Ätherische Öle einnehmen – Pro/Contra, Sicherheit, welche Öle

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ätherische Öle einnehmen – darf man das überhaupt? Die Frage spaltet die Aromatherapie-Welt wie kaum eine andere. In der französischen Tradition verordnen Ärzte seit Jahrzehnten bestimmte ätherische Öle in Kapseln bei Infektionen, Angststörungen oder Verdauungsbeschwerden. Die deutschsprachige und angelsächsische Aromatherapie hingegen rät von der oralen Einnahme in Eigenregie entschieden ab – und das aus guten Gründen: Unverdünnte ätherische Öle können die Schleimhäute verätzen, die Leber schädigen und mit Medikamenten gefährlich wechselwirken.

Tatsächlich existieren für einige wenige Öle gut dokumentierte Fertigarzneimittel – etwa Silexan® (Lasea®) aus Lavendelöl bei Angststörungen oder magensaftresistente Pfefferminzölkapseln bei Reizdarmsyndrom. Diese Präparate durchlaufen strenge pharmazeutische Kontrollen und haben wenig mit der oft beworbenen Praxis gemein, Tropfen ätherisches Öl ins Wasser oder auf die Zunge zu geben.

Ätherische Öle einnehmen – Kapseln und Fläschchen mit Lavendel- und Pfefferminzöl auf einem Holztisch

Dieser Artikel beleuchtet beide Seiten der Debatte ehrlich und wissenschaftlich fundiert. Sie erfahren, welche ätherischen Öle unter welchen Voraussetzungen oral eingenommen werden können, warum Eigenmedikation riskant ist und welche Studien tatsächlich hinter den Versprechen stecken.

Auf einen Blick

  • Kontroverse Praxis: Die orale Einnahme ätherischer Öle ist in der französischen Aromatherapie-Tradition (Aromatologie) verbreitet, wird in der deutschen und britischen Tradition jedoch überwiegend abgelehnt.
  • Fertigarzneimittel mit Evidenz: Silexan® (80 mg Lavendelöl, oral) ist bei generalisierter Angststörung dem Placebo signifikant überlegen und in Deutschland zugelassen. Magensaftresistente Pfefferminzölkapseln zeigen in Meta-Analysen Wirksamkeit bei Reizdarmsyndrom.
  • Niemals pur einnehmen: Unverdünnte ätherische Öle können Schleimhautverätzungen, Leberschäden und Nierenschäden verursachen – selbst in Wasser gelöst schwimmen die Öltropfen undiluted an der Oberfläche.
  • Nur unter fachlicher Anleitung: Die orale Einnahme ätherischer Öle sollte ausschließlich unter Begleitung eines Arztes, Heilpraktikers oder ausgebildeten Aromatherapeuten erfolgen.
  • Kurzzeitig und niedrig dosiert: Selbst bei geeigneten Ölen gilt: maximal 1–2 Tropfen, immer in einem Trägerstoff (Kapsel, Honig, fettes Öl) verdünnt, nur für einen begrenzten Zeitraum.
  • Kinder und Schwangere: Tabu. Für diese Gruppen ist die orale Einnahme ätherischer Öle grundsätzlich kontraindiziert.

Die Kontroverse: Warum die orale Einnahme ätherischer Öle so umstritten ist

Kaum ein Thema in der Aromatherapie wird so hitzig diskutiert wie die Frage, ob ätherische Öle oral eingenommen werden dürfen. Der Grund für die Uneinigkeit liegt in den unterschiedlichen Traditionen der Aromatherapie – und in der Tatsache, dass die Datenlage für die meisten Öle dünn ist.

Argumente für die orale Einnahme

Die französische Phyto-Aromatherapie, begründet durch Dr. Jean Valnet in den 1960er-Jahren und weiterentwickelt von Pierre Franchomme und Dr. Daniel Pénoël, betrachtet ätherische Öle als wirksame Arzneistoffe – auch zur inneren Anwendung.[1] In Frankreich verordnen Ärzte und Apotheker ätherische Öle seit Jahrzehnten in individuell angefertigten Kapseln oder Suppositorien, etwa gegen bakterielle Infektionen oder Verdauungsbeschwerden. Diese Praxis findet unter strenger fachlicher Kontrolle statt, mit definierten Dosierungen und zeitlich begrenzten Einnahmeprotokollen.

