Ätherische Öle bei Neurodermitis

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Neurodermitis – medizinisch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem – betrifft bis zu 20 % aller Kinder und 2–10 % der Erwachsenen weltweit. Die Erkrankung äußert sich durch trockene, gerötete Haut, quälenden Juckreiz und wiederkehrende Entzündungsschübe. Auslöser sind eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere (häufig durch Mutationen im Filaggrin-Gen), eine überschießende Immunreaktion vom Th2-Typ und verschiedene Trigger wie Stress, Allergene oder Klimawechsel. Die geschädigte Barriere lässt Schadstoffe eindringen und Feuchtigkeit entweichen – ein Teufelskreis aus Trockenheit, Entzündung und Juckreiz entsteht.

Bestimmte ätherische Öle können diesen Kreislauf an mehreren Stellen durchbrechen: Sie hemmen entzündliche Botenstoffe, lindern den Juckreiz, wirken antimikrobiell gegen Sekundärinfektionen und unterstützen die Regeneration der Haut. Klinische und präklinische Studien liefern zunehmend Belege dafür, dass Öle wie Kamille, Lavendel oder Weihrauch die Symptome der Neurodermitis messbar verbessern können.[1]

Ätherische Öle bei Neurodermitis – Fläschchen mit Kamille und Lavendel auf einem Holztisch

Dieser Artikel stellt die wirksamsten ätherischen Öle bei Neurodermitis mit ihren Wirkmechanismen und der jeweiligen Studienlage vor. Sie finden Praxis-Rezepte für akute Schübe und schubfreie Phasen sowie Hinweise zu geeigneten Trägerölen. Alle Empfehlungen verstehen sich als begleitende Maßnahme – nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung.

Auf einen Blick

  • Kamille (α-Bisabolol): Hemmt Mastzell-Degranulation und senkt IgE-Spiegel – in Tiermodellen signifikante Reduktion von Neurodermitis-Symptomen[1]
  • Lavendel (Linalylacetat): Unterdrückt die AhR-Aktivierung in Keratinozyten konzentrationsabhängig und zeigt kaum Sensibilisierungspotenzial[3]
  • Dosierung: Bei Neurodermitis besonders niedrig dosieren – maximal 0,5–1 % im akuten Schub, bis 2 % in schubfreien Intervallen
  • Trägeröle: Nachtkerzenöl (GLA-reich) stärkt die Hautbarriere und eignet sich als Basisöl für Neurodermitis-Mischungen[8]
  • Schub vs. Intervall: Unterschiedliche Strategien nötig – akut beruhigend und juckreizlindernd, im Intervall regenerierend und barrierestärkend
  • YMYL-Hinweis: Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis ist ärztliche Betreuung unerlässlich – ätherische Öle ergänzen, ersetzen aber keine medizinische Therapie

Was ist Neurodermitis? Gestörte Barriere, überaktives Immunsystem

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der die natürliche Schutzbarriere der Haut geschwächt ist. Bei etwa 20 % der Betroffenen liegt eine Mutation im Filaggrin-Gen vor – einem Protein, das für die Bildung der äußersten Hautschicht entscheidend ist.[2] Fehlt funktionsfähiges Filaggrin, verliert die Haut verstärkt Feuchtigkeit, und Allergene sowie Mikroorganismen dringen leichter ein.

Das Immunsystem reagiert darauf mit einer verstärkten Th2-Antwort: Es schüttet vermehrt Interleukin-4 (IL-4), IL-13 und Immunglobulin E (IgE) aus. Diese Kaskade löst Entzündung, Rötung und den typischen Juckreiz aus. Kratzen schädigt die Haut weiter und öffnet Eintrittspforten für Bakterien – vor allem Staphylococcus aureus, der bei 70–90 % der Neurodermitis-Patienten die Haut besiedelt.[5] Typische Trigger, die einen Schub auslösen, sind Stress, Schweiß, raues Gewebe, bestimmte Nahrungsmittel, Hausstaubmilben und extreme Temperaturen.

