Ätherische Öle fürs Immunsystem

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ätherische Öle können das Immunsystem auf vielfältige Weise unterstützen – von der Aktivierung körpereigener Abwehrzellen bis zur Förderung der Phagozytose. Bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe wie 1,8-Cineol, Terpinen-4-ol oder Boswelliasäuren beeinflussen nachweislich die Produktion von Zytokinen und modulieren die Immunantwort[1]. Entscheidend: Hier geht es um Prävention – also darum, Ihre Abwehrkräfte gezielt zu stärken, bevor eine Infektion ausbricht.

Die Forschung zu ätherischen Ölen und Immunsystem hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Mehrere Reviews fassen zusammen, dass Öle wie Eukalyptus, Teebaum und Thymian immunologische Parameter messbar verändern können – darunter Lymphozytenproliferation, Makrophagenaktivität und die Ausschüttung entzündungsregulierender Botenstoffe[2]. Der Schwerpunkt liegt dabei auf In-vitro- und Tierstudien; klinische Humanstudien bleiben rar.

Verschiedene ätherische Öle zur Stärkung des Immunsystems neben frischen Kräutern

In diesem Artikel erfahren Sie, welche ätherischen Öle Ihr Immunsystem am effektivsten unterstützen, welche Wirkmechanismen dahinterstecken und wie Sie mit einfachen Rezepten Ihre Abwehrkräfte gezielt stärken – besonders in der Erkältungssaison und vor Reisen.

Auf einen Blick

  • Immunmodulation statt Heilversprechen: Ätherische Öle können die körpereigene Immunabwehr präventiv unterstützen, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
  • Wirkmechanismen: Bestimmte Öle steigern die Phagozytose-Aktivität, aktivieren natürliche Killerzellen und regulieren die Zytokin-Produktion.
  • Top-Öle fürs Immunsystem: Ravintsara (1,8-Cineol), Teebaum (Terpinen-4-ol), Eukalyptus, Thymian, Weihrauch, Niaouli und Zitrone.
  • Studienlage: Überwiegend In-vitro- und Tierstudien belegen immunmodulierende Effekte; klinische Humanstudien sind begrenzt.
  • Praxis: Diffuser-Mischungen, Brusteinreibungen und Roll-Ons bieten alltagstaugliche Wege zur Immunstärkung.
  • Bester Zeitpunkt: Herbst/Winter-Prävention ab Oktober sowie zwei Wochen vor Reisen beginnen.

Wie unterstützen ätherische Öle das Immunsystem?

Ätherische Öle beeinflussen das Immunsystem über drei zentrale Mechanismen: Sie können die Aktivität von Fresszellen (Phagozytose) steigern, die Vermehrung von Lymphozyten anregen und die Balance zwischen pro- und antiinflammatorischen Zytokinen regulieren. Diese Prozesse fallen unter den Begriff Immunmodulation – die gezielte Beeinflussung der Immunantwort, ohne sie übermäßig zu stimulieren oder zu unterdrücken[1].

Makrophagen und neutrophile Granulozyten bilden die erste Verteidigungslinie des angeborenen Immunsystems. Studien zeigen, dass Inhaltsstoffe wie 1,8-Cineol und Terpinen-4-ol die Phagozytose-Rate dieser Zellen erhöhen können. Die Fresszellen erkennen und beseitigen Krankheitserreger dadurch effizienter[2]. Gleichzeitig beeinflussen bestimmte Monoterpene die Ausschüttung von Zytokinen wie TNF-α, IL-6 und IL-1β – Botenstoffe, die Entzündungsreaktionen steuern und die Kommunikation zwischen Immunzellen koordinieren[3].

Auf der Ebene des adaptiven Immunsystems steigern einige Öle die Proliferation von T-Lymphozyten und die Aktivität natürlicher Killerzellen (NK-Zellen). NK-Zellen erkennen virusinfizierte Zellen und eliminieren sie frühzeitig – ein entscheidender Faktor in der Infektabwehr[2]. Für eine ausführliche Erklärung, wie ätherische Öle auf molekularer Ebene wirken, lesen Sie den Ratgeber zur Wirkung ätherischer Öle.

