Ätherische Öle für Kinder

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ätherische Öle können Kindern bei Schlafproblemen, Unruhe oder leichten Erkältungen helfen – doch der kindliche Organismus reagiert empfindlicher auf die konzentrierten Pflanzenstoffe als der eines Erwachsenen. Dünnere Haut, ein unreifes Enzymsystem und besonders empfindliche Atemwege machen eine sorgfältige Auswahl der Öle, eine angepasste Dosierung und die richtige Anwendungsmethode unverzichtbar.

Lavendel (Lavandula angustifolia), Römische Kamille (Chamaemelum nobile) und Mandarine (Citrus reticulata) zählen zu den am besten verträglichen ätherischen Ölen für Kinder. Forschungsergebnisse zeigen, dass Lavendelöl den Cortisolspiegel bei Säuglingen senken und die Schlafqualität verbessern kann.[1] Gleichzeitig bergen bestimmte Öle wie Eukalyptus globulus, Pfefferminze oder Kampfer bei Kleinkindern ernsthafte Risiken – bis hin zum lebensbedrohlichen Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus).[2]

Ätherische Öle für Kinder – sichere Anwendung mit Lavendel und Kamille

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche ätherischen Öle in welchem Alter erlaubt sind, welche Öle Sie bei Kindern strikt meiden sollten und wie Sie die Aromatherapie sicher in den Familienalltag integrieren. Sie erfahren außerdem, welche Anwendungsmethoden sich für Kinder eignen und worauf Sie bei der Dosierung achten müssen.

Auf einen Blick

  • Altersgrenze beachten: Für Säuglinge unter 6 Monaten sind ätherische Öle grundsätzlich nicht geeignet – allenfalls Hydrolate kommen infrage.
  • Sichere Öle: Lavendel, Römische Kamille und Mandarine gehören zu den am besten verträglichen Ölen für Kinder ab 6 Monaten.
  • Verbotene Öle: Eukalyptus globulus, Pfefferminze und Kampfer dürfen bei Kindern unter 6 Jahren nicht im Gesichtsbereich angewendet werden – Gefahr eines Stimmritzenkrampfs.
  • Verdünnung ist Pflicht: Kinder benötigen deutlich niedrigere Konzentrationen als Erwachsene (0,25–1 % je nach Alter).
  • Keine orale Einnahme: Kinder dürfen ätherische Öle niemals einnehmen – bereits 2 ml können eine Aspirationspneumonie auslösen.[3]
  • Diffuser mit Vorsicht: Maximal 1–2 Tropfen, intermittierend betreiben (30 Minuten an, 30 Minuten aus) und für gute Belüftung sorgen.

Warum Kinder besonders empfindlich auf ätherische Öle reagieren

Der kindliche Körper unterscheidet sich in mehreren Punkten grundlegend vom erwachsenen Organismus, was den Umgang mit ätherischen Ölen betrifft. Diese Unterschiede erklären, warum niedrigere Dosierungen und eine sorgfältige Ölauswahl bei Kindern so entscheidend sind.

Dünnere und durchlässigere Haut

Die Hautbarriere von Neugeborenen und Kleinkindern ist noch nicht vollständig ausgereift. Laut dem Aromatherapie-Sicherheitsexperten Robert Tisserand erreicht die Neugeborenenhaut erst ab einem Alter von etwa drei Monaten eine Reife, die der Erwachsenenhaut nahekommt.[4] Bis dahin ist sie deutlich durchlässiger für die lipophilen Inhaltsstoffe ätherischer Öle. Die Folge: Wirkstoffe gelangen schneller und in höherer Konzentration in den Blutkreislauf. Dieses erhöhte Aufnahmevermögen macht Verdünnung nicht nur empfehlenswert, sondern zwingend notwendig.