Welche ätherischen Öle helfen bei Neurodermitis?

Die folgenden sechs ätherischen Öle zeigen in Studien vielversprechende Ergebnisse bei Neurodermitis. Entscheidend ist jeweils der spezifische Wirkmechanismus, der an verschiedenen Stellen in den Entzündungskreislauf eingreift.

Kamillenöl – α-Bisabolol gegen Entzündung und Juckreiz

Das ätherische Öl der Deutschen Kamille (Matricaria chamomilla) enthält als Hauptwirkstoff α-Bisabolol, ein monocyclisches Sesquiterpen mit starker entzündungshemmender Wirkung. In einer Studie an BALB/c-Mäusen mit DNCB-induzierter atopischer Dermatitis senkte die topische Anwendung von 3 % Kamillenöl die Serum-IgE- und Histaminspiegel signifikant und reduzierte die Kratzfrequenz deutlich.[1] Die Forscher führten diese Effekte auf die antihistaminischen und immunregulatorischen Eigenschaften der Sesquiterpene Azulen, Bisabolol und Farnesen zurück.

Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2022 zeigte, dass α-Bisabolol die Degranulation von Mastzellen hemmt, indem es die JNK- und NF-κB-Signalwege blockiert. Die Epidermisdicke nahm ab, und die Anzahl infiltrierter Mastzellen ging zurück.[2] 2024 bestätigten Forscher in einem Mausmodell, dass ein Nanoemulsions-Gel auf Basis von Kamillenöl die Epidermisdicke verringerte und die Mastzelleninfiltration hemmte, während IgE und proinflammatorische Zytokine sowohl im Serum als auch in der Haut sanken.[9]

Praxistipp: Kamillenöl eignet sich besonders für die akute Phase, da es Juckreiz und Rötung rasch lindern kann. Verwenden Sie ausschließlich echtes Kamillenöl (blau gefärbt durch Chamazulen) – das günstigere Römische Kamillenöl hat ein anderes Wirkprofil.

Lavendelöl – Linalylacetat unterdrückt die Neurodermitis-Kaskade

Echtes Lavendelöl (Lavandula angustifolia) besteht zu etwa 43 % aus Linalylacetat und 32 % aus Linalool. Eine 2024 in PLOS One publizierte Studie untersuchte die AD-hemmende Wirkung dieses Öls in einem Zellmodell auf Basis menschlicher Keratinozyten (HaCaT). L. angustifolia-Öl hemmte konzentrationsabhängig die Aktivierung des Arylhydrocarbon-Rezeptors (AhR) – eines zentralen Signalwegs in der Neurodermitis-Pathologie. Der IC50 lag bei 0,012 %, und Linalylacetat erwies sich als Hauptträger dieser Wirkung.[3]

Gleichzeitig zeigten Hauttests, dass L. angustifolia-Öl und Linalylacetat kaum hautsensibilisierendes Potenzial besitzen – ein entscheidender Vorteil bei der ohnehin empfindlichen Haut von Neurodermitis-Patienten. Eine chinesische Studie an Mäusen bestätigte 2023, dass Lavendelöl die Serumspiegel von IL-6 und TNF-α senkt und über den STAT3/RORγt-Signalweg die Hautentzündung reduziert.[4]

Praxistipp: Tragen Sie Lavendelöl-Mischungen abends auf – das Öl wirkt zusätzlich entspannend und kann den oft gestörten Schlaf bei Neurodermitis verbessern. Achten Sie auf echtes L. angustifolia-Öl, da Lavandin-Öle einen höheren Kampfergehalt haben und die Haut stärker reizen können.

Teebaumöl – antimikrobieller Schutz gegen Sekundärinfektionen

Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) enthält als Hauptwirkstoff Terpinen-4-ol, das breite antimikrobielle Eigenschaften besitzt. In vitro hemmt Teebaumöl das Wachstum von Staphylococcus aureus – einschließlich methicillinresistenter Stämme (MRSA) – bereits bei Konzentrationen von 0,25 % v/v.[5] Da S. aureus die Haut von bis zu 90 % aller Neurodermitis-Patienten besiedelt und Superinfektionen aufgekratzter Stellen verursacht, ist diese antimikrobielle Wirkung klinisch relevant.

