Ätherische Öle gegen Stress zählen zu den am besten erforschten Anwendungsgebieten der Aromatherapie. Duftmoleküle wie Linalool, Linalylacetat oder Limonen erreichen über die Nasenschleimhaut innerhalb von Sekunden das limbische System – jenen Teil des Gehirns, der Emotionen und Stressreaktionen steuert. Dort beeinflussen sie die Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), die für die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol verantwortlich ist.
Klinische Studien zeigen, dass bestimmte ätherische Öle den Cortisolspiegel im Speichel messbar senken, den Blutdruck reduzieren und die Herzfrequenz verlangsamen können. Diese Effekte treten teilweise schon nach 5–15 Minuten Inhalation ein. Besonders gut untersucht sind Lavendel, Bergamotte, Ylang-Ylang, Süßorange und Weihrauch – jedes mit einem eigenen Wirkprofil bei Stress.

Dieser Artikel erklärt, wie ätherische Öle auf physiologischer Ebene Stress reduzieren, welche Öle die stärkste Evidenz aufweisen und wie Sie diese in Ihrem Alltag einsetzen können – mit konkreten Rezepten für Diffuser, Roll-On, Badezusatz und Atemübung.
Auf einen Blick
- Wirkmechanismus: Ätherische Öle modulieren die HPA-Achse und können die Cortisolausschüttung nachweislich reduzieren.
- Lavendel: Inhalation senkte in einer klinischen Studie den Blutcortisol um bis zu 70 % stärker als in der Kontrollgruppe.
- Bergamotte: 15 Minuten Dampfinhalation reduzierten den Speichelcortisol signifikant und steigerten die parasympathische Nervenaktivität.
- Ylang-Ylang: Senkte in einer RCT an 29 Männern sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck signifikant.
- Wirkungseintritt: Erste messbare Effekte auf Cortisol und Herzfrequenz zeigen sich bereits nach 5–15 Minuten Inhalation.
- Sicherheit: Ätherische Öle ersetzen bei chronischem Stress keine professionelle Behandlung – sie ergänzen sie.
Wie reduzieren ätherische Öle Stress auf physiologischer Ebene?
Ätherische Öle wirken auf Stress über zwei zentrale Mechanismen: die olfaktorische Signalübertragung ins Gehirn und die direkte Aufnahme flüchtiger Verbindungen über die Lunge ins Blut. Beim Einatmen binden Duftmoleküle an Rezeptoren der Riechschleimhaut. Von dort leiten Nervenfasern die Signale direkt an Amygdala und Hypothalamus weiter – ohne den Umweg über den Thalamus, den andere Sinneseindrücke nehmen. Diese direkte Verbindung erklärt, warum Düfte so schnell emotionale Reaktionen auslösen.
Eine ausführliche Darstellung des Wirkmechanismus über das limbische System finden Sie im Ratgeber zur Wirkung ätherischer Öle.
Die Rolle der HPA-Achse bei der Stressreaktion
Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) ist das zentrale Stressregulationssystem des Körpers. Bei Stress schüttet der Hypothalamus das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) aus, das die Hypophyse zur Freisetzung von ACTH anregt. ACTH stimuliert dann die Nebennierenrinde, Cortisol zu produzieren. Cortisol erhöht kurzfristig die Leistungsfähigkeit – bei chronischer Überproduktion schädigt es jedoch das Immunsystem, den Stoffwechsel und kognitive Funktionen.[1]
Bestimmte Inhaltsstoffe ätherischer Öle – allen voran Linalool und Linalylacetat – dämpfen nachweislich die Aktivität der HPA-Achse. Sie verringern die CRH-Ausschüttung im Hypothalamus und reduzieren so die gesamte Cortisolkaskade. Gleichzeitig fördern sie die Aktivität des Parasympathikus, des „Ruhe-und-Erholung"-Teils des autonomen Nervensystems.[2]
Einen übergreifenden Überblick zur Neurochemie von ätherischen Ölen und Emotionen bietet der Psyche-Ratgeber.
Cortisol als messbarer Stressmarker
Cortisol lässt sich zuverlässig im Speichel, im Blut und seit einigen Jahren auch im Haar messen. Speichelcortisol eignet sich besonders gut für Aromatherapie-Studien, weil die Probenentnahme nicht-invasiv erfolgt und den Cortisolspiegel nicht selbst beeinflusst. Ein Speichelcortisol-Wert über 0,5 µg/dl am Morgen gilt als erhöht; bei chronischem Stress bleibt der Spiegel den gesamten Tag über hoch, statt im natürlichen Tagesrhythmus abzufallen.
