Ätherische Öle gegen Kopfläuse

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Kopfläuse (Pediculus humanus capitis) sind hartnäckige Parasiten, die sich von menschlichem Blut ernähren und vor allem Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter betreffen. Mehrere ätherische Öle – allen voran Teebaum-, Lavendel- und Anisöl – zeigen in wissenschaftlichen Studien insektizide und repellente Eigenschaften gegen Kopfläuse. Diese natürlichen Wirkstoffe bieten eine Alternative zu konventionellen Läusemitteln, gegen die viele Lausstämme zunehmend Resistenzen entwickeln.

In Deutschland sind schätzungsweise 5–10 % aller Kinder zwischen 3 und 12 Jahren mindestens einmal im Jahr von Kopfläusen betroffen. Die winzigen Parasiten verbreiten sich durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt und sorgen regelmäßig für Ausbrüche in Kitas und Schulen. Typische Symptome sind intensiver Juckreiz an Kopfhaut, Nacken und hinter den Ohren – ausgelöst durch den Speichel der Laus beim Saugen. Nissen, die fest am Haarschaft klebenden Eier, sind das sicherste Zeichen für einen Befall und lassen sich im Gegensatz zu Schuppen nicht einfach abstreifen.

Ätherische Öle gegen Läuse – Fläschchen mit Teebaumöl, Lavendelöl und Nissenkamm

Dieser Artikel erklärt, welche ätherischen Öle bei Kopfläusen wirken, wie Sie diese sicher bei Kindern anwenden und welche Praxis-Rezepte sich für Behandlung und Prävention bewährt haben. Sie erfahren außerdem, warum ein durchdachtes Behandlungsprotokoll über mehrere Tage entscheidend ist, um auch frisch geschlüpfte Larven zu erfassen.

Auf einen Blick

  • Teebaumöl und Lavendelöl eliminierten in einer randomisierten Studie bei 97,6 % der behandelten Kinder alle Kopfläuse – signifikant mehr als das konventionelle Pyrethrin-Mittel (25 %).[1]
  • Anisöl-basierte Sprays zeigten in klinischen Studien eine Heilungsrate von 82 %, verglichen mit 42 % bei Permethrin.[2]
  • Neemöl tötete in einer In-vivo-Studie alle Läuse innerhalb von 10 Minuten und verhinderte zudem das Schlüpfen der Nissen.[3]
  • Behandlungsprotokoll: Mindestens drei Anwendungen an Tag 1, 5, 9 und 13 decken den gesamten Nissen-Zyklus ab und verhindern Neubefall.
  • Kinder unter 6 Jahren sollten nur bestimmte ätherische Öle in geringerer Dosierung erhalten – Teebaumöl und Lavendelöl gelten ab 2 Jahren als vergleichsweise sicher.
  • Nissenkamm-Kontrolle ist unverzichtbar: Ätherische Öle allein reichen nicht – systematisches Auskämmen mit einem engzinkigen Nissenkamm sichert den Behandlungserfolg.

Wie Kopfläuse übertragen werden und wie Sie einen Befall erkennen

Kopfläuse verbreiten sich fast ausschließlich durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt. Entgegen verbreiteter Annahmen können Läuse weder fliegen noch springen – sie krabbeln von Haar zu Haar. Die Übertragung über gemeinsam genutzte Kämme, Mützen oder Kopfkissen ist zwar möglich, spielt aber eine untergeordnete Rolle, da Läuse außerhalb des menschlichen Kopfes nur 24–48 Stunden überleben.

Erwachsene Kopfläuse sind etwa 2–3 mm groß und graubraun gefärbt. Sie bewegen sich schnell und sind mit bloßem Auge oft schwer zu erkennen. Nissen – die ovalen, 0,8 mm kleinen Eier – kleben in einem Winkel am Haarschaft, meist nah an der Kopfhaut. Im Unterschied zu Schuppen lassen sich Nissen nicht durch einfaches Schütteln oder Kämmen entfernen. Frische, lebensfähige Nissen sitzen weniger als 1 cm von der Kopfhaut entfernt und schimmern bräunlich. Leere, bereits geschlüpfte Nissen erscheinen weiß und sitzen weiter vom Haaransatz entfernt.

