Durchblutungsfördernde ätherische Öle

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Durchblutungsfördernde ätherische Öle regen die Mikrozirkulation in Haut, Muskeln und Gewebe an – und das auf ganz unterschiedlichen Wegen. Einige Öle erzeugen ein spürbares Wärmegefühl, andere wirken zunächst kühlend und steigern die Durchblutung über einen Reflexmechanismus. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Gefäße erweitern, den lokalen Blutfluss verbessern und so Nährstoffe schneller ins Gewebe transportieren.

Die Auswahl reicht von stark wärmenden Ölen wie Schwarzem Pfeffer und Zimt bis hin zu kühlenden Varianten wie Pfefferminze und Eukalyptus. Entscheidend ist dabei nicht nur das Öl selbst, sondern auch der jeweilige Chemotyp und die korrekte Verdünnung – denn viele durchblutungsfördernde Öle zählen zu den sogenannten „Hot Oils", die bei falscher Dosierung die Haut reizen können.

Durchblutungsfördernde ätherische Öle wie Rosmarin, Ingwer und Schwarzer Pfeffer in dunklen Glasflaschen

In diesem Artikel erfahren Sie, welche ätherischen Öle die Durchblutung fördern, wie sie pharmakologisch wirken und worin sich wärmende von kühlenden Ölen unterscheiden. Eine Vergleichstabelle hilft Ihnen, das passende Öl für Ihren Bedarf zu finden.

Auf einen Blick

  • Drei Wirkmechanismen: Ätherische Öle fördern die Durchblutung über Vasodilatation (Gefäßerweiterung), lokale Wärmebildung in der Haut oder reflektorische Gegenreizung.
  • Rosmarin (Kampfer-Chemotyp) gilt als eines der am besten untersuchten durchblutungsfördernden Öle – es aktiviert Alpha-Adrenozeptoren und verbessert so die lokale Mikrozirkulation.
  • Menthol in Pfefferminzöl wirkt zunächst kühlend, steigert aber die Hautdurchblutung um ein Vielfaches über TRPM8-Rezeptoren und NO-abhängige Signalwege.
  • Zimtaldehyd erzeugt eine deutlich spürbare Hautrötung und Wärme – die Durchblutungssteigerung ist wissenschaftlich über TRPA1-Kanäle nachgewiesen, erfordert aber besondere Vorsicht bei der Dosierung.
  • Wärmende und kühlende Öle lassen sich kombinieren – die Zusammenstellung hängt vom Anwendungsziel ab (Muskulatur, Gelenke, Kopfhaut).
  • Verdünnung ist Pflicht: Stark durchblutungsfördernde Öle wie Zimt oder Schwarzer Pfeffer sollten in einer Konzentration von maximal 0,5–1 % in einem Trägeröl angewendet werden.

Wie fördern ätherische Öle die Durchblutung?

Ätherische Öle steigern die lokale Durchblutung über drei grundlegende Mechanismen, die je nach Öl einzeln oder in Kombination auftreten. Diese Wirkmechanismen erklären, warum manche Öle wärmen, andere kühlen – und dennoch beide die Durchblutung verbessern.

Vasodilatation (Gefäßerweiterung): Bestimmte Inhaltsstoffe wie Gingerole aus Ingwer oder Menthol aus Pfefferminze aktivieren Ionenkanäle auf der Gefäßinnenwand (Endothel). Dort lösen sie die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) aus, das die glatte Gefäßmuskulatur entspannt. Die Blutgefäße weiten sich, der Blutfluss nimmt zu.[1]

Lokale Wärmebildung (Rubefazienz-Effekt): Scharf-wärmende Inhaltsstoffe wie Zimtaldehyd oder Piperin reizen die Haut kontrolliert und erzeugen eine lokale Entzündungsreaktion. Die Blutgefäße erweitern sich reflektorisch, die Haut rötet sich und wird wärmer. Dieser Effekt wird in der Pharmakologie als Rubefazienz-Wirkung bezeichnet.

