Ätherische Öle verleihen selbst gemachter Kosmetik nicht nur einen angenehmen Duft, sondern bringen messbare Vorteile für die Haut mit: Lavendelöl (Lavandula angustifolia) wirkt entzündungshemmend, Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) bekämpft Bakterien, und Rosenöl (Rosa damascena) unterstützt die Zellregeneration. Eine systematische Übersichtsarbeit, die 70 Studien aus den Jahren 2016 bis 2023 auswertete, bestätigte das therapeutische Potenzial ätherischer Öle in kosmetischen Formulierungen – von Anti-Aging über Akne bis hin zu entzündlichen Hauterkrankungen.[1]
DIY-Kosmetik mit ätherischen Ölen bietet einen entscheidenden Vorteil gegenüber Fertigprodukten: Sie bestimmen selbst, welche Inhaltsstoffe auf Ihre Haut kommen. Synthetische Konservierungsstoffe, Parabene oder Mikroplastik bleiben außen vor. Eine Analyse von 140 im Internet veröffentlichten DIY-Kosmetikrezepten zeigte allerdings, dass viele Rezepte grundlegende Sicherheitsregeln missachten – etwa bei der Dosierung oder dem Umgang mit phototoxischen Ölen.[2] Umso wichtiger ist fundiertes Wissen über die korrekte Verarbeitung.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Kosmetikprodukte Sie mit ätherischen Ölen selbst herstellen können – von Gesichtsölen und Körperbutter über Lippenbalsam bis hin zu Peelings und Deodorants. Sie erfahren, welche Grundzutaten Sie benötigen, wie Sie ätherische Öle richtig dosieren und worauf Sie bei Hygiene und Haltbarkeit achten müssen.
Auf einen Blick
- Vielfältige Produkte möglich: Gesichtsöle, Körperbutter, Lippenbalsam, Bodylotions, Deodorants, Peelings und Haarkuren lassen sich mit ätherischen Ölen einfach selbst herstellen.
- Dosierung beachten: Für Gesichtspflege genügen 0,5–1 % ätherisches Öl, für Körperpflege 1–2 % – überdosieren erhöht das Risiko von Hautreizungen.
- Trägeröle als Basis: Jojobaöl, Mandelöl und Arganöl eignen sich als vielseitige Basisöle und transportieren die Wirkstoffe der ätherischen Öle in die Haut.
- Kurze Haltbarkeit: Selbst gemachte Kosmetik enthält meist keine synthetischen Konservierungsstoffe – wasserhaltiges Produkt innerhalb von 1–2 Wochen aufbrauchen, Öle und Balsame halten 2–3 Monate.
- Hygiene ist Pflicht: Arbeitsflächen, Gefäße und Utensilien vor der Herstellung mit Isopropanol (70 %) desinfizieren, um Keimbildung zu vermeiden.
- Verträglichkeitstest vor der ersten Anwendung: Jedes neue Produkt 24 Stunden an der Innenseite des Unterarms testen, bevor Sie es großflächig anwenden.
Welche Kosmetikprodukte können Sie mit ätherischen Ölen selber machen?
Die Bandbreite reicht von einfachen Ölmischungen, die in zwei Minuten fertig sind, bis hin zu Cremes mit Emulgator, die etwas mehr Übung erfordern. Allen gemeinsam ist das Prinzip: Ein Trägerstoff (Öl, Butter, Wachs) wird mit wenigen Tropfen ätherischem Öl kombiniert. Die Wahl des ätherischen Öls richtet sich nach dem gewünschten Effekt – ob beruhigend, klärend, pflegend oder belebend.
