Kerzen mit ätherischen Ölen selber machen

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ätherische Öle verleihen selbst gemachten Kerzen einen natürlichen Duft, der synthetische Duftöle nicht erreichen: Echtes Lavendelöl (Lavandula angustifolia) bringt die beruhigenden Terpene Linalool und Linalylacetat direkt in Ihren Wohnraum, echtes Orangenöl (Citrus sinensis) verströmt frisches Limonen. Wer Kerzen mit ätherischen Ölen selber macht, hat die volle Kontrolle über Inhaltsstoffe, Duftstärke und Wachsqualität.

Die Herstellung erfordert allerdings mehr Sorgfalt als bei Kerzen mit synthetischen Duftölen. Ätherische Öle besitzen niedrigere Flammpunkte, verdampfen schneller und reagieren empfindlich auf Hitze. Temperaturführung, Dosierung und Dochtwahl entscheiden über Duftintensität, Brennverhalten und Sicherheit. Eine Studie aus dem Jahr 2024, veröffentlicht in den Annals of Medicine and Surgery, empfiehlt ausdrücklich Kerzen aus Naturwachs mit ätherischen Ölen als schadstoffärmere Alternative zu Paraffinkerzen mit synthetischen Duftstoffen.[1]

Ätherische Öle Kerzen selber machen – Sojawachs mit Lavendelöl und Baumwolldocht

Dieser Ratgeber erklärt die technischen Grundlagen der Kerzenherstellung mit ätherischen Ölen – von der Wachsauswahl über Flammpunkte und Dosierung bis zur fertigen Duftkerze. Sie finden vier erprobte Rezepte, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger und Lösungen für die häufigsten Probleme.

Auf einen Blick

  • Dosierung: Verwenden Sie 6–10 % ätherisches Öl pro Kilogramm Wachs – das entspricht etwa 60–100 ml pro kg.
  • Zugabetemperatur: Rühren Sie ätherische Öle bei 55–65 °C ins geschmolzene Wachs ein – nie in heißes Wachs über 80 °C.
  • Flammpunkt beachten: Jedes ätherische Öl hat einen individuellen Flammpunkt; die Wachstemperatur bei der Zugabe muss unterhalb dieses Wertes liegen.
  • Sojawachs ist ideal: Es schmilzt bei niedrigen 46–52 °C, bindet ätherische Öle gut und brennt rußarm.
  • Aushärtezeit: Lassen Sie Kerzen mindestens 48 Stunden, besser 1–2 Wochen, aushärten – erst dann entfaltet sich der volle Duft.
  • Naturreine Qualität: Nur 100 % naturreine ätherische Öle verwenden – synthetische Duftöle erfordern andere Dosierungen und Verarbeitung.

Warum ätherische Öle statt Duftöl in Kerzen?

Ätherische Öle sind konzentrierte Pflanzenstoffe, die durch Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung gewonnen werden. Sie enthalten die natürlichen Aromaverbindungen der jeweiligen Pflanze – Terpene, Alkohole, Aldehyde und Ester – in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung. Synthetische Duftöle werden dagegen im Labor hergestellt und können Phthalate, Parabene oder andere petrochemische Trägerstoffe enthalten.

Beim Verbrennen zeigt sich der Unterschied deutlich: Eine Untersuchung von Derudi et al. (2014) wies nach, dass die Wachsqualität und die Art der Duftstoffe die Emission flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) und polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) maßgeblich beeinflussen.[2] Salthammer et al. (2021) bestätigten in einer umfassenden Emissionsstudie, dass Wachstyp und Duftquelle die Freisetzung von Formaldehyd, Benzol und Feinstaub signifikant verändern.[3] Naturwachskerzen mit ätherischen Ölen schnitten in Bezug auf Rußbildung und Schadstoffausstoß durchweg günstiger ab als Paraffinkerzen mit synthetischen Duftstoffen.

Der Nachteil: Ätherische Öle sind teurer, besitzen meist niedrigere Flammpunkte und einen subtileren Duft beim Brennen (geringerer „Hot Throw") als synthetische Alternativen. Die detaillierten Unterschiede zwischen ätherischen Ölen und Duftölen erklärt der Vergleichsratgeber Duftöl vs. ätherisches Öl.

Welches Wachs eignet sich für Kerzen mit ätherischen Ölen?