Reflektorische Gegenreizung (Counterirritant-Prinzip): Kühlende Substanzen wie 1,8-Cineol aus Eukalyptus stimulieren thermosensible Rezeptoren in der Haut. Der Körper reagiert auf den Kältereiz mit einer kompensatorischen Mehrdurchblutung des behandelten Areals. Eine placebokontrollierte Studie zeigte, dass die topische Anwendung eines eucalyptushaltigen Präparats den Hautblutfluss auf das Vierfache des Ausgangswertes steigerte.[2]

Eine detaillierte Erklärung, wie ätherische Öle generell über Haut und Schleimhäute in den Körper gelangen, finden Sie im Ratgeber zur Wirkung ätherischer Öle.

Die 9 wirksamsten durchblutungsfördernden ätherischen Öle

Die folgenden Öle zählen zu den am häufigsten eingesetzten und am besten untersuchten Vertretern mit durchblutungsfördernder Wirkung. Die Reihenfolge orientiert sich an der Stärke und Studienlage der durchblutungssteigernden Eigenschaften.

1. Rosmarinöl (Kampfer-Chemotyp)

Rosmarinöl aus Rosmarin (Rosmarinus officinalis ct. Campher) gehört zu den am besten erforschten durchblutungsfördernden ätherischen Ölen. Der Kampfer-Chemotyp enthält besonders hohe Anteile an Kampfer (15–25 %) und 1,8-Cineol (20–30 %), die gemeinsam für eine ausgeprägte durchblutungssteigernde Wirkung sorgen.

Pharmakologisch wirkt Rosmarinöl über einen spezifischen Mechanismus: Es zeigt agonistische Effekte an Alpha-1- und Alpha-2-Adrenozeptoren der glatten Gefäßmuskulatur. Durch diese Rezeptoraktivierung verbessert es die lokale Mikrozirkulation und kann gleichzeitig schmerzlindernd wirken.[3] Eine klinische Studie an 32 Patienten mit primärer Hypotonie zeigte zudem, dass die regelmäßige Anwendung von Rosmarinöl den Blutdruck klinisch signifikant steigern konnte.[4]

In der Praxis eignet sich Rosmarinöl besonders gut als Massageöl: 3–5 Tropfen auf 10 ml Trägeröl, in die betroffene Körperregion einmassiert. Ein bewährter Praxistipp: Mischen Sie Rosmarinöl mit einem Trägeröl und erwärmen Sie die Mischung leicht zwischen den Handflächen, bevor Sie sie auftragen – das verstärkt den durchblutungsfördernden Effekt spürbar.

2. Ingweröl

Ingweröl aus Ingwer (Zingiber officinale) verdankt seine durchblutungsfördernde Wirkung vor allem den Gingerolen und Shogaolen – scharfen Phenolverbindungen, die auch für den typisch würzig-warmen Geschmack verantwortlich sind.

Die Gingerole wirken vasodilatierend über mehrere Signalwege gleichzeitig: Sie blockieren spannungsabhängige Calciumkanäle ähnlich wie der Arzneistoff Verapamil, stimulieren muskarinische Rezeptoren und fördern die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) aus dem Gefäßendothel.[5] Insbesondere 6-Gingerol, 8-Gingerol und 10-Gingerol zeigten in einer Studie an porkinen Koronararterien eine dosisabhängige Relaxation der Gefäßmuskulatur.[6]

Ingweröl erzeugt auf der Haut ein angenehm wärmendes Gefühl ohne die Hautreizung, die bei Zimtöl oder Schwarzem Pfeffer auftreten kann. Es eignet sich daher auch für empfindlichere Hautpartien – vorausgesetzt, es wird korrekt verdünnt.

3. Schwarzer-Pfeffer-Öl

Schwarzer-Pfeffer-Öl wird aus den getrockneten Früchten von Piper nigrum gewonnen und enthält als Leitsubstanz Piperin, ein Alkaloid mit stark wärmenden Eigenschaften. Weitere relevante Inhaltsstoffe sind β-Caryophyllen, Limonen und α-Pinen.