Für einzelne Öle existieren zudem zugelassene Arzneimittel mit klinischer Evidenz. Silexan® (Lasea®), ein standardisiertes Lavendelölpräparat, ist in Deutschland als pflanzliches Arzneimittel bei Angststörungen zugelassen – und damit eines der wenigen oral verabreichten ätherischen Öle mit solider klinischer Studienlage.[2] Auch magensaftresistente Pfefferminzölkapseln sind seit Jahren frei verkäuflich und durch Meta-Analysen gestützt.[3]

Argumente gegen die orale Einnahme

Die deutschsprachige und britische Aromatherapie-Tradition warnt klar vor der oralen Einnahme ätherischer Öle in Eigenregie. Der renommierte Sicherheitsexperte Robert Tisserand formuliert es so: Bei der oralen Einnahme wird 100 % des ätherischen Öls vom Verdauungssystem absorbiert – anders als bei der Anwendung auf der Haut, wo die Epidermis als Barriere wirkt.[4] Damit steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen erheblich.

Die konkreten Gefahren umfassen:

  • Schleimhautreizung und -verätzung: Ätherische Öle sind lipophil – sie haften an den empfindlichen Schleimhäuten von Mund, Speiseröhre und Magen und können dort Entzündungen, Erosionen und Geschwüre verursachen.[5]
  • Lebertoxizität (Hepatotoxizität): Bestimmte Öle wie Pennyroyal (Poleiminze) oder Nelkenöl in hohen Dosen können die Leber nachhaltig schädigen. Die Schäden verlaufen oft schleichend und sind nicht sofort spürbar.[4]
  • Nierenschäden (Nephrotoxizität): Einige ätherische Ölbestandteile belasten bei regelmäßiger oraler Einnahme die Nieren.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Ätherische Öle können die Wirkung von Arzneimitteln verstärken oder abschwächen. Besonders bei Blutverdünnern, Blutdruckmedikamenten und Psychopharmaka ist Vorsicht geboten.[5]
  • Fehlende Regulierung: Die meisten ätherischen Öle im freien Handel sind nicht für die innere Anwendung zugelassen, nicht standardisiert und nicht auf Reinheit geprüft.

Ein weit verbreiteter und gefährlicher Irrtum: Ätherische Öle in Wasser zu tropfen verdünnt sie nicht. Da Öl und Wasser sich nicht mischen, schwimmen die Tropfen unverdünnt an der Oberfläche und kommen konzentriert mit den Schleimhäuten in Kontakt.[4]

Welche ätherischen Öle können oral eingenommen werden?

Nur sehr wenige ätherische Öle verfügen über ausreichende wissenschaftliche Daten, um eine orale Einnahme unter bestimmten Voraussetzungen zu rechtfertigen. Für die meisten Öle gilt: Die Studienlage reicht nicht aus. Die folgenden Öle bilden Ausnahmen – in pharmazeutischer Qualität und kontrollierter Form.

Lavendelöl (Silexan®/Lasea®) bei Angststörungen

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist als Silexan® (Handelsname Lasea®) das am besten untersuchte ätherische Öl zur oralen Einnahme. Es handelt sich um ein standardisiertes Präparat mit 80 mg Lavendelöl pro Weichkapsel, das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird und die Qualitätsanforderungen des Europäischen Arzneibuchs erfüllt.[2]

Eine Meta-Analyse von fünf randomisierten, placebokontrollierten Studien aus dem Jahr 2023 bestätigt die angstlösende Wirkung von Silexan® bei Patienten mit generalisierter Angststörung (GAD) und subschwelligen Angststörungen. Der Effekt trat bereits nach zwei Wochen Einnahme ein.[6] In einer großen Studie mit 539 Teilnehmern war Silexan® in der Dosierung von 160 mg/Tag dem Placebo signifikant überlegen (p < 0,01) – und zeigte vergleichbare Wirksamkeit wie das Antidepressivum Paroxetin (20 mg/Tag), bei deutlich weniger Nebenwirkungen.[2]

Neuere Daten deuten zudem auf eine antidepressive Wirkung hin: In einer 2024 veröffentlichten Studie an 498 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Depression war Silexan® (80 mg/Tag) dem Placebo signifikant überlegen und vergleichbar mit Sertralin (50 mg/Tag).[7]