Unreife Enzymsysteme und Leber

Die Leber von Säuglingen und Kleinkindern arbeitet noch nicht mit der vollen Kapazität eines Erwachsenen. Die Cytochrom-P450-Enzyme, die für den Abbau vieler Terpene und anderer Inhaltsstoffe ätherischer Öle verantwortlich sind, liegen in deutlich niedrigerer Konzentration vor.[4] Das bedeutet: Der kindliche Körper braucht länger, um die Substanzen zu metabolisieren, und reagiert empfindlicher auf Überdosierungen. Auch die Blut-Hirn-Schranke ist bei Kleinkindern durchlässiger, sodass neurotoxische Inhaltsstoffe wie Kampfer oder Thujon leichter ins Gehirn gelangen können.[3]

Empfindliche Atemwege

Kindliche Atemwege sind enger und empfindlicher als die von Erwachsenen. Substanzen mit hohem 1,8-Cineol- oder Mentholgehalt können bei Säuglingen und Kleinkindern einen reflexartigen Verschluss der Stimmritze auslösen – den sogenannten Laryngospasmus. Dieser Stimmritzenkrampf kann im schlimmsten Fall zu Atemstillstand führen.[2] Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt daher, Eukalyptusöl-haltige Zubereitungen bei Kindern unter 30 Monaten nicht anzuwenden.[5]

Welche ätherischen Öle sind für welches Alter geeignet?

Die Verträglichkeit ätherischer Öle hängt stark vom Alter des Kindes ab. Mit zunehmender Reife von Haut, Leber und Immunsystem erweitert sich die Auswahl an geeigneten Ölen schrittweise. Die folgende Übersicht basiert auf den Empfehlungen aus dem Standardwerk „Essential Oil Safety" von Tisserand und Young sowie auf Leitlinien der National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA).[4][6]

0–6 Monate: Grundsätzlich keine ätherischen Öle

In den ersten sechs Lebensmonaten sollten Sie auf ätherische Öle vollständig verzichten. Die Hautbarriere ist noch zu unreif, das Enzymsystem zu wenig entwickelt und die Atemwege zu empfindlich. Wenn überhaupt, können Hydrolate (Pflanzenwässer) eine sanfte Alternative darstellen – etwa Lavendelhydrolat als Raumspray oder zur Beruhigung. Hydrolate enthalten nur Spuren ätherischer Öle und gelten als deutlich milder. Frühgeborene Kinder erfordern besondere Vorsicht: Hier ist von jeglicher Anwendung ätherischer Öle abzuraten.[4]

6–24 Monate: Sehr wenige Öle, stark verdünnt

Ab dem sechsten Lebensmonat dürfen einige wenige, besonders milde ätherische Öle in sehr niedriger Konzentration zum Einsatz kommen. Die empfohlene maximale Verdünnung liegt bei 0,25–0,5 %, was etwa 1 Tropfen ätherischem Öl auf 4 Teelöffel (20 ml) Mandelöl oder einem anderen geeigneten Trägeröl entspricht.[7]

Erlaubte Öle in dieser Altersgruppe:

  • Lavendelöl (Lavandula angustifolia) – beruhigend, schlaffördernd
  • Römische Kamille (Chamaemelum nobile) – krampflösend, beruhigend
  • Mandarinenöl (Citrus reticulata) – stimmungsaufhellend, mild
  • Dill (Anethum graveolens) – verdauungsfördernd, krampflösend

Tragen Sie verdünnte Öle bevorzugt auf die Fußsohlen auf – dort ist die Haut robuster und die Aufnahme kontrollierter als an empfindlicheren Körperstellen. Im Diffuser genügt ein einzelner Tropfen bei intermittierendem Betrieb (30 Minuten an, 30 Minuten aus) in einem gut belüfteten Raum.

2–6 Jahre: Erweiterte Auswahl, niedrige Dosierung

Ab dem zweiten Lebensjahr erweitert sich das Spektrum verträglicher Öle spürbar. Die maximale topische Verdünnung liegt bei 0,5–1 %, also 1–2 Tropfen ätherisches Öl auf 10 ml Trägeröl.[7]

Zusätzlich erlaubte Öle ab 2 Jahren:

  • Süßorange (Citrus sinensis) – stimmungsaufhellend, mild antiseptisch
  • Deutsche Kamille (Matricaria chamomilla) – entzündungshemmend, beruhigend
  • Zeder (Cedrus atlantica) – beruhigend, schlaffördernd
  • Weihrauch (Boswellia carterii) – immunstärkend, beruhigend
  • Teebaum (Melaleuca alternifolia) – antimikrobiell, wundheilungsfördernd (nur topisch verdünnt)
  • Fenchel (Foeniculum vulgare) – verdauungsfördernd, krampflösend (nur in niedriger Dosierung)