Haarcortisol bietet einen Langzeitmarker: Es spiegelt den durchschnittlichen Cortisolspiegel der letzten vier bis sechs Wochen wider. Eine Studie aus 2025 zeigte, dass eine achtwöchige Aromatherapie mit ätherischen Ölen sowohl den subjektiven Stress als auch den Haarcortisol-Wert signifikant senkte.[3]
Die 5 wirksamsten ätherischen Öle gegen Stress
Die folgenden fünf ätherischen Öle verfügen über die stärkste wissenschaftliche Evidenz in Bezug auf Stressreduktion. Jedes Öl besitzt ein eigenes Wirkprofil mit spezifischen Inhaltsstoffen, die über unterschiedliche Mechanismen die Stressreaktion beeinflussen.
Lavendelöl – der am besten untersuchte Stresslöser
Lavendelöl (Lavandula angustifolia) enthält 25–38 % Linalool und 25–45 % Linalylacetat – zwei Substanzen, die nachweislich die HPA-Achse dämpfen und die GABAerge Neurotransmission verstärken. Linalool bindet zudem an den Serotonintransporter (SERT), was seine beruhigende Wirkung zusätzlich erklärt.[2]
Eine klinische Studie an Patienten vor einer Herzoperation ergab, dass 20-minütiges Inhalieren von Lavendelöl den Blutcortisolspiegel um rund 70 % stärker senkte als in der Kontrollgruppe (p = 0,002). Gleichzeitig sank der Angst-Score signifikant.[4]
Eine randomisierte, doppelblinde Studie mit intranasaler Verabreichung von Lavendel- und Fenchelöl über drei Monate zeigte eine signifikante Reduktion des Speichelcortisols bei chronisch gestressten Teilnehmern. Die 50-%-Konzentration war dabei wirksamer als die 30-%-Konzentration, was auf eine dosisabhängige Wirkung hindeutet.[5]
In einer aktuellen Studie aus 2025 senkte Lavendelinhalation bei Erwachsenen mit Bluthochdruck sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck nach sieben Tagen signifikant. Die Autoren führen dies auf die Modulation von Calciumkanälen in der glatten Gefäßmuskulatur und eine erhöhte Stickstoffmonoxid-Freisetzung zurück.[6]
Bergamotteöl – anxiolytisch mit Cortisol-Senkung
Bergamotteöl (Citrus bergamia) enthält hohe Anteile an Linalool und Linalylacetat (ähnlich wie Lavendel) sowie Limonen. Diese Kombination verleiht dem Öl ein duales Wirkprofil: beruhigend und gleichzeitig stimmungsaufhellend.
In einer randomisierten Crossover-Studie an 41 gesunden Frauen senkte 15-minütiges Inhalieren von Bergamotteöl-Dampf den Speichelcortisol signifikant (p = 0,003) im Vergleich zu reinem Wasserdampf. Gleichzeitig stieg die parasympathische Aktivität, gemessen über die Hochfrequenz-Komponente der Herzratenvariabilität, und negative Emotionen sowie Müdigkeit nahmen ab.[7]
Eine kontrollierte Studie an Patienten vor einer laparoskopischen Cholezystektomie bestätigte: Zwei Tropfen 3-prozentiges Bergamotteöl senkten die präoperative Angst (p = 0,004) und den Speichel-Alpha-Amylase-Spiegel (p = 0,003) – einen weiteren Biomarker für akuten Stress.[8]
Forschungen an Mäusen konnten 2024 den neuronalen Schaltkreis entschlüsseln, über den Bergamotteöl seine angstlösende Wirkung entfaltet: Glutamaterge Neuronen im vorderen Riechkolben (AON) aktivieren GABAerge Neuronen im anterioren cingulären Cortex (ACC), die wiederum lokale erregende Neuronen hemmen. Dieser AON→ACC-Schaltkreis wurde erstmals als Vermittler anxiolytischer Dufteffekte identifiziert.[9]
Praxistipp: Bergamotteöl enthält Bergapten, ein phototoxisches Furocumarin. Verwenden Sie auf der Haut ausschließlich bergaptenfreies (FCF) Bergamotteöl, oder tragen Sie es nur auf Hautstellen auf, die nicht der Sonne ausgesetzt werden.