Die 7 besten ätherischen Öle fürs Immunsystem

Ravintsara – der Immunspezialist aus Madagaskar

Ravintsaraöl (Cinnamomum camphora CT Cineol) enthält 50–60 % 1,8-Cineol und gilt in der Aromatherapie als eines der am häufigsten empfohlenen Öle zur Immunstärkung. Der Hauptinhaltsstoff 1,8-Cineol hemmt dosisabhängig die Produktion proinflammatorischer Zytokine: In einer Laborstudie reduzierte er TNF-α um 92 % und IL-1β um 84 % bei therapeutischer Konzentration[4]. Gleichzeitig schützte 1,8-Cineol in einem Tiermodell Mäuse vor Influenza-Virusinfektionen, indem er die Entzündungsantwort in der Lunge abschwächte und die Expression von NF-κB – einem zentralen Schalter für Entzündungsprozesse – verringerte[5].

Eine französische Pilotstudie im Krankenhaus untersuchte den Einsatz von Ravintsaraöl zur Prävention nosokomialer Infektionen über zwei Jahre. Die Ergebnisse waren vielversprechend, müssen aber in größeren Studien bestätigt werden[6]. Praxis-Tipp: Ravintsara ist besonders hautverträglich und eignet sich gut als Einstiegsöl für die Immunstärkung.

Teebaumöl – immunmodulierend und breit erforscht

Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) ist eines der am umfassendsten wissenschaftlich untersuchten ätherischen Öle. Sein Hauptwirkstoff Terpinen-4-ol (35–48 %) beeinflusst die Immunantwort auf mehreren Ebenen. Eine In-vitro-Studie zeigte, dass ein Teebaum-Konzentrat die NF-κB-Signalkaskade in Makrophagen hemmt und die Produktion der Zytokine IL-6, TNF-α und IL-10 dosisabhängig reduziert[7].

Diese immunmodulierenden Eigenschaften unterscheiden sich von der rein antimikrobiellen Wirkung. Teebaumöl reguliert die Immunantwort, statt Erreger direkt abzutöten – ein feiner, aber relevanter Unterschied. Ein systematisches Review aus dem Jahr 2023, das alle verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu Teebaumöl auswertete, bestätigt das breite pharmakologische Profil, betont jedoch den Bedarf an weiteren Humanstudien speziell zur Immunmodulation[8].

Eukalyptusöl – Fresszellen-Aktivator

Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus) enthält ebenfalls hohe Anteile an 1,8-Cineol (70–80 %) und zeigt ausgeprägte immunstimulierende Eigenschaften. In einer vielzitierten Studie steigerte Eukalyptusöl die Phagozytose-Aktivität angeborener Immunzellen und erhöhte gleichzeitig die Zahl zirkulierender Monozyten[9]. Ein Tierversuch ergab, dass niedrige bis moderate Dosen von 1,8-Cineol die T-Zell-Phagozytose stimulieren – höhere Dosen wirkten hingegen hemmend. Die Dosierung spielt also eine entscheidende Rolle[2].

Neben der Immunstimulation besitzt Eukalyptusöl schleimlösende Eigenschaften, die besonders in der Erkältungssaison wertvoll sind. Für die topische Anwendung auf der Brust reicht eine Verdünnung von 2–3 % in einem Trägeröl. Beachten Sie: Eukalyptusöl (Cineol-Chemotyp) darf bei Kindern unter 2 Jahren nicht im Gesichtsbereich angewendet werden – es besteht die Gefahr eines Stimmritzenkrampfs (Laryngospasmus).

Thymianöl – immunstärkend und antimikrobiell

Thymianöl (Thymus vulgaris) enthält je nach Chemotyp Thymol oder Linalool als Hauptbestandteil. Thymol stimuliert das Immunsystem und wirkt gleichzeitig stark antimikrobiell. In Tiermodellen hemmten Thymianöl, Thymol und Carvacrol entzündliche Ödeme signifikant[10]. Eine Fütterungsstudie an Hühnern zeigte dosisabhängig verbesserte Immunantworten und erhöhte antioxidative Aktivität durch Thymol- und Carvacrol-Supplementierung[10].

In einer aktuelleren Untersuchung verbesserte Thymianöl die mikrobizide Aktivität menschlicher neutrophiler Granulozyten gegenüber klinischen Candida-Stämmen – ein Ergebnis, das die Unterstützung der Immunabwehr auf zellulärer Ebene belegt[11]. Für die Immunstärkung empfiehlt sich der mildere Chemotyp Linalool – besonders bei empfindlicher Haut. Der Thymol-Chemotyp ist potenter, erfordert aber stärkere Verdünnung.