Gesichtsöl und Serum mit ätherischen Ölen
Gesichtsöle zählen zu den einfachsten DIY-Kosmetikprodukten und wirken oft erstaunlich effektiv. Ein leichtes Trägeröl wie Jojobaöl bildet die Basis, weil seine Zusammensetzung dem hauteigenen Sebum ähnelt und es die Poren nicht verstopft. Für ein pflegendes Gesichtsserum mischen Sie 30 ml Jojobaöl mit 3 Tropfen Lavendelöl und 2 Tropfen Weihrauchöl (Boswellia sacra). Lavendelöl fördert die Wundheilung und hemmt Entzündungen – eine Studie aus 2023 zeigte, dass es die Makrophagen-Pyroptose unterdrückt und dadurch chronische Entzündungsprozesse in der Haut reduziert.[3] Weihrauchöl ergänzt mit antioxidativen Eigenschaften, die den Zeichen vorzeitiger Hautalterung entgegenwirken.[4]
Tragen Sie das Gesichtsöl abends auf die noch leicht feuchte Haut auf – so kann es die Feuchtigkeit einschließen und die Wirkstoffe ziehen über Nacht besser ein. Zwei bis drei Tropfen genügen für das gesamte Gesicht. Wichtig: Für Gesichtspflege nie mehr als 0,5–1 % ätherisches Öl verwenden. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Hautbereiche finden Sie im Dosierungsratgeber.
Körperöl und Körperbutter herstellen
Körperöle sind ebenso schnell zubereitet wie Gesichtsöle, vertragen aber eine höhere Konzentration ätherischer Öle – bis zu 2 % für Erwachsene. Für ein pflegendes Körperöl geben Sie in 100 ml Mandelöl 20 Tropfen einer Mischung aus Lavendelöl (10 Tropfen), Geranienöl (Pelargonium graveolens, 6 Tropfen) und Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata, 4 Tropfen). Geranienöl besitzt nachgewiesene antioxidative und hautschützende Eigenschaften.[5]
Für eine Körperbutter schmelzen Sie 50 g Sheabutter und 20 g Kokosöl im Wasserbad bei maximal 45 °C. Nach dem Abkühlen auf Handwärme fügen Sie 10 Tropfen ätherisches Öl Ihrer Wahl und optional 5 Tropfen Vitamin E hinzu. Die Masse für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen und anschließend mit dem Handrührgerät aufschlagen, bis eine cremige Konsistenz entsteht. Ein häufiger Anfängerfehler: Die Sheabutter zu stark erhitzen – ab 60 °C verliert sie einen Teil ihrer pflegenden Fettsäuren und wird körnig.
Lippenbalsam mit ätherischen Ölen
Lippenbalsam gehört zu den dankbarsten DIY-Projekten, weil das Ergebnis sofort sichtbar und spürbar ist. Schmelzen Sie 10 g Bienenwachs, 10 g Sheabutter und 10 g Jojobaöl im Wasserbad. Sobald alles flüssig ist, vom Herd nehmen und 2–3 Tropfen Lavendelöl oder Kamillenöl (Matricaria chamomilla) einrühren. Sofort in kleine Tiegel oder Lippenstifthülsen füllen – die Masse wird beim Abkühlen schnell fest.
Bei Lippenbalsam ist die Dosierung besonders niedrig zu halten (maximal 0,5 %), da die Lippenpartie empfindlicher ist als andere Hautbereiche und Reste des Balsams verschluckt werden können. Vermeiden Sie Pfefferminzöl in hoher Konzentration – das enthaltene Menthol kann die dünne Lippenhaut reizen.
Bodylotion und Creme mit Emulgator
Sobald Sie Wasser in ein Kosmetikprodukt einarbeiten möchten, brauchen Sie einen Emulgator – er verbindet die Wasser- und die Fettphase zu einer stabilen Emulsion. Für Einsteiger eignet sich Emulsan (INCI: Methyl Glucose Sesquistearate) besonders gut, weil es kalt verarbeitet werden kann und stabile Lotions ergibt.
