Entzündungshemmende ätherische Öle

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Entzündungshemmende ätherische Öle greifen direkt in die Entzündungskaskade des Körpers ein – sie blockieren Enzyme wie COX-2 und 5-Lipoxygenase, hemmen den Transkriptionsfaktor NF-κB und senken die Ausschüttung proentzündlicher Zytokine wie TNF-α und Interleukin-1β. Diese Wirkmechanismen machen sie zu einem vielversprechenden Forschungsgegenstand der modernen Phytotherapie, der weit über traditionelle Hausmittel hinausgeht.

Nicht jedes ätherische Öl wirkt gleich stark entzündungshemmend, und nicht jedes nutzt denselben biochemischen Weg. Weihrauchöl etwa hemmt bevorzugt die 5-Lipoxygenase und damit die Leukotrien-Synthese, während Eukalyptusöl primär über die NF-κB-Hemmung wirkt. Kamillenöl wiederum greift selektiv an der Cyclooxygenase-2 an. Dieses Wissen hilft, das passende Öl für die jeweilige Situation auszuwählen.

Entzündungshemmende ätherische Öle in Fläschchen neben Heilpflanzen wie Weihrauch, Kamille und Eukalyptus

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche ätherischen Öle die stärkste entzündungshemmende Wirkung besitzen, über welche Mechanismen sie Entzündungen hemmen und was aktuelle Studien zu ihrer Wirksamkeit zeigen. Eine Vergleichstabelle am Ende ordnet jedes Öl nach Hauptwirkstoff, Wirkmechanismus und Entzündungstyp ein.

Auf einen Blick

  • Drei Hauptmechanismen: Ätherische Öle hemmen Entzündungen über COX-2-Blockade, 5-LOX-Hemmung und NF-κB-Unterdrückung – häufig in Kombination.
  • Stärkste Evidenz: Weihrauchöl (Boswellia serrata) besitzt mit seinen Boswelliasäuren die am besten untersuchte entzündungshemmende Wirkung unter den ätherischen Ölen.
  • COX-2-Hemmung: Kamillenöl und Nelkenöl hemmen selektiv die Cyclooxygenase-2, ähnlich wie synthetische Entzündungshemmer – jedoch ohne deren typische Magen-Darm-Nebenwirkungen.
  • Einzigartiger Mechanismus: β-Caryophyllen aus Copaibaöl aktiviert den Cannabinoid-Rezeptor CB2 und wirkt so entzündungshemmend, ohne psychoaktive Effekte auszulösen.
  • Nicht verwechseln: Entzündungshemmend bedeutet nicht automatisch antibakteriell – beides sind unterschiedliche Wirkprinzipien.

Wie hemmen ätherische Öle Entzündungen?

Eine Entzündung ist die natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf Gewebeschäden, Krankheitserreger oder Reizstoffe. Ätherische Öle entfalten ihre Wirkung dabei über verschiedene biochemische Pfade. Dabei setzen Immunzellen Botenstoffe frei – sogenannte Entzündungsmediatoren –, die Schwellung, Rötung, Wärme und Schmerz verursachen. Ätherische Öle können an mehreren Stellen dieser Entzündungskaskade eingreifen.[1]

COX-2-Hemmung: Prostaglandin-Synthese blockieren

Das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2) wandelt Arachidonsäure in Prostaglandine um – Gewebshormone, die Schmerz, Fieber und Entzündung verstärken. Synthetische Entzündungshemmer wie Ibuprofen blockieren genau diesen Weg. Bestimmte ätherische Öle wirken nach demselben Prinzip: Kamillenöl, Nelkenöl (Eugenol) und Ingweröl hemmen die COX-2-Aktivität nachweislich in Zellstudien.[2] Der Vorteil pflanzlicher COX-2-Hemmer liegt in ihrer häufig selektiveren Wirkung – sie beeinträchtigen die schützende COX-1 im Magen weniger stark als viele synthetische Alternativen.