Ylang-Ylang-Öl – senkt Blutdruck und Pulsfrequenz
Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata) enthält Linalool (ca. 14 %), Benzylacetat (ca. 25 %) und Germacren D als Hauptkomponenten. Das Öl beeinflusst die HPA-Achse durch eine Senkung der Glukokortikoid-Spiegel und moduliert den Serotoninstoffwechsel im Gehirn.[10]
Eine randomisierte Studie an 29 gesunden Männern untersuchte die Wirkung von Ylang-Ylang-Inhalation auf Blutdruck und Herzfrequenz mittels 12-Kanal-EKG. Nach 20 Minuten in einem mit Ylang-Ylang-Öl bedufteten Raum sank sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck signifikant. Die Herzfrequenz verringerte sich in 10 von 12 EKG-Ableitungen.[10]
Eine weitere Studie bestätigte diese Ergebnisse bei transdermaler Anwendung: 40 Probanden, die Ylang-Ylang-Öl auf die Haut aufgetragen bekamen, zeigten einen signifikanten Blutdruckabfall, eine Erhöhung der Hauttemperatur und bewerteten sich selbst als ruhiger und entspannter als die Kontrollgruppe.[11]
In einer klinischen Studie an Bluthochdruckpatienten senkten Pflaster mit Lavendel und Ylang-Ylang bei täglicher Anwendung über 30 Minuten den systolischen Blutdruck signifikant gegenüber Placebo und verbesserten die Lebensqualität in Bezug auf körperliche Leistungsfähigkeit und Emotionen.[12]
Orangenöl und Mandarinenöl – stimmungsaufhellend und stresslindernd
Süßorangenöl (Citrus sinensis) besteht zu über 90 % aus Limonen – einem Monoterpen mit nachgewiesener Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Limonen beeinflusst die Dopamin- und GABA-Neurotransmission und kann die Überaktivität der HPA-Achse bei chronischem Stress normalisieren.[13]
In einer doppelblinden, randomisierten Studie an 40 männlichen Probanden hemmte die Inhalation von Süßorangenöl die durch einen Stresstest ausgelöste Zunahme von Angst und Anspannung. Die Teilnehmer der Orangenöl-Gruppe zeigten keine signifikanten Anstiege bei State-Angst, subjektiver Anspannung und Herzfrequenz – anders als die Kontrollgruppen.[14]
Bei Kindern während einer Zahnbehandlung senkte Orangenöl-Aromatherapie den Speichelcortisol-Spiegel und die Pulsfrequenz signifikant im Vergleich zu Behandlungssitzungen ohne Aromatherapie.[15]
Tierexperimentelle Daten deuten zudem auf antidepressive Eigenschaften hin: Bei chronisch gestressten Mäusen stellte Orangenöl-Inhalation die Spiegel von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Hippocampus wieder her und normalisierte den BDNF-Spiegel (Brain-Derived Neurotrophic Factor).[13]
Mandarinenöl (Citrus reticulata) hat ein ähnliches Terpenprofil wie Orangenöl und wirkt vergleichbar stimmungsaufhellend. Es eignet sich aufgrund seines milden, süßen Dufts besonders gut für Menschen, die Lavendel als zu intensiv empfinden.
Weihrauchöl – Incensol-Acetat beruhigt über TRPV3-Kanäle
Weihrauchöl (Boswellia carterii, B. sacra) enthält neben den Monoterpenen α-Pinen, Limonen und Myrcen den bioaktiven Diterpenoid Incensol-Acetat. Dieser Inhaltsstoff wurde in einer vielbeachteten Studie von Moussaieff, Mechoulam und Kollegen als potenter Agonist des TRPV3-Ionenkanals im Gehirn identifiziert.[16]
TRPV3 ist ein Wärmerezeptor, dessen mRNA auch in Neuronen des Gehirns nachgewiesen wurde. Im Mausmodell zeigte Incensol-Acetat anxiolytische und antidepressive Effekte: Im Elevated-Plus-Maze-Test verbrachten behandelte Wildtyp-Mäuse signifikant mehr Zeit in den offenen Armen (Zeichen reduzierter Angst), und im Porsolt-Schwimmtest sank die Immobilitätszeit (Zeichen antidepressiver Wirkung). Diese Effekte traten bei TRPV3-Knockout-Mäusen nicht auf – ein klarer Hinweis, dass TRPV3 den Wirkmechanismus vermittelt.[16]
Weihrauchöl hat eine lange Tradition in religiösen Zeremonien verschiedener Kulturen. Die Forschungsergebnisse zu Incensol-Acetat liefern erstmals eine neurobiologische Erklärung für die seit Jahrtausenden beobachtete beruhigende Wirkung beim Verbrennen von Boswellia-Harz.[17]
Welche Stresstypen gibt es – und welches Öl passt dazu?