Der zuverlässigste Nachweis erfolgt durch nasses Auskämmen: Haare waschen, reichlich Pflegespülung auftragen und dann strähnenweise mit einem Nissenkamm (Zinkenabstand 0,2–0,3 mm) vom Haaransatz bis zu den Spitzen kämmen. Nach jeder Strähne den Kamm auf einem weißen Tuch oder Küchenpapier abstreifen und nach Läusen oder Nissen suchen.

Welche ätherischen Öle wirken gegen Kopfläuse?

Ätherische Öle entfalten ihre Wirkung gegen Kopfläuse über verschiedene Mechanismen: Ihre lipophilen Bestandteile durchdringen die wachsartige Kutikula der Laus, erreichen das Tracheensystem und blockieren die Atmung. Zusätzlich stören bestimmte Monoterpene und Phenole das Nervensystem der Parasiten. Im Folgenden die am besten untersuchten Öle für diesen Zweck.

Teebaumöl (Melaleuca alternifolia)

Teebaumöl zählt zu den am intensivsten erforschten ätherischen Ölen gegen Kopfläuse. Sein Hauptwirkstoff Terpinen-4-ol (25–45 % Anteil) wirkt neurotoxisch auf Läuse: Er stört die Funktion der Nervenzellen, führt zu Lähmung und schließlich zum Tod des Parasiten.[4] In einer In-vitro-Studie von Di Campli et al. (2012) tötete Teebaumöl in einer Konzentration von 1 % alle adulten Läuse innerhalb von 30 Minuten.[5]

Die klinisch wichtigste Studie stammt von Barker und Altman (2010): In einer randomisierten, assessor-verblindeten Studie mit 123 Kindern beseitigte ein Produkt aus Teebaumöl und Lavendelöl nach drei wöchentlichen Anwendungen bei 97,6 % der Kinder alle lebenden Läuse. Ein konventionelles Pyrethrin-Produkt erreichte dagegen nur 25 %.[1]

Lavendelöl (Lavandula angustifolia)

Lavendelöl besitzt sowohl repellente als auch insektizide Eigenschaften gegen Kopfläuse. Die Hauptwirkstoffe Linalool und Linalylacetat stören die sensorische Orientierung der Läuse und wirken in höherer Konzentration direkt toxisch. Eine Vergleichsstudie im International Journal of Dermatology zeigte, dass Lavendelöl zusammen mit Teebaumöl die Nahrungsaufnahme der Läuse auf behandelter Haut reduzierte.[6]

Die besondere Stärke von Lavendelöl liegt in der Prävention: Sein intensiver Duft wirkt als natürliches Repellent und kann dazu beitragen, einen Neubefall bei engem Kontakt in Schule oder Kita zu vermeiden. In Kombination mit Teebaumöl im Verhältnis 1:10 (Lavendel:Teebaum) verstärken sich die Wirkungen synergistisch.

Anisöl (Pimpinella anisum)

Anisöl enthält als Hauptbestandteil trans-Anethol (80–95 %), das eine ausgeprägte insektizide Wirkung gegen Kopfläuse zeigt. Eine randomisierte klinische Studie von Burgess et al. (2009) verglich ein Kokos-Anis-Spray mit einer Permethrin-Lotion bei 100 Teilnehmern. Das natürliche Spray erzielte eine Heilungsrate von 82 %, während Permethrin nur 42 % erreichte.[2]

In Israel testeten Mumcuoglu et al. (2002) ein Naturprodukt aus Kokosöl, Anisöl und Ylang-Ylang-Öl an befallenen Schulkindern. Die dreimalige Anwendung im 5-Tage-Abstand erreichte eine Heilungsrate von 92,3 % – vergleichbar mit dem konventionellen Permethrin-Malathion-Spray.[7] Anisöl-basierte Produkte sind mittlerweile in mehreren Ländern als zugelassene Läusemittel erhältlich.

Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus)

Eukalyptusöl enthält 60–80 % 1,8-Cineol (Eukalyptol), das insektizid auf Kopfläuse wirkt. Eine australische randomisierte Studie verglich eine Lösung aus Eukalyptusöl und Leptospermum petersonii mit einem Pyrethrin-Produkt bei Kindern. Die pflanzliche Lösung erreichte eine signifikant höhere Heilungsrate.[8]

Eine kombinierte Neem-Eukalyptus-Lotion (6 % Neemöl, 16 % Eukalyptusöl) zeigte in einer klinischen Studie mit 45 thailändischen Schülerinnen eine pediculizide Wirksamkeit von 97 % und eine ovizide Wirksamkeit von 100 % nach zwei Anwendungen im Abstand von einer Woche.[9] Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus) darf bei Kindern unter 6 Jahren nicht im Gesichtsbereich angewendet werden, da der hohe 1,8-Cineol-Gehalt einen Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) auslösen kann.

Nelkenöl (Syzygium aromaticum)

Nelkenöl enthält 70–90 % Eugenol – ein Phenylpropanoid mit stark insektizider Wirkung. Eugenol blockiert die Octopamin-Rezeptoren im Nervensystem der Laus und führt dadurch zu Lähmung und Tod. In einer In-vitro-Studie von Yang et al. (2016) gehörte Nelkenöl mit einer KT50 von 12,12 Minuten (bei 0,5 mg/cm²) zu den wirksamsten getesteten ätherischen Ölen gegen adulte Kopfläuse.[10]

Bagavan et al. (2011) bestätigten in einer Kontakt- und Fumigationsstudie die hohe Wirksamkeit des Blütenknospen-Extrakts von Syzygium aromaticum gegen Pediculus humanus capitis, wobei die Dampfphase besonders effektiv war.[11] Nelkenöl sollte aufgrund seines hohen Reizpotenzials immer stark verdünnt verwendet werden – besonders bei Kindern.

Neemöl (Azadirachta indica)

Neemöl nimmt als fettes Pflanzenöl mit insektizider Wirkung eine Sonderstellung ein. Seine Wirkstoffe Azadirachtin, Salanin und Nimbin stören den Hormonhaushalt von Insekten und hemmen deren Fortpflanzung. Gleichzeitig wirkt Neemöl physikalisch: Es verstopft die Atemöffnungen (Spirakeln) der Läuse und der Aeropylen der Nissen und führt so zum Ersticken.

Abdel-Ghaffar und Semmler (2011) testeten ein Neem-Shampoo (Licener®) an 20 befallenen Kindern. Nach einer einzigen Anwendung von nur 10 Minuten überlebte keine Laus. Auch die ovizide Wirkung war beeindruckend: Keine der behandelten Nissen schlüpfte innerhalb von 7–10 Tagen.[3] Eine separate Studie zeigte, dass bereits 5 Minuten Einwirkzeit ausreichen, um das Schlüpfen der Larven vollständig zu verhindern.[12]

Ätherische Öle gegen Läuse im Vergleich

Ätherisches ÖlHauptwirkstoffWirkung gegen LäuseWirkung gegen NissenBesondere Eignung
TeebaumölTerpinen-4-olStark insektizidMäßig ovizid (44 %)[13]Behandlung + Prävention
LavendelölLinalool, LinalylacetatMäßig insektizidSynergist mit TeebaumölPrävention (Repellent)
Anisöltrans-AnetholStark insektizidGut (physikalisch)Behandlung
Eukalyptusöl1,8-CineolStark insektizidGering als EinzelölBehandlung (nicht <6 J.)
NelkenölEugenolStark insektizidGutBehandlung (nur verdünnt)
NeemölAzadirachtinStark (physikalisch + chemisch)Sehr gut (Erstickung der Eier)Behandlung + Trägeröl

Praxis-Rezepte: Läuse natürlich behandeln und vorbeugen

Die folgenden Rezepte kombinieren die Erkenntnisse aus klinischen Studien mit praxiserprobten Anwendungsmethoden. Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.