5-Lipoxygenase-Hemmung: Leukotrien-Bildung stoppen

Die 5-Lipoxygenase (5-LOX) ist ein Schlüsselenzym bei der Bildung von Leukotrienen aus Arachidonsäure. Leukotriene verstärken Entzündungen, verengen die Bronchien und locken Immunzellen an den Entzündungsort. Boswelliasäuren aus Weihrauchöl (Boswellia serrata) gelten als die potentesten natürlichen 5-LOX-Hemmer: Die Verbindung AKBA (3-O-Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure) hemmt die 5-LOX mit einer IC₅₀ von 1,5 μM in Zellkulturen.[3] Auch Ingweröl wirkt über diesen Weg, da seine Gingerole und Shogaole sowohl COX-2 als auch 5-LOX beeinflussen.

NF-κB-Hemmung: Den Entzündungsschalter ausschalten

Der Transkriptionsfaktor NF-κB (Nuclear Factor kappa B) steuert die Aktivierung zahlreicher entzündungsfördernder Gene. Wird NF-κB aktiviert, wandert er in den Zellkern und löst die Produktion von TNF-α, IL-1β, IL-6 und weiteren Zytokinen aus. Eukalyptusöl – genauer sein Hauptbestandteil 1,8-Cineol – verhindert diese Translokation und senkt dadurch die Zytokin-Ausschüttung signifikant. In Lymphozyten reduzierten therapeutische Konzentrationen von 1,8-Cineol die TNF-α-Produktion um 92 % und die IL-1β-Produktion um 84 %.[4] Auch Oreganoöl (Carvacrol) und Kurkumaöl (ar-Turmeron) greifen an der NF-κB-Signalkette an.[1]

Zytokin-Modulation: Botenstoffe herunterregulieren

Proentzündliche Zytokine wie TNF-α, IL-1β und IL-6 sind die eigentlichen Treiber chronischer Entzündungen. Viele entzündungshemmende ätherische Öle senken deren Konzentration messbar – teilweise über die oben genannten Enzym-Hemmungen, teilweise über zusätzliche Mechanismen. Linalool aus Lavendelöl (Lavandula angustifolia) etwa moduliert die Zytokin-Ausschüttung über mehrere Signalwege gleichzeitig, darunter MAPK- und NF-κB-Pfade.[5] Dieser Multikomponenten-Ansatz erklärt, warum ätherische Öle häufig breiter und gleichzeitig milder wirken als isolierte pharmazeutische Wirkstoffe.

Die 10 wirksamsten entzündungshemmenden ätherischen Öle

Die folgende Übersicht stellt die am besten untersuchten entzündungshemmenden ätherischen Öle vor – geordnet nach Evidenzlage und Wirkstärke. Für jedes Öl erfahren Sie den Hauptwirkstoff, den primären Wirkmechanismus und das Ergebnis relevanter Studien.

1. Weihrauchöl – Boswelliasäuren gegen chronische Entzündungen

Weihrauchöl aus der Harzgewinnung von Boswellia serrata besitzt unter allen ätherischen Ölen die breiteste wissenschaftliche Evidenz für entzündungshemmende Wirkung. Der zentrale Wirkstoff AKBA hemmt spezifisch die 5-Lipoxygenase und unterbricht damit die Leukotrien-Synthese. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Yu et al. (2020) wertete mehrere randomisierte kontrollierte Studien aus und bestätigte die Wirksamkeit von Boswellia-Extrakten bei Arthrose-Patienten.[6] In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 75 Kniearthrose-Patienten zeigten sich bereits nach 7 Tagen signifikante Verbesserungen der Schmerz- und Funktionswerte bei der Gruppe, die 250 mg Boswellia-Extrakt erhielt.[7]

Praxis-Tipp: Weihrauchöl eignet sich besonders für langfristige Anwendungen bei chronischen Entzündungsprozessen. Verdünnen Sie es auf 2–3 % in einem Trägeröl und tragen Sie es auf betroffene Stellen auf.