Stress ist nicht gleich Stress. Verschiedene Stressarten belasten den Körper auf unterschiedliche Weise und sprechen auf verschiedene ätherische Öle unterschiedlich gut an. Die folgende Tabelle ordnet den drei häufigsten Stresstypen jeweils passende Öle zu.
| Stresstyp | Typische Symptome | Empfohlene Öle | Wirkmechanismus |
|---|---|---|---|
| Arbeitsstress / mentale Überlastung | Gedankenkreisen, Konzentrationsmangel, innere Unruhe, Schlafprobleme | Lavendel, Bergamotte, Süßorange | Cortisol-Senkung, GABAerge Aktivierung, parasympathische Stimulation |
| Emotionaler Stress | Gereiztheit, Traurigkeit, Überforderung, Stimmungsschwankungen | Bergamotte, Ylang-Ylang, Mandarine | Serotonin-Modulation, Stimmungsaufhellung durch Limonen, Blutdrucksenkung |
| Körperlicher Stress | Muskelverspannungen, erhöhter Blutdruck, schneller Puls, Erschöpfung | Ylang-Ylang, Lavendel, Weihrauch | Blutdruck- und Herzfrequenz-Senkung, TRPV3-Aktivierung, Vasodilatation |
Praxistipp: Wenn Sie unsicher sind, welcher Stresstyp bei Ihnen vorherrscht, beginnen Sie mit Lavendel. Es ist das am breitesten wirkende Öl und verträgt sich gut in Mischungen mit allen anderen genannten Ölen.
Alltagsrezepte: Ätherische Öle gegen Stress praktisch anwenden
Die folgenden vier Rezepte lassen sich ohne Vorkenntnisse zu Hause umsetzen. Alle Mengenangaben beziehen sich auf 100 % naturreine ätherische Öle. Verwenden Sie ausschließlich hochwertige Öle – woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.
Anti-Stress-Diffuser-Mischung für Büro und Home-Office
Diese Mischung kombiniert die Cortisol-senkende Wirkung von Lavendel mit der stimmungsaufhellenden Eigenschaft von Süßorange und der angstlösenden Wirkung von Bergamotte. Sie eignet sich für die Vernebelung im Ultraschall-Diffuser während der Arbeit.
- 3 Tropfen Lavendelöl (Lavandula angustifolia)
- 2 Tropfen Süßorangenöl (Citrus sinensis)
- 1 Tropfen Bergamotteöl (Citrus bergamia)
Geben Sie die Tropfen in einen mit Wasser gefüllten Diffuser. Lassen Sie den Diffuser in einem Raum von 15–20 m² für 30–60 Minuten laufen, dann 30 Minuten pausieren. Diese Intervall-Beduftung verhindert eine Gewöhnung der Geruchsrezeptoren und hält die Wirkung über den Tag aufrecht.
Erfahrungstipp: Im Büro empfinden viele Kollegen reine Blütendüfte als zu intensiv. Die Zugabe von Süßorange verleiht der Mischung eine frische, allgemein akzeptierte Note. Reduzieren Sie bei empfindlichen Personen im Raum die Tropfenzahl um die Hälfte.
Stress-Notfall-Roll-On für unterwegs
Ein Roll-On mit ätherischen Ölen passt in jede Tasche und kann bei akutem Stress sofort auf Pulspunkte aufgetragen werden. Die Duftmoleküle gelangen durch die Körperwärme schnell in die Atemluft.
- 4 Tropfen Lavendelöl
- 3 Tropfen Bergamotteöl (FCF / bergaptenfrei)
- 2 Tropfen Ylang-Ylang-Öl
- 1 Tropfen Weihrauchöl
- 10 ml Trägeröl (Jojobaöl oder Mandelöl)
Mischen Sie die ätherischen Öle mit dem Trägeröl und füllen Sie die Mischung in eine 10-ml-Roll-On-Flasche aus Braunglas. Das ergibt eine Verdünnung von ca. 5 % – geeignet für die punktuelle Anwendung bei Erwachsenen. Tragen Sie den Roll-On bei Bedarf auf die Innenseite der Handgelenke, hinter die Ohren oder auf die Schläfen auf.