Teebaumöl wirkt zudem entzündungshemmend und aktiviert Monozyten, was die Wundheilung unterstützt.[6] In Biofilmen – einer häufigen Wachstumsform von S. aureus auf Neurodermitis-Haut – lag die Eradikationskonzentration bei maximal 1 % v/v.

Praxistipp: Teebaumöl ist bei geschädigter Neurodermitis-Haut mit Vorsicht einzusetzen. Es eignet sich vor allem punktuell für entzündete, infektionsgefährdete Stellen – nicht großflächig. Oxidiertes Teebaumöl (bei falscher Lagerung) kann selbst Kontaktallergien auslösen. Verwenden Sie nur frisches, korrekt gelagertes Öl.

Weihrauchöl – Boswelliasäuren gegen chronische Entzündung

Weihrauchöl wird aus dem Harz von Boswellia-Arten gewonnen. Die darin enthaltenen Boswelliasäuren – insbesondere AKBA (3-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure) – hemmen das Enzym 5-Lipoxygenase und damit die Leukotriensynthese, einen zentralen Entzündungsmediator bei Neurodermitis.[10]

In einer 2022 publizierten Studie reduzierten α-Boswelliasäuren im DNCB-Mausmodell die epidermale Verdickung, die Mastzellzahl und die dermale Infiltration signifikant. Zudem stellten sie den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) wieder her – ein Maß für die Barrierefunktion der Haut.[7] In humanen Keratinozyten hemmte α-Boswelliasäure die MAP-Kinase-Aktivierung und reduzierte die NF-κB-Translokation, was die Freisetzung der proinflammatorischen Zytokine IL-1β, IL-6 und IL-8 verringerte.

Eine klinische Studie an 71 Probanden mit Ekzem und Psoriasis belegte, dass eine topische Formulierung mit Boswelliasäuren über 6 Wochen Rötung, Schuppung und Juckreiz reduzierte.[11]

Praxistipp: Weihrauchöl eignet sich besonders für die Langzeitpflege in schubfreien Intervallen. Seine barrierestärkenden Eigenschaften können dazu beitragen, den nächsten Schub hinauszuzögern.

Manukaöl – starke Keimhemmung aus Neuseeland

Manukaöl wird aus Blättern und Zweigen des neuseeländischen Manukabaums (Leptospermum scoparium) destilliert. Seine β-Triketone (Leptospermon und Flaveson) hemmen Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes bereits bei 0,03 % v/v – damit ist Manukaöl eines der potentesten antimikrobiellen ätherischen Öle.[12]

In einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) an erwachsenen Ekzem-Patienten in Neuseeland erzielte eine 3 %-Kānuka-Öl-Creme (eng verwandt mit Manukaöl) eine signifikante Verbesserung des POEM-Scores (Patient-Oriented Eczema Measure) gegenüber der Kontrollgruppe.[13] Zusätzlich zeigt Manukaöl entzündungshemmende Wirkung, indem es proinflammatorische Zytokine wie TNF-α und IL-1β herunterreguliert.

Praxistipp: Manukaöl ist etwas milder als Teebaumöl und wird von empfindlicher Haut oft besser vertragen. Es eignet sich als Alternative oder Ergänzung zu Teebaumöl, insbesondere bei Patienten, die auf Teebaumöl sensibel reagieren.

Immortellenöl – Wundheilung und Entzündungsschutz

Immortellenöl (Helichrysum, Helichrysum italicum) enthält Nerylacetat, α-Pinen und γ-Curcumen. Das Öl hemmt entzündliche Enzyme (insbesondere Cyclooxygenase) und fördert die Zellregeneration. In der Aromatherapie wird es traditionell bei schlecht heilenden Hautzuständen eingesetzt – eine Eigenschaft, die bei Neurodermitis mit aufgekratzter, langsam regenerierender Haut wertvoll ist.