Piperin stimuliert die Thermogenese in der Haut und erhöht den lokalen Blutfluss. Eine Studie aus dem Journal of Cardiovascular Pharmacology bestätigte, dass Piperin blutdrucksenkende Eigenschaften besitzt und die Gefäßweite dosisabhängig beeinflusst.[7] Im Kontext der Aromatherapie untersuchte eine Studie an 20 Probanden den Einfluss von Schwarzem-Pfeffer-Aroma auf das autonome Nervensystem. Die Ergebnisse zeigten, dass die wärmende Wirkung des Öls den peripheren Blutfluss steigern und die sympathische Nervenaktivität modulieren kann.[8]

Schwarzer-Pfeffer-Öl gehört zu den „Hot Oils". Verwenden Sie es in einer maximalen Konzentration von 1–2 % in einem Trägeröl und führen Sie vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest an der Innenseite des Unterarms durch.

4. Pfefferminzöl

Pfefferminzöl aus Pfefferminze (Mentha × piperita) enthält 30–50 % Menthol und wirkt über einen faszinierenden Doppelmechanismus: Zunächst erzeugt es ein deutliches Kältegefühl, anschließend steigert es die Hautdurchblutung messbar.

Menthol aktiviert TRPM8-Rezeptoren (Transient Receptor Potential Melastatin 8) auf sensorischen Nerven und Gefäßendothelzellen. Diese Aktivierung löst eine Vasodilatation über mehrere Signalwege aus: Stickstoffmonoxid (NO), endothelabhängige Hyperpolarisierungsfaktoren (EDHF) und sensorische Nervenfasern.[9] Eine Studie der Pennsylvania State University zeigte, dass topisch aufgetragenes Menthol-Gel die Hautdurchblutung dosisabhängig steigert – und zwar nicht nur lokal, sondern auch im kontralateralen Dermatom desselben Spinalnervs.[10]

Die Durchblutungssteigerung durch Menthol tritt etwa 15 Minuten nach dem Auftragen ein und hält bis zu 45 Minuten an. Menthol ist dabei innerhalb von 30 Minuten in der Haut nachweisbar und wird binnen 60 Minuten wieder vollständig abgebaut.[11]

5. Eukalyptusöl

Eukalyptusöl aus Eukalyptus (Eucalyptus globulus) enthält als Hauptwirkstoff 1,8-Cineol (Eucalyptol) in einer Konzentration von 60–75 %. Obwohl es ein kühlendes Gefühl auf der Haut erzeugt, fördert es die Durchblutung über den Counterirritant-Mechanismus: Der Kältereiz aktiviert thermosensible Rezeptoren, woraufhin der Körper die lokale Durchblutung kompensatorisch steigert.

In einer placebokontrollierten Studie von Hong und Shellock stieg der kutane Blutfluss nach Anwendung eines eucalyptushaltigen Gels auf das Vierfache des Ausgangswertes, und die Hauttemperatur erhöhte sich um bis zu 0,8 °C. Dieser Effekt hielt bis zu 45 Minuten an.[2]

Eukalyptusöl eignet sich besonders für Anwender, die von stark wärmenden Ölen Hautirritationen bekommen. Die kühlende Durchblutungsförderung ist sanfter und gut verträglich – allerdings sollte Eukalyptusöl bei Kindern unter 2 Jahren keinesfalls im Gesichtsbereich angewendet werden (Gefahr eines Stimmritzenkrampfs).

6. Wacholderbeeröl

Wacholderbeeröl aus Wacholder (Juniperus communis) enthält α-Pinen, Sabinen und Myrcen als Hauptinhaltsstoffe. Es fördert die Durchblutung und wirkt gleichzeitig entwässernd (diuretisch), weshalb es in der traditionellen Pflanzenheilkunde häufig bei Stauungsbeschwerden eingesetzt wird.