Für eine einfache Bodylotion erwärmen Sie 70 ml destilliertes Wasser (oder Rosenwasser als Hydrolat) auf 70 °C. In einem zweiten Gefäß schmelzen Sie 3 g Emulsan, 15 ml Mandelöl und 5 g Sheabutter bei der gleichen Temperatur. Gießen Sie die Wasserphase langsam in die Fettphase und rühren Sie mit einem Milchaufschäumer oder Stabmixer, bis eine cremige Emulsion entsteht. Erst nach dem Abkühlen auf unter 40 °C fügen Sie 10–15 Tropfen ätherisches Öl und optional 5 Tropfen Vitamin-E-Öl hinzu – Hitze zerstört flüchtige Wirkstoffe und beschleunigt die Oxidation.
Wasserhaltige Kosmetik ist anfällig für Keimbildung. Füllen Sie die Lotion in sterilisierte Pumpspender und verbrauchen Sie sie innerhalb von 1–2 Wochen. Eine Aufbewahrung im Kühlschrank verlängert die Haltbarkeit geringfügig.
Natürliches Deodorant mit ätherischen Ölen
Ätherische Öle wie Teebaumöl und Salbeiöl (Salvia officinalis) besitzen antimikrobielle Eigenschaften und eignen sich deshalb für natürliche Deodorants. Eine verbreitete Rezeptur kombiniert 3 EL Kokosöl, 2 EL Natron, 2 EL Speisestärke und 5–8 Tropfen ätherisches Öl. Teebaumöl zeigt in Studien eine nachgewiesene antibakterielle Wirkung gegen Hautbakterien wie Staphylococcus aureus.[6]
Das Natron neutralisiert geruchsverursachende Bakterien, kann bei empfindlicher Haut aber zu Reizungen führen. Eine sanftere Alternative: Ersetzen Sie das Natron durch Zinkoxid (2 EL) oder verwenden Sie ein rein ölbasiertes Deo aus Kokosöl mit 8 Tropfen Salbeiöl und 4 Tropfen Zypressenöl. Testen Sie jede Variante zunächst an einer kleinen Hautstelle in der Armbeuge.
Peeling mit ätherischen Ölen selber machen
Peelings entfernen abgestorbene Hautzellen und bereiten die Haut optimal auf die nachfolgende Pflege vor. Für ein Körperpeeling mischen Sie 100 g grobes Meersalz oder Rohrzucker mit 50 ml Arganöl und 10 Tropfen ätherischem Öl. Grapefruitöl (Citrus paradisi) belebt und fördert die Durchblutung, Lavendelöl beruhigt die Haut nach dem Peeling.
Für ein feineres Gesichtspeeling verwenden Sie feinen Zucker statt Salz und reduzieren die ätherische-Öl-Konzentration auf 0,5 %. Salz kann die empfindliche Gesichtshaut zu stark reizen. Wenden Sie das Peeling mit sanftem Druck in kreisenden Bewegungen an und spülen Sie es mit lauwarmem Wasser ab. Ein bis zwei Anwendungen pro Woche reichen aus – häufigeres Peeling kann die Hautbarriere schädigen.
Beachten Sie: Zitrusöle wie Grapefruitöl sind phototoxisch. Verwenden Sie Peelings mit diesen Ölen abends und meiden Sie direkte Sonneneinstrahlung in den folgenden 12 Stunden. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.
Haaröl und Haarkur
Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) ist das am besten untersuchte ätherische Öl für die Haarpflege. Eine randomisierte Vergleichsstudie mit 100 Teilnehmern zeigte, dass Rosmarinöl bei erblich bedingtem Haarausfall nach sechs Monaten eine vergleichbare Wirksamkeit wie Minoxidil 2 % erzielte – bei weniger Kopfhautjucken als Nebenwirkung.[7] Mischen Sie 5 Tropfen Rosmarinöl mit 1 EL Jojobaöl und massieren Sie die Mischung in die Kopfhaut ein. Über Nacht einwirken lassen und morgens auswaschen. Ausführliche Rezepte und Anwendungshinweise für die Haarpflege finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für die Haare.