Weihrauchöl – Immunmodulator mit Tradition

Weihrauchöl (Boswellia sacra / Boswellia serrata) wird seit Jahrhunderten in der Ayurveda-Medizin bei entzündlichen und immunologischen Erkrankungen eingesetzt. Die pharmakologisch aktiven Boswelliasäuren – insbesondere Acetyl-11-Keto-β-Boswelliasäure (AKBA) – hemmen das Enzym 5-Lipoxygenase und unterdrücken die Leukotrien-Biosynthese[12]. Zusätzlich beeinflussen Boswelliasäuren die NF-κB-Signalkaskade und reduzieren die Produktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-1, IL-6 und TNF-α[13].

Eine Studie zur Wirkung von Weihrauchöl (Boswellia sacra) auf dendritische Zellen – Schlüsselzellen der Immunregulation – zeigte, dass das Öl die Ausreifung dieser Zellen moduliert und potenziell tolerogene Eigenschaften fördert[14]. Neuere Forschung belegt, dass ein standardisierter Weihrauch-Extrakt die Bildung entzündungsauflösender Lipidmediatoren (SPMs) fördert, indem er Lipoxygenase-Aktivitäten umprogrammiert – weg von Leukotrienen, hin zu pro-resolvierenden Botenstoffen[15]. Weihrauchöl eignet sich damit besonders für eine langfristige, immunbalancierende Anwendung.

Zitronenöl – stimmungshebend und immununterstützend

Zitronenöl (Citrus limon) enthält als Hauptbestandteil D-Limonen (60–70 %), dem in präklinischen Studien antiinflammatorische Eigenschaften zugeschrieben werden[3]. Die Anwendung von Zitronenöl im Diffuser hebt nachweislich die Stimmung – ein Faktor, der indirekt das Immunsystem beeinflusst: Chronischer Stress und negative Stimmungslage schwächen die Immunabwehr messbar.

In der Aromatherapie-Tradition wird Zitronenöl seit langem zur Raumluftverbesserung und als energetisierendes Öl eingesetzt. Seine stimmungsaufhellende Wirkung macht es zu einer sinnvollen Ergänzung in Immun-Diffuser-Mischungen. Beachten Sie: Zitronenöl ist phototoxisch – nach Hautanwendung sollten Sie direkte Sonneneinstrahlung für mindestens 12 Stunden meiden.

Niaouliöl – sanfter Immunstimulator

Niaouliöl (Melaleuca quinquenervia) gehört zur selben Pflanzenfamilie wie der Teebaum und enthält ebenfalls 1,8-Cineol (50–65 %) als Hauptbestandteil. In der französischen Aromatherapie wird Niaouliöl traditionell als immunstimulierend und antiviral eingestuft[2]. Es gilt als sanftere Alternative zu Eukalyptusöl und wird häufig in Immun-Mischungen für die Herbst-/Winter-Prävention eingesetzt.

Niaouliöl eignet sich aufgrund seiner guten Hautverträglichkeit besonders für Brusteinreibungen und Roll-Ons. In der Aromatherapie-Praxis hat sich die Kombination aus Niaouli und Ravintsara als besonders wirksam für die Immunstärkung etabliert – beide Öle ergänzen sich in ihrem 1,8-Cineol-Gehalt, bringen aber unterschiedliche sekundäre Terpene ein.

Was sagt die Forschung? Studien zu ätherischen Ölen und Immunsystem

Die wissenschaftliche Datenlage zu ätherischen Ölen und Immunsystem wächst stetig, weist aber noch erhebliche Lücken auf. Ein umfassendes Review im Fachjournal Molecules (2019) wertete die verfügbare Literatur zu immunstärkenden Eigenschaften ätherischer Öle aus und stellte fest, dass vor allem Eukalyptus- und Ingweröl in mehreren Studien immunstärkende Wirkungen zeigten[2]. Die Autoren betonen jedoch den begrenzten Konsens unter Experten darüber, welche Öle tatsächlich immunstimulierend wirken.

Ein zweites systematisches Review in Biomolecules (2020) analysierte die zellulären und molekularen Effekte verschiedener ätherischer Öle auf das Immunsystem. Die Ergebnisse zeigen sowohl eine Reduktion proinflammatorischer Zytokine durch M1-Makrophagen als auch eine Steigerung antiinflammatorischer Marker durch M2-Makrophagen – ein Hinweis auf echte Immunmodulation statt einseitiger Stimulation[1]. Eukalyptusöl steigerte die Phagozytose-Aktivität von Makrophagen und peripheren Blutmonozyten und verbesserte die Erregerbeseitigung.