Die häufigste Nebenwirkung von Silexan® ist Aufstoßen mit Lavendelgeschmack. Schwere Nebenwirkungen wurden in den klinischen Studien nicht beobachtet. Das Präparat hat kein Abhängigkeitspotenzial und wirkt nicht sedierend.[6]

Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln bei Reizdarm

Pfefferminzöl (Mentha x piperita) zählt zu den am längsten oral eingesetzten ätherischen Ölen. Der Schlüssel zur sicheren Anwendung liegt in der Galenik: Magensaftresistente Kapseln (enteric-coated capsules) verhindern, dass das Öl bereits im Magen freigesetzt wird und dort Sodbrennen verursacht. Stattdessen löst sich die Kapsel erst im Dünndarm auf, wo das Pfefferminzöl seine krampflösende Wirkung entfaltet.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 (12 RCTs, 835 Patienten) ergab, dass Pfefferminzöl dem Placebo bei der Verbesserung globaler Reizdarmsymptome überlegen war.[3] Eine Netzwerk-Meta-Analyse von 2020, die 51 RCTs mit 4.644 Patienten auswertete, stufte Pfefferminzölkapseln sogar als wirksamste Erstlinienbehandlung für globale IBS-Symptome ein.[8] Die American College of Gastroenterology empfiehlt Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom – allerdings mit dem Hinweis auf „niedrige Evidenzqualität".[9]

Die übliche Dosierung beträgt 180–200 mg Pfefferminzöl pro Kapsel, dreimal täglich vor den Mahlzeiten, über einen Zeitraum von 2–8 Wochen. Nebenwirkungen sind meist mild: Sodbrennen und anale Brennempfindung traten in Studien häufiger auf als unter Placebo.[3]

Ein Praxistipp aus der Erfahrung: Nehmen Sie magensaftresistente Pfefferminzölkapseln nicht zusammen mit Antazida oder Protonenpumpenhemmern ein. Diese Medikamente verändern den pH-Wert im Magen und können dazu führen, dass sich die Kapsel zu früh auflöst – was Sodbrennen provoziert.

Oreganoöl in Kapseln – antimikrobiell, aber mit Vorsicht

Oreganoöl (Origanum vulgare) enthält als Hauptwirkstoff Carvacrol – ein Monoterpenoid-Phenol mit stark antimikrobiellen Eigenschaften. In-vitro-Studien zeigen eine beeindruckende Wirkung gegen grampositive und gramnegative Bakterien, darunter multiresistente Stämme wie MRSA, mit minimalen Hemmkonzentrationen (MIC) von 0,125–0,5 mg/ml.[10]

Allerdings: Die meisten Studien zur antimikrobiellen Wirkung von Oreganoöl sind In-vitro-Untersuchungen oder Tierversuche. Klinische Studien am Menschen sind rar und methodisch begrenzt. Eine kleine Studie setzte 200 mg emulgiertes Oreganoöl täglich über 6 Wochen gegen Darmparasiten ein – mit positiven Ergebnissen, aber geringer Teilnehmerzahl und Finanzierung durch einen Nahrungsergänzungsmittelhersteller.[11]

Die US-amerikanische Datenbank LiverTox stuft Oregano als „unwahrscheinliche Ursache für klinisch erkennbare Leberschäden" ein (Likelihood Score E). Trotz weit verbreiteter Anwendung als Gewürz und Nahrungsergänzungsmittel wurden keine Fälle von Hepatotoxizität publiziert.[12] Dennoch sollte Oreganoöl nur in Kapselform, in niedriger Dosierung und zeitlich begrenzt eingenommen werden – eine Dauereinnahme ist nicht empfehlenswert.

Zitrus- und Orangenöl in Lebensmittelqualität

Zitronenöl (Citrus limon) und Orangenöl (Citrus sinensis) werden seit jeher als natürliche Aromastoffe in der Lebensmittelproduktion eingesetzt. Die US-amerikanische FDA stuft sie als GRAS (Generally Recognized as Safe) ein – allerdings ausdrücklich nur als Aromastoffe in Lebensmitteln, nicht für die medizinische Anwendung.

