Ätherische Öle für die Psyche

Zuletzt aktualisiert: 13.02.26

Ätherische Öle beeinflussen die Psyche über einen direkten neurochemischen Weg: Beim Einatmen gelangen Duftmoleküle über die Riechschleimhaut zum limbischen System – dem emotionalen Kontrollzentrum des Gehirns. Dort verändern sie die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und GABA und können so Stimmung, Stressempfinden und mentale Leistungsfähigkeit messbar beeinflussen.[1]

Dieses Zusammenspiel aus Geruchssinn und Gehirnchemie erklärt, warum bestimmte Düfte innerhalb von Sekunden beruhigen, aufmuntern oder die Konzentration schärfen können. Eine Meta-Analyse mit über 3.400 Teilnehmern bestätigte 2023, dass Aromatherapie bei Angst signifikant wirksam ist – mit Effektstärken, die teilweise an leichte Medikamente heranreichen.[2]

Ätherische Öle für die Psyche – Fläschchen mit Lavendel, Bergamotte und Weihrauch neben einem Diffuser

Dieser Artikel gibt Ihnen einen fundierten Überblick über die neurochemischen Grundlagen, ordnet die wichtigsten ätherischen Öle konkreten Emotionen und psychischen Zuständen zu und zeigt, welches Öl bei Stress, Angst, gedrückter Stimmung oder Konzentrationsproblemen in Frage kommt. Für jedes Einzelthema finden Sie weiterführende Spezialartikel mit detaillierten Studien und Praxisrezepten.

Auf einen Blick

  • Schneller Zugang zum Gehirn: Duftmoleküle erreichen das limbische System über den Riechnerv in weniger als einer Sekunde – schneller als jeder andere Sinnesreiz.
  • Fünf Neurotransmitter betroffen: Ätherische Öle modulieren nachweislich Serotonin, Dopamin, GABA, Cortisol und Noradrenalin.
  • Lavendel am besten erforscht: Eine Meta-Analyse über 22 RCTs zeigt signifikante Angstreduktion (Hedges' ĝ = −0,65) und Cortisol-Senkung durch Lavendelöl.[3]
  • Bergamotte bei gedrückter Stimmung: Klinische Studien belegen verbesserte Depressions- und Angstwerte nach einwöchiger Inhalation von Bergamotteöl.[4]
  • Rosmarin für den Kopf: Der Inhaltsstoff 1,8-Cineol korreliert im Blutserum mit besserer kognitiver Leistung bei Gedächtnis- und Rechenaufgaben.[5]
  • Begleittherapie, kein Ersatz: Aromatherapie eignet sich als ergänzende Maßnahme – sie ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Wie wirken ätherische Öle auf die Psyche?

Ätherische Öle entfalten ihre psychische Wirkung über das olfaktorische System. Beim Einatmen binden flüchtige Moleküle – etwa Linalool aus Lavendel (Lavandula angustifolia) oder Limonen aus Bergamotte (Citrus bergamia) – an Rezeptoren der Riechschleimhaut. Von dort leiten Nervenfasern die Signale direkt zum Bulbus olfactorius und weiter in das limbische System, insbesondere zur Amygdala und zum Hippocampus.[1]

Die Amygdala steuert emotionale Reaktionen wie Angst und Freude, der Hippocampus verknüpft Düfte mit Erinnerungen. Diese anatomische Direktverbindung zwischen Nase und Emotionszentrum erklärt, warum ein Duft blitzschnell Gefühle auslösen kann – noch bevor der Geruch bewusst wahrgenommen wird. Über den Hypothalamus beeinflusst die Duftinformation zusätzlich das autonome Nervensystem: Herzfrequenz, Blutdruck und Cortisolspiegel ändern sich messbar.[6]

Eine ausführliche Erklärung des gesamten Wirkmechanismus – einschließlich der Aufnahme über die Haut und der Passage durch die Blut-Hirn-Schranke – finden Sie im Ratgeber zur Wirkung ätherischer Öle.

Welche Neurotransmitter beeinflussen ätherische Öle?

Ätherische Öle greifen in mindestens fünf neurochemische Systeme ein, die Stimmung, Stressreaktion und kognitive Leistung steuern. Die folgende Übersicht zeigt, welcher Botenstoff welche Funktion erfüllt und welche Öle ihn nachweislich beeinflussen.