Ein jüngeres Review in Molecules (2023) fokussierte sich auf Studien der letzten fünf Jahre und bestätigte das immunmodulierende Potenzial, mahnte aber zugleich: Die meisten Daten stammen aus In-vitro-Versuchen oder Tiermodellen[3]. Gut konzipierte, randomisierte klinische Studien am Menschen fehlen weitgehend. Die vorhandenen Daten sind ermutigend, erlauben aber keine abschließende Bewertung der Wirksamkeit beim Menschen.

ÖlHauptwirkstoffImmunologischer EffektEvidenzniveau
Ravintsara1,8-Cineol (50–60 %)Zytokin-Regulation, NF-κB-HemmungIn vitro + Tiermodell
TeebaumTerpinen-4-ol (35–48 %)NF-κB-Hemmung, Zytokin-ModulationIn vitro + begrenzt klinisch
Eukalyptus1,8-Cineol (70–80 %)Phagozytose-Steigerung, Monozyten-AktivierungIn vitro + Tiermodell
ThymianThymol / LinaloolGranulozyten-Aktivierung, EntzündungshemmungIn vitro + Tiermodell
WeihrauchBoswelliasäuren (AKBA)5-LOX-Hemmung, SPM-Förderung, DC-ModulationIn vitro + begrenzt klinisch
ZitroneD-Limonen (60–70 %)Antiinflammatorisch, stimmungshebendPräklinisch + traditionell
Niaouli1,8-Cineol (50–65 %)ImmunstimulierendTraditionell + begrenzt präklinisch

Praxis-Rezepte zur Immunstärkung

Die folgenden Rezepte sind ausschließlich für die präventive Immunstärkung konzipiert – nicht für die Behandlung bestehender Infekte. Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.

Immun-Boost-Diffuser-Mischung für Herbst und Winter

Diese Mischung für den Diffuser kombiniert drei immunstimulierende Öle mit dem stimmungshebenden Zitronenöl. Ideal für Wohn- und Arbeitsräume in der Erkältungssaison.

  • 3 Tropfen Ravintsaraöl
  • 2 Tropfen Eukalyptusöl (Eucalyptus radiata – milder als E. globulus)
  • 2 Tropfen Zitronenöl
  • 1 Tropfen Thymianöl CT Linalool

Geben Sie die Mischung in einen Ultraschall-Diffuser mit Wasser. Lassen Sie ihn 30 Minuten laufen, dann 30 Minuten pausieren. Zwei bis drei Intervalle pro Tag genügen. Bei Kindern im Raum auf Eucalyptus radiata statt E. globulus achten und die Tropfenzahl halbieren.

Immun-Brusteinreibung

Die Brusteinreibung ermöglicht eine doppelte Wirkung: Die Inhaltsstoffe werden über die Haut aufgenommen und gleichzeitig inhaliert.

  • 30 ml Trägeröl (Jojobaöl oder Mandelöl)
  • 4 Tropfen Ravintsaraöl
  • 3 Tropfen Niaouliöl
  • 2 Tropfen Weihrauchöl
  • 1 Tropfen Thymianöl CT Linalool

Alle Öle in einer dunklen Glasflasche mischen. Abends eine haselnussgroße Menge auf Brust und oberen Rücken einreiben. Die Einreibung am Abend ist optimal, da das Immunsystem nachts besonders aktiv ist und die Öle über Stunden einwirken können. Diese Mischung entspricht einer Verdünnung von ca. 1,5 % und ist für Erwachsene geeignet. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Immun-Roll-On für unterwegs

Dieser Roll-On ist der ideale Begleiter für Büro, öffentliche Verkehrsmittel und Reisen.

  • 10 ml Jojobaöl (als Träger im Roll-On-Fläschchen)
  • 2 Tropfen Ravintsaraöl
  • 1 Tropfen Teebaumöl
  • 1 Tropfen Zitronenöl

Ätherische Öle in ein 10-ml-Roll-On-Fläschchen aus Glas geben, mit Jojobaöl auffüllen. Bei Bedarf auf die Handgelenke und hinter den Ohren auftragen. Zwei- bis dreimal täglich anwenden. Der Roll-On hält bei kühler, dunkler Lagerung etwa drei Monate.