2. Kamillenöl – selektive COX-2-Hemmung ohne Magenbelastung

Kamillenöl (Matricaria chamomilla) enthält mit α-Bisabolol und Chamazulen zwei potente Entzündungshemmer. Chamazulen – verantwortlich für die charakteristische blaue Farbe des Öls – hemmt die Leukotrien-B4-Bildung mit einer IC₅₀ von 10–15 μM in neutrophilen Granulozyten.[8] Srivastava und Gupta (2009) wiesen zudem nach, dass Kamillenextrakt die COX-2-Expression in Makrophagen selektiv unterdrückt, ohne die schützende COX-1 wesentlich zu beeinflussen.[2] α-Bisabolol ergänzt die Wirkung, indem es die NF-κB- und AP-1-Signalwege blockiert und so die Bildung von iNOS und COX-2 herunterreguliert.

Wichtig zu wissen: Verwenden Sie für die entzündungshemmende Anwendung ausschließlich Echtes Kamillenöl (Blaue Kamille) mit hohem Chamazulen-Gehalt – das günstigere Römische Kamillenöl enthält deutlich weniger dieser Wirkstoffe.

3. Eukalyptusöl – NF-κB-Hemmer mit starker Zytokin-Senkung

Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus) verdankt seine entzündungshemmende Wirkung dem Monoterpen 1,8-Cineol, das bis zu 80 % des Öls ausmacht. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Liu et al. (2024) bestätigte, dass 1,8-Cineol in Tiermodellen TNF-α, IL-6, IL-1β und NF-κB signifikant reduziert.[9] Besonders gut dokumentiert ist die Wirkung bei Atemwegsentzündungen: In einer klinischen Studie senkte die Einnahme von 200 mg 1,8-Cineol dreimal täglich die Exazerbationsrate bei COPD-Patienten deutlich.[10]

Eukalyptusöl wirkt als sogenannter „Steroid-Sparer" – es kann die Wirksamkeit von Glukokortikoiden verbessern und so deren Dosis potenziell reduzieren helfen.[10]

4. Ingweröl – doppelte Hemmung von COX-2 und 5-LOX

Ingweröl (Zingiber officinale) enthält Gingerole und Shogaole, die beide Hauptwege der Arachidonsäure-Kaskade hemmen: sowohl die COX-2 (Prostaglandin-Synthese) als auch die 5-LOX (Leukotrien-Synthese). Diese Dual-Hemmung ist in der Pflanzenheilkunde selten und macht Ingweröl zu einem breit wirkenden Entzündungshemmer.[11] In einer Metaanalyse von Bartels et al. (2015) zeigte sich, dass Ingwerextrakte Gelenkschmerzen bei Arthrose-Patienten moderat, aber signifikant reduzieren konnten.[12]

Typischer Anwendungsfehler: Ingweröl kann bei empfindlicher Haut wärmende bis leicht brennende Reaktionen auslösen. Beginnen Sie mit einer Verdünnung von maximal 1 % und testen Sie zuerst an einer kleinen Hautstelle.

5. Kurkumaöl – ar-Turmeron als entzündungshemmender Hauptwirkstoff

Kurkumaöl (Curcuma longa) enthält neben dem bekannteren Curcumin vor allem ar-Turmeron als dominierenden Bestandteil des ätherischen Öls. ar-Turmeron hemmt die NF-κB-Aktivierung und senkt die Ausschüttung proentzündlicher Zytokine. Eine Studie von Li et al. (2018) zeigte, dass ätherisches Kurkumaöl Hautentzündungen in einem Tiermodell signifikant linderte.[13] Kurkumaöl eignet sich damit als topische Ergänzung zu Curcumin-Präparaten, da das ätherische Öl die Hautbarriere besser durchdringt als der isolierte Pflanzenstoff.

6. Nelkenöl – Eugenol als starker COX-2-Hemmer

Nelkenöl (Syzygium aromaticum) besteht zu 70–85 % aus Eugenol, einem Phenylpropanoid mit nachgewiesener COX-2-hemmender Wirkung. Eugenol unterdrückt zudem die NF-κB-Signalübertragung und reduziert die Bildung von Prostaglandin E₂ (PGE₂).[1] Die Stärke der Entzündungshemmung durch Eugenol ist im Vergleich zu anderen ätherischen Ölbestandteilen hoch, allerdings erfordert der hohe Eugenol-Gehalt besondere Vorsicht bei der Anwendung: Unverdünnt kann Nelkenöl Haut und Schleimhäute stark reizen.