Die Wachswahl beeinflusst Schmelzpunkt, Duftbindung, Brenndauer und Rußentwicklung. Pflanzliche Wachse harmonieren besser mit ätherischen Ölen als Paraffin, weil sie niedrigere Schmelzpunkte haben und die flüchtigen Aromastoffe schonender binden. Die folgende Tabelle vergleicht die vier gängigsten Naturwachse für die Kerzenherstellung mit ätherischen Ölen.

EigenschaftSojawachsBienenwachsRapswachsKokoswachs
Schmelzpunkt46–52 °C62–65 °C52–58 °C35–40 °C
Duftbindung (ÄÖ)Sehr gutMäßigGutSehr gut
RußentwicklungSehr geringGeringSehr geringSehr gering
BrenndauerLangSehr langLangLang
Max. Duftlast8–12 %3–6 %8–10 %10–12 %
KerzenformGlas/BehälterStumpen/StabkerzenGlas/BehälterGlas/Behälter
PreisMittelHochMittel–HochHoch
BesonderheitNeigt zu FrostingEigener HonigduftRegionaler Anbau (EU)Sehr cremige Textur

Sojawachs – der Allrounder für ätherische Öle

Sojawachs ist die populärste Wahl für Duftkerzen mit ätherischen Ölen. Sein niedriger Schmelzpunkt (46–52 °C) bedeutet, dass die Wachstemperatur bei der Ölzugabe den Flammpunkt der meisten ätherischen Öle nicht überschreitet. Eine Studie von Tao (2009) zeigte, dass Sojawachskerzen deutlich weniger Ruß erzeugen als Paraffinkerzen und vergleichbare Brenneigenschaften wie Bienenwachs aufweisen.[4] Sojawachs nimmt ätherische Öle bis zu einer Duftlast von 8–12 % auf. Die weiche Konsistenz macht es ideal für Behälterkerzen im Glas, eignet sich jedoch nicht für freistehende Stumpenkerzen.

Bienenwachs – natürlich, aber anspruchsvoll

Bienenwachs besitzt den höchsten Schmelzpunkt (62–65 °C) unter den Naturwachsen. Das ergibt eine sehr lange Brenndauer, erschwert aber die Arbeit mit ätherischen Ölen: Der höhere Schmelzpunkt liegt nahe am Flammpunkt vieler Öle, und die maximale Duftlast ist mit 3–6 % deutlich geringer als bei Sojawachs. Bienenwachs hat einen natürlichen Honigduft, der den Charakter des ätherischen Öls verändern kann. Für Kerzen mit dezentem Eigenduft und langer Brenndauer – etwa unbeduftete Stumpenkerzen – ist es ideal. Für kräftig duftende Kerzen mit ätherischen Ölen empfiehlt sich eine Mischung aus 80 % Sojawachs und 20 % Bienenwachs, die Duftbindung und Stabilität kombiniert.

Rapswachs – die europäische Alternative

Rapswachs wird aus europäischem Rapsöl gewonnen und hat damit kürzere Transportwege als importiertes Sojawachs. Sein Schmelzpunkt (52–58 °C) liegt etwas höher als bei Sojawachs, was die Kerzen etwas fester macht. Rapswachs bindet ätherische Öle gut, zeigt aber im Vergleich zu Soja- und Kokoswachs einen leicht schwächeren Duft beim Brennen (Hot Throw). Es eignet sich hervorragend für Mischungen mit Kokoswachs im Verhältnis 70:30.

Kokoswachs – cremig und duftintensiv

Kokoswachs hat den niedrigsten Schmelzpunkt (35–40 °C) und die beste Duftfreigabe aller Naturwachse. Die cremige Textur ergibt ästhetisch ansprechende Kerzen mit hervorragendem Hot Throw. Da Kokoswachs allein sehr weich ist, wird es meist im Verhältnis 50:50 mit Soja- oder Rapswachs gemischt, um ausreichende Stabilität zu erreichen. Der niedrige Schmelzpunkt ist gleichzeitig ein Vorteil für ätherische Öle, weil die Zugabetemperatur weit unter den Flammpunkten der meisten Öle bleibt.

Flammpunkt, Zugabetemperatur und Duftlast – die technischen Grundlagen

Drei technische Parameter bestimmen den Erfolg einer Duftkerze mit ätherischen Ölen: der Flammpunkt des Öls, die Zugabetemperatur beim Einrühren und die Duftlast – also die Menge an ätherischem Öl im Verhältnis zum Wachs.