Eukalyptus (Eucalyptus globulus) und Pfefferminze (Mentha × piperita) bleiben in dieser Altersgruppe für die topische Anwendung im Gesichts- und Brustbereich verboten. Die sichere Alternative für Atemwegsbeschwerden bei Kleinkindern ist Eukalyptus citriodora (Corymbia citriodora), der kein 1,8-Cineol enthält.[8]

6–12 Jahre: Die meisten milden Öle erlaubt

Ab sechs Jahren sind die meisten als mild geltenden ätherischen Öle erlaubt, die Dosierung bleibt jedoch unter dem Erwachsenenniveau. Die empfohlene Verdünnung liegt bei 1–2 % für Ganzkörperanwendungen.[7]

Zusätzlich erlaubte Öle ab 6 Jahren:

  • Eukalyptus (Eucalyptus globulus oder E. radiata) – schleimlösend, bei Erkältung (nicht im Gesichtsbereich anwenden)
  • Pfefferminze (Mentha × piperita) – kühlend, schmerzlindernd (ebenfalls nicht im Gesicht)
  • Rosmarin (Rosmarinus officinalis, Chemotyp Cineol) – konzentrationsfördernd
  • Zitrone (Citrus limon) – erfrischend, stimmungsaufhellend (Phototoxizität beachten)

Auch in dieser Altersgruppe gilt: Eukalyptus- und Pfefferminzöl dürfen nicht direkt im Gesicht oder nahe der Nase aufgetragen werden. Die Anwendung auf Brust oder Rücken in korrekter Verdünnung (maximal 2 %) ist ab 6 Jahren vertretbar.[8]

12–18 Jahre: Annähernd Erwachsenen-Dosierung

Jugendliche ab 12 Jahren vertragen nahezu das gesamte Spektrum ätherischer Öle, die auch für Erwachsene geeignet sind. Die Verdünnung kann auf 2–3 % für topische Ganzkörperanwendungen angehoben werden. Für lokale Anwendungen auf kleinen Hautstellen (z. B. Schläfen bei Kopfschmerzen) sind bis zu 5 % möglich.[7]

Wenige Einschränkungen bleiben bestehen: Stark reizende „heiße" Öle wie Zimtrindenöl (Cinnamomum verum), Oregano (Origanum vulgare) oder Nelke (Syzygium aromaticum) erfordern auch bei Jugendlichen eine stärkere Verdünnung und sollten nur bei konkretem Bedarf eingesetzt werden. Die orale Einnahme ätherischer Öle bleibt auch für Jugendliche tabu.

Welche ätherischen Öle dürfen bei Kindern nicht verwendet werden?

Bestimmte ätherische Öle können bei Kindern schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Die folgenden Verbote gelten unabhängig von der Verdünnung und der Anwendungsmethode – sie betreffen vor allem Säuglinge und Kleinkinder unter 6 Jahren.

Eukalyptus globulus und Pfefferminze (unter 6 Jahren)

Ätherische Öle mit hohem 1,8-Cineol-Gehalt (Eucalyptus globulus, E. polybractea) und hohem Mentholgehalt (Mentha × piperita) können bei Kindern unter 6 Jahren einen Stimmritzenkrampf auslösen. Bei diesem Laryngospasmus verkrampft sich die Stimmritze reflexartig, die Luftzufuhr wird blockiert.[2] Die EMA warnt ausdrücklich davor, Eukalyptusöl-Zubereitungen bei Kindern unter 30 Monaten anzuwenden, und empfiehlt bis zum Alter von 6 Jahren äußerste Zurückhaltung.[5] Auch Pfefferminzöl ist bei Kindern unter 30 Monaten kontraindiziert, da Menthol eine Reflexapnoe (vorübergehenden Atemstillstand) provozieren kann.[9]

