Parfum mit ätherischen Ölen selber machen

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ein Parfum aus ätherischen Ölen vereint Duftkunst mit Naturkosmetik – und lässt sich mit wenigen Zutaten zu Hause herstellen. Anders als konventionelle Parfums, die häufig auf synthetische Aromachemikalien und Phthalate setzen, basieren Naturparfums auf den komplexen Duftprofilen echter Pflanzenextrakte.[1] Rosenöl etwa enthält über 100 identifizierte Einzelverbindungen, darunter Citronellol, Geraniol und Nerol – diese chemische Vielschichtigkeit erzeugt eine Duftiefe, die synthetische Einzelstoffe nicht erreichen.[2]

Parfum mit ätherischen Ölen hat eine jahrtausendealte Tradition. Bereits im alten Ägypten wurden aromatische Pflanzenextrakte in Salben und Ölen als persönlicher Duft getragen. Die moderne Naturparfümerie knüpft an dieses Wissen an und nutzt ätherische Öle als alleinige Duftträger – auf Alkohol- oder Ölbasis, vom leichten Eau de Cologne bis zum intensiven Eau de Parfum.

Parfum mit ätherischen Ölen selber machen – Fläschchen mit Naturparfum und einzelnen ätherischen Ölen

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt ein Naturparfum herstellen. Sie erfahren, welche Basis sich für welchen Dufttyp eignet, wie Sie Kopf-, Herz- und Basisnoten kombinieren, und Sie finden vier erprobte Rezepte – von einem blumigen Damenparfum über ein frisches Herrenparfum bis zum festen Parfum für unterwegs.

Auf einen Blick

  • Zwei Basen: Alkoholparfum (Weingeist 96 %) versprüht leicht und projiziert stark; Ölparfum (Jojobaöl) hält länger auf der Haut und pflegt gleichzeitig.
  • Konzentrationsstufen: Eau de Cologne (2–5 % ätherische Öle), Eau de Toilette (5–10 %), Eau de Parfum (10–20 %) – je höher der Ölanteil, desto intensiver und langanhaltender der Duft.
  • Duftaufbau: Ein ausgewogenes Parfum besteht aus Kopfnote (erster Eindruck), Herznote (Charakter) und Basisnote (Haltbarkeit) – im Verhältnis 30 : 50 : 20.
  • Reifezeit: Ein Alkoholparfum benötigt 2–4 Wochen Reifezeit im Dunkeln, damit sich die Duftmoleküle vollständig verbinden.
  • Haltbarkeit: Selbstgemachtes Naturparfum hält bei kühler, dunkler Lagerung 6–12 Monate.
  • Sicherheit: Phototoxische Öle wie kaltgepresstes Bergamotteöl dürfen nicht vor Sonnenkontakt auf die Haut aufgetragen werden.

Alkohol oder Trägeröl – welche Basis für Ihr Naturparfum?

Die Wahl der Parfumbasis bestimmt Duftentfaltung, Haltbarkeit und Hautgefühl. Zwei Grundtypen haben sich in der Naturparfümerie bewährt: Alkohol und Trägeröl.

Alkoholbasiertes Parfum

Unvergällter Weingeist (Ethanol 96 Vol.-%) ist der klassische Träger für Sprühparfums. Alkohol verdunstet schnell und transportiert dabei die Duftmoleküle in die Umgebungsluft – das erzeugt die typische Duftwolke (Sillage), die andere Menschen wahrnehmen. Für Naturparfums eignet sich ausschließlich reiner, undenaturierter Ethanol aus der Apotheke oder spezieller Parfümöl-Alkohol. Isopropanol oder Wodka sind weniger geeignet: Isopropanol hat einen Eigengeruch, Wodka enthält nur 40 % Ethanol und löst ätherische Öle schlechter.

Ein typisches Alkoholparfum besteht aus 10–20 % ätherischen Ölen und 80–90 % Weingeist. Optional können Sie 1–2 % destilliertes Wasser hinzufügen, um die Schärfe des Alkohols abzumildern.