7. Oreganoöl – Carvacrol gegen NF-κB-vermittelte Entzündungen

Oreganoöl (Origanum vulgare) liefert mit Carvacrol einen wirkungsvollen NF-κB-Hemmer. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von de Carvalho et al. (2020) bestätigte die entzündungshemmende und antioxidative Wirkung von Carvacrol im Atemwegssystem.[14] Carvacrol senkte in präklinischen Studien die Konzentrationen von TNF-α und IL-6 signifikant und zeigte zusätzlich antioxidative Eigenschaften, die die Entzündungshemmung unterstützen. Oreganoöl zählt zu den stärker reizenden Ölen und sollte nur stark verdünnt (maximal 1 %) verwendet werden.

8. Copaibaöl – β-Caryophyllen aktiviert den CB2-Rezeptor

Copaibaöl (Copaifera reticulata) besitzt einen einzigartigen Wirkmechanismus unter den ätherischen Ölen: Sein Hauptbestandteil β-Caryophyllen bindet selektiv an den Cannabinoid-Rezeptor CB2 (Bindungsaffinität Ki = 155 nM) und wirkt so entzündungshemmend, ohne psychoaktive Effekte auszulösen.[15] Im Tiermodell reduzierte oral verabreichtes β-Caryophyllen (5 mg/kg) die Carrageenan-induzierte Entzündungsreaktion signifikant – ein Effekt, der bei CB2-Knockout-Mäusen ausblieb, was den CB2-vermittelten Mechanismus bestätigte. Ames-Sibin et al. (2018) zeigten zudem, dass β-Caryophyllen bei Ratten mit adjuvans-induzierter Arthritis die systemische Entzündung und den oxidativen Stress deutlich verringerte.[16]

9. Thymianöl – Thymol vereint antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung

Thymianöl (Thymus vulgaris) enthält 20–54 % Thymol, das sowohl antimikrobiell als auch entzündungshemmend wirkt. Thymol hemmt die NF-κB-Aktivierung und reduziert die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS). In Nanopartikel-Formulierungen zeigte Thymol eine verbesserte Hemmung von Ödemen durch Reduktion inflammatorischer Zellen im entzündeten Gewebe.[5] Diese Doppelwirkung macht Thymianöl besonders interessant bei entzündlichen Prozessen mit mikrobieller Beteiligung. Entzündungshemmend ist jedoch nicht gleichbedeutend mit antibakteriell – beide Eigenschaften beruhen auf unterschiedlichen Wirkmechanismen.

10. Lavendelöl – Linalool als milder Breitband-Entzündungshemmer

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) wirkt über seinen Hauptbestandteil Linalool (25–38 %) mild entzündungshemmend. Linalool moduliert die Zytokin-Ausschüttung über mehrere Signalwege und hemmt sowohl NF-κB als auch MAPK-Pfade. Im Vergleich zu Weihrauch- oder Nelkenöl ist die entzündungshemmende Potenz geringer, dafür ist Lavendelöl deutlich hautverträglicher und eignet sich daher auch für empfindliche Haut und als Basisöl in Mischungen.[5] Eine randomisierte klinische Studie bestätigte die schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften von Lavendelöl in der Aromatherapie bei postoperativen Patienten.[17]

Was sagt die Forschung? Studienübersicht

Die wissenschaftliche Evidenz für entzündungshemmende ätherische Öle hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Systematische Reviews und Metaanalysen liefern mittlerweile belastbarere Daten als Einzelstudien allein.

Zhao et al. (2023) analysierten in einer umfassenden systematischen Übersichtsarbeit die molekularen Mechanismen pflanzlicher ätherischer Öle bei Entzündungen. Die Auswertung zeigte, dass die meisten Öle über die Blockade der MAPK-Signalwege und die Hemmung der NF-κB-Aktivierung wirken, was zur Reduktion proentzündlicher Mediatoren führt.[11]

De Cássia da Silveira e Sá et al. (2018) führten eine systematische Übersichtsarbeit mit 30 Studien zu ätherischen Ölen und ihren Hauptbestandteilen bei chronischen Entzündungen durch. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass ätherische Öle und ihre Verbindungen pharmakologische Eigenschaften besitzen, die über die Blockade von MAPK-Signalwegen und die Hemmung der NF-κB-Aktivierung vermittelt werden – verbunden mit antioxidativen Mechanismen.[5]