Badebomben und Badeöle
Ätherische Öle verwandeln ein gewöhnliches Bad in ein therapeutisches Erlebnis. Für Badebomben verkneten Sie 200 g Natron, 100 g Zitronensäure, 50 g Speisestärke, 2 EL Kokosöl und 15 Tropfen ätherisches Öl zu einer formbaren Masse. Pressen Sie diese in Silikonformen und lassen Sie die Badebomben 24 Stunden trocknen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen und weitere Baderezepte finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen in der Badewanne.
Roll-On und Parfum
Aus ätherischen Ölen lassen sich individuelle Roll-Ons für unterwegs herstellen – praktisch bei Kopfschmerzen, Stress oder zur Konzentrationsförderung. Alles zur Herstellung und den besten Rezepturen lesen Sie im Roll-On-Ratgeber. Wer lieber ein persönliches Naturparfum kreieren möchte, findet im Parfum-Ratgeber eine Anleitung zur Komposition von Kopf-, Herz- und Basisnoten. Auch handgemachte Naturseifen profitieren von ätherischen Ölen – die Herstellung im Kalt- oder Heißverfahren erfordert jedoch eigene Techniken und Sicherheitsvorkehrungen, die der Seifen-Ratgeber im Detail erklärt.
Grundzutaten für DIY-Kosmetik mit ätherischen Ölen
Bevor Sie mit der Herstellung beginnen, benötigen Sie eine kleine Grundausstattung. Die folgenden Zutaten decken die meisten Rezepturen ab und sind in Drogerien, Apotheken oder Onlineshops für Kosmetikrohstoffe erhältlich.
Trägeröle – die Basis jeder Formulierung
Trägeröle verdünnen ätherische Öle auf eine sichere Konzentration und transportieren deren Wirkstoffe in die Haut. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte, die direkt auf der Haut schwere Reizungen verursachen können – die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 schreibt deshalb Höchstkonzentrationen für bestimmte Inhaltsstoffe wie Cumarin und Campher vor.[8]
| Trägeröl | Hauttyp | Besonderheit |
|---|---|---|
| Jojobaöl | Alle Hauttypen | Ähnelt dem hauteigenen Sebum, zieht schnell ein, nicht komedogen |
| Mandelöl | Trockene, empfindliche Haut | Reich an Vitamin E, sehr mild, gutes Basisöl für Babys und Kinder |
| Arganöl | Reife, trockene Haut | Hoher Anteil an Linolsäure und Vitamin E, intensiv pflegend |
| Kokosöl | Normale bis trockene Haut | Antimikrobiell, schmilzt bei Hautkontakt, kann komedogen wirken |
| Hagebuttenöl | Unreine, narbenreiche Haut | Reich an Vitamin A und Omega-3, unterstützt Zellregeneration |
Eine umfassende Vergleichstabelle aller Trägeröle mit ihren Fettsäureprofilen und Komedogenitätswerten finden Sie im Trägeröl-Ratgeber.
Wachse, Butter und Emulgatoren
Bienenwachs gibt Balsamen und Salben ihre feste Konsistenz. Es bildet einen schützenden Film auf der Haut, ohne die Poren zu verschließen. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa 62–65 °C. Für vegane Alternativen eignen sich Candelillawachs (Schmelzpunkt ca. 68 °C) oder Beerenwachs.
Sheabutter (Vitellaria paradoxa) enthält Stearinsäure und Ölsäure sowie die Vitamine A und E. Unraffinierte Sheabutter behält die höchste Nährstoffdichte. Kakaobutter (Theobroma cacao) ist fester als Sheabutter und eignet sich besonders für Lippenbalsam und feste Körperbutter. Sie schmilzt bei etwa 34 °C – also knapp unter Körpertemperatur – und hinterlässt ein weiches Hautgefühl.