Eine detaillierte Anleitung zur Herstellung von Roll-Ons finden Sie im Roll-On-Ratgeber. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Altersgruppen stehen im Dosierungsratgeber.
5-Minuten-Atemübung mit ätherischen Ölen
Bewusstes Atmen aktiviert den Vagusnerv und damit den Parasympathikus. In Kombination mit ätherischen Ölen verstärkt sich die beruhigende Wirkung. Diese Übung funktioniert überall – am Schreibtisch, im Auto (bei stehendem Fahrzeug) oder im Bett.
So geht's:
- Geben Sie 1–2 Tropfen Lavendelöl oder Bergamotteöl auf ein Taschentuch oder auf Ihre Handflächen. Verreiben Sie das Öl kurz zwischen den Händen.
- Halten Sie die Hände 10–15 cm vor die Nase (nicht direkt an die Augen).
- Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie langsam bis 4.
- Halten Sie den Atem und zählen Sie bis 4.
- Atmen Sie durch den Mund aus und zählen Sie bis 6. Die verlängerte Ausatmung stimuliert den Parasympathikus gezielt.
- Wiederholen Sie den Zyklus 8–10 Mal. Das dauert etwa 5 Minuten.
Erfahrungstipp: Wenn Sie die Übung morgens vor dem Aufstehen durchführen, starten Sie mit einem deutlich niedrigeren Cortisolspiegel in den Tag. Abends vor dem Einschlafen hilft sie, das Gedankenkarussell zu stoppen. Bei stressbedingten Schlafproblemen finden Sie weiterführende Strategien im Ratgeber zu ätherischen Ölen zum Schlafen.
Anti-Stress-Badezusatz für den Feierabend
Ein warmes Bad (36–38 °C) senkt den Cortisolspiegel bereits ohne Zusätze. Ätherische Öle verstärken diesen Effekt durch Inhalation des Dufts und teilweise durch transdermale Aufnahme.
- 5 Tropfen Lavendelöl
- 3 Tropfen Ylang-Ylang-Öl
- 2 Tropfen Mandarinenöl
- 2 Esslöffel Emulgator (Sahne, Honig oder Meersalz)
Mischen Sie die ätherischen Öle zuerst gründlich mit dem Emulgator, bevor Sie die Mischung ins einlaufende Badewasser geben. Ohne Emulgator schwimmen die Öle als konzentrierter Film auf der Wasseroberfläche und können die Haut reizen. Baden Sie 15–20 Minuten – länger muss nicht sein, da die meisten Duftmoleküle in den ersten 15 Minuten freigesetzt werden.
Alle Details zur sicheren Anwendung ätherischer Öle in der Badewanne – einschließlich Emulgator-Auswahl und Temperaturhinweisen – finden Sie im Badewannen-Ratgeber.
Was die Forschung zeigt: Studienlage zu ätherischen Ölen und Stress
Die wissenschaftliche Evidenz für die stressreduzierende Wirkung ätherischer Öle hat sich in den letzten Jahren deutlich verdichtet. Ein systematisches Review aus 2023 wertete 76 klinische Studien mit insgesamt 6.539 Patienten aus. Über 70 % der randomisierten kontrollierten Studien zeigten einen positiven Effekt der Aromatherapie-Intervention auf Angst und Stress im Vergleich zu Kontrollgruppen. In 42 % der RCTs wurden neben Fragebögen auch physiologische Marker wie Cortisol oder Vitalzeichen erhoben.[18]
Ein Scoping Review von 2023 analysierte die Wirkungen ätherischer Öle auf das Nervensystem anhand von Studien aus dem Zeitraum 2012–2022. Die Autoren bestätigten, dass Lavendel, Bergamotte, Yuzu, Süßorange und Grapefruit-Öl den Cortisolspiegel und den Chromogranin-A-Spiegel (ein weiterer Stressbiomarker) signifikant beeinflussten. Die meisten Öle senkten Stress und negative Emotionen bei gleichzeitiger Förderung parasympathischer Aktivität.[19]
Die Forschung zeigt allerdings auch Limitationen: Viele Studien haben kleine Stichproben (unter 50 Teilnehmer), und die Verblindung ist bei Duft-Interventionen methodisch schwierig, da Probanden den Geruch oft erkennen. Zudem unterscheiden sich Dosierungen, Anwendungsmethoden und Öl-Qualitäten zwischen den Studien erheblich. Großangelegte, multizentrische RCTs mit standardisierten Ölen fehlen bislang.