Eine systematische Übersichtsarbeit von Zuo et al. (2020) untersuchte 16 ätherische Öle aus Heilkräutern auf entzündungshemmende und immunmodulierende Eigenschaften. Die Auswertung ergab, dass diese Öle die Freisetzung entzündlicher Zytokine über verschiedene Signalwege regulieren können.[1]

Trotz dieser Fortschritte gilt: Die Mehrheit der Studien wurde in Zellkulturen oder Tiermodellen durchgeführt. Große klinische Studien am Menschen fehlen für die meisten ätherischen Öle noch. Die beste klinische Evidenz liegt für Boswellia-Extrakte (Arthrose) und 1,8-Cineol (COPD, Sinusitis) vor. Studien deuten auf ein großes Potenzial hin – Heilversprechen lassen sich daraus allerdings nicht ableiten.

Vergleichstabelle: Entzündungshemmende ätherische Öle im Überblick

Ätherisches ÖlHauptwirkstoffPrimärer MechanismusEntzündungstypEvidenzstärke
WeihrauchAKBA (Boswelliasäure)5-LOX-HemmungChronisch (Gelenke, systemisch)★★★★★
Kamille (Blau)Chamazulen, α-BisabololCOX-2-Hemmung, LTB4-ReduktionAkut und chronisch (Haut, Schleimhaut)★★★★☆
Eukalyptus1,8-CineolNF-κB-Hemmung, Zytokin-SenkungAkut (Atemwege, Lunge)★★★★☆
IngwerGingerole, ShogaoleCOX-2 + 5-LOX (dual)Chronisch (Gelenke, Muskeln)★★★★☆
Kurkumaar-TurmeronNF-κB-HemmungChronisch (Haut, systemisch)★★★☆☆
NelkeEugenolCOX-2-Hemmung, NF-κBAkut (Schleimhaut, Zähne)★★★☆☆
OreganoCarvacrolNF-κB-Hemmung, AntioxidansAkut (Atemwege, Verdauung)★★★☆☆
Copaibaβ-CaryophyllenCB2-Rezeptor-AgonismusChronisch (Gelenke, systemisch)★★★☆☆
ThymianThymolNF-κB-Hemmung, ROS-ReduktionAkut (Infektionsbedingt)★★★☆☆
LavendelLinaloolZytokin-Modulation (multi)Mild bis moderat (Haut, allgemein)★★★☆☆

Die Sternbewertung der Evidenzstärke bezieht sich auf die Menge und Qualität verfügbarer Studien zur entzündungshemmenden Wirkung des jeweiligen Öls (Stand 2025). Fünf Sterne bedeuten klinische Studien am Menschen mit positiven Ergebnissen, drei Sterne überwiegend präklinische Daten mit vielversprechenden Resultaten.

Anwendungsbereiche entzündungshemmender ätherischer Öle

Die entzündungshemmenden Eigenschaften ätherischer Öle lassen sich bei verschiedenen Beschwerden nutzen. Je nach betroffenem Körperbereich kommen unterschiedliche Öle und Anwendungsformen in Frage. Detaillierte Anleitungen finden Sie in den jeweiligen Spezialratgebern:

  • Gelenke und Arthrose: Weihrauch-, Ingwer- und Copaibaöl werden besonders häufig bei entzündlichen Gelenkbeschwerden eingesetzt. Alles Wichtige zu Ölen, Studien und Rezepten lesen Sie im Ratgeber Ätherische Öle bei Gelenkschmerzen.
  • Muskelverspannungen: Bei entzündungsbedingten Muskelbeschwerden bieten sich wärmende Öle wie Ingwer und Eukalyptus an – mehr dazu im Ratgeber für Muskelschmerzen.
  • Rückenschmerzen: Entzündungshemmende Massagemischungen mit Weihrauch und Lavendel können bei Rückenbeschwerden unterstützend wirken – Details erfahren Sie im Rückenschmerzen-Ratgeber.
  • Hauterkrankungen: Kamillen- und Lavendelöl eignen sich bei entzündlichen Hautreaktionen. Spezifische Empfehlungen für Neurodermitis finden Sie im Ratgeber Ätherische Öle bei Neurodermitis.
  • Atemwege: Eukalyptus- und Thymianöl wirken bei entzündlichen Atemwegserkrankungen – eine Übersicht bietet der Erkältungsratgeber.