Kampfer, Wintergrün und Salbei

Kampfer (Cinnamomum camphora) ist für Kleinkinder besonders gefährlich: Schon die Einnahme kleiner Mengen kann Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und Atemprobleme verursachen. Eine Auswertung des Ontario Poison Information Centre dokumentierte Krampfanfälle bei Kindern nach versehentlicher Einnahme Kampfer-haltiger Produkte.[10] Wintergrünöl (Gaultheria procumbens) enthält bis zu 99 % Methylsalicylat – ein Wirkstoff, der bei Kindern in geringen Mengen zu Salicylatvergiftungen führen kann. Ein Teelöffel Wintergrünöl entspricht in seiner Wirkstärke etwa 22 Aspirin-Tabletten. Salbeiöl (Salvia officinalis) enthält das Nervengift Thujon, das bei Säuglingen und Kleinkindern Krampfanfälle auslösen kann.[11]

Keine orale Einnahme bei Kindern

Ätherische Öle dürfen von Kindern unter keinen Umständen eingenommen werden. Schon 2 ml eines verschluckten ätherischen Öls reichen aus, um in die Lunge zu gelangen und eine Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Einatmen der Flüssigkeit) auszulösen.[3] Daten des Tennessee Poison Center zeigen, dass sich die Zahl der Vergiftungsfälle mit ätherischen Ölen zwischen 2011 und 2015 verdoppelt hat – 80 % der Betroffenen waren Kinder.[3] Eine australische Studie aus dem Jahr 2019 bestätigt einen jährlichen Anstieg der Vergiftungsanrufe um über 5 %, wobei 63 % der Fälle Kinder unter 15 Jahren betrafen.[12] Bewahren Sie ätherische Öle daher immer in verschlossenen Flaschen mit kindersicheren Verschlüssen und außerhalb der Reichweite von Kindern auf.

Sichere ätherische Öle für Kinder im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten kinderfreundlichen Öle zusammen und zeigt, ab welchem Alter sie eingesetzt werden können, wofür sie sich eignen und welche Besonderheiten zu beachten sind.

Ätherisches ÖlAb welchem AlterHauptwirkungHinweise
Lavendel (Lavandula angustifolia)Ab 6 MonatenBeruhigend, schlaffördernd, schmerzlinderndEines der am besten untersuchten Öle bei Kindern[1]
Römische Kamille (Chamaemelum nobile)Ab 6 MonatenKrampflösend, beruhigend, hautpflegendBesonders geeignet bei Koliken und Unruhe[13]
Mandarine (Citrus reticulata)Ab 6 MonatenStimmungsaufhellend, beruhigendNicht phototoxisch (im Gegensatz zu vielen Zitrusölen)
Deutsche Kamille (Matricaria chamomilla)Ab 2 JahrenEntzündungshemmend, verdauungsförderndEnthält hautberuhigendes Chamazulen
Süßorange (Citrus sinensis)Ab 2 JahrenStimmungsaufhellend, mild antiseptischNicht phototoxisch (kaltgepresst geringfügig)
Weihrauch (Boswellia carterii)Ab 2 JahrenImmunstärkend, beruhigend, entzündungshemmendGut geeignet als Alternative zu Eukalyptus bei Atemwegsbeschwerden
Zeder (Cedrus atlantica)Ab 2 JahrenBeruhigend, schlafförderndAngenehmer, warmer Duft, gut im Diffuser
Fenchel (Foeniculum vulgare)Ab 2 JahrenKrampflösend, verdauungsförderndNur in niedriger Dosierung (max. 0,5 %)
Teebaum (Melaleuca alternifolia)Ab 2 JahrenAntimikrobiell, wundheilungsförderndNicht verschlucken – häufigste Vergiftungsursache bei Kindern[12]

Wie werden ätherische Öle bei Kindern sicher angewendet?

Nicht jede Anwendungsmethode eignet sich für jedes Alter. Die folgenden drei Methoden gelten als die sichersten für Kinder, vorausgesetzt, Sie halten die jeweiligen Dosierungsgrenzen ein.