Wann ätherische Öle bei Stress nicht ausreichen
Ätherische Öle eignen sich als Ergänzung zur Stressbewältigung im Alltag – sie sind kein Ersatz für professionelle Hilfe bei chronischem Stress, Burnout oder stressbedingten Erkrankungen. Suchen Sie ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung, wenn Stress über Wochen anhält, Sie den Alltag kaum noch bewältigen können, körperliche Symptome wie Herzrasen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten oder Sie sich emotional dauerhaft erschöpft fühlen.
Bei Angststörungen oder Panikattacken spielen andere Mechanismen eine Rolle als bei alltäglichem Stress – spezifische Informationen dazu finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen bei Angst. Falls Ihr Stress in eine depressive Verstimmung übergeht, bietet der Ratgeber zu ätherischen Ölen bei Depression weiterführende Informationen. Beruhigende ätherische Öle als eigenständiges Thema mit breiterer Anwendung über Stress hinaus behandelt der Ratgeber zu beruhigenden ätherischen Ölen.
Sicherheit und Dosierung
Ätherische Öle sind hochwirksame Pflanzenkonzentrate und dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Alle Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und Informationen zu Wechselwirkungen mit Medikamenten finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle. Verdünnen Sie ätherische Öle für die Hautanwendung auf 1–3 % in einem Trägeröl – die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.
Häufige Fragen
Welches ätherische Öl hilft am schnellsten gegen akuten Stress?
Lavendelöl (Lavandula angustifolia) zeigt in Studien die schnellste messbare Wirkung: Bereits nach 5–15 Minuten Inhalation sinken Cortisolspiegel und Herzfrequenz. Für akuten Stress unterwegs eignet sich ein Roll-On mit Lavendel und Bergamotte, den Sie auf die Handgelenke auftragen und bewusst einatmen. Alternativ geben Sie 1–2 Tropfen auf ein Taschentuch und führen die 5-Minuten-Atemübung durch.
Können ätherische Öle den Cortisolspiegel wirklich senken?
Ja, mehrere klinische Studien belegen eine messbare Senkung des Cortisols – sowohl im Speichel als auch im Blut. Lavendelöl, Bergamotteöl und Mischungen mit Ylang-Ylang zeigten in randomisierten kontrollierten Studien signifikante Cortisolreduktionen. Die Effektgrößen variieren je nach Studie und Anwendungsmethode. Eine achtwöchige Aromatherapie senkte auch den Langzeitmarker Haarcortisol. Die Wirkung ersetzt bei chronischem Stress jedoch keine ärztliche Behandlung.
Wie oft sollte man ätherische Öle gegen Stress anwenden?
Für eine spürbare Wirkung empfiehlt sich eine regelmäßige Anwendung: 1–2 Diffuser-Sitzungen von je 30–60 Minuten pro Tag, ergänzt durch gezielte Anwendungen bei Bedarf (Roll-On, Atemübung). Studien, die positive Langzeiteffekte zeigten, arbeiteten mit täglicher Anwendung über Zeiträume von 1–8 Wochen. Legen Sie Pausen ein, um einer Gewöhnung der Geruchsrezeptoren vorzubeugen – etwa jeden zweiten Tag oder im Wechsel verschiedener Öle.
Kann man verschiedene ätherische Öle gegen Stress miteinander mischen?
Ja, Mischungen sind sogar empfehlenswert. Mehrere Studien verwendeten Mischungen aus Lavendel, Ylang-Ylang, Bergamotte und Neroli, die Blutdruck und Cortisol stärker senkten als Einzelöle. Achten Sie auf eine Gesamttropfenzahl von 5–8 Tropfen im Diffuser für einen 15–20-m²-Raum. Für Hautanwendungen mischen Sie die Öle in einem Trägeröl auf insgesamt 1–3 % Verdünnung. Grundlagen zum Mischen ätherischer Öle finden Sie im zugehörigen Ratgeber auf oelerini.com.
Sind ätherische Öle gegen Stress auch für Kinder geeignet?
Einige ätherische Öle wie Lavendel und Mandarine gelten für Kinder ab 6 Jahren in altersgerechter Dosierung als sicher. Die Konzentration muss deutlich reduziert werden – bei Kindern auf maximal 0,5–1 %. Für Kinder unter 2 Jahren und für Babys gelten besondere Sicherheitsregeln. Alle Details zur sicheren Anwendung bei Kindern finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder auf oelerini.com.
Quellen
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