Läuse-Behandlungsöl (für Kinder ab 6 Jahren)

Dieses Behandlungsöl nutzt die synergistische Wirkung von Teebaumöl und Lavendelöl, die sich in der Studie von Barker und Altman als besonders wirksam erwiesen hat.[1]

  • 30 ml Kokosöl (bei Raumtemperatur verflüssigt) oder alternativ Neemöl
  • 10 Tropfen Teebaumöl
  • 5 Tropfen Lavendelöl
  • 3 Tropfen Nelkenöl

Anwendung: Die Mischung auf trockenes Haar auftragen und gründlich in Kopfhaut und Haarlängen einmassieren. Besonders die Bereiche hinter den Ohren und im Nacken beachten – dort siedeln Läuse bevorzugt. Das Haar mit einer Duschhaube abdecken und das Öl mindestens 2 Stunden – idealerweise über Nacht – einwirken lassen. Anschließend das Haar strähnenweise mit einem Nissenkamm auskämmen und dabei den Kamm nach jeder Strähne auf weißem Papier abstreifen. Danach mit einem milden Shampoo gründlich auswaschen (häufig sind zwei Shampoo-Durchgänge nötig).

Praxis-Tipp: Tragen Sie das Öl abends auf und lassen Sie es unter der Duschhaube über Nacht einwirken. Die lange Einwirkzeit erhöht die Wirksamkeit deutlich und das Auskämmen am nächsten Morgen geht leichter, weil das Öl die Haare geschmeidig macht.

Läuse-Präventionsspray für Kita und Schule (ab 3 Jahren)

Dieses Spray nutzt die repellente Wirkung von Teebaumöl und Lavendelöl. Die Kombination beider Öle zeigte in Studien eine höhere abschreckende Wirkung als die Einzelöle.[6]

  • 100 ml Wasser (abgekocht und abgekühlt)
  • 1 Teelöffel Polysorbat 20 (Emulgator, damit sich Öl und Wasser verbinden)
  • 8 Tropfen Teebaumöl
  • 5 Tropfen Lavendelöl

Anwendung: Alle Zutaten in eine Sprühflasche geben und kräftig schütteln. Morgens vor Kita oder Schule auf das trockene Haar sprühen, besonders auf Hinterkopf, Nacken und die Bereiche hinter den Ohren. Vor jeder Anwendung erneut gut schütteln. Das Spray hält sich im Kühlschrank etwa 2 Wochen – danach frisch ansetzen.

Läuse-Shampoo-Zusatz (ab 6 Jahren)

  • 100 ml mildes, parfümfreies Shampoo
  • 15 Tropfen Teebaumöl
  • 8 Tropfen Lavendelöl

Anwendung: Die ätherischen Öle in die Shampooflasche geben und gut schütteln. Bei jeder Haarwäsche verwenden. Das angereicherte Shampoo dient primär der Prävention – als alleinige Behandlung bei aktivem Befall reicht es nicht aus. Lassen Sie das Shampoo 5 Minuten auf der Kopfhaut einwirken, bevor Sie es ausspülen.