In der Praxis bedeutet das: Wenige Tropfen eines hochwertigen, 100 % naturreinen Zitrusöls in Lebensmittelqualität eignen sich zum Aromatisieren von Speisen und Backwaren. Die verwendeten Mengen liegen im Bereich von 1–2 Tropfen pro Gericht und sind damit toxikologisch unbedenklich. Verwechseln Sie dies jedoch nicht mit einer therapeutischen Einnahme – dafür fehlen bei Zitrusölen die klinischen Daten.

Voraussetzungen für eine sichere orale Einnahme

Wer die orale Einnahme ätherischer Öle in Erwägung zieht, muss fünf Grundregeln beachten. Ein Verstoß gegen auch nur eine dieser Regeln kann die Gesundheit gefährden.

VoraussetzungErklärung
1. Therapeutische QualitätNur 100 % naturreine ätherische Öle in Lebensmittel- oder Arzneimittelqualität verwenden. Synthetische Duftöle oder Öle unbekannter Herkunft dürfen niemals eingenommen werden. Woran Sie echte Qualität erkennen, erfahren Sie im Qualitätsratgeber.
2. Immer verdünntÄtherische Öle dürfen niemals pur geschluckt werden. Geeignete Trägerstoffe sind: magensaftresistente Kapseln, ein Teelöffel Honig, ein fettes Speiseöl (z. B. Olivenöl), oder spezielle Leerkapsel zum Selbstbefüllen. In Wasser gelöst bieten ätherische Öle keinen Verdünnungsschutz.
3. Nur kurzfristigDie orale Einnahme sollte auf wenige Tage bis maximal wenige Wochen begrenzt sein. Eine Daueranwendung erhöht das Risiko für chronische Leber- und Nierenschäden.
4. Nur bestimmte ÖleNicht jedes ätherische Öl ist zur oralen Einnahme geeignet. Viele Öle – etwa Wintergrünöl (Methylsalicylat), Kampfer, Thujon-haltige Öle – sind oral hochgiftig, selbst in kleinen Mengen.
5. Fachliche AnleitungDie orale Einnahme sollte nur unter Begleitung eines Arztes, Heilpraktikers oder ausgebildeten Aromatherapeuten erfolgen, der Dosierung, mögliche Wechselwirkungen und Kontraindikationen beurteilen kann.

Wie nimmt man ätherische Öle oral ein? Dosierung und Methode

Die orale Dosierung ätherischer Öle liegt extrem niedrig – deutlich niedriger, als viele vermuten. Ein ätherisches Öl ist etwa 50- bis 200-mal konzentrierter als die entsprechende Pflanze. Ein einziger Tropfen Lavendelöl enthält die konzentrierte Kraft von rund 30 Blütenständen.

Als grobe Orientierung gilt für Erwachsene:

  • Maximaldosis: 1–2 Tropfen ätherisches Öl pro Einnahme, 1–3-mal täglich
  • Immer in einem Trägerstoff: 1 Tropfen in einem Teelöffel Honig verrühren, in einem Teelöffel Speiseöl (Olivenöl, Kokosöl) auflösen oder in eine Leerkapsel füllen
  • Zu oder nach einer Mahlzeit: Nicht auf leeren Magen einnehmen, um die Schleimhautbelastung zu reduzieren

Bei pharmazeutischen Fertigpräparaten gelten die Angaben des Herstellers: Silexan® (Lasea®) wird mit 1 × 80 mg/Tag dosiert, Pfefferminzölkapseln typischerweise mit 180–200 mg dreimal täglich. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Ein typischer Fehler aus der Praxis: Manche Menschen tropfen ätherisches Öl direkt unter die Zunge – nach dem Vorbild von CBD-Ölen. Bei ätherischen Ölen ist das gefährlich. Die Mundschleimhaut ist extrem empfindlich, und unverdünntes ätherisches Öl kann dort Verätzungen verursachen, die tagelang schmerzen.

Wann ist die orale Einnahme ätherischer Öle tabu?

Bestimmte Personengruppen dürfen ätherische Öle unter keinen Umständen oral einnehmen – auch nicht in kleinen Mengen oder vermeintlich „sicheren" Ölen.