Was ist der Flammpunkt eines ätherischen Öls?

Der Flammpunkt (Flash Point) bezeichnet die niedrigste Temperatur, bei der ein ätherisches Öl genügend Dampf abgibt, um sich bei Kontakt mit einer Zündquelle zu entzünden. Jedes ätherische Öl hat einen individuellen Flammpunkt. Öle mit einem Flammpunkt unter 65 °C gelten als problematisch für die Kerzenherstellung, weil die Temperatur des geschmolzenen Wachses in der Schmelzwanne diesen Wert schnell erreichen kann.[5]

Die folgende Tabelle zeigt die Flammpunkte gängiger ätherischer Öle für die Kerzenherstellung:

Ätherisches ÖlFlammpunkt (ca.)Eignung für Kerzen
Lavendel (Lavandula angustifolia)65–75 °CSehr gut
Ylang-Ylang (Cananga odorata)90–100 °CSehr gut
Zedernholz (Cedrus atlantica)93–100 °CSehr gut
Patchouli (Pogostemon cablin)95–100 °CSehr gut
Zimt (Rinde) (Cinnamomum verum)73–77 °CGut
Nelke (Syzygium aromaticum)90–102 °CSehr gut
Orange, süß (Citrus sinensis)46–50 °CEingeschränkt – niedrig!
Zitronella (Cymbopogon nardus)64–70 °CGut
Eukalyptus (Eucalyptus globulus)49–54 °CEingeschränkt – niedrig!
Pfefferminze (Mentha piperita)66–72 °CGut

Zitrusöle wie Orangen- oder Zitronenöl besitzen besonders niedrige Flammpunkte (unter 55 °C). Sie verdampfen beim Brennen schneller und liefern einen schwächeren Hot Throw. Ein bewährter Trick: Kombinieren Sie Zitrusöle mit Ölen mit hohem Flammpunkt (Zedernholz, Patchouli, Ylang-Ylang), um die Dufthaltbarkeit zu verbessern.

Bei welcher Temperatur ätherische Öle ins Wachs einrühren?

Die Zugabetemperatur ist der kritischste Schritt. Geben Sie ätherische Öle nie in heißes Wachs über 80 °C – die Aromastoffe verdampfen, und bei Ölen mit niedrigem Flammpunkt besteht Entzündungsgefahr. Gleichzeitig muss das Wachs warm genug sein, damit sich das Öl vollständig mit den Wachsmolekülen verbinden kann.

Die optimale Vorgehensweise für Sojawachs:

  1. Schmelzen Sie das Wachs im Wasserbad auf 80–85 °C, um die Wachskristalle vollständig aufzulösen.
  2. Nehmen Sie das Wachs vom Herd und lassen Sie es auf 55–65 °C abkühlen.
  3. Rühren Sie die ätherischen Öle bei dieser Temperatur langsam und gleichmäßig für mindestens 2 Minuten ein.
  4. Gießen Sie die Mischung bei 45–55 °C in die vorgewärmten Kerzengläser.

Bei Bienenwachs liegt die Zugabetemperatur etwas höher (60–70 °C), da das Wachs bei niedrigeren Temperaturen zu schnell erstarrt. Achten Sie darauf, dass die Zugabetemperatur dennoch unter dem Flammpunkt des jeweiligen Öls bleibt.

Wie viel ätherisches Öl pro Kilogramm Wachs?

Die Duftlast bezeichnet den prozentualen Anteil des ätherischen Öls am Gesamtgewicht der Kerze. Für ätherische Öle gelten höhere Dosierungen als für synthetische Duftöle, weil die natürlichen Aromastoffe schneller verdampfen.

Empfohlene Duftlast für ätherische Öle:

  • Dezenter Duft: 6 % – circa 60 g ätherisches Öl auf 1 kg Wachs
  • Mittlerer Duft: 8 % – circa 80 g ätherisches Öl auf 1 kg Wachs
  • Intensiver Duft: 10 % – circa 100 g ätherisches Öl auf 1 kg Wachs

Überschreiten Sie nicht 12 % Duftlast. Eine Überdosierung beeinträchtigt das Brennverhalten: Der Docht kann verstopfen, die Flamme rußt, und überschüssiges Öl kann an die Oberfläche der Kerze austreten (Schwitzen). Für ein 200-ml-Kerzenglas mit circa 180 g Wachs benötigen Sie demnach 11–18 g (etwa 12–20 ml) ätherisches Öl.