Aloe-vera-Gel dient als Feuchtigkeitsspender in Lotions und leichten Gelen. Es wirkt kühlend und beruhigend, muss aber kühl aufbewahrt und zügig verbraucht werden. Hydrolate – auch Pflanzenwasser genannt – entstehen als Nebenprodukt bei der Wasserdampfdestillation ätherischer Öle. Rosenhydrolat oder Lavendelhydrolat ersetzen destilliertes Wasser in Lotions und Cremes und liefern dabei einen zarten Duft sowie milde Pflegewirkung.
Wie dosieren Sie ätherische Öle in Kosmetik richtig?
Die korrekte Dosierung ist der wichtigste Sicherheitsaspekt bei der Herstellung von DIY-Kosmetik. Ätherische Öle sind hochwirksame Konzentrate – ein Tropfen Rosenöl entspricht etwa 30 Rosenblüten. Zu hohe Konzentrationen können Hautreizungen, Kontaktallergien oder im schlimmsten Fall chemische Verbrennungen verursachen.
| Anwendungsbereich | Empfohlene Konzentration | Tropfen pro 10 ml Trägeröl |
|---|---|---|
| Gesichtspflege | 0,5–1 % | 1–2 Tropfen |
| Augennähe / Lippen | max. 0,5 % | 1 Tropfen |
| Körperpflege (Erwachsene) | 1–2 % | 2–4 Tropfen |
| Badezusatz (Vollbad) | 5–8 Tropfen gesamt | In Emulgator lösen |
| Haaröl / Kopfhaut | 1–2 % | 2–4 Tropfen |
Faustregel: 1 Tropfen ätherisches Öl auf 5 ml (1 TL) Trägeröl ergibt eine Konzentration von etwa 1 %. Beginnen Sie bei empfindlicher Haut immer mit der niedrigsten Dosierung und steigern Sie erst, wenn keine Reaktion auftritt. Vollständige Verdünnungstabellen für alle Anwendungsmethoden und Altersgruppen stellt der oben verlinkte Dosierungsratgeber bereit.
Welche ätherischen Öle eignen sich für welche Kosmetik?
Nicht jedes ätherische Öl passt zu jedem Produkt. Die Auswahl richtet sich nach dem Hauttyp, dem gewünschten Pflegeeffekt und der Art des Produkts. Die folgende Übersicht ordnet die beliebtesten Öle ihren kosmetischen Einsatzgebieten zu.
| Ätherisches Öl | Kosmetische Wirkung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Lavendelöl | Beruhigend, entzündungshemmend, wundheilend | Gesichtsöle, Bodylotions, Lippenpflege, Badezusätze |
| Teebaumöl | Antibakteriell, klärend, reinigend | Gesichtspflege bei unreiner Haut, Deodorants |
| Rosmarinöl | Durchblutungsfördernd, belebend | Haarkuren, Peelings, belebende Körperöle |
| Kamillenöl | Hautberuhigend, reizlindernd, mild | Gesichtspflege empfindliche Haut, Lippenbalsam |
| Geranienöl | Hautbalancierend, antioxidativ | Gesichtsöle, Körperöle, natürliche Parfums |
| Rosenöl | Zellregenerierend, Anti-Aging | Gesichtsseren, Bodylotions, Lippenpflege |
| Pfefferminzöl | Kühlend, durchblutungsfördernd | Fußpeelings, erfrischende Körpersprays (niedrig dosieren) |
Teebaumöl hat sich in mehreren klinischen Studien als wirksam bei Akne erwiesen. Eine randomisierte, doppelblinde Studie mit 60 Teilnehmern zeigte, dass ein 5-prozentiges Teebaumöl-Gel die Gesamtanzahl der Akneläsionen und den Akne-Schweregrad signifikant reduzierte.[9] Eine ältere Vergleichsstudie ergab zudem, dass 5 % Teebaumöl ähnlich wirksam wie 5 % Benzoylperoxid war – bei weniger Nebenwirkungen wie Hauttrockenheit und Schuppung.[10] Für spezifische Pflegeempfehlungen bei Akne, Falten oder Neurodermitis verweisen wir auf die jeweiligen Spezialratgeber: Ätherische Öle gegen Akne, Ätherische Öle gegen Falten und den Hautpflege-Überblick.