Serotonin – der Stimmungsregler

Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) reguliert Stimmung, Schlaf-Wach-Rhythmus und Schmerzempfinden. Ein Mangel wird mit depressiver Verstimmung, Reizbarkeit und Schlafstörungen in Verbindung gebracht. Lavendelöl erhöht nachweislich den Serotoninspiegel im Gehirn: Bildgebungsstudien zeigen, dass das Lavendelpräparat Silexan die Bindung am Serotonin-1A-Rezeptor in mehreren Hirnarealen verändert.[7] Auch Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata) und Rosenöl (Rosa damascena) steigern den Serotoninspiegel und senken gleichzeitig die Glucocorticoid-Konzentration im Serum.[8]

Dopamin – Motivation und Belohnung

Dopamin treibt Motivation, Belohnungserleben und zielgerichtetes Handeln an. Bei niedrigem Dopaminspiegel fehlt der innere Antrieb, Aufgaben erscheinen überwältigend. Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) aktiviert das dopaminerge System und verbessert dadurch kognitive Leistungen wie Gedächtnis und Aufmerksamkeit.[8] Muskatellersalbeiöl (Salvia sclarea) moduliert ebenfalls die Dopamin-Signalwege und zeigt in Tiermodellen gedächtnisfördernde Eigenschaften.[8] Bergamotteöl beeinflusst sowohl dopaminerge als auch serotonerge Bahnen gleichzeitig, was seine breite stimmungsaufhellende Wirkung erklärt.[9]

GABA – die natürliche Bremse des Gehirns

Gamma-Aminobuttersäure (GABA) ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. GABA drosselt neuronale Erregung, senkt Angst und fördert Entspannung. Ein GABA-Defizit begünstigt Angststörungen, Schlaflosigkeit und innere Unruhe.[10]

Mehrere ätherische Öle wirken direkt am GABAA-Rezeptor – demselben Rezeptor, an dem auch Benzodiazepine angreifen. Linalool, der Hauptbestandteil von Lavendelöl (25–38 %), aktiviert das GABAerge System und erzeugt so eine sedierende und angstlösende Wirkung.[10] Zitronengrasöl (Cymbopogon citratus) und Bergamotteöl zeigten in Tiermodellen anxiolytische Effekte, die durch den GABA-Antagonisten Flumazenil aufgehoben werden konnten – ein starker Hinweis auf GABAerge Vermittlung.[8]

Cortisol – das Stresshormon senken

Cortisol wird über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) bei Stress ausgeschüttet. Chronisch erhöhte Cortisolwerte schädigen Gedächtniszellen im Hippocampus, schwächen das Immunsystem und fördern depressive Verstimmung.

Lavendelöl senkt den Cortisolspiegel signifikant. Eine Meta-Analyse über 22 randomisierte kontrollierte Studien ermittelte eine große Effektstärke für die Cortisolreduktion (Hedges' ĝ = −1,29; 95 %-KI: −2,23 bis −0,35).[3] Eine systematische Übersichtsarbeit von 2022 mit gepoolten Daten bestätigte, dass Lavendel den Stresspegel signifikant reduziert und als Baustein in Stressmanagement-Programmen geeignet ist.[11] Bergamotteöl senkte in einer randomisierten Cross-Over-Studie mit 48 Teilnehmern ebenfalls Cortisol, Depression und Angst nach nur einer Woche Anwendung.[4]

Noradrenalin – Wachheit und Konzentration

Noradrenalin (Norepinephrin) reguliert Wachheit, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, unter Druck zu reagieren. Zu wenig Noradrenalin führt zu Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, zu viel erzeugt Nervosität und Übererregung.

Pfefferminzöl (Mentha × piperita) steigert die Wachheit über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems und zeigte in einer kontrollierten Studie bessere Reaktionszeiten und Aufmerksamkeit als ein Red-Bull-Energy-Drink.[12] Rosmarinöl erhöht die Alertness messbar: EEG-Daten zeigen nach Inhalation gesteigerte Beta-Wellenaktivität, die mit erhöhter Wachsamkeit korreliert.[13] Die Inhaltsstoffe α- und β-Pinen aus verschiedenen Nadelholzölen können dagegen Dopamin- und Noradrenalinspiegel im Striatum senken und so überschießende neuronale Erregung dämpfen.[7]

Welches ätherische Öl hilft bei welcher Emotion?

Die folgende Zuordnungstabelle fasst zusammen, welche ätherischen Öle bei welchem psychischen Zustand am besten erforscht sind. Sie berücksichtigt sowohl die neurochemischen Wirkmechanismen als auch die klinische Evidenzlage. Verwenden Sie die Tabelle als Orientierung – die individuelle Reaktion auf Düfte variiert.