Behandlungsprotokoll: So decken Sie den gesamten Läuse-Zyklus ab

Eine einzelne Behandlung reicht nicht aus, um einen Kopflausbefall sicher zu beseitigen. Nissen benötigen 7–10 Tage zum Schlüpfen, und kein Mittel – ob chemisch oder pflanzlich – tötet zuverlässig 100 % aller Eier. Deshalb muss die Behandlung den kompletten Entwicklungszyklus abdecken. Das folgende Protokoll orientiert sich an der Biologie der Kopflaus:

TagMaßnahmeZiel
Tag 1Erste Behandlung mit Läuse-Öl + gründliches Auskämmen mit NissenkammAlle lebenden Läuse und Nymphen abtöten
Tag 5Zweite Behandlung mit Läuse-Öl + AuskämmenFrisch geschlüpfte Larven erfassen (aus den ersten geschlüpften Nissen)
Tag 9Dritte Behandlung mit Läuse-Öl + AuskämmenRestliche geschlüpfte Larven erfassen (Hauptschlüpftermin der Nissen)
Tag 13Kontrollbehandlung + gründliches AuskämmenLetzte mögliche Nachschlüpfer beseitigen – Sicherheitsanwendung

Warum gerade diese Tage? Nissen schlüpfen zwischen Tag 7 und 10 nach dem Legen. Frisch geschlüpfte Nymphen brauchen 9–12 Tage bis zur Geschlechtsreife. Die Behandlung an Tag 5 und 9 fängt Larven ab, bevor sie selbst Eier legen können. Die abschließende Anwendung an Tag 13 dient als Sicherheitsnetz für Spätschlüpfer.

Zwischen den Behandlungstagen empfiehlt sich tägliches oder zweitägiges Kontrollkämmen mit dem Nissenkamm (ohne Ölbehandlung), um den Befallsstatus zu überwachen. Finden Sie an Tag 13 keine Läuse oder Nymphen mehr, ist die Behandlung abgeschlossen.

Welche ätherischen Öle sind für Kinder sicher?

Kinderhaut ist dünner und durchlässiger als die Haut Erwachsener. Ätherische Öle werden daher stärker resorbiert, was sowohl Wirksamkeit als auch Risiko erhöht. Die Altersangaben orientieren sich an den Empfehlungen der Aromatherapie-Fachliteratur und an bekannten Risikoprofilen der einzelnen Inhaltsstoffe:

Ätherisches ÖlAb welchem Alter?Max. Verdünnung bei KindernHinweis
LavendelölAb 6 Monaten (stark verdünnt)0,5–1 %Eines der verträglichsten ÄÖ für Kinder
TeebaumölAb 2 Jahren0,5–1 % (2–6 J.) / 1–2 % (ab 6 J.)Nie unverdünnt; kann Haut reizen
AnisölAb 3 Jahren0,5–1 %In kommerziellen Produkten ab 2 Jahren zugelassen
EukalyptusölAb 6 Jahren1–2 %Nicht im Gesicht – Stimmritzenkrampf-Risiko
NelkenölAb 6 Jahren0,5 %Starkes Reizpotenzial – sehr sparsam dosieren

Für Kinder unter 2 Jahren eignet sich bei Kopflausbefall am besten reines Kokosöl in Kombination mit gründlichem Auskämmen – ohne Zusatz ätherischer Öle. Ausführliche Informationen zur sicheren Anwendung ätherischer Öle bei Kindern aller Altersgruppen finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder.

Ergänzende Maßnahmen: Auskämmen, Waschen, Informieren

Ätherische Öle wirken am besten als Teil eines Gesamtkonzepts. Folgende Begleitmaßnahmen erhöhen die Erfolgsrate der Behandlung deutlich:

Nissenkamm-Technik: Ein engzinkiger Metallkamm mit einem Zinkenabstand von maximal 0,2–0,3 mm ist das wichtigste Werkzeug der Läusebekämpfung. Kämmen Sie das feuchte, mit Pflegespülung oder Behandlungsöl benetzte Haar systematisch strähnenweise aus – von der Kopfhaut bis zu den Spitzen. Jede Strähne mindestens dreimal kämmen. Nach jeder Strähne den Kamm auf weißem Papier abstreifen und kontrollieren.

Bettwäsche und Textilien: Waschen Sie Bettwäsche, Handtücher und getragene Kleidung bei mindestens 60 °C. Kuscheltiere, die nicht gewaschen werden können, für 48 Stunden in einem geschlossenen Plastikbeutel ins Gefrierfach legen – Temperaturen unter −18 °C töten Läuse und Nissen ab. Alternativ die Gegenstände für 3 Tage in einem verschlossenen Beutel lagern, da Läuse ohne Wirt innerhalb von 48 Stunden verhungern.