Die durchblutungsfördernde Wirkung von Wacholderbeeröl ist moderat im Vergleich zu den stark wärmenden Ölen. Sie entfaltet sich über eine milde Hautreizung und reflektorische Gefäßerweiterung. In der Phytotherapie wird Wacholderbeeröl häufig in Kombination mit Rosmarin oder Schwarzem Pfeffer verwendet, um die Durchblutungsförderung zu verstärken.

7. Kampferöl

Kampferöl aus dem Kampferbaum (Cinnamomum camphora) enthält als namensgebenden Wirkstoff Kampfer (Campher), eine bizyklische Terpenverbindung mit stark durchblutungsfördernden und hautreizenden Eigenschaften.

Kampfer wirkt als Rubefazienz: Er reizt die Hautrezeptoren und löst eine reflektorische Gefäßerweiterung aus, die sich als lokale Rötung und Wärme bemerkbar macht. In der Pharmazie ist Kampfer seit Jahrzehnten ein Standardwirkstoff in Einreibungen und Sportsalben zur Durchblutungsförderung. Er aktiviert dabei sowohl TRPV1- als auch TRPV3-Rezeptoren in der Haut.

Kampferöl sollte stets gut verdünnt angewendet werden, da es in höherer Konzentration stark hautreizend wirkt. Für Kinder unter 6 Jahren und Schwangere ist es nicht geeignet.

8. Zimtöl

Zimtöl aus der Zimtrinde (Cinnamomum verum) enthält bis zu 65–80 % Zimtaldehyd – einen der potentesten natürlichen Durchblutungsförderer. Zimtaldehyd aktiviert TRPA1-Ionenkanäle (Transient Receptor Potential Ankyrin 1) auf sensorischen Neuronen und Gefäßendothelzellen.

Eine Studie im Journal of Cardiovascular Pharmacology wies nach, dass Zimtaldehyd die kutane Gefäßleitfähigkeit (CVC) um bis zu 27,4 % steigern kann. Die Vasodilatation wird dabei über den Stickstoffmonoxid-Synthase-Signalweg (NOS) vermittelt.[12] In einer translationalen Studie an Ratten und 16 menschlichen Probanden bestätigten Forscher, dass topisch aufgetragenes Zimtaldehyd den dermalen Blutfluss dosisabhängig erhöht – ein Effekt, der eindeutig über TRPA1-Kanäle vermittelt wird.[13]

Vorsicht: Zimtöl (Rindenöl) ist eines der aggressivsten ätherischen Öle für die Haut. Bereits Konzentrationen von 3 % können bei empfindlichen Personen Hautirritationen auslösen. Verwenden Sie Zimtrindenöl in Hautanwendungen niemals über 0,5 % und stets mit einem Verträglichkeitstest. Zimtblattöl ist etwas milder, enthält aber weniger Zimtaldehyd.

9. Kiefernadelöl

Kiefernadelöl aus der Waldkiefer (Pinus sylvestris) enthält α-Pinen und β-Pinen als Hauptinhaltsstoffe sowie Limonen und δ-3-Caren. Es fördert die Durchblutung auf eine milde, belebende Art und wird in der europäischen Balneotherapie seit Langem als Badezusatz zur Durchblutungsförderung eingesetzt.

Die Wirkung von Kiefernadelöl ist eher leicht bis mittel im Vergleich zu den „Hot Oils". Es erzeugt ein frisches, leicht wärmendes Gefühl und lässt sich gut mit stärker durchblutungsfördernden Ölen wie Rosmarin oder Ingwer kombinieren. In skandinavischen Saunatraditionen zählt Kiefernadelöl zu den beliebtesten Aufgussölen – die Kombination aus Hitze und ätherischem Öl verstärkt den durchblutungssteigernden Effekt erheblich.

Vergleichstabelle: Durchblutungsfördernde ätherische Öle im Überblick

Die folgende Tabelle vergleicht die neun wichtigsten durchblutungsfördernden ätherischen Öle nach ihrer Wärmewirkung, dem primären Wirkmechanismus und der jeweiligen Besonderheit.