Konservierung und Haltbarkeit selbst gemachter Kosmetik
Ohne synthetische Konservierungsstoffe verderben DIY-Kosmetikprodukte deutlich schneller als Fertigprodukte. Die Haltbarkeit hängt vom Wasseranteil ab: Reine Ölmischungen und Balsame halten bei kühler, dunkler Lagerung 2–3 Monate. Wasserhaltige Produkte wie Lotions und Cremes sind ohne Konservierung bereits nach 1–2 Wochen anfällig für Keimbefall.
Vitamin E als natürlicher Oxidationsschutz
Vitamin E (Tocopherol) ist kein vollwertiges Konservierungsmittel, sondern ein Antioxidans. Es schützt die Öle in Ihrer Kosmetik vor dem Ranzigwerden, indem es die Lipidoxidation verlangsamt. Geben Sie 0,5–1 % Vitamin-E-Öl (bezogen auf die Gesamtmenge der Fettphase) in Ihre Mischung – das entspricht etwa 5 Tropfen auf 100 ml Produkt. Gegen Bakterien, Hefen und Schimmelpilze wirkt Vitamin E allerdings nicht.
Ätherische Öle wie Teebaumöl, Thymianöl und Rosmarinöl besitzen zwar antimikrobielle Eigenschaften, die in vitro gut dokumentiert sind.[6] In den typischen Konzentrationen der DIY-Kosmetik (1–2 %) reicht diese Wirkung jedoch nicht aus, um ein Produkt zuverlässig zu konservieren. Wer wasserhaltige Produkte länger haltbar machen möchte, kann auf zugelassene naturkosmetik-konforme Konservierungsstoffe wie Kaliumsorbat oder Natriumbenzoat zurückgreifen.
Hygiene bei der Herstellung – die 5 wichtigsten Regeln
Saubere Herstellungsbedingungen sind der beste Schutz vor Verkeimung. Beachten Sie diese fünf Grundregeln:
- Desinfektion: Alle Arbeitsflächen, Gefäße, Rührstäbe und Abfüllbehälter vor Gebrauch mit 70-prozentigem Isopropanol abwischen oder mit kochendem Wasser ausspülen.
- Destilliertes Wasser: Verwenden Sie für wasserhaltige Produkte ausschließlich destilliertes Wasser oder frisch abgekochtes Wasser – Leitungswasser enthält Keime.
- Saubere Hände: Hände gründlich waschen und optional Einmalhandschuhe tragen.
- Entnahmehygiene: Produkte nicht mit den Fingern, sondern mit einem sauberen Spatel entnehmen. Pumpspender sind hygienischer als Tiegel.
- Beschriften: Jedes Produkt mit Herstellungsdatum und Inhaltsstoffen versehen, um die Haltbarkeit im Blick zu behalten.
Weiterführende Informationen zur Lagerung und Haltbarkeitsdauer ätherischer Öle selbst finden Sie im Ratgeber zur Haltbarkeit ätherischer Öle.
Hautverträglichkeit und Sicherheit
Ätherische Öle sind keine harmlosen Duftstoffe – sie enthalten bioaktive Verbindungen, die bei unsachgemäßer Anwendung Hautreaktionen auslösen können. Die häufigsten unerwünschten Reaktionen in Kosmetikprodukten mit ätherischen Ölen sind Kontaktdermatitis, Phototoxizität und allergische Sensibilisierung.[11] Linalool und Limonen, zwei der am häufigsten eingesetzten Bestandteile, müssen laut EU-Kosmetikverordnung ab bestimmten Konzentrationen auf der Verpackung deklariert werden – ein Hinweis auf ihr Allergiepotenzial.