Kämme und Bürsten: Alle Haarbürsten und Kämme für 10 Minuten in 60 °C heißes Wasser legen oder mit dem Läuse-Shampoo-Zusatz reinigen.

Meldepflicht und Schulbesuch: Nach dem Infektionsschutzgesetz (§ 34 IfSG) müssen Eltern die Gemeinschaftseinrichtung über einen Läusebefall informieren. Kinder dürfen nach der ersten korrekt durchgeführten Behandlung die Schule oder Kita in der Regel wieder besuchen. Die Einrichtung wiederum ist verpflichtet, andere Eltern anonym über aufgetretene Fälle zu informieren. Überprüfen Sie auch die Haare aller Familienmitglieder und behandeln Sie gleichzeitig, um Ping-Pong-Infektionen zu vermeiden.

Was sagt die Forschung zu ätherischen Ölen gegen Kopfläuse?

Die Studienlage zu ätherischen Ölen als Läusemittel hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Flores-Genuino et al. (2020), die 17 klinische Studien auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass pflanzliche Okklusiva (darunter Teebaumöl und Anisöl) vergleichbar wirksam wie neurotoxische Pediculizide waren – bei geringerer Rate an Haut- und Augenreizungen.[14]

Candy et al. (2018) testeten fünf ätherische Öle in vitro gegen Kopfläuse mittels Kontakt-Filterpapier-Bioassay. Nelkenöl und Teebaumöl zeigten die stärkste insektizide Wirkung, gefolgt von Lavendelöl und Bergamotteöl.[4] Die Ergebnisse unterstreichen, dass einzelne ätherische Öle unterschiedliche Wirkstärken besitzen und die Kombination mehrerer Öle die Wirksamkeit erhöhen kann.

Bemerkenswert ist die Studie von Di Campli et al. (2012) zur Kombination von Teebaumöl und Nerolidol. Während Teebaumöl allein alle adulten Läuse innerhalb von 30 Minuten tötete, zeigte Nerolidol eine stärkere ovizide Wirkung: Bei 1 % Konzentration verhinderte es das Schlüpfen von 50 % der Eier. Die Kombination im Verhältnis 1:2 (Teebaumöl:Nerolidol) vereinte beide Eigenschaften optimal.[5]

Gleichzeitig ist Ehrlichkeit geboten: Ätherische Öle sind kein Allheilmittel. Sie wirken am besten in Kombination mit mechanischer Entfernung durch einen Nissenkamm. Kein rein pflanzliches Mittel erzielt eine 100%ige ovizide Wirksamkeit nach einer einzelnen Anwendung – deshalb ist das mehrtägige Behandlungsprotokoll essenziell.

Sicherheitshinweise und Dosierung

Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Kopfhaut aufgetragen werden – sie können Hautreizungen, allergische Reaktionen oder bei empfindlichen Personen Kontaktdermatitis verursachen. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle. Verdünnen Sie ätherische Öle bei Läusebehandlungen immer in einem Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Führen Sie vor der ersten Anwendung eines neuen ätherischen Öls immer einen Hauttest durch: Einen Tropfen des verdünnten Öls in die Ellenbeuge auftragen, 24 Stunden warten und auf Rötung oder Juckreiz prüfen. Bei bestehenden Hauterkrankungen der Kopfhaut oder offenen Kratzwunden sollten Sie ätherische Öle nicht ohne ärztliche Rücksprache anwenden. Konsultieren Sie im Zweifelsfall einen Kinderarzt oder Dermatologen, insbesondere bei Kindern unter 3 Jahren und bei Schwangeren.

Häufige Fragen

Können ätherische Öle Kopfläuse allein beseitigen?