Ölbasiertes Parfum

Jojobaöl ist die bevorzugte Basis für Ölparfums, weil es botanisch gesehen ein Flüssigwachs ist und daher kaum oxidiert. Es hat keinen Eigengeruch und zieht gut in die Haut ein. Alternativen sind fraktioniertes Kokosöl oder Mandelöl, wobei letzteres eine kürzere Haltbarkeit aufweist. Ölparfums projizieren weniger stark als Alkoholparfums – der Duft bleibt näher am Körper –, halten dafür aber oft länger auf der Haut, da das Öl die Verdunstung der ätherischen Öle verlangsamt.

Das übliche Mischverhältnis liegt bei 10–25 % ätherischen Ölen in Trägeröl. Ölparfums eignen sich besonders für empfindliche Haut, da der Alkohol-Trocknungseffekt entfällt.

Alkoholparfum und Ölparfum im Vergleich

EigenschaftAlkoholparfumÖlparfum
Sillage (Duftwolke)Stark – projiziert weitDezent – bleibt hautnah
DuftentfaltungSchnell, alle Noten rasch wahrnehmbarLangsam, sanftes Aufblühen
Haltbarkeit auf der Haut3–6 Stunden4–8 Stunden
HautverträglichkeitKann trockene Haut reizenPflegend, für empfindliche Haut geeignet
Reifezeit2–4 Wochen empfohlen1–2 Wochen
AnwendungSprühflakonRoll-On oder Tupfen

Welche Konzentrationsstufen gibt es bei Naturparfum?

Die Intensität und Haltbarkeit eines Parfums hängt vom Anteil ätherischer Öle an der Gesamtmischung ab. Drei Konzentrationsstufen sind in der Naturparfümerie üblich:[3]

  • Eau de Cologne (EdC): 2–5 % ätherische Öle. Leicht und erfrischend, ideal für den Sommer. Hält etwa 1–2 Stunden auf der Haut.
  • Eau de Toilette (EdT): 5–10 % ätherische Öle. Alltagstaugliche Intensität mit einer Haltbarkeit von 2–4 Stunden.
  • Eau de Parfum (EdP): 10–20 % ätherische Öle. Intensiv und langanhaltend (4–6 Stunden), eignet sich für Abendanlässe oder wenn der Duft den ganzen Tag tragen soll.

Für Einsteiger empfiehlt sich ein Eau de Toilette: Die Konzentration ist hoch genug, um den Duft deutlich wahrzunehmen, verzeiht aber kleine Dosierungsfehler besser als ein intensives Eau de Parfum.

Duftnoten im Parfum: Kopf, Herz und Basis

Jedes gelungene Parfum entfaltet sich in drei Phasen – den sogenannten Duftnoten. Die Kopfnote liefert den ersten Eindruck, die Herznote prägt den Charakter, und die Basisnote sorgt für Tiefe und Haltbarkeit. Eine ausführliche Erklärung des Duftnoten-Systems und der Synergien zwischen ätherischen Ölen finden Sie im Ratgeber zum Mischen ätherischer Öle.

Für die Parfumherstellung reicht folgende Faustregel: Mischen Sie Ihre Öle im Verhältnis 30 % Kopfnote, 50 % Herznote und 20 % Basisnote. Dieses Verhältnis erzeugt einen harmonischen Duftverlauf, bei dem der erste Eindruck frisch wirkt, der Charakter sich über Stunden entfaltet und die Basis dem Ganzen Tiefe verleiht.[4]

Ätherische Öle nach Duftnoten – eine Übersicht

DuftnoteEigenschaftDauerGeeignete ätherische Öle
KopfnoteLeicht, frisch, flüchtig15–30 MinutenBergamotte, Orange, Zitrone, Grapefruit, Eukalyptus, Pfefferminze
HerznoteBlumig, warm, harmonisierend2–4 StundenRose, Jasmin, Ylang-Ylang, Lavendel, Rosmarin, Geranie
BasisnoteTief, erdig, fixierend4–8 StundenSandelholz, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Weihrauch, Vanille (Absolue)

Die Basisnoten-Öle wirken als natürliche Fixative: Ihre schweren, großen Moleküle verdunsten langsam und halten die leichteren Kopf- und Herznoten länger auf der Haut fest.[5] Vetiveröl (Chrysopogon zizanioides) und Sandelholzöl (Santalum album) sind zwei der wirksamsten natürlichen Fixative in der Parfümerie.