Welcher Docht passt zu welchem Wachs?

Der Docht bestimmt die Flammengröße, die Größe des Schmelzbeckens und damit die Duftfreisetzung. Ein zu kleiner Docht erzeugt einen schmalen Schmelztunnel in der Mitte (Tunneling), bei dem Wachs an den Rändern stehen bleibt. Ein zu großer Docht produziert eine überdimensionierte Flamme, verstärkt Rußbildung und beschleunigt die Verdampfung der ätherischen Öle.

Richtlinien für die Dochtwahl:

WachstypEmpfohlener DochttypHinweis
SojawachsFlachgewebter Baumwolldocht (z. B. ECO-Serie)Etwas kleinerer Docht als bei Duftölkerzen – ÄÖ brauchen weniger Hitze zur Freisetzung
BienenwachsVierkantdocht oder geflochtener BaumwolldochtGrößerer Docht nötig wegen des höheren Schmelzpunkts
RapswachsFlachgewebter Baumwolldocht (z. B. ECO-Serie)Ähnlich wie Sojawachs
Kokoswachs(-Mischung)Holzdocht oder Baumwolldocht (eher kleiner)Niedriger Schmelzpunkt erfordert weniger Wärme

Testen Sie jeden neuen Docht-Wachs-Öl-Kombination mit einer Probekerze. Lassen Sie die Kerze mindestens 3–4 Stunden am Stück brennen und prüfen Sie: Reicht das Schmelzbecken bis an den Glasrand? Rußt die Flamme? Flackert sie übermäßig? Kürzen Sie den Docht vor jedem Anzünden auf 5–6 mm.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Duftkerze mit ätherischen Ölen selber machen

Diese Anleitung beschreibt die Herstellung einer einfachen Behälterkerze im Glas mit Sojawachs. Die Methode lässt sich auf alle Rezepte in diesem Artikel anwenden.

Material und Werkzeug

  • 200 g Sojawachs (Behälterwachs/Container Wax)
  • 16–20 g ätherisches Öl (8–10 % Duftlast)
  • 1 Baumwolldocht (ECO-Serie, passend zum Glasdurchmesser)
  • 1 hitzebeständiges Kerzenglas (ca. 200 ml)
  • 1 Dochthalter (Metallplättchen) und Dochtkleber
  • Wasserbad: Topf + hitzebeständiger Messbecher oder Schmelzgefäß
  • Küchenthermometer (digital empfohlen)
  • Holzspatel oder Edelstahlstab zum Rühren

Herstellungsschritte

1. Docht vorbereiten: Kleben Sie das Dochthalter-Metallplättchen mittig auf den Boden des Kerzenglases. Wickeln Sie das obere Dochtende um einen Holzspatel oder Bleistift, den Sie quer auf den Glasrand legen. So bleibt der Docht gerade und zentriert.

2. Wachs schmelzen: Geben Sie 200 g Sojawachs in das Schmelzgefäß und erhitzen Sie es im Wasserbad. Rühren Sie gelegentlich um. Erhitzen Sie das Wachs auf 80–85 °C, bis es vollständig klar und flüssig ist.

3. Wachs abkühlen lassen: Nehmen Sie das Schmelzgefäß aus dem Wasserbad. Kontrollieren Sie die Temperatur mit dem Thermometer. Warten Sie, bis das Wachs auf 55–65 °C abgekühlt ist. Das Wachs ist noch flüssig, beginnt aber leicht trüb zu werden.

4. Ätherische Öle einrühren: Geben Sie 16–20 g ätherisches Öl zum Wachs. Rühren Sie langsam und gleichmäßig für mindestens 2 Minuten, damit sich die Ölmoleküle vollständig mit dem Wachs verbinden. Vermeiden Sie heftiges Rühren – Luftblasen beeinträchtigen die Oberfläche.

5. Gießen: Lassen Sie die Mischung auf 45–55 °C abkühlen. Gießen Sie das Wachs langsam und gleichmäßig in das vorbereitete Glas. Lassen Sie oben etwa 1 cm Platz frei. Wenn nach dem Erstarren Einsinkstellen oder Risse entstehen, können Sie mit einer kleinen Menge nachgeschmolzenem Wachs nachgießen.