Psychischer ZustandPrimäre Öle (beste Evidenz)Unterstützende ÖleHauptmechanismus
Akuter StressLavendelöl, BergamotteölOrangenöl, Ylang-Ylang-ÖlCortisol-Senkung, GABA-Aktivierung
Angst / innere UnruheLavendelöl, BergamotteölWeihrauchöl, NeroliölGABAA-Rezeptor-Modulation, Serotonin-Anstieg
Gedrückte Stimmung / depressive VerstimmungBergamotteöl, LavendelölYlang-Ylang-Öl, MuskatellersalbeiölSerotonin- und Dopamin-Erhöhung
Konzentrationsschwäche / LernphaseRosmarinöl, PfefferminzölZitronenöl, EukalyptusölAChE-Hemmung, Noradrenalin-Anstieg
Mangelndes SelbstvertrauenWeihrauchöl, BergamotteölYlang-Ylang-Öl, NeroliölTRPV3-Aktivierung, Serotonin-Modulation
Erschöpfung / AntriebslosigkeitPfefferminzöl, RosmarinölGrapefruitöl, ZitronenölSympathikus-Aktivierung, Dopamin-Modulation
Reizbarkeit / emotionale ÜberreaktionLavendelöl, MelissenölKamillenöl, WeihrauchölGABA-Aktivierung, Cortisol-Senkung
Nervosität vor Prüfungen / AuftrittenLavendelöl, BergamotteölNeroliöl, OrangenölHPA-Achsen-Dämpfung, parasympathische Aktivierung

Praxis-Tipp: Die Zuordnung basiert auf dem aktuellen Forschungsstand. Manche Menschen reagieren auf einen Duft anders als erwartet – testen Sie neue Öle in ruhiger Umgebung, bevor Sie sie gezielt einsetzen. Für Informationen zur richtigen Verdünnung und Tropfenzahl konsultieren Sie den Dosierungsratgeber.

Ätherische Öle bei Stress

Chronischer Stress hält den Cortisolspiegel dauerhaft hoch und beeinträchtigt Schlaf, Immunsystem und Stimmung. Lavendelöl gilt als das am besten untersuchte Öl zur Stressreduktion: Eine Meta-Analyse von 2022 mit gepoolten Daten aus zahlreichen RCTs bestätigte eine signifikante Stressminderung.[11] Bergamotteöl senkt nachweislich Cortisolspiegel und verbessert Stresswerte bereits nach einwöchiger Anwendung.[4]

Top-Öle bei Stress: Lavendelöl, Bergamotteöl

Detaillierte Studien, Alltagsrezepte und Anwendungsprotokolle für stressige Situationen finden Sie im Spezialartikel Ätherische Öle gegen Stress.

Ätherische Öle bei Angst und innerer Unruhe

Angst aktiviert die Amygdala und löst eine Kaskade aus Cortisol und Noradrenalin aus. Lavendelöl wirkt diesem Mechanismus entgegen: Eine Meta-Analyse über 22 RCTs ermittelte eine mittlere bis große Effektstärke für die Angstreduktion (Hedges' ĝ = −0,65).[3] Bergamotteöl verbesserte in einer Pilotstudie in einem psychiatrischen Behandlungszentrum positive Gefühle und senkte negative Affekte bereits nach 15 Minuten Inhalation.[14]

Top-Öle bei Angst: Lavendelöl, Bergamotteöl

Akut-Rezepte, Studien zu Panikattacken und Anleitungen für den Notfall-Riechstift lesen Sie im Spezialartikel Ätherische Öle gegen Angst.

Ätherische Öle bei depressiver Verstimmung

Depressive Verstimmungen gehen häufig mit einem Ungleichgewicht von Serotonin und Dopamin einher. Bergamotteöl zeigt antidepressive Wirkung in klinischen Studien und Tiermodellen: Es durchdringt die Blut-Hirn-Schranke, erhöht den 5-HT-Spiegel im Hippocampus und schützt neuronale Plastizität.[9] Lavendelöl verbesserte in einer Meta-Analyse über 37 RCTs mit 4.316 Teilnehmern auch Depressionswerte signifikant.[15]

Top-Öle bei depressiver Verstimmung: Bergamotteöl, Lavendelöl

Studien zur begleitenden Aromatherapie bei diagnostizierter Depression und Langzeit-Anwendungsempfehlungen finden Sie im Spezialartikel Ätherische Öle bei Depression.