Ätherisches ÖlHauptwirkstoffWärmewirkungWirkmechanismusBesonderheit
Rosmarin (ct. Campher)Kampfer, 1,8-Cineolmittel–starkAlpha-Adrenozeptor-AktivierungWissenschaftlich am besten belegte Durchblutungsförderung; auch bei Raynaud-Symptomen erprobt
IngwerGingerole, ShogaolemittelCa²⁺-Kanal-Blockade, NO-FreisetzungDoppelwirkung: vasodilatierend + entzündungshemmend; gut verträglich auf der Haut
Schwarzer PfefferPiperin, β-CaryophyllenstarkThermogenese, periphere VasodilatationIntensiv wärmend; besonders für kalte Extremitäten; „Hot Oil"
PfefferminzeMenthol (30–50 %)erst kühlend, dann wärmendTRPM8-Rezeptor → NO + EDHFDurchblutung steigt trotz Kältegefühl; wirkt auch im kontralateralen Dermatom
Eukalyptus1,8-Cineol (60–75 %)kühlend → reflektorisch wärmendCounterirritant-EffektSteigert Hautblutfluss auf das 4-fache; besonders gut für wärmeempfindliche Personen
Wacholderbeereα-Pinen, Sabinenleicht–mittelMilde Hautreizung, reflektorische VasodilatationZusätzlich entwässernd; traditionell bei Stauungsbeschwerden
KampferKampfer (Campher)mittel–starkRubefazienz (TRPV1/TRPV3)Klassischer Wirkstoff in Sportsalben; schneller Wirkeintritt
Zimt (Rindenöl)Zimtaldehyd (65–80 %)starkTRPA1-Kanal → NOS-abhängigStärkste messbare Wärmewirkung; höchstes Hautreizpotenzial – max. 0,5 %
Kiefernadelα-Pinen, β-PinenleichtMilde DurchblutungssteigerungBelebend, gut als Bade- oder Saunazusatz; synergistisch mit Rosmarin

Warm oder kalt: Was ist der Unterschied zwischen wärmenden und kühlenden durchblutungsfördernden Ölen?

Durchblutungsfördernde ätherische Öle lassen sich in zwei Gruppen einteilen, die über verschiedene Rezeptorsysteme in der Haut wirken – aber zum gleichen Ergebnis führen: einer gesteigerten lokalen Durchblutung.

Wärmende Öle (Rosmarin, Ingwer, Schwarzer Pfeffer, Zimt, Kampfer) aktivieren vorwiegend TRPV1- und TRPA1-Ionenkanäle. Diese Kanäle reagieren auf Wärme- und Schärfereize. Die Inhaltsstoffe lösen eine direkte Gefäßerweiterung aus oder erzeugen eine kontrollierte Hautreizung (Rubefazienz), die der Körper mit Mehrdurchblutung beantwortet. Das Ergebnis: Rötung, Wärme und ein spürbares Pulsieren im behandelten Areal.

Kühlende Öle (Pfefferminze, Eukalyptus) aktivieren TRPM8-Kanäle, die normalerweise auf Kälte reagieren. Die Besonderheit: Obwohl das subjektive Empfinden „kalt" ist, steigt die Hautdurchblutung messbar an. Menthol erhöht den Blutfluss über NO- und EDHF-abhängige Signalwege – ein Effekt, der im Gegensatz zur echten Kältetherapie (Eis) steht, die den Blutfluss senkt.[14]

Wann welches Prinzip? Wärmende Öle eignen sich besonders bei Muskelverspannungen, kalten Extremitäten und zur allgemeinen Stoffwechselanregung. Kühlende Öle sind vorteilhaft bei gleichzeitiger Schwellung oder Überwärmung – etwa nach sportlicher Belastung – und für Personen, die stark wärmende Öle nicht vertragen. Die Kombination beider Prinzipien in einer Mischung (z. B. Rosmarin + Pfefferminze) kann die Durchblutungsförderung synergistisch verstärken.