Führen Sie vor der ersten Anwendung jedes neuen Produkts einen Verträglichkeitstest durch: Tragen Sie eine kleine Menge auf die Innenseite des Unterarms auf, decken Sie die Stelle mit einem Pflaster ab und warten Sie 24 Stunden. Bei Rötung, Juckreiz oder Schwellung das Produkt nicht verwenden. Meiden Sie den Kontakt mit Augen und Schleimhäuten. Eine umfassende Übersicht aller Kontraindikationen und Wechselwirkungen bietet der oben verlinkte Nebenwirkungen-Ratgeber.
Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle in Ihrer Kosmetik – synthetische Duftöle enthalten keine therapeutisch wirksamen Inhaltsstoffe und können zusätzliche Allergene mitbringen. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.
Häufige Fehler beim Herstellen von DIY-Kosmetik
Auch erfahrene Selbstrührer machen typische Fehler, die die Wirksamkeit oder Sicherheit ihrer Produkte beeinträchtigen. Diese sechs Fehler begegnen am häufigsten:
- Überdosierung ätherischer Öle: „Viel hilft viel" gilt hier nicht. Schon wenige Tropfen über der empfohlenen Konzentration können Reizungen auslösen.
- Ätherische Öle in heiße Mischungen geben: Die flüchtigen Wirkstoffe verdampfen bei Temperaturen über 40 °C. Immer erst nach dem Abkühlen einrühren.
- Fehlende Emulgatoren: Öl und Wasser mischen sich nicht von allein. Ohne Emulgator trennt sich eine Lotion innerhalb von Stunden wieder.
- Ungeeignete Gefäße: Ätherische Öle greifen Plastik an. Verwenden Sie Glas- oder PET-Gefäße (gekennzeichnet mit dem Recyclingcode 1).
- Zitrusöle am Morgen: Grapefruitöl, Zitronenöl und Bergamotteöl sind phototoxisch. Wer damit angereicherte Produkte morgens aufträgt und dann in die Sonne geht, riskiert Pigmentflecken.
- Zu große Mengen herstellen: Produzieren Sie kleine Chargen (50–100 ml), die Sie innerhalb weniger Wochen aufbrauchen.
Häufige Fragen
Wie viele Tropfen ätherisches Öl kommen in 100 ml Körperöl?
Für ein Körperöl mit 1 % Konzentration benötigen Sie etwa 20 Tropfen ätherisches Öl auf 100 ml Trägeröl. Für 2 % sind es 40 Tropfen. Beginnen Sie mit der niedrigeren Konzentration und steigern Sie nur, wenn keine Hautreaktion auftritt. Für empfindliche Hautpartien wie das Gesicht reduzieren Sie auf 0,5–1 % (10–20 Tropfen pro 100 ml).
Wie lange ist selbst gemachte Naturkosmetik haltbar?
Die Haltbarkeit hängt vom Wasseranteil ab. Reine Ölmischungen, Balsame und feste Körperbutter halten kühl und dunkel gelagert 2–3 Monate. Wasserhaltige Produkte wie Lotions oder Cremes sind ohne Konservierung nur 1–2 Wochen haltbar und sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden. Vitamin E als Antioxidans schützt die Fette vor dem Ranzigwerden, wirkt aber nicht gegen Keime.
Kann ich ätherische Öle pur auf die Haut auftragen?
Nein – ätherische Öle sollten nie unverdünnt auf die Haut gelangen. Sie sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte, die Hautreizungen, allergische Reaktionen oder chemische Verbrennungen verursachen können. Verdünnen Sie ätherische Öle immer in einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl. Die einzige gängige Ausnahme ist Lavendelöl, das in der Aromatherapie-Praxis punktuell auf kleine Hautstellen aufgetragen wird – doch auch hier ist Vorsicht geboten, besonders bei empfindlicher Haut.