Schritt für Schritt: Alkoholparfum selber machen

Die Herstellung eines alkoholbasierten Naturparfums folgt einem klaren Ablauf. Bereiten Sie vorab alle Zutaten und Utensilien vor – Änderungen nach dem Mischen sind kaum möglich.

Material und Zutaten

  • Weingeist 96 Vol.-% (unvergällt, aus der Apotheke)
  • 100 % naturreine ätherische Öle – achten Sie auf geprüfte Qualität (Hinweise dazu im Qualitätsratgeber)
  • Braunglas-Flakon (30 oder 50 ml) mit Sprühkopf oder Tropfverschluss
  • Pipetten oder Tropffläschchen für jedes Öl (Kreuzkontamination vermeiden)
  • Messbecher aus Glas
  • Etiketten und Stift zum Beschriften

Anleitung in 6 Schritten

  1. Duftkonzept festlegen: Wählen Sie 4–6 ätherische Öle aus und ordnen Sie diese den drei Duftnoten zu. Notieren Sie die gewünschte Tropfenanzahl pro Öl.
  2. Basisnoten mischen: Geben Sie zuerst die Basisnoten-Öle in den Glasflakon. Schwenken Sie leicht.
  3. Herznoten hinzufügen: Tropfen Sie die Herznoten-Öle dazu und schwenken Sie erneut vorsichtig.
  4. Kopfnoten ergänzen: Fügen Sie zuletzt die Kopfnoten-Öle hinzu. Schütteln Sie kurz.
  5. Alkohol auffüllen: Füllen Sie den Flakon mit Weingeist auf und verschließen Sie ihn sofort. Die Gesamtmenge ätherischer Öle sollte je nach gewünschter Intensität 5–20 % der Mischung betragen.
  6. Reifen lassen: Lagern Sie den Flakon 2–4 Wochen an einem kühlen, dunklen Ort. Schütteln Sie ihn in den ersten Tagen einmal täglich sanft. In dieser Zeit verbinden sich die Duftmoleküle, und der Alkohol verliert seine anfängliche Schärfe.[6]

Ein häufiger Anfängerfehler: zu viele verschiedene Öle verwenden. Vier bis sechs Öle reichen für ein harmonisches Parfum. Mehr als acht Öle ergeben oft einen undefinierbaren Duft, weil sich die einzelnen Noten gegenseitig überlagern.

Tipp aus der Praxis: Testen Sie Ihre Duftmischung zunächst in kleiner Menge (5 ml) auf einem Duftstreifen aus saugfähigem Papier. So können Sie das Zusammenspiel der Noten beurteilen, bevor Sie die gesamte Charge ansetzen.

Vier Rezepte für selbstgemachtes Naturparfum

Die folgenden Rezepte sind als Ausgangspunkt gedacht. Passen Sie die Tropfenanzahl nach Ihrem persönlichen Empfinden an – ein Tropfen mehr oder weniger kann den Charakter merklich verändern. Alle Rezepte ergeben jeweils etwa 30 ml Parfum in Eau-de-Parfum-Konzentration (ca. 15 % ätherische Öle).

Blumiges Damenparfum – „Rosentraum"

Rosenöl (Rosa damascena) besteht zu 20–35 % aus Citronellol und zu 13–22 % aus Geraniol – diese Monoterpenalkohole erzeugen den typischen, vielschichtigen Rosenduft.[2] Jasmin-Absolue und Ylang-Ylang verleihen Süße und Tiefe, Sandelholz fixiert das Ganze.

  • Kopfnote: 8 Tropfen Bergamotteöl (bergaptenfrei/FCF)
  • Herznote: 6 Tropfen Rosenöl, 5 Tropfen Jasmin-Absolue, 4 Tropfen Ylang-Ylang-Öl
  • Basisnote: 5 Tropfen Sandelholzöl, 2 Tropfen Vanille-Absolue
  • Träger: 25 ml Weingeist 96 %

Mischen Sie in der Reihenfolge Basis → Herz → Kopf, füllen Sie mit Weingeist auf und lassen Sie den Flakon mindestens 3 Wochen reifen. Das Rosenöl entwickelt während der Reifezeit erst seinen vollen Charakter.