Kinder

Bei Kindern ist die orale Einnahme ätherischer Öle grundsätzlich kontraindiziert. Der kindliche Stoffwechsel kann die konzentrierten Pflanzenstoffe nicht sicher verarbeiten, und das Vergiftungsrisiko ist um ein Vielfaches höher als bei Erwachsenen. Alles Wichtige zur sicheren Anwendung ätherischer Öle bei Kindern lesen Sie im Ratgeber für Kinder.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist die orale Einnahme ätherischer Öle tabu. Einige Öle können wehenfördernd wirken, andere passieren die Plazentaschranke und können den Fötus schädigen. Detaillierte Informationen finden Sie im Ratgeber für Schwangere.

Weitere Kontraindikationen

Darüber hinaus sollten folgende Personengruppen auf die orale Einnahme verzichten oder diese nur nach ausdrücklicher ärztlicher Freigabe durchführen:

  • Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Personen, die Blutverdünner, Antidiabetika oder Psychopharmaka einnehmen
  • Epileptiker (einige ätherische Öle senken die Krampfschwelle)
  • Menschen mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren
  • Personen mit bekannter Allergie gegen bestimmte Pflanzengruppen (z. B. Lippenblütler)

Orale Einnahme vs. andere Anwendungsmethoden – eine Einordnung

Die orale Einnahme ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, ätherische Öle therapeutisch zu nutzen – und in den meisten Fällen nicht die sicherste. Für viele Beschwerden gibt es risikoärmere Alternativen, die ähnlich wirksam sind.

AnwendungsmethodeAufnahme ins BlutRisikoprofilTypische Einsatzbereiche
Oral (Kapseln, Honig)~100 %Höchstes RisikoReizdarmsyndrom, Angststörungen (nur Fertigpräparate)
Topisch (auf der Haut)~10–20 %, je nach VerdünnungModerat (bei korrekter Verdünnung)Muskelschmerzen, Hautpflege, lokale Beschwerden
Inhalation (Diffuser, Dampf)Gering, primär über Atemwege und limbisches SystemNiedrigAtemwegsbeschwerden, Stressreduktion, Schlaf

Für die meisten Alltagsbeschwerden – Stress, Schlafprobleme, Erkältung, Kopfschmerzen – reichen Inhalation und topische Anwendung vollkommen aus. Die orale Einnahme sollte die Ausnahme bleiben, nicht die Regel.

Sicherheitshinweise, Qualität und Dosierung

Ätherische Öle sind hochwirksame Pflanzenstoffe mit einem realen Nebenwirkungspotenzial. Eine vollständige Übersicht aller Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und möglichen Wechselwirkungen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Verwenden Sie für jede Form der Anwendung – insbesondere für die orale Einnahme – ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle in therapeutischer oder Lebensmittelqualität.

Abgrenzung: Was nicht in diesen Artikel gehört

Das Gurgeln mit ätherischen Ölen bei Halsschmerzen ist eine spezielle Anwendungsform, die im Ratgeber zu ätherischen Ölen bei Halsschmerzen behandelt wird. Das Ölziehen zur Zahnfleischpflege (eine Mundspülung mit Pflanzenölen) finden Sie im Ratgeber zu Zahnfleisch und Parodontitis.

Häufige Fragen

Kann man ätherische Öle bedenkenlos in Wasser tropfen und trinken?

Nein. Ätherische Öle sind hydrophob – sie mischen sich nicht mit Wasser. Die Tropfen schwimmen unverdünnt an der Oberfläche oder haften an der Glaswand. Beim Trinken kommen sie konzentriert mit den Schleimhäuten von Mund, Speiseröhre und Magen in Kontakt und können Reizungen oder Verätzungen verursachen. Wenn Sie ätherische Öle oral einnehmen möchten, verwenden Sie einen fettlöslichen Trägerstoff wie Honig, Speiseöl oder eine Kapsel.

Ist Lasea® (Silexan®) wirklich wirksam gegen Angst?

Ja, die Datenlage ist vergleichsweise gut. Silexan® (80 mg Lavendelöl pro Kapsel) war in mehreren randomisierten, placebokontrollierten Studien dem Placebo signifikant überlegen bei generalisierter Angststörung. In einer Studie mit 539 Teilnehmern zeigte Silexan® eine Wirksamkeit, die mit dem verschreibungspflichtigen Antidepressivum Paroxetin vergleichbar war – bei weniger Nebenwirkungen. Das Präparat ist in Deutschland als pflanzliches Arzneimittel zugelassen.

Dürfen Kinder ätherische Öle einnehmen?