Immunstärkendes Bad

Ein warmes Immunbad kombiniert die Wirkung der Inhalation mit der Aufnahme über die Haut. Ätherische Öle sind nicht wasserlöslich – verwenden Sie daher immer einen Emulgator.

  • 3 Tropfen Ravintsaraöl
  • 2 Tropfen Eukalyptusöl
  • 2 Tropfen Weihrauchöl
  • 2 Esslöffel Sahne, Honig oder Meersalz als Emulgator

Mischen Sie die ätherischen Öle zuerst gründlich mit dem Emulgator, bevor Sie die Mischung ins eingelassene Badewasser (37–38 °C) geben. Baden Sie 15–20 Minuten und ruhen Sie anschließend mindestens 30 Minuten. Eine detaillierte Anleitung zu Emulgatoren und Bademethodik lesen Sie im Ratgeber zum Baden mit ätherischen Ölen.

Saisonale Tipps: Wann und wie das Immunsystem gezielt stärken?

Herbst-/Winter-Prävention

Beginnen Sie mit der aromatischen Immunstärkung idealerweise Anfang Oktober – also bevor die Erkältungswelle einsetzt. Ein dreistufiger Ansatz hat sich in der Praxis bewährt:

  • Morgens: Immun-Roll-On auf Handgelenke auftragen (aktiviert und schützt unterwegs)
  • Tagsüber: Diffuser-Mischung im Wohnraum oder Büro (30 Minuten an, 30 Minuten Pause)
  • Abends: Brusteinreibung vor dem Schlafengehen (nutzt die nächtliche Immunaktivität)

Führen Sie dieses Programm in der Hauptsaison (Oktober bis März) mindestens fünf Tage pro Woche durch, mit zwei Pausentagen. Pausen verhindern eine Gewöhnung und halten die Rezeptoren der Immunzellen sensitiv. Ein häufiger Fehler: Zu viele verschiedene Öle gleichzeitig einsetzen. Drei bis vier Öle pro Mischung reichen völlig aus.

Reisevorbereitung

Flugreisen, Zeitumstellung und fremde Keimbelastung fordern das Immunsystem besonders. Beginnen Sie zwei Wochen vor der Reise mit einer täglichen Brusteinreibung oder Diffuser-Anwendung. Packen Sie den Immun-Roll-On ins Handgepäck – er entspricht den Flüssigkeitsvorschriften für Handgepäck (unter 100 ml). Im Flugzeug können Sie den Roll-On auf die Handgelenke auftragen und einige Atemzüge nehmen. Auf Reisen in tropische Gebiete eignet sich besonders die Kombination Ravintsara + Teebaum + Zitrone, die gleichzeitig Insekten fernhält.

Immunstärkung (präventiv) vs. antibakterielle Wirkung – was ist der Unterschied?

Immunstärkung und antibakterielle Wirkung werden häufig verwechselt, sind aber grundlegend verschieden. Immunstärkende Öle unterstützen Ihre körpereigenen Abwehrzellen dabei, Erreger effizienter zu erkennen und zu bekämpfen – sie stärken also die Mannschaft. Antibakterielle Öle greifen Erreger hingegen direkt an – sie eliminieren den Gegner. Beide Ansätze ergänzen sich, bedienen aber unterschiedliche Mechanismen. Für einen umfassenden Überblick über direkt erregerbekämpfende Öle lesen Sie den Ratgeber zu antibakteriellen ätherischen Ölen.

Wichtige Hinweise zu Sicherheit und Dosierung

Ätherische Öle sind hochwirksame Pflanzenkonzentrate und erfordern sachgemäßen Umgang. Wenden Sie sie nie unverdünnt auf der Haut an und halten Sie die empfohlenen Verdünnungen ein. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und Wechselwirkungen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Verdünnen Sie ätherische Öle für die Immunstärkung auf 1–3 % in einem Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungsarten und Altersgruppen finden Sie ebenfalls im Dosierungsratgeber. Bei bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft oder Einnahme von Medikamenten konsultieren Sie vorab Ihren Arzt oder Apotheker.

Wenn die Erkältung bereits da ist, reichen präventive Maßnahmen allein nicht mehr aus. Welche ätherischen Öle bei akuten Erkältungssymptomen helfen, erfahren Sie im Erkältungsratgeber.