Frisches Herrenparfum – „Waldlichtung"

Bergamotteöl (Citrus bergamia) als Kopfnote liefert die zitrische Frische, Rosmarin bringt eine kräuterig-klare Herznote, und Zedernholz zusammen mit Vetiver erzeugt eine maskuline, erdige Basis.

  • Kopfnote: 10 Tropfen Bergamotteöl (bergaptenfrei/FCF), 3 Tropfen Zitronenöl
  • Herznote: 6 Tropfen Rosmarinöl, 3 Tropfen Wacholderöl
  • Basisnote: 5 Tropfen Zedernholzöl, 4 Tropfen Vetiveröl
  • Träger: 25 ml Weingeist 96 %

Vetiveröl hat eine extrem hohe Fixierkraft. Verwenden Sie es sparsam – bereits 4 Tropfen halten die leichteren Noten über Stunden auf der Haut.

Unisex-Parfum – „Goldener Abend"

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) und Orange bilden ein harmonisches Duo, das weder zu blumig noch zu herb wirkt. Weihrauch und Patchouli geben dem Duft eine meditative, warme Tiefe.

  • Kopfnote: 8 Tropfen Orangenöl (süß), 3 Tropfen Grapefruitöl
  • Herznote: 7 Tropfen Lavendelöl, 3 Tropfen Geranienöl
  • Basisnote: 4 Tropfen Weihrauchöl, 4 Tropfen Patchouliöl
  • Träger: 25 ml Weingeist 96 %

Patchouliöl (Pogostemon cablin) wird mit der Zeit milder und runder. Dieses Parfum gewinnt deshalb in den ersten Monaten nach der Reifung noch an Komplexität.

Solides Parfum – „Taschenduft"

Feste Parfums lassen sich ohne Alkohol herstellen und sind ideal für unterwegs. Studien zur Formulierung fester Parfums zeigen, dass die Kombination aus Bienenwachs und Trägeröl die Duftintensität ätherischer Öle gut konserviert und eine vergleichbare Haltbarkeit wie bei flüssigen Parfums erreichen kann.[7]

  • 1 Esslöffel Bienenwachs (ca. 15 g)
  • 1 Esslöffel Jojobaöl (ca. 15 ml)
  • 20–25 Tropfen ätherischer Öle nach Wahl (z. B. 8 Tropfen Lavendelöl, 7 Tropfen Orangenöl, 5 Tropfen Sandelholzöl, 3 Tropfen Vanille-Absolue)

Schmelzen Sie Bienenwachs und Jojobaöl im Wasserbad bei ca. 65 °C. Nehmen Sie den Topf vom Herd und lassen Sie die Masse 1–2 Minuten abkühlen (unter 40 °C), bevor Sie die ätherischen Öle einrühren – bei zu hoher Temperatur verdampfen die flüchtigen Duftmoleküle. Füllen Sie die Mischung sofort in eine kleine Blechdose oder ein Gläschen und lassen Sie sie fest werden. Zum Auftragen reiben Sie mit dem Finger über die Oberfläche und tupfen den Duft auf Pulsstellen.

Für einfache Roll-On-Düfte auf Ölbasis bietet der Roll-On-Ratgeber eine detaillierte Anleitung mit fertigen Rezepturen.

Haltbarkeit und richtige Lagerung von Naturparfum

Ätherische Öle sind empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff. Oxidationsprozesse verändern die chemische Zusammensetzung und damit den Duft – Linalool etwa bildet bei Luftkontakt Oxidationsprodukte, die das Allergisierungspotenzial erhöhen können.[8] Für eine maximale Haltbarkeit beachten Sie drei Regeln:

  • Dunkel lagern: Braunglas- oder Violettglasflakons schützen vor UV-Strahlung. Transparente Fläschchen sind ungeeignet.
  • Kühl aufbewahren: Raumtemperatur (15–20 °C) ist ideal. Nicht im Badezimmer lagern – die Temperaturschwankungen und hohe Luftfeuchtigkeit beschleunigen den Abbau.
  • Luftdicht verschließen: Minimieren Sie den Kopfraum im Flakon, indem Sie überschüssige Luft so gering wie möglich halten. Nach dem Sprühen sofort verschließen.