6. Aushärten: Lassen Sie die Kerze mindestens 48 Stunden bei Raumtemperatur (18–22 °C) ruhen. Für optimale Duftentwicklung empfiehlt sich eine Aushärtezeit von 1–2 Wochen. In dieser Zeit bindet sich das ätherische Öl vollständig an das Wachsgerüst, und der Cold Throw (Duft bei unangezündeter Kerze) sowie der Hot Throw (Duft beim Brennen) verbessern sich spürbar.

7. Docht kürzen: Schneiden Sie den Docht vor dem ersten Anzünden auf 5–6 mm Länge.

Vier Rezepte für Duftkerzen mit ätherischen Ölen

Die folgenden Rezepte basieren auf einer Standardmenge von 200 g Sojawachs. Passen Sie die Mengen proportional an, wenn Sie größere oder kleinere Kerzen herstellen.

Rezept 1: Einfache Lavendel-Duftkerze

Lavendelöl ist das Einsteigeröl für die Kerzenherstellung. Sein relativ hoher Flammpunkt (65–75 °C) und die exzellente Duftentwicklung machen es anfängerfreundlich. Die Hauptbestandteile Linalool und Linalylacetat wirken nachweislich beruhigend: López et al. (2017) identifizierten in Lavendelöl (Lavandula angustifolia) eine dosisabhängige Bindung an den Serotonin-Transporter (SERT) und den GABAA-Rezeptor.[6]

  • Wachs: 200 g Sojawachs
  • Ätherisches Öl: 18 g Lavendelöl (9 %)
  • Docht: ECO 10 oder vergleichbar
  • Duftprofil: Blumig, krautig, beruhigend
  • Zugabetemperatur: 60 °C

Rezept 2: Entspannungskerze mit Duftmischung

Diese Kerze kombiniert drei ätherische Öle mit beruhigenden Eigenschaften. Lavendel bildet die blumige Basis, Ylang-Ylang ergänzt eine süße Blumennote, und Zedernholz verleiht Tiefe und Wärme. Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata) enthält Linalool, Germacren-D und β-Caryophyllen – Verbindungen, denen in einer Studie von Zhang et al. (2016) stressreduzierende Wirkung zugeschrieben wurde.[7] Wer tiefer in die Kunst des Mischens einsteigen möchte, findet im Ratgeber zum Mischen ätherischer Öle die Grundlagen der Duftnoten-Komposition.

  • Wachs: 200 g Sojawachs
  • Ätherische Öle (Gesamtmenge 18 g, 9 %):
  • 10 g Lavendelöl (Herznote)
  • 4 g Ylang-Ylang-Öl (Herznote)
  • 4 g Zedernholzöl (Basisnote)
  • Zugabetemperatur: 60 °C

Tipp: Mischen Sie die ätherischen Öle zuerst in einem separaten Glasgefäß, bevor Sie die fertige Mischung zum abgekühlten Wachs geben. So können Sie den Duft vorab beurteilen.

Rezept 3: Winterkerze mit Orange, Zimt und Nelke

Würzige, warme Düfte passen zu Herbst und Winter. Orangenöl liefert die frische Kopfnote, Zimtrindenöl und Nelkenöl ergänzen würzige Herz- und Basisnoten. Weil Orangenöl einen niedrigen Flammpunkt (46–50 °C) besitzt, ist die exakte Einhaltung der Zugabetemperatur besonders wichtig: Geben Sie die Ölmischung erst bei maximal 55 °C ins Wachs.

  • Wachs: 200 g Sojawachs
  • Ätherische Öle (Gesamtmenge 20 g, 10 %):
  • 12 g Orangenöl, süß (Kopfnote)
  • 5 g Zimtrindenöl (Herznote) – sparsam dosieren, hautreizend bei Hautkontakt
  • 3 g Nelkenöl (Basisnote)
  • Zugabetemperatur: 55 °C (wegen des niedrigen Flammpunkts von Orangenöl)

Rechnen Sie bei Zitrusöl-Kerzen mit einem schwächeren Hot Throw. Der Cold Throw ist bei dieser Mischung erfahrungsgemäß sehr angenehm – eine schöne Kerze für den Couchtisch, die beim Brennen subtil duftet.