Diffuser: Wenige Tropfen, kurze Dauer

Der Ultraschall-Diffuser ist eine der sichersten Methoden, um Kinder an ätherische Öle heranzuführen. Die Konzentration in der Raumluft bleibt niedrig, und das Kind wird nicht direkt der unverdünnten Substanz ausgesetzt. Verwenden Sie maximal 1–2 Tropfen ätherisches Öl in einem handelsüblichen Ultraschall-Diffuser. Betreiben Sie das Gerät intermittierend: 30 Minuten an, dann 30 Minuten Pause. Sorgen Sie für Frischluftzufuhr durch ein offenes Fenster oder eine angelehnte Tür. Diese Empfehlung orientiert sich an den Sicherheitsleitlinien von Robert Tisserand.[4] Stellen Sie den Diffuser nicht direkt neben das Kinderbett, sondern in einigem Abstand. Bei Säuglingen unter 6 Monaten sollten Sie auf das Beduftung im Kinderzimmer verzichten.

Verdünnte Einreibung mit Trägeröl

Für die topische Anwendung verdünnen Sie das ätherische Öl immer in einem geeigneten Trägeröl. Süßes Mandelöl, Jojobaöl und fraktioniertes Kokosöl haben sich bei Kindern bewährt, da sie mild, geruchsneutral und gut hautverträglich sind. Halten Sie die altersgerechte Verdünnung ein: 0,25–0,5 % für Kinder unter 2 Jahren, 0,5–1 % für 2- bis 6-Jährige, 1–2 % für 6- bis 12-Jährige.[7] Führen Sie vor jeder erstmaligen Anwendung eines neuen Öls einen Verträglichkeitstest durch: Tragen Sie eine kleine Menge der Mischung auf die Innenseite des Unterarms auf und beobachten Sie die Hautstelle 24 Stunden lang.

Fußmassage: Die sanfteste topische Methode

Die Fußsohlen bieten eine robuste Hautfläche mit weniger Schmerzrezeptoren und kaum Risiko einer Schleimhautreizung. Viele Aromatherapeuten empfehlen die Fußmassage als bevorzugte topische Methode bei Kindern, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Ein sanftes Einmassieren von 1–2 Tropfen verdünnter Mischung auf die Fußsohlen vor dem Schlafengehen kann beruhigend wirken und den Einschlafprozess unterstützen. Diese Methode bietet den Vorteil, dass das Öl fernab von Gesicht und Atemwegen aufgetragen wird.

Ätherische Öle bei Erkältung – worauf Eltern achten sollten

Erkältungen gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Kindern – und hier suchen viele Eltern nach sanften Alternativen zu klassischen Medikamenten. Lavendel, Süßorange und Weihrauch können bei Kindern ab 2 Jahren im Diffuser zur Linderung leichter Erkältungssymptome beitragen. Ab 6 Jahren kommen vorsichtig dosierter Eukalyptus (Eucalyptus radiata, der mildere Chemotyp) und Thymian Linalool (Thymus vulgaris ct. linalool) hinzu. Einen ausführlichen Ratgeber mit altersgerechten Rezepturen und Dosierungsempfehlungen finden Sie im Artikel Ätherische Öle bei Erkältung für Kinder.

Ätherische Öle und Babys – besondere Vorsicht im ersten Lebensjahr

Babys (0–12 Monate) stellen die empfindlichste Altersgruppe dar. Die Hautbarriere ist noch unreif, das Immunsystem nicht voll entwickelt, und das Nervensystem reagiert besonders sensitiv auf Duftstoffe. Eine Studie von Field et al. (2008) zeigte zwar positive Effekte von Lavendelöl-Bädern auf die Schlafqualität von Säuglingen, doch selbst hier war die Dosierung minimal und die Anwendung auf eine kontrollierte Umgebung begrenzt.[1] Alles zur sicheren Anwendung, erlaubten Hydrolaten und den strikten Altersgrenzen für Babys lesen Sie im Artikel Ätherische Öle und Baby.

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Die korrekte Verdünnung ist der wichtigste Sicherheitsfaktor bei der Anwendung ätherischer Öle bei Kindern. Verwenden Sie grundsätzlich niedrigere Konzentrationen als für Erwachsene – die genauen Verdünnungsverhältnisse nach Altersgruppe und Anwendungsmethode finden Sie im Dosierungsratgeber für ätherische Öle.