Unter diesen Bedingungen hält ein alkoholbasiertes Naturparfum 6–12 Monate, ein ölbasiertes Parfum 4–8 Monate. Verändert sich der Duft merklich ins Ranzige oder Scharfe, entsorgen Sie die Mischung. Detaillierte Informationen zur Haltbarkeit und Oxidation ätherischer Öle finden Sie im Haltbarkeitsratgeber.

Natürliches Parfum vs. synthetisches Parfum – wo liegen die Unterschiede?

Naturparfums und synthetische Parfums unterscheiden sich in drei wesentlichen Punkten:

Duftkomplexität: Ätherische Öle sind Vielstoffgemische mit 20 bis über 200 Einzelverbindungen.[5] Diese Komplexität verleiht Naturparfums eine lebendige, sich verändernde Duftsignatur. Synthetische Parfums arbeiten mit isolierten Einzelmolekülen – der Duft ist gleichbleibend, aber weniger vielschichtig.

Sillage und Haltbarkeit: Synthetische Duftstoffe wie Moschus-Verbindungen können über 24 Stunden auf Textilien haften. Naturparfums projizieren in der Regel kürzer (3–6 Stunden auf der Haut), da die pflanzlichen Moleküle leichter und flüchtiger sind. Das bedeutet nicht minderwertig – viele Parfumliebhaber schätzen gerade die subtile, hautnahe Ausstrahlung natürlicher Düfte.

Verträglichkeit: Synthetische Duftstoffe enthalten mitunter Phthalate und Benzolderivate, die als endokrine Disruptoren bzw. potenzielle Karzinogene gelten.[1] Naturreine ätherische Öle sind nicht automatisch hautverträglich – auch sie können allergische Reaktionen auslösen –, vermeiden aber diese spezifischen synthetischen Problemstoffe. Eine Übersicht möglicher Reaktionen und wie Sie diese vermeiden, bietet der Nebenwirkungen-Ratgeber für ätherische Öle.

Sicherheit beim Umgang mit ätherischen Ölen im Parfum

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte. Beim Einsatz in Hautparfums gelten besondere Vorsichtsregeln.

Phototoxische Öle: Kaltgepresstes Bergamotteöl enthält Furocumarine (vor allem Bergapten), die in Kombination mit UV-Strahlung schwere Hautreaktionen wie Blasenbildung und dauerhafte Hyperpigmentierung auslösen können.[9] Das gilt ebenso für kaltgepresstes Zitronen-, Limetten- und Grapefruitöl. Verwenden Sie für Hautparfums ausschließlich die bergaptenfreie Variante (häufig als „FCF" – Furocoumarin Free – gekennzeichnet) oder dampfdestillierte Zitrusöle, die praktisch keine Furocumarine enthalten.[10] Ausführliche Informationen zu phototoxischen Ölen und weiteren Kontraindikationen finden Sie im Nebenwirkungen-Ratgeber.

Verdünnung: Auch im Parfum sollten ätherische Öle ausreichend verdünnt sein. Bei einem Eau de Parfum mit 15 % Ölanteil verteilt sich die Konzentration beim Auftragen nochmals auf der Haut. Tragen Sie Parfum auf Pulsstellen auf (Handgelenke, Hals, hinter den Ohren) – nicht großflächig. Die genauen Verdünnungsempfehlungen für Hautkontakt finden Sie im Dosierungsratgeber.

Verwenden Sie für Ihre Parfumkreationen ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle aus kontrollierter Herkunft. Woran Sie echte Qualität erkennen und worauf Sie beim Kauf achten sollten, erklärt der Qualitätsratgeber für ätherische Öle.

Häufige Fragen

Wie lange muss ein selbstgemachtes Parfum reifen?

Ein alkoholbasiertes Parfum mit ätherischen Ölen sollte 2–4 Wochen an einem kühlen, dunklen Ort reifen. In dieser Zeit verbinden sich die Duftmoleküle der verschiedenen Öle mit dem Alkohol, und der anfangs scharfe Alkoholgeruch verschwindet. Schütteln Sie den Flakon in der ersten Woche einmal täglich sanft. Ölbasierte Parfums benötigen nur 1–2 Wochen Reifezeit.

Kann man Parfum mit ätherischen Ölen auch ohne Alkohol herstellen?