Nein. Für Kinder ist die orale Einnahme ätherischer Öle grundsätzlich nicht geeignet. Der kindliche Organismus reagiert wesentlich empfindlicher auf die konzentrierten Inhaltsstoffe, und das Vergiftungsrisiko ist deutlich erhöht. Bei versehentlicher Einnahme sollte umgehend die Giftnotrufzentrale kontaktiert werden.

Welche ätherischen Öle darf man auf keinen Fall schlucken?

Zahlreiche ätherische Öle sind oral hochgiftig. Besonders gefährlich sind Wintergrünöl (besteht zu 99 % aus Methylsalicylat – bereits 5 ml können bei Kindern tödlich sein), Pennyroyal (Poleiminze, stark lebertoxisch), Kampferöl, Thujon-haltige Öle (z. B. Wermut, Rainfarn) sowie Eukalyptusöl bei Kleinkindern (Gefahr eines Stimmritzenkrampfs). Auch Teebaumöl sollte niemals geschluckt werden – es kann Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit und Koma auslösen.

Was tun bei versehentlichem Verschlucken von ätherischem Öl?

Kein Erbrechen auslösen – ätherische Öle können beim Erbrechen in die Atemwege gelangen und eine Aspirationspneumonie verursachen. Stattdessen sofort die Giftnotrufzentrale anrufen (in Deutschland: 030 19240 oder regional) und die Flasche des ätherischen Öls bereithalten, damit der genaue Inhaltsstoff identifiziert werden kann. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krampfanfällen den Notruf 112 wählen.

Quellen

  1. Valnet, J. (1980). The Practice of Aromatherapy: A Classic Compendium of Plant Medicines and Their Healing Properties. Healing Arts Press.
  2. Kasper, S., Gastpar, M., Müller, W. E., Volz, H. P., Möller, H. J., Schläfke, S., & Dienel, A. (2014). Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder – a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. International Journal of Neuropsychopharmacology, 17(6), 859–869. doi:10.1017/S1461145714000017
  3. Ingrosso, M. R., Ianiro, G., Nee, J., Lembo, A. J., Moayyedi, P., Black, C. J., & Ford, A. C. (2022). Systematic review and meta-analysis: efficacy of peppermint oil in irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 56(6), 932–941. doi:10.1111/apt.17179
  4. Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals (2nd ed.). Churchill Livingstone/Elsevier.
  5. International Federation of Aromatherapists (2019). Ingestion & Neat Application of Essential Oils – Guidance Document. IFA Professional Standards.
  6. Dienel, A., Kasper, S., & Möller, H. J. (2023). Efficacy of Silexan in patients with anxiety disorders: a meta-analysis of randomized, placebo-controlled trials. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 273(8), 1675–1688. doi:10.1007/s00406-023-01674-y
  7. Kasper, S., Volz, H. P., Dienel, A., & Schläfke, S. (2024). Lavender oil preparation Silexan is effective in mild-to-moderate major depression: a randomized, placebo- and reference-controlled trial. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 274(4), 803–815. doi:10.1007/s00406-024-01783-2
  8. Black, C. J., Yuan, Y., Selinger, C. P., Lucak, S., & Ford, A. C. (2020). Efficacy of soluble fibre, antispasmodic drugs, and gut-brain neuromodulators in irritable bowel syndrome: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 5(2), 117–131. doi:10.1016/S2468-1253(19)30324-3
  9. Lacy, B. E., Pimentel, M., Brenner, D. M., et al. (2021). ACG Clinical Guideline: Management of Irritable Bowel Syndrome. American Journal of Gastroenterology, 116(1), 17–44. doi:10.14309/ajg.0000000000001036
  10. Lu, M., Dai, T., Murray, C. K., & Wu, M. X. (2018). Bactericidal Property of Oregano Oil Against Multidrug-Resistant Clinical Isolates. Frontiers in Microbiology, 9, 2329. doi:10.3389/fmicb.2018.02329
  11. Force, M., Sparks, W. S., & Ronzio, R. A. (2000). Inhibition of enteric parasites by emulsified oil of oregano in vivo. Phytotherapy Research, 14(3), 213–214. doi:10.1002/(SICI)1099-1573(200005)14:3<213::AID-PTR583>3.0.CO;2-U
  12. LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury (2023). Oregano. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. PMID: 31644013.