Anwendungsbereiche durchblutungsfördernder ätherischer Öle

Die durchblutungsfördernde Eigenschaft ätherischer Öle wird in verschiedenen Bereichen therapeutisch genutzt. Da jeder Anwendungsbereich eigene Anforderungen an Öl-Auswahl und Dosierung stellt, finden Sie die ausführlichen Anleitungen in den jeweiligen Spezialartikeln:

Sicherheitshinweis: „Hot Oils" nur stark verdünnt anwenden

Stark wärmende durchblutungsfördernde Öle – allen voran Zimtrindenöl und Schwarzer-Pfeffer-Öl, aber auch Kampfer in höheren Konzentrationen – können die Haut erheblich reizen. Diese sogenannten „Hot Oils" erzeugen bei zu hoher Dosierung Rötungen, Brennen und im schlimmsten Fall Kontaktdermatitis.

Zimtrindenöl sollte in Hautkontaktanwendungen eine Konzentration von 0,5 % nicht überschreiten. Schwarzer-Pfeffer-Öl gilt bei Konzentrationen bis 2 % als sicher für die meisten Erwachsenen. Ingweröl und Rosmarinöl sind hautverträglicher und können in den üblichen Konzentrationen von 2–3 % angewendet werden.

Führen Sie vor jeder Erstanwendung eines neuen Öls einen Verträglichkeitstest durch: Tragen Sie die verdünnte Mischung auf eine kleine Stelle an der Unterarminnenseite auf und warten Sie 24 Stunden. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und Wechselwirkungen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Wichtiger Hinweis bei Bluthochdruck: Durchblutungsfördernde ätherische Öle können den Blutdruck beeinflussen. Personen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. Rosmarinöl (ct. Campher) kann den Blutdruck steigern und ist daher bei Hypertonie mit besonderer Vorsicht zu verwenden. Mehr dazu im Artikel zu ätherischen Ölen bei Bluthochdruck.

Verdünnen Sie durchblutungsfördernde ätherische Öle stets in einem geeigneten Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Durchblutungsförderung ist nicht gleich Entzündungshemmung

Durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Öle werden häufig verwechselt – dabei beschreiben sie zwei unterschiedliche Eigenschaften. Durchblutungsfördernde Öle steigern den lokalen Blutfluss, was kurzfristig sogar eine leichte Entzündungsreaktion einschließen kann (Rubefazienz-Effekt). Entzündungshemmende Öle dagegen unterdrücken Entzündungsprozesse auf biochemischer Ebene. Einige Öle wie Ingwer besitzen beide Eigenschaften, andere wie Zimt fördern die Durchblutung, sind aber selbst hautreizend und daher nicht entzündungshemmend. Welche Öle gezielt Entzündungen hemmen, erklärt der Ratgeber zu entzündungshemmenden ätherischen Ölen.

Häufige Fragen

Welches ätherische Öl fördert die Durchblutung am stärksten?

Zimtrindenöl (Zimtaldehyd) erzeugt die stärkste messbare Durchblutungssteigerung in der Haut – Studien zeigen eine Zunahme der kutanen Gefäßleitfähigkeit um bis zu 27 %. Allerdings ist es auch das aggressivste Öl für die Haut und darf nur in sehr geringer Konzentration (max. 0,5 %) angewendet werden. Für die alltägliche Anwendung bieten Rosmarinöl (ct. Campher) und Ingweröl das beste Verhältnis aus starker Wirkung und guter Hautverträglichkeit.

Können kühlende Öle wie Pfefferminze wirklich die Durchblutung fördern?

Ja. Obwohl Pfefferminzöl ein Kältegefühl auf der Haut erzeugt, steigert sein Hauptwirkstoff Menthol die Hautdurchblutung nachweislich. Menthol aktiviert TRPM8-Rezeptoren, die über Stickstoffmonoxid und endothelabhängige Hyperpolarisierungsfaktoren eine Vasodilatation auslösen. Der Effekt tritt etwa 15 Minuten nach dem Auftragen ein und hält bis zu 45 Minuten an. Anders als echte Kältetherapie (Eispackung), die den Blutfluss senkt, erhöht Menthol den kutanen Blutfluss.