Ätherische Öle für Konzentration und Fokus

Rosmarinöl steigert die kognitive Leistung über einen pharmakologischen Mechanismus: Sein Hauptinhaltsstoff 1,8-Cineol hemmt die Acetylcholinesterase (AChE), erhöht dadurch den Acetylcholin-Spiegel und verbessert Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Eine Studie an der Northumbria University wies nach, dass höhere 1,8-Cineol-Konzentrationen im Blutserum mit besserer Leistung bei Rechen- und Gedächtnisaufgaben korrelieren.[5] Eine kontrollierte Studie von 2020 zeigte, dass eine Pfefferminz-Rosmarin-Mischung Reaktionszeit und Genauigkeit bei Aufmerksamkeitsaufgaben stärker verbesserte als ein Energy-Drink.[12]

Top-Öle für Konzentration: Rosmarinöl, Pfefferminzöl

Rezepte für Lernphasen, Prüfungswochen und Homeoffice-Routinen finden Sie im Spezialartikel Ätherische Öle für Konzentration.

Ätherische Öle für Selbstvertrauen und innere Stärke

Weihrauchöl (Boswellia sacra) enthält Incensolacetat, das in einer Studie der Johns Hopkins University und der Hebrew University Jerusalem angstlösendes und antidepressives Verhalten bei Mäusen auslöste. Dieser Effekt wurde über die Aktivierung von TRPV3-Ionenkanälen im Gehirn vermittelt – Kanäle, die in Hirnarealen für emotionale Verarbeitung exprimiert werden.[16] Das daraus resultierende Gefühl innerer Ruhe und Offenheit kann die Basis für mehr Selbstvertrauen schaffen. Bergamotteöl ergänzt diesen Effekt durch seine stimmungsaufhellende Wirkung auf serotonerge Bahnen.

Top-Öle für Selbstvertrauen: Weihrauchöl, Bergamotteöl

Emotionale Anwendungsstrategien, Affirmationsrituale und Mischungen für mehr Mut und Selbstwert lesen Sie im Spezialartikel Ätherische Öle für Selbstvertrauen.

Abgrenzung: Schlaf und Entspannung

Schlafstörungen und allgemeine Entspannung überschneiden sich zwar mit dem Psyche-Thema, bilden aber eigenständige Anwendungsbereiche mit spezifischen Studien und Rezepturen. Schlaf erfordert andere Anwendungszeitpunkte, Dosierungen und Öle als die tagsüber relevanten psychischen Themen.

Wenn Sie gezielt Ihren Schlaf verbessern möchten, lesen Sie den Spezialartikel Ätherische Öle zum Schlafen. Für einen Überblick über beruhigende Öle – auch für die Entspannung tagsüber, nach der Arbeit oder bei Meditation – empfehlen wir den Ratgeber zu beruhigenden ätherischen Ölen.

Aromatherapie als Begleittherapie richtig einordnen

Die wissenschaftliche Evidenz für psychische Wirkungen ätherischer Öle ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. Meta-Analysen mit mehreren tausend Teilnehmern belegen signifikante Effekte bei Angst, Stress und depressiver Verstimmung.[2][15] Gleichzeitig ersetzen ätherische Öle keine professionelle Behandlung bei klinisch diagnostizierten psychischen Erkrankungen.

Aromatherapie eignet sich als ergänzende Maßnahme – neben Psychotherapie, ärztlicher Betreuung und gegebenenfalls Medikation. Besonders bei leichter bis mittlerer Symptomatik, als Brücke zwischen Therapiesitzungen oder als alltagstaugliche Selbsthilfe-Strategie entfaltet sie ihre Stärken. Konsultieren Sie bei anhaltenden psychischen Beschwerden wie Angststörungen, Depressionen oder Panikattacken immer einen Arzt oder Psychotherapeuten.

Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle, um therapeutische Effekte erwarten zu können. Synthetische Duftöle enthalten keine bioaktiven Pflanzenstoffe und können die beschriebenen neurochemischen Wirkungen nicht auslösen. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.

Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Eine Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle. Für die Beduftung von Räumen eignet sich ein Ultraschall-Diffuser mit Timer-Funktion – so lässt sich die Einwirkzeit kontrollieren.

Häufige Fragen

Wie schnell wirken ätherische Öle auf die Psyche?