Sicherheitshinweis

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenstoffe und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Wenden Sie sie bei Kindern nie unverdünnt an und konsultieren Sie bei bestehenden Erkrankungen, Allergien oder Unsicherheiten immer einen Kinderarzt. Einen vollständigen Überblick über Nebenwirkungen, Kontraindikationen und den Patch-Test bietet der Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Qualitätshinweis

Gerade bei Kindern ist die Reinheit des Öls entscheidend. Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine, therapeutisch geeignete ätherische Öle ohne synthetische Zusätze. Woran Sie echte Qualität erkennen und worauf Sie beim Kauf achten sollten, erklärt der Qualitätsratgeber für ätherische Öle.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter darf man ätherische Öle bei Kindern anwenden?

Die meisten Aromatherapie-Experten empfehlen, ätherische Öle frühestens ab einem Alter von 6 Monaten einzusetzen – und dann nur wenige, besonders milde Öle wie Lavendel (Lavandula angustifolia) oder Römische Kamille in sehr starker Verdünnung (0,25 %). In den ersten 3 Lebensmonaten ist die Haut noch so unreif und durchlässig, dass selbst milde Öle Risiken bergen. Hydrolate (Pflanzenwässer) bieten in den ersten Monaten eine sanftere Alternative.[4]

Warum sind Eukalyptus und Pfefferminze für Kleinkinder gefährlich?

Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus) enthält einen hohen Anteil an 1,8-Cineol, Pfefferminzöl ist reich an Menthol. Beide Substanzen können bei Kindern unter 6 Jahren – besonders bei Säuglingen – einen Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) auslösen, bei dem sich die Stimmritze reflexartig verschließt und die Atmung blockiert wird. Im schlimmsten Fall kann es zu Atemstillstand kommen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt, eukalyptusölhaltige Präparate bei Kindern unter 30 Monaten nicht anzuwenden.[5][9]

Darf man einen Diffuser im Kinderzimmer verwenden?

Ein Ultraschall-Diffuser kann im Kinderzimmer eingesetzt werden, wenn einige Sicherheitsregeln beachtet werden. Verwenden Sie nur 1–2 Tropfen eines kindersicheren Öls, betreiben Sie das Gerät maximal 30 Minuten am Stück mit anschließender Pause, und sorgen Sie für ausreichende Belüftung. Bei Kindern unter 6 Monaten sollte kein Diffuser im Schlafbereich betrieben werden. Stellen Sie das Gerät in einigem Abstand zum Kinderbett auf und beobachten Sie, ob Ihr Kind empfindlich auf den Duft reagiert.[4]

Was tun, wenn ein Kind ätherisches Öl verschluckt hat?

Bei versehentlicher Einnahme ätherischer Öle durch ein Kind sollten Sie sofort den Giftnotruf kontaktieren (in Deutschland: 030 19240 oder die lokale Giftinformationszentrale) und den Kinderarzt oder die Notaufnahme aufsuchen. Lösen Sie kein Erbrechen aus, da eingeatmetes Öl in die Lunge gelangen und eine Aspirationspneumonie verursachen kann. Bewahren Sie das Fläschchen auf, damit die Fachkräfte den Inhaltsstoff identifizieren können.[3]

Welches ätherische Öl ist für Kinder am sichersten?

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) gilt als das am besten erforschte und sicherste ätherische Öl für Kinder. Es wirkt beruhigend, schlaffördernd und entzündungshemmend. Studien belegen, dass Lavendelöl den Cortisolspiegel bei Säuglingen senken und die Schlafdauer verbessern kann.[1] Römische Kamille und Mandarinenöl sind weitere sehr gut verträgliche Alternativen ab dem sechsten Lebensmonat. Auch diese Öle müssen immer verdünnt angewendet werden.