Bisherige In-vitro-Studien belegen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften der Helichrysum-Inhaltsstoffe. Klinische Studien spezifisch zu Neurodermitis stehen noch aus, doch die wundheilende Wirkung und die gute Hautverträglichkeit machen Immortellenöl zu einer sinnvollen Ergänzung in Neurodermitis-Mischungen – vor allem in der Regenerationsphase nach akuten Schüben.

Was sagen Studien zu ätherischen Ölen bei Neurodermitis?

Die Studienlage zu ätherischen Ölen und Neurodermitis hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mehrere Forschergruppen haben spezifische Wirkmechanismen aufgeklärt, und erste klinische Daten liegen vor.

Öl / WirkstoffStudientypErgebnisQuelle
Kamillenöl (3 %, topisch)Tiermodell (BALB/c-Mäuse, DNCB)IgE und Histamin signifikant gesenkt, Kratzfrequenz reduziert[1]
α-Bisabolol (topisch)Tiermodell + Zellkultur (HaCaT)Epidermisdicke ↓, Mastzellen ↓, TEWL normalisiert, NF-κB gehemmt[2]
Kamillenöl-NanoemulsionTiermodell (Mäuse)Epidermisdicke ↓, Mastzellinfiltration ↓, IgE und Zytokine ↓[9]
L. angustifolia-ÖlZellmodell (HaCaT-Keratinozyten)AhR-Aktivierung konzentrationsabhängig gehemmt, IC50 = 0,012 %[3]
LavendelölTiermodell (Kunming-Mäuse)IL-6 und TNF-α gesenkt, STAT3/RORγt-Signalweg moduliert[4]
α-BoswelliasäureTiermodell + ZellkulturEpidermale Verdickung ↓, TEWL normalisiert, IL-1β/IL-6/IL-8 ↓[7]
Boswelliasäure-CremeKlinische Studie (71 Probanden)Rötung und Schuppung nach 6 Wochen signifikant verbessert[11]
Kānuka-Öl-Creme (3 %)RCT (Erwachsene, Neuseeland)POEM-Score signifikant verbessert vs. Kontrolle[13]

Die meisten Studien sind präklinisch (Tiermodelle, Zellkulturen). Klinische Daten am Menschen liegen bisher nur für Boswelliasäure-Formulierungen und Kānuka-Öl in Form randomisierter kontrollierter Studien vor. Die Ergebnisse sind vielversprechend, doch für eine abschließende Beurteilung der Wirksamkeit sind größere Humanstudien nötig.

Welche Trägeröle eignen sich bei Neurodermitis?

Bei Neurodermitis ist das Trägeröl nicht nur Verdünnungsmittel – es ist selbst Teil der Therapie. Die gestörte Hautbarriere profitiert besonders von Ölen, die Gamma-Linolensäure (GLA) oder Linolsäure enthalten und die Ceramid-Produktion unterstützen.

Nachtkerzenöl enthält 8–10 % Gamma-Linolensäure (GLA), eine Omega-6-Fettsäure, deren Umwandlung bei vielen Neurodermitis-Patienten gestört ist. Topisch aufgetragen liefert es GLA direkt an die Haut und kann so die Barrierefunktion stärken.[8] Borretschöl übertrifft Nachtkerzenöl mit bis zu 23 % GLA und ist eine Alternative für Patienten, die stärkere Barriereunterstützung benötigen. Süßes Mandelöl ist besonders mild, zieht gut ein und eignet sich hervorragend als Basisöl für empfindliche Neurodermitis-Haut – es enthält zwar kein GLA, spendet aber Feuchtigkeit und wird sehr gut vertragen.

Ausführliche Vergleichstabellen und die Auswahl nach Hauttyp finden Sie im Ratgeber zu Trägerölen.