Bei Kopfschmerzen mit entzündlicher Komponente können bestimmte ätherische Öle ebenfalls helfen – lesen Sie dazu den Ratgeber Ätherische Öle gegen Kopfschmerzen. Für rheumatische Beschwerden verweisen wir auf den Spezialratgeber Ätherische Öle bei Rheuma. Durchblutungsfördernde Öle, die Entzündungsprozesse indirekt unterstützen können, stellt der Ratgeber Durchblutungsfördernde ätherische Öle vor.

Sicherheit, Dosierung und Qualität

Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden – insbesondere stark wirkende Öle wie Nelke, Oregano oder Thymian können bei unsachgemäßer Anwendung Hautreizungen oder allergische Reaktionen auslösen. Eine vollständige Übersicht aller Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und Wechselwirkungen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Verdünnen Sie entzündungshemmende ätherische Öle auf 1–3 % in einem Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Körperbereiche erklärt der Dosierungsratgeber.

Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle von hoher Qualität. Synthetische oder gestreckte Öle enthalten möglicherweise nicht die für die Entzündungshemmung relevanten Wirkstoffe. Woran Sie echte Qualität erkennen, zeigt der Qualitätsratgeber.

Konsultieren Sie bei chronischen Entzündungserkrankungen immer einen Arzt. Ätherische Öle können eine ärztliche Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen. Setzen Sie verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab.

Häufige Fragen

Welches ätherische Öl wirkt am stärksten entzündungshemmend?

Weihrauchöl (Boswellia serrata) besitzt die stärkste wissenschaftliche Evidenz für entzündungshemmende Wirkung. Seine Boswelliasäuren – insbesondere AKBA – hemmen die 5-Lipoxygenase und reduzieren die Leukotrien-Synthese. Klinische Studien an Arthrose-Patienten bestätigen die Wirksamkeit. Für akute Atemwegsentzündungen ist 1,8-Cineol aus Eukalyptusöl am besten klinisch dokumentiert.

Kann ich entzündungshemmende ätherische Öle direkt auf die Haut auftragen?

Nein, ätherische Öle müssen vor der Hautanwendung immer in einem Trägeröl verdünnt werden. Für entzündungshemmende Anwendungen empfiehlt sich eine Verdünnung von 1–3 % (etwa 3–9 Tropfen ätherisches Öl auf 15 ml Trägeröl). Besonders reizende Öle wie Nelke, Oregano oder Thymian erfordern eine niedrigere Konzentration von maximal 1 %. Führen Sie vor der ersten Anwendung immer einen Verträglichkeitstest an der Unterarminnenseite durch.

Was ist der Unterschied zwischen entzündungshemmenden und antibakteriellen ätherischen Ölen?

Entzündungshemmende ätherische Öle greifen in die körpereigene Entzündungskaskade ein – sie hemmen Enzyme wie COX-2 oder 5-LOX und senken die Ausschüttung proentzündlicher Zytokine. Antibakterielle Öle wirken dagegen direkt gegen Bakterien, indem sie deren Zellmembranen schädigen oder den Stoffwechsel stören. Manche Öle wie Thymianöl besitzen beide Eigenschaften, doch die Wirkmechanismen sind grundverschieden. Eine Übersicht antibakterieller Öle bietet der Ratgeber zu antibakteriellen ätherischen Ölen.

Wie lange dauert es, bis entzündungshemmende ätherische Öle wirken?

Die Wirkungszeit hängt vom Öl, der Anwendungsform und der Art der Entzündung ab. Bei topischer Anwendung (Einreiben verdünnter Ölmischungen) berichten Anwender häufig innerhalb von 20–30 Minuten von einer Linderung. Bei chronischen Entzündungen wie Arthrose zeigte eine klinische Studie mit Boswellia-Extrakt erste signifikante Verbesserungen nach 7 Tagen regelmäßiger Anwendung. Für eine nachhaltige Wirkung bei chronischen Beschwerden empfehlen Fachleute eine Anwendungsdauer von mindestens 4–8 Wochen.