Duftmoleküle erreichen das limbische System über den Riechnerv innerhalb von Sekunden. Messbare Veränderungen bei Herzfrequenz, Blutdruck und Hautleitfähigkeit treten bereits nach 1–3 Minuten Inhalation auf. Subjektive Stimmungsverbesserungen wurden in Studien nach 10–15 Minuten Anwendung dokumentiert. Die neurochemischen Effekte – etwa eine Cortisol-Senkung – lassen sich nach etwa 15–30 Minuten im Speichel nachweisen.[6]

Können ätherische Öle Antidepressiva oder Anxiolytika ersetzen?

Nein. Ätherische Öle sind kein Ersatz für verordnete Medikamente bei klinisch diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Sie eignen sich als ergänzende Maßnahme und zeigen in Studien signifikante Effekte bei leichter bis mittlerer Symptomatik. Setzen Sie verschriebene Medikamente niemals ohne ärztliche Rücksprache ab. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie Aromatherapie begleitend einsetzen möchten.

Welches ätherische Öl ist am besten für die Psyche erforscht?

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist das mit Abstand am umfangreichsten erforschte ätherische Öl im Bereich psychische Gesundheit. Meta-Analysen umfassen Daten aus Dutzenden randomisierten kontrollierten Studien mit mehreren tausend Teilnehmern. Die Wirkung auf Angst, Stress und Cortisol ist statistisch signifikant belegt. An zweiter Stelle steht Bergamotteöl (Citrus bergamia) mit wachsender Evidenz für stimmungsaufhellende und anxiolytische Effekte.[3][4]

Ist Inhalation oder Hautanwendung wirksamer für die Psyche?

Für psychische Wirkungen ist die Inhalation der schnellste und am besten erforschte Weg. Duftmoleküle stimulieren das limbische System direkt über den Riechnerv. Die topische Anwendung – etwa bei einer Massage – wirkt über zwei Kanäle gleichzeitig: die Haut nimmt Wirkstoffe wie Linalool auf, und der Duft wird parallel eingeatmet. Studien zeigen, dass Inhalation allein bereits signifikante Effekte erzielt; Massage mit ätherischen Ölen kann den Effekt durch den zusätzlichen Berührungsreiz verstärken.[6] Ausführliche Informationen zu allen Anwendungsmethoden bietet der Anwendungsratgeber.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Anwendung für die Psyche?

Bei sachgemäßer Anwendung sind ätherische Öle gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen umfassen Kopfschmerzen bei zu hoher Duftstoffkonzentration, allergische Hautreaktionen bei unverdünnter Anwendung und Phototoxizität bei bestimmten Zitrusölen wie Bergamotteöl (enthält Bergapten). Verwenden Sie bergaptenfrei destilliertes Bergamotteöl, wenn Sie sich nach dem Auftragen der Sonne aussetzen. Schwangere, Kinder und Menschen mit Epilepsie sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.