Schub vs. schubfreies Intervall: Zwei unterschiedliche Öl-Strategien

Neurodermitis verläuft in Schüben, und je nach Phase braucht die Haut eine andere Pflege. Ein häufiger Fehler ist, während eines akuten Schubs die gleiche Mischung zu verwenden wie in ruhigen Phasen.

Strategie im akuten Schub

Im Schub ist die Haut entzündet, gerötet und juckt stark. Die Barriere ist akut geschädigt, und jedes aufgetragene Produkt kann die Reizung verstärken. Ziel: Beruhigen, Juckreiz lindern, Entzündung hemmen – mit minimaler Konzentration.

  • Konzentration: Maximal 0,5–1 % ätherisches Öl (2–4 Tropfen auf 20 ml Trägeröl)
  • Öle der Wahl: Kamillenöl (juckreizlindernd), Lavendelöl (beruhigend)
  • Trägeröl: Nachtkerzenöl oder Borretschöl (GLA zur Barrierestärkung)
  • Anwendung: 2× täglich dünn auftragen, nicht einmassieren – nur sanft aufstreichen

Strategie im schubfreien Intervall

In ruhigen Phasen ist die Haut zwar nicht akut entzündet, aber die Barriere bleibt anfällig. Ziel: Barriere stärken, Regeneration fördern, den nächsten Schub hinauszögern.

  • Konzentration: Bis zu 2 % ätherisches Öl (8 Tropfen auf 20 ml Trägeröl)
  • Öle der Wahl: Weihrauchöl (barrierestärkend), Immortellenöl (regenerierend), Lavendelöl (hautpflegend)
  • Trägeröl: Nachtkerzenöl gemischt mit Mandelöl (1:1 für bessere Verteilbarkeit)
  • Anwendung: 1–2× täglich, nach dem Duschen auf leicht feuchte Haut auftragen

Rezepte: Ätherische Öle bei Neurodermitis richtig anwenden

Akute-Schub-Mischung (beruhigend, juckreizlindernd)

Diese Mischung kombiniert die juckreizlindernde Wirkung von Kamille mit der beruhigenden Wirkung von Lavendel – bei einer sehr niedrigen Gesamtkonzentration von etwa 0,75 %.

  • 20 ml Nachtkerzenöl (Basis)
  • 2 Tropfen Kamillenöl (deutsch, blau)
  • 1 Tropfen Lavendelöl (L. angustifolia)

Mischen Sie die ätherischen Öle zuerst in das Nachtkerzenöl und lassen Sie die Mischung 10 Minuten ruhen. Tragen Sie eine dünne Schicht auf die betroffenen Stellen auf – 2× täglich, morgens und abends. Nicht auf offene, nässende Hautstellen auftragen. Vor der ersten Anwendung unbedingt einen Verträglichkeitstest in der Ellenbeuge durchführen (24 Stunden warten).

Basis-Pflegeöl für schubfreie Intervalle

Für die tägliche Pflege zwischen den Schüben. Die etwas höhere Konzentration von ca. 1,5 % fördert die Hautregeneration und stärkt die Barriere.

  • 10 ml Nachtkerzenöl
  • 10 ml süßes Mandelöl
  • 2 Tropfen Weihrauchöl
  • 2 Tropfen Lavendelöl
  • 1 Tropfen Immortellenöl

Tragen Sie das Pflegeöl nach dem Duschen oder Baden auf die noch leicht feuchte Haut auf. Das Wasser auf der Haut hilft, die Feuchtigkeit einzuschließen. Am besten abends anwenden, damit die Öle über Nacht einwirken können.

Beruhigender Bade-Zusatz bei Neurodermitis

Baden kann Neurodermitis-Haut weiter austrocknen – mit der richtigen Methode kann ein kurzes Bad aber auch lindernd wirken. Ätherische Öle sind nicht wasserlöslich und müssen vor dem Zugeben ins Badewasser mit einem Emulgator vermischt werden.