Ja, alkoholfreie Alternativen sind ölbasierte Parfums mit Jojobaöl oder fraktioniertem Kokosöl als Träger sowie feste Parfums auf Bienenwachs-Basis. Ölparfums eignen sich besonders für empfindliche Haut, da der Alkohol-Trocknungseffekt entfällt. Der Duft bleibt bei Ölparfums näher an der Haut und projiziert weniger stark in die Umgebung.

Warum hält Naturparfum kürzer als konventionelles Parfum?

Ätherische Öle bestehen aus relativ leichten, flüchtigen Terpen- und Terpenoid-Verbindungen, die schneller verdunsten als synthetische Moschus- oder Amber-Moleküle. Ein Naturparfum hält typischerweise 3–6 Stunden auf der Haut. Sie können die Haltbarkeit verbessern, indem Sie großzügig Basisnoten-Öle wie Sandelholz, Vetiver oder Patchouli verwenden – diese schweren Moleküle fixieren die leichteren Noten und verlangsamen die Verdunstung.

Welche ätherischen Öle eignen sich am besten für ein Anfänger-Parfum?

Lavendelöl (Herznote), süßes Orangenöl (Kopfnote) und Zedernholzöl (Basisnote) bilden eine unkomplizierte, harmonische Kombination. Alle drei Öle sind preisgünstig, gut verfügbar und lassen sich leicht dosieren. Mischen Sie im Verhältnis 3 Tropfen Orange, 5 Tropfen Lavendel und 2 Tropfen Zedernholz in 10 ml Weingeist – schon haben Sie ein erstes, eigenes Eau de Toilette.

Sind Duftöle und ätherische Öle im Parfum gleichwertig?

Nein. Ätherische Öle sind naturreine Pflanzenextrakte, die per Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung gewonnen werden. Duftöle (Fragrance Oils) sind synthetisch hergestellte oder naturidentische Duftstoffmischungen. Für ein echtes Naturparfum kommen ausschließlich ätherische Öle oder Absolues infrage. Die genauen Unterschiede zwischen beiden erfahren Sie im Ratgeber zu Duftöl vs. ätherischem Öl.

Quellen

  1. de Groot, A. C., & Schmidt, E. (2016). Essential Oils, Part I: Introduction. Dermatitis, 27(2), 39–42. doi:10.1097/DER.0000000000000175
  2. Dobreva, A., Ferrara, L., Ferrara, M., & Ferrara, E. (2023). Comparative Chemical Profiling and Citronellol Enantiomers Distribution of Industrial-Type Rose Oils Produced in China. Molecules, 28(3), 1023. doi:10.3390/molecules28031023
  3. Aqil, M., Ahad, A., Sultana, Y., & Ali, A. (2007). Status of terpenes as skin penetration enhancers. Drug Discovery Today, 12(23–24), 1061–1067. doi:10.1016/j.drudis.2007.09.001
  4. Sell, C. S. (2019). Chemistry and the Sense of Smell. Wiley-VCH, Weinheim. ISBN: 978-1-119-47928-5
  5. Turek, C., & Stintzing, F. C. (2013). Stability of Essential Oils: A Review. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety, 12(1), 40–53. doi:10.1111/1541-4337.12006
  6. Blakeway, J. M., Frey, M. L., Lacroix, S., & Salerno, M. S. (1987). Chemical reactions in perfume ageing. International Journal of Cosmetic Science, 9(5), 203–214. doi:10.1111/j.1467-2494.1987.tb00476.x
  7. Hatwar, S. K., Shinde, P. S., & Gaikwad, D. T. (2024). Formulation and Evaluation of Solid Perfume. International Journal of Novel Research and Development (IJNRD), 9(10), 140–148.
  8. Bråred Christensson, J., Matura, M., Gruvberger, B., Bruze, M., & Karlberg, A.-T. (2010). Linalool – a significant contact sensitizer after air exposure. Contact Dermatitis, 62(1), 32–41. doi:10.1111/j.1600-0536.2009.01641.x
  9. Kaddu, S., Kerl, H., & Wolf, P. (2001). Accidental Bullous Phototoxic Reactions to Bergamot Aromatherapy Oil. Journal of the American Academy of Dermatology, 45(3), 458–461. doi:10.1067/mjd.2001.116226
  10. Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals (2. Aufl.). Churchill Livingstone/Elsevier. ISBN: 978-0-443-06241-4