Können ätherische Öle entzündungshemmende Medikamente ersetzen?

Ätherische Öle können eine ärztlich verordnete Therapie ergänzen, aber nicht ersetzen. Bei leichten Entzündungen und zur Prävention zeigen Studien vielversprechende Ergebnisse. Bei schweren oder chronischen Entzündungserkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bleibt die schulmedizinische Behandlung unverzichtbar. Setzen Sie verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab – besprechen Sie den ergänzenden Einsatz ätherischer Öle mit Ihrem Arzt.

Quellen

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  2. Srivastava, J. K., & Gupta, S. (2009). Chamomile, a novel and selective COX-2 inhibitor with anti-inflammatory activity. Life Sciences, 85(19-20), 663–669. doi:10.1016/j.lfs.2009.09.007
  3. Siddiqui, M. Z. (2011). Boswellia Serrata, A Potential Antiinflammatory Agent: An Overview. Indian Journal of Pharmaceutical Sciences, 73(3), 255–261. doi:10.4103/0250-474X.93507
  4. Juergens, U. R., Engelen, T., Racké, K., Stöber, M., Gillissen, A., & Vetter, H. (2004). Inhibitory activity of 1,8-cineol (eucalyptol) on cytokine production in cultured human lymphocytes and monocytes. Pulmonary Pharmacology & Therapeutics, 17(5), 281–287. doi:10.1016/j.pupt.2004.06.002
  5. de Cássia da Silveira e Sá, R., Andrade, L. N., & de Sousa, D. P. (2018). Essential Oils and Their Major Compounds in the Treatment of Chronic Inflammation: A Review of Antioxidant Potential in Preclinical Studies and Molecular Mechanisms. Oxidative Medicine and Cellular Longevity, 2018, 6468593. doi:10.1155/2018/6468593
  6. Yu, G., Xiang, W., Zhang, T., Zeng, L., Yang, K., & Li, J. (2020). Effectiveness of Boswellia and Boswellia extract for osteoarthritis patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Complementary Medicine and Therapies, 20(1), 225. doi:10.1186/s12906-020-02985-6
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  8. Safayhi, H., Sabieraj, J., Sailer, E. R., & Ammon, H. P. (1994). Chamazulene: an antioxidant-type inhibitor of leukotriene B4 formation. Planta Medica, 60(5), 410–413. doi:10.1055/s-2006-959520
  9. Liu, J., Liu, X., Xiong, X., Zheng, Y., Rao, R., & Li, W. (2024). Protective Effect of 1,8-Cineole (Eucalyptol) on Respiratory System: A Systematic Review and Meta-analysis from Animal Studies. Pharmacognosy Magazine. doi:10.1177/09731296241296202
  10. Juergens, U. R. (2020). New Perspectives for Mucolytic, Anti-inflammatory and Adjunctive Therapy with 1,8-Cineole in COPD and Asthma: Review on the New Therapeutic Approach. Advances in Therapy, 37(5), 1737–1753. doi:10.1007/s12325-020-01279-0
  11. Zhao, Q., Zhu, L., Wang, S., Gao, Y., & Jin, F. (2023). Molecular mechanism of the anti-inflammatory effects of plant essential oils: A systematic review. Journal of Ethnopharmacology, 301, 115829. doi:10.1016/j.jep.2022.115829
  12. Bartels, E. M., Folmer, V. N., Bliddal, H., Altman, R. D., Juhl, C., Tarp, S., Zhang, W., & Christensen, R. (2015). Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Osteoarthritis and Cartilage, 23(1), 13–21. doi:10.1016/j.joca.2014.09.024
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  14. de Carvalho, F. O., et al. (2020). Anti-inflammatory and antioxidant activity of carvacrol in the respiratory system: a systematic review and meta-analysis. Phytotherapy Research, 34(9), 2214–2229. doi:10.1002/ptr.6688
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