  • 2 Esslöffel Sahne oder Honig (als natürlicher Emulgator)
  • 2 Tropfen Kamillenöl
  • 1 Tropfen Lavendelöl

Verrühren Sie die ätherischen Öle gründlich in der Sahne oder dem Honig und geben Sie die Mischung erst dann ins eingelassene Badewasser. Wassertemperatur: maximal 32–34 °C (nicht heiß – Hitze verstärkt den Juckreiz). Badezeit: höchstens 10–15 Minuten. Danach sofort ein Pflegeöl oder eine Basiscreme auftragen, um die Feuchtigkeit einzuschließen. Eine vollständige Anleitung zur Anwendung ätherischer Öle im Bad finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen in der Badewanne.

Sicherheit, Dosierung und wichtige Hinweise

Neurodermitis-Haut ist besonders empfindlich, da die Hautbarriere durchlässiger ist als bei gesunder Haut. Das bedeutet: Ätherische Öle dringen tiefer ein und können schneller Reizungen verursachen. Dosieren Sie bei Neurodermitis deshalb immer am unteren Ende der empfohlenen Spanne – eine ausführliche Verdünnungstabelle für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Ätherische Öle dürfen bei Neurodermitis nie unverdünnt auf die Haut. Führen Sie vor jeder neuen Mischung einen Verträglichkeitstest durch: Tragen Sie eine kleine Menge der verdünnten Mischung auf die Innenseite des Unterarms auf und warten Sie 24 Stunden. Eine vollständige Übersicht aller Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und Wechselwirkungen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Neurodermitis tritt besonders häufig bei Kindern auf – schon bei Säuglingen können erste Symptome auftreten. Bei Kindern gelten noch strengere Dosierungsregeln und Alterseinschränkungen für bestimmte Öle. Alles Wichtige dazu finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder.

Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle in therapeutischer Qualität. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.

Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis ist eine ärztliche Betreuung unerlässlich. Ätherische Öle können eine dermatologische Therapie sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen. Sprechen Sie Ihren Arzt an, bevor Sie ätherische Öle zusätzlich zu verschriebenen Medikamenten (etwa Kortison-Cremes oder Calcineurin-Inhibitoren) verwenden.

Abgrenzung: Neurodermitis, Schuppenflechte und Juckreiz

Neurodermitis und Psoriasis (Schuppenflechte) werden häufig verwechselt, unterscheiden sich aber grundlegend in Ursache, Erscheinungsbild und Behandlung – die passenden Öle und Rezepte für Psoriasis finden Sie im Artikel zu ätherischen Ölen bei Schuppenflechte. Wenn der Juckreiz im Vordergrund steht und nicht spezifisch mit Neurodermitis zusammenhängt, bietet der Ratgeber zu ätherischen Ölen gegen Juckreiz weiterführende Informationen. Einen Überblick über alle Hautthemen und die Zuordnung der besten Öle nach Hauttyp gibt der Cluster-Artikel zu ätherischen Ölen für die Haut.

Häufige Fragen

Welches ätherische Öl ist das beste bei Neurodermitis?

Kamillenöl (deutsch) gehört zu den am besten untersuchten ätherischen Ölen bei Neurodermitis. Sein Hauptwirkstoff α-Bisabolol hemmt nachweislich die Mastzell-Degranulation, senkt IgE-Spiegel und lindert den Juckreiz. Für die Basisversorgung eignet sich Lavendelöl (Lavandula angustifolia), das in Studien die Neurodermitis-Kaskade konzentrationsabhängig unterdrückte und zugleich gut verträglich ist. Die Wahl hängt von der Phase ab: Kamille im akuten Schub, Weihrauch und Lavendel zur Langzeitpflege.

Wie stark verdünne ich ätherische Öle bei Neurodermitis?

Bei Neurodermitis ist eine besonders niedrige Verdünnung entscheidend, da die geschädigte Hautbarriere ätherische Öle stärker aufnimmt als gesunde Haut. Im akuten Schub empfiehlt sich eine Konzentration von maximal 0,5–1 % (2–4 Tropfen auf 20 ml Trägeröl). In schubfreien Intervallen können bis zu 2 % verwendet werden. Beginnen Sie immer mit der niedrigsten Dosierung und steigern Sie erst bei guter Verträglichkeit.