Rezept 4: Zitronella-Outdoor-Kerze gegen Mücken

Citronellaöl (Cymbopogon nardus) ist das klassische ätherische Öl für die Mückenabwehr. Eine Feldstudie der University of Guelph (Lindsay et al., 1996) zeigte, dass Kerzen mit 3 % Citronella die Anzahl der Mückenstiche um circa 42 % reduzierten.[8] Müller et al. (2008) bestätigten die repellente Wirkung von Citronella-Kerzen unter kontrollierten Bedingungen, fanden aber eine stärkere Wirksamkeit bei Diffuser-Anwendungen.[9] Citronella-Kerzen bieten einen ergänzenden, aber keinen vollständigen Mückenschutz – umfassende Informationen zur Mückenabwehr mit ätherischen Ölen finden Sie im Ratgeber ätherische Öle gegen Mücken.

  • Wachs: 200 g Sojawachs
  • Ätherische Öle (Gesamtmenge 20 g, 10 %):
  • 14 g Citronellaöl
  • 4 g Lavendelöl (unterstützt die Mückenabwehr und verbessert den Duft)
  • 2 g Eukalyptusöl (Eucalyptus citriodora, Zitronen-Eukalyptus – höherer Flammpunkt als E. globulus)
  • Zugabetemperatur: 55 °C
  • Einsatz: Ausschließlich im Außenbereich (Terrasse, Balkon, Garten)

Platzieren Sie die Kerze in Windnähe, damit der Duft in Ihre Richtung getragen wird. Mehrere kleinere Kerzen, verteilt auf der Terrasse, wirken besser als eine einzelne große.

Warum duftet meine Kerze nicht? – Problemlösung

Schwacher oder fehlender Duft beim Brennen ist das häufigste Problem bei Kerzen mit ätherischen Ölen. Die Ursachen lassen sich systematisch eingrenzen:

Zu heißes Wachs bei der Ölzugabe: Wenn Sie ätherische Öle bei über 75–80 °C einrühren, verdampfen die leichteren Aromabestandteile sofort. Sie riechen den Duft beim Gießen, aber in der fertigen Kerze ist kaum noch etwas. Lösung: Immer bei 55–65 °C einrühren und die Temperatur mit dem Thermometer kontrollieren.

Zu wenig ätherisches Öl: Ätherische Öle brauchen eine höhere Dosierung als synthetische Duftöle. 3–4 % reichen bei Duftölen oft aus, bei ätherischen Ölen benötigen Sie 6–10 %. Lösung: Auf mindestens 8 % erhöhen.

Zu kurze Aushärtezeit: Frisch gegossene Kerzen riechen schwach. Das ätherische Öl braucht Zeit, sich gleichmäßig im Wachs zu verteilen und zu binden. Sojawachskerzen erreichen ihren vollen Duft erst nach 1–2 Wochen Aushärtung. Lösung: Geduld. Mindestens 48 Stunden warten, idealerweise 7–14 Tage.

Falscher Docht: Ein zu kleiner Docht erzeugt ein schmales Schmelzbecken und setzt die ätherischen Öle nur unzureichend frei. Lösung: Beim nächsten Guss eine Dochtstärke größer wählen. Beim ersten Brennen die Kerze so lange brennen lassen, bis das Schmelzbecken den gesamten Glasrand erreicht (in der Regel 3–4 Stunden).

Niedrig-Flammpunkt-Öle allein verwendet: Reine Zitrusöl-Kerzen haben oft einen schwachen Hot Throw, weil Limonen bei Kerzenwärme schnell verdampft. Lösung: Zitrusöle mit Basis-Ölen kombinieren (Zedernholz, Patchouli, Vetiver), die den Duft „ankern".

Unzureichendes Rühren: Zu kurzes Rühren führt zu Öltaschen im Wachs, die ungleichmäßig verbrennen oder an die Oberfläche treten. Lösung: Mindestens 2 Minuten gleichmäßig rühren, bis die Mischung homogen ist.

Sicherheitshinweise für Kerzen mit ätherischen Ölen

Ätherische Öle sind konzentrierte Pflanzenstoffe und brennbare Flüssigkeiten. Beim Umgang sind besondere Vorsichtsmaßnahmen nötig:

