, unangenehmen Geruch und sollten es nicht mehr verwenden. Detaillierte Tipps zur Lagerung und Haltbarkeitsprüfung bietet der Haltbarkeitsratgeber.

Trägeröl und ätherisches Öl richtig mischen: Dosierungshinweis

Verdünnen Sie ätherische Öle in der Regel auf 1–3 % in einem Trägeröl – das entspricht etwa 3–9 Tropfen ätherisches Öl auf 15 ml (1 Esslöffel) Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Sicherheitshinweise und Qualitätstipps

Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Verwenden Sie ausschließlich kaltgepresste, unraffinierte Trägeröle in Lebensmittel- oder Kosmetikqualität. Raffinierte Öle verlieren durch den Verarbeitungsprozess einen Großteil ihrer Vitamine, Phytosterole und Antioxidantien. Achten Sie auf biologische Zertifizierung, wo verfügbar. Woran Sie echte Qualität bei ätherischen Ölen erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Trägeröl und einem ätherischen Öl?

Trägeröle sind fette, nicht-flüchtige Pflanzenöle aus Samen oder Nüssen, die hauptsächlich aus Triglyceriden bestehen. Ätherische Öle hingegen sind hochkonzentrierte, flüchtige Pflanzenauszüge aus Terpenverbindungen, die durch Destillation oder Kaltpressung gewonnen werden. Trägeröle dienen dazu, ätherische Öle zu verdünnen und sicher auf die Haut aufzutragen – sie „tragen" das ätherische Öl zur Haut.

Welches Trägeröl ist am besten für das Gesicht geeignet?

Jojobaöl und Arganöl zählen zu den besten Trägerölen für das Gesicht. Jojobaöl (Komedogenität 2) ähnelt dem menschlichen Hauttalg und reguliert die Talgproduktion. Arganöl (Komedogenität 0) liefert Vitamin E und Antioxidantien. Für reife Haut eignet sich zusätzlich Hagebuttenöl (Komedogenität 1) mit seinem natürlichen Vitamin-A-Gehalt. Vermeiden Sie Kokosöl (Komedogenität 4) im Gesicht, da es die Poren verstopfen kann.

Kann ich Kokosöl als Trägeröl für ätherische Öle verwenden?

Kokosöl eignet sich als Trägeröl für den Körper, die Hände und das Haar – nicht jedoch für die Gesichtspflege bei zu Unreinheiten neigender Haut. Mit einem Komedogenitätswert von 4 verstopft es leicht die Poren. Für Ganzkörpermassagen, als Haarkur oder bei sehr trockener Körperhaut ist Kokosöl eine gute Wahl, da es antimikrobielle und barrierestärkende Eigenschaften besitzt.

Wie lange sind Trägeröle haltbar?

Die Haltbarkeit variiert stark je nach Fettsäureprofil. Jojobaöl und Kokosöl halten über 2 Jahre, da sie wenig oxidationsanfällige Fettsäuren enthalten. Arganöl und Olivenöl halten 12–18 Monate. Öle mit hohem Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren wie Hagebutten-, Traubenkern- oder Hanföl halten nur 3–6 Monate. Lagern Sie alle Öle kühl, dunkel und verschlossen.

Kann man verschiedene Trägeröle miteinander mischen?

Trägeröle lassen sich hervorragend kombinieren. Eine bewährte Methode ist, ein leichtes Basisöl (z. B. Jojobaöl, 70–80 %) mit einem nährstoffreichen Wirkstofföl (z. B. Hagebuttenöl oder Arganöl, 20–30 %) zu mischen. Beachten Sie dabei: Die Haltbarkeit der Mischung richtet sich nach dem kurzlebigsten Öl. Mischen Sie immer nur kleine Mengen an, die Sie innerhalb weniger Wochen verbrauchen.

Quellen

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  2. Lin, T. K., Zhong, L., & Santiago, J. L. (2018). Anti-Inflammatory and Skin Barrier Repair Effects of Topical Application of Some Plant Oils. International Journal of Molecular Sciences, 19(1), 70. doi:10.3390/ijms19010070
  3. Fulton, J. E., Pay, S. R., & Fulton, J. E. (1984). Comedogenicity of current therapeutic products, cosmetics, and ingredients in the rabbit ear. Journal of the American Academy of Dermatology, 10(1), 96–105. doi:10.1016/S0190-9622(84)80050-X
  4. Al-Obaidi, J. R., Halabi, M. F., AlKhalifah, N. S., Asanar, S., Al-Soqeer, A. A., & Attia, M. F. (2017). A review on plant importance, biotechnological aspects, and cultivation challenges of jojoba plant. Biological Research, 50(1), 25. doi:10.1186/s40659-017-0131-x
  5. Awad, E. M., Ibrahim, E. A., Hassan, N. S., & Saad-Allah, K. M. (2022). Evaluation of the Effect of Elite Jojoba Lines on the Chemical Properties of their Seed Oil. Molecules, 27(12), 3904. doi:10.3390/molecules27123904
  6. Tietel, Z., Melamed, S., Eretz-Kdosha, N., Guetta, A., Gonda, I., & Lewinsohn, E. (2024). Topical application of jojoba (Simmondsia chinensis L.) wax enhances the synthesis of pro-collagen III and hyaluronic acid and reduces inflammation in the ex-vivo human skin organ culture model. Frontiers in Pharmacology, 15, 1336749. doi:10.3389/fphar.2024.1336749
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