Ätherische Öle können Kopfläuse abtöten – das zeigen klinische Studien mit Heilungsraten von bis zu 97,6 %. Allerdings erreicht kein pflanzliches Mittel eine 100%ige ovizide Wirksamkeit nach einer einzelnen Anwendung. Für einen vollständigen Behandlungserfolg müssen Sie die Öl-Behandlung mit gründlichem Auskämmen per Nissenkamm kombinieren und das Behandlungsprotokoll über mindestens 13 Tage einhalten, um auch nachschlüpfende Larven zu erfassen.

Welches ätherische Öl wirkt am besten gegen Kopfläuse?

Teebaumöl in Kombination mit Lavendelöl hat in der bislang größten randomisierten Studie die höchste Wirksamkeit gezeigt (97,6 % Heilungsrate). Anisöl-basierte Produkte erzielten in klinischen Studien 82 % Heilungsrate. Neemöl ist besonders interessant, weil es sowohl adulte Läuse als auch Nissen effektiv abtötet. Die Kombination mehrerer Öle wirkt in der Regel besser als ein einzelnes Öl.

Ab welchem Alter dürfen Kinder mit Teebaumöl gegen Läuse behandelt werden?

Teebaumöl gilt in der Aromatherapie-Fachliteratur ab 2 Jahren als anwendbar, wenn es auf maximal 0,5–1 % verdünnt wird. Bei Kindern ab 6 Jahren kann die Konzentration auf 1–2 % erhöht werden. Für Kinder unter 2 Jahren empfiehlt sich stattdessen reines Kokosöl mit systematischem Auskämmen per Nissenkamm. Lavendelöl ist aufgrund seines milden Profils schon ab 6 Monaten (sehr stark verdünnt) einsetzbar.

Wie oft muss die Läusebehandlung mit ätherischen Ölen wiederholt werden?

Behandeln Sie an Tag 1, 5, 9 und 13 nach dem erstmaligen Fund. Dieses Protokoll deckt den gesamten Entwicklungszyklus der Kopflaus ab: Nissen schlüpfen nach 7–10 Tagen, und die Wiederholungen an Tag 5 und 9 erfassen frisch geschlüpfte Larven, bevor diese geschlechtsreif werden. Die Anwendung an Tag 13 dient als Sicherheitsbehandlung für Spätschlüpfer.

Können ätherische Öle einem Läusebefall vorbeugen?

Studien zeigen, dass Teebaumöl und Lavendelöl eine repellente Wirkung gegen Kopfläuse besitzen. Ein tägliches Präventionsspray mit diesen Ölen kann die Wahrscheinlichkeit eines Befalls reduzieren – einen vollständigen Schutz bietet es jedoch nicht. Ergänzen Sie den Spray durch regelmäßige Kopfkontrollen mit dem Nissenkamm, besonders bei bekannten Ausbrüchen in der Kita oder Schule.

Für den Umgang mit anderen unerwünschten Insekten und Tieren im Haushalt – etwa Ameisen, Motten oder Spinnen – finden Sie passende Empfehlungen im Ratgeber zu ätherischen Ölen gegen Schädlinge. Tipps zur natürlichen Mückenabwehr bietet der entsprechende Fachartikel.