  • Niemals ätherische Öle über offenem Feuer erhitzen. Arbeiten Sie ausschließlich im Wasserbad. Ätherische Öle sind leicht entzündlich – offene Flammen in der Nähe des Schmelzgefäßes sind eine Brandgefahr.
  • Zugabetemperatur immer mit Thermometer kontrollieren. Verlassen Sie sich nicht auf Schätzungen. Ein digitales Küchenthermometer kostet wenige Euro und verhindert Überhitzung.
  • Duftlast nicht über 12 % steigern. Überschüssiges Öl kann beim Brennen auslaufen, die Flamme instabil machen oder eine Verpuffung begünstigen.
  • Docht vor jedem Anzünden auf 5–6 mm kürzen. Lange Dochte erzeugen zu große Flammen und verstärken Rußbildung.
  • Kerzen nie unbeaufsichtigt brennen lassen. Stellen Sie Kerzen auf eine feuerfeste Unterlage, fern von Vorhängen, Papier und anderen brennbaren Materialien.
  • Gut lüften. Auch Naturwachskerzen mit ätherischen Ölen setzen beim Brennen VOC frei. Regelmäßiges Lüften reduziert die Belastung der Raumluft.
  • Kerzen mit Zitrusölen nicht länger als 2–3 Stunden am Stück brennen. Die leichtflüchtigen Terpene können bei Überhitzung verstärkt verdampfen.

Bewahren Sie ätherische Öle stets verschlossen, kühl und lichtgeschützt auf. Ätherische Öle können Kunststoff angreifen – verwenden Sie Glasgefäße zum Messen und Mischen. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen für ätherische Öle finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Qualität der ätherischen Öle

Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle für die Kerzenherstellung. Gestreckte, naturidentische oder synthetische Öle verändern das Brennverhalten unvorhersehbar und können beim Erhitzen Stoffe freisetzen, die in reinen Pflanzenölen nicht vorkommen. Woran Sie echte Qualität erkennen – von der GC/MS-Analyse bis zum Etikett – erklärt der Qualitätsratgeber für ätherische Öle.

Kerzen vs. andere Methoden der Raumbeduftung

Duftkerzen mit ätherischen Ölen sind eine von mehreren Möglichkeiten, Räume natürlich zu beduften. Im Vergleich zu Ultraschall-Diffusern oder Duftlampen setzen Kerzen die ätherischen Öle durch Hitze frei, was einen Teil der temperaturempfindlichen Aromastoffe zerstört. Für maximale Duftentwicklung ohne Hitzeeinwirkung sind Kaltluft-Diffuser oft effektiver. Einen vollständigen Überblick aller Methoden bietet der Ratgeber Raumduft mit ätherischen Ölen.

Häufige Fragen

Wie viele Tropfen ätherisches Öl kommen in eine Kerze?

Für eine 200-ml-Kerze mit circa 180–200 g Sojawachs benötigen Sie 12–20 g ätherisches Öl (6–10 % Duftlast). Das entspricht je nach Tropfengröße etwa 240–400 Tropfen. Arbeiten Sie nach Gewicht, nicht nach Tropfen – eine Küchenwaage mit 1-Gramm-Genauigkeit liefert zuverlässigere Ergebnisse als das Zählen einzelner Tropfen.

Kann man jedes ätherische Öl für Kerzen verwenden?

Nicht alle ätherischen Öle eignen sich gleich gut. Öle mit einem Flammpunkt über 65 °C (Lavendel, Ylang-Ylang, Zedernholz, Nelke, Patchouli) sind ideal. Öle mit niedrigem Flammpunkt unter 55 °C (Orange, Zitrone, Eukalyptus globulus) verdampfen schneller und liefern einen schwächeren Duft. Sie funktionieren am besten in Kombination mit Ölen mit hohem Flammpunkt. Vermeiden Sie dicke, harzige Öle wie Myrrhe oder Vetiver in hoher Konzentration – sie können den Docht verstopfen.

Sind Kerzen mit ätherischen Ölen gesünder als Duftkerzen aus dem Supermarkt?

Kerzen aus Naturwachs (Sojawachs, Rapswachs, Kokoswachs) mit ätherischen Ölen erzeugen nachweislich weniger Ruß und weniger flüchtige organische Verbindungen als Paraffinkerzen mit synthetischen Duftstoffen. Allerdings setzen auch Naturkerzen beim Brennen Verbrennungsprodukte frei. Regelmäßiges Lüften ist bei allen Kerzentypen empfehlenswert. Eine zu hohe Duftlast oder ein zu großer Docht können auch bei Naturkerzen die Emissionen erhöhen.

Warum bildet sich auf meiner Sojawachskerze ein weißer Belag?