Eignen sich alle ätherischen Öle für die Gesichtspflege?
Nein. Manche ätherischen Öle sind für die empfindliche Gesichtshaut zu intensiv. Zimtöl, Oreganoöl und Nelkenöl können Reizungen verursachen und gehören nicht in Gesichtspflegeprodukte. Gut verträglich für Gesichtsanwendungen sind dagegen Lavendelöl, Kamillenöl, Rosenöl und Weihrauchöl – jeweils in niedriger Dosierung von maximal 1 %. Testen Sie jedes Öl vorab an einer kleinen Hautstelle.
Welches Trägeröl passt am besten zu meinem Hauttyp?
Jojobaöl eignet sich für alle Hauttypen, da es dem hauteigenen Sebum ähnelt. Trockene Haut profitiert von Mandelöl oder Arganöl, die intensiv pflegen. Bei fettiger oder unreiner Haut sind leichte, nicht komedogene Öle wie Traubenkernöl oder Hagebuttenöl empfehlenswert. Reife Haut spricht gut auf Arganöl mit seinem hohen Vitamin-E-Gehalt an.
Quellen
- Jiménez-Roldán, A., García-Moreno, P. J., & López-Caballero, M. E. (2025). Evaluating efficacy, safety, and innovation in skin care applications of essential oils: a systematic review. Frontiers in Medicine, 12, 1589691. doi:10.3389/fmed.2025.1589691
- Couteau, C., Diarra, H., Lecoq, M., Ali, A., Bernet, M., & Coiffard, L. (2023). The Role of Essential Oils in Homemade Cosmetics: A Study of 140 Recipes. Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 16(1), 18–24.
- Ao, X., Yan, H., & Huang, M. (2023). Lavender essential oil accelerates lipopolysaccharide-induced chronic wound healing by inhibiting caspase-11-mediated macrophage pyroptosis. The Kaohsiung Journal of Medical Sciences, 39(5), 511–521. doi:10.1002/kjm2.12654
- Ferrara, F., Ferrara, N., & Ferrara, G. (2025). Advances in plant essential oils and drug delivery systems for skincare. Frontiers in Pharmacology, 16, 1578280. doi:10.3389/fphar.2025.1578280
- Ferrara, L. (2021). Essential Oils and Their Individual Components in Cosmetic Products. Cosmetics, 8(4), 114. doi:10.3390/cosmetics8040114
- Carson, C. F., Hammer, K. A., & Riley, T. V. (2006). Melaleuca alternifolia (Tea Tree) oil: a review of antimicrobial and other medicinal properties. Clinical Microbiology Reviews, 19(1), 50–62. doi:10.1128/CMR.19.1.50-62.2006
- Panahi, Y., Taghizadeh, M., Marzony, E. T., & Sahebkar, A. (2015). Rosemary oil vs minoxidil 2% for the treatment of androgenetic alopecia: a randomized comparative trial. SKINmed, 13(1), 15–21.
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel. Amtsblatt der Europäischen Union, L 342, 59–209.
- Enshaieh, S., Jooya, A., Siadat, A. H., & Iraji, F. (2007). The efficacy of 5% topical tea tree oil gel in mild to moderate acne vulgaris: a randomized, double-blind placebo-controlled study. Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology, 73(1), 22–25. doi:10.4103/0378-6323.30646
- Bassett, I. B., Pannowitz, D. L., & Barnetson, R. S. (1990). A comparative study of tea-tree oil versus benzoylperoxide in the treatment of acne. The Medical Journal of Australia, 153(8), 455–458. doi:10.5694/j.1326-5377.1990.tb126150.x
- Ramsey, J. T., Shropshire, B. C., Nagy, T. R., Chambers, K. D., Li, Y., & Korach, K. S. (2020). Essential Oils and Health. The Yale Journal of Biology and Medicine, 93(2), 291–305.