Quellen

  1. Barker, S. C., & Altman, P. M. (2010). A randomised, assessor blind, parallel group comparative efficacy trial of three products for the treatment of head lice in children – melaleuca oil and lavender oil, pyrethrins and piperonyl butoxide, and a "suffocation" product. BMC Dermatology, 10, 6. doi:10.1186/1471-5945-10-6
  2. Burgess, I. F., Brunton, E. R., & Burgess, N. A. (2010). Clinical trial showing superiority of a coconut and anise spray over permethrin 0.43% lotion for head louse infestation, ISRCTN96469780. European Journal of Pediatrics, 169(5), 579–588. doi:10.1007/s00431-009-1075-0
  3. Abdel-Ghaffar, F., Semmler, M., Al-Rasheid, K., & Mehlhorn, H. (2011). Efficacy of a single treatment of head lice with a neem seed extract: an in vivo and in vitro study on nits and motile stages. Parasitology Research, 109(5), 1277–1283. doi:10.1007/s00436-011-2484-3
  4. Candy, K., Nicolas, P., Andriantsoanirina, V., Izri, A., & Durand, R. (2018). In vitro efficacy of five essential oils against Pediculus humanus capitis. Parasitology Research, 117(2), 603–609. doi:10.1007/s00436-017-5738-0
  5. Di Campli, E., Di Bartolomeo, S., Delli Pizzi, P., Di Giulio, M., Grande, R., Nostro, A., & Cellini, L. (2012). Activity of tea tree oil and nerolidol alone or in combination against Pediculus capitis (head lice) and its eggs. Parasitology Research, 111(5), 1985–1992. doi:10.1007/s00436-012-3045-0
  6. Canyon, D. V., & Speare, R. (2007). A comparison of botanical and synthetic substances commonly used to prevent head lice (Pediculus humanus var. capitis) infestation. International Journal of Dermatology, 46(4), 422–426. doi:10.1111/j.1365-4632.2007.03132.x
  7. Mumcuoglu, K. Y., Miller, J., Zamir, C., Zentner, G., Helbin, V., & Ingber, A. (2002). The in vivo pediculicidal efficacy of a natural remedy. Israel Medical Association Journal, 4(10), 790–793.
  8. Grieve, K. A., Altman, P. M., Rowe, S. J., Staton, J. A., & Oppenheim, V. M. J. (2007). A randomised, double-blind, comparative efficacy trial of three head lice treatment options: malathion, pyrethrins with piperonyl butoxide and MOOV Head Lice Solution. Australian Pharmacist, 26(9), 738–743.
  9. Thawornchaisit, P., Amornsak, W., Mahannop, P., Buddhirakkul, P., Pandii, W., Connellan, P., Thompson, D., Brushett, D., & Morris, C. (2012). Combined Neem Oil 6% w/w and Eucalyptus Oil 16% w/w Lotion for Treating Head Lice: In Vitro and In Vivo Efficacy Studies. Journal of Pharmacy Practice and Research, 42(3), 189–192. doi:10.1002/j.2055-2335.2012.tb00167.x
  10. Yang, Y. C., Lee, H. S., Lee, S. H., Clark, J. M., & Ahn, Y. J. (2016). Chemical composition and efficacy of some selected plant oils against Pediculus humanus capitis in vitro. Parasitology Research, 115(5), 1945–1950. doi:10.1007/s00436-016-4935-0
  11. Bagavan, A., Rahuman, A. A., Kamaraj, C., Elango, G., Zahir, A. A., Jayaseelan, C., Santhoshkumar, T., & Marimuthu, S. (2011). Contact and fumigant toxicity of hexane flower bud extract of Syzygium aromaticum and its compounds against Pediculus humanus capitis. Parasitology Research, 109(5), 1329–1340. doi:10.1007/s00436-011-2425-1
  12. Mehlhorn, H., Abdel-Ghaffar, F., Al-Rasheid, K. A. S., Schmidt, J., & Semmler, M. (2011). Ovicidal effects of a neem seed extract preparation on eggs of body and head lice. Parasitology Research, 109(5), 1299–1302. doi:10.1007/s00436-011-2374-8
  13. Barker, S. C., & Altman, P. M. (2011). An ex vivo, assessor blind, randomised, parallel group, comparative efficacy trial of the ovicidal activity of three pediculicides after a single application. BMC Dermatology, 11, 14. doi:10.1186/1471-5945-11-14
  14. Flores-Genuino, R. N. S., Gnilo, C. M. S., & Dofitas, B. L. (2020). Occlusive versus neurotoxic agents for topical treatment of head lice infestation: A systematic review and meta-analysis. Pediatric Dermatology, 37(1), 86–92. doi:10.1111/pde.14016