Können ätherische Öle Neurodermitis verschlimmern?

Ja – falsch angewendet können ätherische Öle Neurodermitis verschlechtern. Die häufigsten Fehler sind zu hohe Konzentration, Anwendung auf offene oder nässende Stellen und die Verwendung minderwertiger oder oxidierter Öle. Auch einzelne Inhaltsstoffe wie Linalool können bei manchen Menschen eine Kontaktallergie auslösen. Deshalb gilt: Immer niedrig dosieren, immer verdünnen, immer vorher testen. Bei Verschlechterung der Symptome das Öl sofort absetzen und einen Arzt aufsuchen.

Ist Nachtkerzenöl gut für Neurodermitis?

Nachtkerzenöl ist kein ätherisches Öl, sondern ein fettes Pflanzenöl (Trägeröl) mit 8–10 % Gamma-Linolensäure (GLA). GLA ist ein Baustein für Hautbarriere-Lipide. Bei vielen Neurodermitis-Patienten ist die Umwandlung von Linolsäure zu GLA gestört, sodass eine äußerliche Zufuhr von GLA die Barrierefunktion direkt unterstützen kann. Studien zeigen, dass die topische Anwendung vielversprechender ist als die orale Einnahme. Nachtkerzenöl eignet sich deshalb hervorragend als Trägeröl für Neurodermitis-Mischungen.

Dürfen Kinder mit Neurodermitis ätherische Öle verwenden?

Grundsätzlich ja, aber mit besonderen Einschränkungen. Bei Kindern muss die Konzentration nochmals deutlich reduziert werden (in der Regel maximal 0,25–0,5 %), und bestimmte Öle wie Teebaumöl sind bei sehr jungen Kindern nicht geeignet. Lavendelöl (Lavandula angustifolia) gilt als eines der verträglichsten Öle auch für Kinder. Sprechen Sie die Anwendung bei Kindern immer vorher mit dem Kinderarzt ab. Detaillierte Altersempfehlungen und sichere Öle finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder.

Quellen

  1. Lee, Y. S., Kim, S. H., Kim, J. K., et al. (2010). Effect of German chamomile oil application on alleviating atopic dermatitis-like immune alterations in mice. Journal of Veterinary Science, 11(1), 35–41. doi:10.4142/jvs.2010.11.1.35
  2. Wang, K., Chen, L., Peng, C., et al. (2022). (−)-α-Bisabolol Alleviates Atopic Dermatitis by Inhibiting MAPK and NF-κB Signaling in Mast Cell. Molecules, 27(13), 3985. doi:10.3390/molecules27133985
  3. Sato, H., Kato, K., Koreishi, M., Nakamura, Y., Tsujino, Y., & Satoh, A. (2024). Aromatic oil from lavender as an atopic dermatitis suppressant. PLOS One, 19(1), e0296408. doi:10.1371/journal.pone.0296408
  4. Zhang, Y., Wang, Y., Shi, X., et al. (2024). Therapeutic effects and mechanism of action of lavender essential oil on atopic dermatitis by modulating the STAT3/RORγt pathway. Journal of King Saud University – Science, 36(2), 103019. doi:10.1016/j.jksus.2023.103019
  5. Carson, C. F., Mee, B. J., & Riley, T. V. (2002). Mechanism of Action of Melaleuca alternifolia (Tea Tree) Oil on Staphylococcus aureus. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, 46(6), 1914–1920. doi:10.1128/AAC.46.6.1914-1920.2002
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  8. Simon, D., Eng, P. A., Borelli, S., et al. (2014). Gamma-linolenic acid levels correlate with clinical efficacy of evening primrose oil in patients with atopic dermatitis. Advances in Therapy, 31(2), 180–188. doi:10.1007/s12325-014-0093-0
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