Häufige Fragen

Welches ätherische Öl stärkt das Immunsystem am besten?

Ravintsaraöl (Cinnamomum camphora CT Cineol) gilt in der Aromatherapie als eines der wirksamsten Öle zur Immunstärkung. Sein Hauptwirkstoff 1,8-Cineol hemmt proinflammatorische Zytokine und moduliert die Immunantwort. Für einen breiteren Schutz empfiehlt sich die Kombination mit Teebaumöl und Eukalyptusöl, da jedes Öl über unterschiedliche Wirkmechanismen die Immunabwehr unterstützt.

Wie lange dauert es, bis ätherische Öle das Immunsystem stärken?

Immunstärkung mit ätherischen Ölen ist ein präventiver Prozess, kein Sofortschutz. In der Aromatherapie-Praxis wird empfohlen, mindestens zwei Wochen vor der Erkältungssaison oder einer Reise mit regelmäßiger Anwendung zu beginnen. Die tägliche Routine – Diffuser, Einreibung und Roll-On im Wechsel – sollte über die gesamte Risikosaison beibehalten werden, mit regelmäßigen Pausen von ein bis zwei Tagen pro Woche.

Können ätherische Öle das Immunsystem auch schwächen?

Ja, bei Überdosierung oder Daueranwendung ohne Pausen kann eine Gewöhnung eintreten, die den immunstimulierenden Effekt abschwächt. Studien zu 1,8-Cineol zeigen zudem, dass hohe Dosen die Phagozytose hemmen können – eine niedrigere Dosierung war wirksamer als eine hohe. Halten Sie sich daher an die empfohlenen Verdünnungen und planen Sie regelmäßige Anwendungspausen ein.

Sind ätherische Öle zur Immunstärkung wissenschaftlich belegt?

Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch unvollständig. Mehrere systematische Reviews bestätigen immunmodulierende Effekte bestimmter ätherischer Öle in Laborstudien und Tiermodellen. Allerdings fehlen groß angelegte, randomisierte klinische Studien am Menschen. Ätherische Öle sind daher als unterstützende Maßnahme zur Immunstärkung sinnvoll – als alleiniger Schutz vor Infektionskrankheiten reichen sie nicht aus.

Welche ätherischen Öle zur Immunstärkung sind für Kinder geeignet?

Für Kinder ab 6 Jahren eignen sich Ravintsaraöl und Eucalyptus radiata (nicht E. globulus) in kindgerechter Verdünnung. Teebaumöl kann ab dem Schulalter verwendet werden. Thymianöl CT Linalool ist milder als der Thymol-Chemotyp. Generell gilt: Die Dosierung für Kinder beträgt maximal die Hälfte der Erwachsenendosis. Für eine ausführliche Übersicht sicherer Öle und Dosierungen für Kinder lesen Sie den Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder.

Quellen

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  2. Peterfalvi, A., Miko, E., Nagy, T., Reger, B., Simon, D., Miseta, A., Czéh, B., & Szereday, L. (2019). Much More Than a Pleasant Scent: A Review on Essential Oils Supporting the Immune System. Molecules, 24(24), 4530. doi:10.3390/molecules24244530
  3. Zielińska-Błajet, M., & Feder-Kubis, J. (2023). How to Naturally Support the Immune System in Inflammation—Essential Oils as Immune Boosters. Molecules, 28(1), 435. doi:10.3390/molecules28010435
  4. Juergens, U. R., Stöber, M., & Vetter, H. (2004). Inhibitory activity of 1,8-cineol (eucalyptol) on cytokine production in cultured human lymphocytes and monocytes. Pulmonary Pharmacology & Therapeutics, 17(5), 281–287. doi:10.1016/j.pupt.2004.06.002
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  6. Blanchard, J.-M. (2007). Cinnamomum camphora à cinéole (ravintsara), une plante au service de la prévention des infections nosocomiales en milieu hospitalier? Phytothérapie, 5, 15–20. doi:10.1007/s10298-007-0202-1
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  8. Huynh, A. S., Bala, S., Gijsbers, A., Todd, C., Palmer, D. J., & Carson, C. F. (2023). Efficacy and safety of Melaleuca alternifolia (tea tree) oil for human health—A systematic review of randomized controlled trials. Frontiers in Pharmacology, 14, 1116077. doi:10.3389/fphar.2023.1116077
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