Quellen

  1. Field, T., Field, T., Cullen, C., Largie, S., Diego, M., Schanberg, S., & Kuhn, C. (2008). Lavender bath oil reduces stress and crying and enhances sleep in very young infants. Early Human Development, 84(6), 399–401. doi:10.1016/j.earlhumdev.2007.10.008
  2. Horváth, G., & Ács, K. (2015). Essential oils in the treatment of respiratory tract diseases highlighting their role in bacterial infections and their anti-inflammatory action: a review. Flavour and Fragrance Journal, 30(5), 331–341. doi:10.1002/ffj.3252
  3. Loden, J. (2016). Essential oils pose growing poisoning danger. Tennessee Poison Center, Vanderbilt University Medical Center. Abgerufen von: https://news.vumc.org/2016/05/10/tennessee-poison-center-at-vanderbilt-s...
  4. Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals (2. Aufl.). Churchill Livingstone/Elsevier. ISBN: 978-0-443-06241-4
  5. European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). (2013). Community herbal monograph on Eucalyptus globulus Labill., aetheroleum. EMA/HMPC/892618/2011
  6. National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA). (2024). Safety Guidelines: Exploring Aromatherapy Safety. Abgerufen von: https://naha.org/explore-aromatherapy/safety/
  7. Tisserand Institute. (2017). Recommended dilutions for children. Abgerufen von: https://tisserandinstitute.org/learn-more/recommended-dilutions-for-chil...
  8. Tisserand, R. (2020). Peppermint and Eucalyptus for Children. Tisserand Institute. Abgerufen von: https://tisserandinstitute.org/learn-more/kids-inhalation-safety/
  9. Javorka, K., Tomori, Z., & Zav'yalov, V. P. (1980). Protective and defensive airway reflexes in premature infants. Physiologia Bohemoslovaca, 29(1), 29–35.
  10. Flaman, Z., Pellechia-Clarke, S., Bailey, B., & McGuigan, M. (2001). Unintentional exposure of young children to camphor and eucalyptus oils. Paediatrics & Child Health, 6(2), 80–83. doi:10.1093/pch/6.2.80
  11. Halicioglu, O., Astarcioglu, G., Yaprak, I., & Aydinlioglu, H. (2011). Toxicity of Salvia officinalis in a newborn and a child: an alarming report. Pediatric Neurology, 45(4), 259–260. doi:10.1016/j.pediatrneurol.2011.05.012
  12. Cairns, R., Smedley, E., Buckley, N. A., & Harnett, J. E. (2019). Essential oil exposure calls to the New South Wales Poisons Information Centre. Medical Journal of Australia, 212(3), 132–133. doi:10.5694/mja2.50403
  13. Sorme, F. M., Tabarra, M., Alimadady, H., Rahimi, R., Sepidarkish, M., & Karimi, M. (2020). Efficacy of Matricaria chamomilla L. in Infantile Colic: A Double Blind, Placebo Controlled Randomized Trial. Journal of Pharmaceutical Research International, 31(6), 1–11. doi:10.9734/jpri/2019/v31i630376
  14. Rigon, M. R., da Silva, D. L., Nunes, S. S., & de Souza, A. P. (2021). The Use of Essential Oils in Pediatric Care: An Integrative Review. Annals of Pediatrics & Child Health, 9(9), 1258.
  15. Savino, F., Cresi, F., Castagno, E., Silvestro, L., & Oggero, R. (2005). A randomized double-blind placebo-controlled trial of a standardized extract of Matricariae recutita, Foeniculum vulgare and Melissa officinalis (ColiMil) in the treatment of breastfed colicky infants. Phytotherapy Research, 19(4), 335–340. doi:10.1002/ptr.1668
  16. Dawkins, R. (2024). Are Essential Oils Safe for Children? Johns Hopkins All Children's Hospital. Abgerufen von: https://www.hopkinsmedicine.org/health/wellness-and-prevention/are-essen...
  17. Squires, L. (2023). Aromatherapy for Children: What's Safe and What's Not. Children's Hospital of Philadelphia. Abgerufen von: https://www.chop.edu/news/health-tip/aromatherapy-children-whats-safe-an...
  18. Khine, H., Weiss, D., Graber, N., Hoffman, R. S., Esteban-Cruciani, N., & Avner, J. R. (2009). A cluster of children with seizures caused by camphor poisoning. Pediatrics, 123(5), 1269–1272. doi:10.1542/peds.2008-2097