Quellen

  1. Sattayakhom, A., Wichit, S., & Koomhin, P. (2023). The Effects of Essential Oils on the Nervous System: A Scoping Review. Molecules, 28(9), 3771. doi:10.3390/molecules28093771
  2. Li, H., Zhao, J., Liu, S., Cui, J., & Wang, Y. (2023). Essential oils for treating anxiety: a systematic review of randomized controlled trials and network meta-analysis. Frontiers in Public Health, 11, 1144404. doi:10.3389/fpubh.2023.1144404
  3. Kang, H. J., Nam, E. S., Lee, Y., & Kim, M. (2019). How Strong is the Evidence for the Anxiolytic Efficacy of Lavender?: Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Asian Nursing Research, 13(5), 295–305. doi:10.1016/j.anr.2019.11.003
  4. Wakui, N., Togawa, C., Ichikawa, K., Matsuoka, R., Watanabe, M., Okami, A., Shirozu, S., Yamamura, M., & Machida, Y. (2023). Relieving psychological stress and improving sleep quality by bergamot essential oil use before bedtime and upon awakening: A randomized crossover trial. Complementary Therapies in Medicine, 77, 102976. doi:10.1016/j.ctim.2023.102976
  5. Moss, M., & Oliver, L. (2012). Plasma 1,8-cineole correlates with cognitive performance following exposure to rosemary essential oil aroma. Therapeutic Advances in Psychopharmacology, 2(3), 103–113. doi:10.1177/2045125312436573
  6. Cui, J., Li, M., Wei, Y., Li, H., He, X., Yang, Q., Li, Z., Duan, J., Wu, Z., Chen, Q., Chen, B., Li, G., Ming, X., Xiong, L., & Qin, D. (2022). Inhalation Aromatherapy via Brain-Targeted Nasal Delivery: Natural Volatiles or Essential Oils on Mood Disorders. Frontiers in Pharmacology, 13, 860043. doi:10.3389/fphar.2022.860043
  7. Sattayakhom, A., Wichit, S., & Koomhin, P. (2023). The Effects of Essential Oils on the Nervous System: A Scoping Review. Molecules, 28(9), 3771. doi:10.3390/molecules28093771 [Silexan-Bildgebung und Pinen-Effekte]
  8. Lizarraga-Valderrama, L. R. (2021). Effects of essential oils on central nervous system: Focus on mental health. Phytotherapy Research, 35(2), 657–679. doi:10.1002/ptr.6854
  9. Chang, J., Yang, H., Shan, X., Zhao, L., Li, Y., Zhang, Z., Abankwah, J. K., Zhang, M., Bian, Y., & Guo, Y. (2024). Bergamot essential oil improves CUMS-induced depression-like behaviour in rats by protecting the plasticity of hippocampal neurons. Journal of Cellular and Molecular Medicine, 28(7), e18218. doi:10.1111/jcmm.18218
  10. Huang, L., Abuhamdah, S., Bhatt, A., & Bhatt, A. (2018). Essential Oils and Their Constituents Targeting the GABAergic System and Sodium Channels as Treatment of Neurological Diseases. Molecules, 23(5), 1061. doi:10.3390/molecules23051061
  11. Ghavami, T., Kazeminia, M., & Rajati, F. (2022). The effect of lavender on stress in individuals: A systematic review and meta-analysis. Complementary Therapies in Medicine, 68, 102832. doi:10.1016/j.ctim.2022.102832
  12. Schneider, R. (2021). Natural odor inhalers (Aromastick) outperform Red Bull for enhancing cognitive vigilance: results from a four-armed, randomized controlled study. Perceptual and Motor Skills, 128(1), 135–152. doi:10.1177/0031512520970835
  13. Moss, M., Cook, J., Wesnes, K., & Duckett, P. (2003). Aromas of rosemary and lavender essential oils differentially affect cognition and mood in healthy adults. International Journal of Neuroscience, 113(1), 15–38. doi:10.1080/00207450390161903
  14. Han, X., Gibson, J., Eggett, D. L., & Parker, T. L. (2017). Bergamot (Citrus bergamia) Essential Oil Inhalation Improves Positive Feelings in the Waiting Room of a Mental Health Treatment Center: A Pilot Study. Phytotherapy Research, 31(5), 812–816. doi:10.1002/ptr.5806
  15. Kang, H. J., & Nam, E. S. (2021). Effects of Lavender on Anxiety, Depression, and Physiological Parameters: Systematic Review and Meta-Analysis. Asian Nursing Research, 15(5), 299–310. doi:10.1016/j.anr.2021.11.001
  16. Moussaieff, A., Rimmerman, N., Bregman, T., Straiker, A., Felder, C. C., Shoham, S., Kashman, Y., Huang, S. M., Lee, H., Shohami, E., Mackie, K., Caterina, M. J., Walker, J. M., Fride, E., & Mechoulam, R. (2008). Incensole acetate, an incense component, elicits psychoactivity by activating TRPV3 channels in the brain. FASEB Journal, 22(8), 3024–3034. doi:10.1096/fj.07-101865
  17. Fung, T. K. H., Lau, B. W. M., Ngai, S. P. C., & Tsang, H. W. H. (2021). Therapeutic Effect and Mechanisms of Essential Oils in Mood Disorders: Interaction between the Nervous and Respiratory Systems. International Journal of Molecular Sciences, 22(9), 4844. doi:10.3390/ijms22094844
  18. Lv, X. N., Liu, Z. J., Zhang, H. J., & Tzeng, C. M. (2013). Aromatherapy and the central nerve system (CNS): therapeutic mechanism and its associated genes. Current Drug Targets, 14(8), 872–879. doi:10.2174/1389450111314080007
  19. Woo, C. C., Miranda, B., Sathishkumar, M., Dehkordi-Vakil, F., Yassa, M. A., & Leon, M. (2023). Overnight olfactory enrichment using an odorant diffuser improves memory and modifies the uncinate fasciculus in older adults. Frontiers in Neuroscience, 17, 1200448. doi:10.3389/fnins.2023.1200448
  20. Al-Saeed, H., Al-Qahtani, A., & Al-Barrak, M. (2024). A Comprehensive Review on Anxiolytic Effect of Lavandula Angustifolia Mill. in Clinical Studies. PharmaNutrition. doi:10.1002/ptr.8535