Der weiße Belag heißt „Frosting" und entsteht durch die natürliche Kristallisation des Sojawachses. Er ist ein typisches Merkmal reiner Sojawachskerzen und rein kosmetisch – er beeinflusst weder Brennverhalten noch Duft. Frosting lässt sich reduzieren, indem Sie das Wachs bei der empfohlenen Temperatur gießen (45–55 °C) und die Kerze langsam bei gleichmäßiger Raumtemperatur aushärten lassen. Ätherische Öle können Frosting verstärken, insbesondere bei suboptimaler Gießtemperatur.

Wie lange hält der Duft einer Kerze mit ätherischen Ölen?

Der Cold Throw (Duft bei unangezündeter Kerze) hält bei korrekter Dosierung und Lagerung mehrere Monate. Der Hot Throw (Duft beim Brennen) ist bei ätherischen Ölen generell schwächer als bei synthetischen Duftölen und lässt über die Brenndauer nach. Eine 200-ml-Sojawachskerze brennt etwa 40–50 Stunden. Lagern Sie unangezündete Kerzen mit Deckel, kühl und dunkel, um den Duft möglichst lange zu erhalten.

Quellen

  1. Singh, A., Kumari, A., & Fatima, L. (2023). Beyond Aromatherapy: Illuminating the Underappreciated Risks Associated with Scented Candle Exposure. Environmental Science & Technology, 57(41), 15299–15300. doi:10.1021/acs.est.3c07574
  2. Derudi, M., Gelosa, S., Sliepcevich, A., Cattaneo, A., Cavallo, D., Rota, R., & Nano, G. (2014). Emission of air pollutants from burning candles with different composition in indoor environments. Environmental Science and Pollution Research, 21(6), 4320–4330. doi:10.1007/s11356-013-2394-2
  3. Salthammer, T., Gu, J., Wientzek, S., Harrington, R., & Thomann, S. (2021). Measurement and evaluation of gaseous and particulate emissions from burning scented and unscented candles. Environment International, 155, 106590. doi:10.1016/j.envint.2021.106590
  4. Tao, W. Y. (2009). Combustion characteristics of candles made from hydrogenated soybean oil. Journal of the American Oil Chemists' Society, 86(8), 803–810. doi:10.1007/s11746-009-1409-2
  5. Landema (2025). Essential oils and candle making: technical protocol. Blog Landema. Verfügbar unter: https://blog.landema.com/en/technical/professional-applications/essentia...
  6. López, V., Nielsen, B., Solas, M., Ramírez, M. J., & Jäger, A. K. (2017). Exploring Pharmacological Mechanisms of Lavender (Lavandula angustifolia) Essential Oil on Central Nervous System Targets. Frontiers in Pharmacology, 8, 280. doi:10.3389/fphar.2017.00280
  7. Zhang, N., Zhang, L., Feng, L., & Yao, L. (2016). The anxiolytic effect of essential oil of Cananga odorata exposure on mice and determination of its major active constituents. Phytomedicine, 23(14), 1727–1734. doi:10.1016/j.phymed.2016.10.017
  8. Lindsay, L. R., Surgeoner, G. A., Heal, J. D., & Gallivan, G. J. (1996). Evaluation of the efficacy of 3% citronella candles and 5% citronella incense for protection against field populations of Aedes mosquitoes. Journal of the American Mosquito Control Association, 12(2), 293–294.
  9. Müller, G. C., Junnila, A., Butler, J., Kravchenko, V. D., Revay, E. E., Weiss, R. W., & Schlein, Y. (2009). Efficacy of the botanical repellents geraniol, linalool, and citronella against mosquitoes. Journal of Vector Ecology, 34(1), 2–8. doi:10.1111/j.1948-7134.2009.00002.x
  10. Koulivand, P. H., Khaleghi Ghadiri, M., & Gorji, A. (2013). Lavender and the Nervous System. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013, 681304. doi:10.1155/2013/681304
  11. Malcolm, B. J., & Tallian, K. (2018). Essential oil of lavender in anxiety disorders: Ready for prime time? Mental Health Clinician, 7(4), 147–155. doi:10.9740/mhc.2017.07.147
  12. Petry, T., Cazelle, E., Lloyd, P., Mascarenhas, R., & Stijntjes, G. (2013). A standard method for measuring benzene and formaldehyde emissions from candles in emission test chambers for human health risk assessment purposes. Environmental Science: Processes & Impacts, 15(7), 1369–1382. doi:10.1039/c3em00020f