Welche ätherischen Öle eignen sich bei kalten Händen und Füßen?

Für kalte Extremitäten sind stark wärmende Öle am wirksamsten: Rosmarinöl (ct. Campher), Ingweröl und Schwarzer-Pfeffer-Öl steigern den Blutfluss in Händen und Füßen spürbar. Mischen Sie 3–4 Tropfen des gewählten Öls mit 10 ml Trägeröl und massieren Sie die Mischung in Hände oder Füße ein. Bei Raynaud-Symptomatik (anfallsartige Durchblutungsstörung der Finger) wurde Rosmarinöl in einer Fallstudie erfolgreich erprobt – die Fingertemperatur stieg nach der Anwendung messbar an.

Können durchblutungsfördernde Öle den Blutdruck beeinflussen?

Ja, durchblutungsfördernde ätherische Öle können den Blutdruck beeinflussen – allerdings in unterschiedliche Richtungen. Rosmarinöl (ct. Campher) kann den Blutdruck steigern und ist daher für Personen mit Hypotonie potenziell hilfreich, bei bestehendem Bluthochdruck aber mit Vorsicht zu verwenden. Ingweröl und Pfefferminzöl haben in Studien eher blutdrucksenkende Effekte gezeigt. Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten vor der regelmäßigen Anwendung durchblutungsfördernder Öle ihren Arzt konsultieren.

Wie unterscheiden sich durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Öle?

Durchblutungsfördernde Öle steigern den lokalen Blutfluss und können kurzfristig sogar eine milde Entzündungsreaktion in der Haut auslösen (Rubefazienz). Entzündungshemmende Öle unterdrücken dagegen Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine und Zytokine auf biochemischer Ebene. Einige Öle wie Ingwer vereinen beide Eigenschaften: Sie fördern die Durchblutung über Gingerole und hemmen gleichzeitig entzündliche COX- und LOX-Enzyme. Andere, wie Zimtrindenöl, fördern zwar die Durchblutung stark, können aber selbst Hautreizungen verursachen.

Quellen

  1. Ghayur, M. N., & Gilani, A. H. (2005). Ginger lowers blood pressure through blockade of voltage-dependent calcium channels. Journal of Cardiovascular Pharmacology, 45(1), 74–80. doi:10.1097/00005344-200501000-00013
  2. Hong, C. Z., & Shellock, F. G. (1991). Effects of a topically applied counterirritant (Eucalyptamint) on cutaneous blood flow and on skin and muscle temperatures. A placebo-controlled study. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, 70(1), 29–33. doi:10.1097/00002060-199102000-00006
  3. Beer, A. M., Lukanov, J., & Sagorchev, P. (2007). Effect of Thymol on the spontaneous contractile activity of the smooth muscles. Phytomedicine, 14(1), 65–69. doi:10.1016/j.phymed.2006.11.010 | Beer, A. M. et al. (2010). Investigations into the specific effects of rosemary oil at the receptor level. Planta Medica, 75(9), PJ120. doi:10.1055/s-0029-1234889
  4. Fernández, L. F., Palomino, O. M., & Frutos, G. (2014). Effectiveness of Rosmarinus officinalis essential oil as antihypotensive agent in primary hypotensive patients and its influence on health-related quality of life. Journal of Ethnopharmacology, 151(1), 509–516. doi:10.1016/j.jep.2013.11.006
  5. Ghayur, M. N., & Gilani, A. H. (2005). Cardiovascular effects of ginger aqueous extract and its phenolic constituents are mediated through multiple pathways. Vascular Pharmacology, 43(4), 234–241. doi:10.1016/j.vph.2005.07.003
  6. Wu, J. J., Cui, Y., Yang, Y. S., et al. (2018). Relaxant and vasoprotective effects of ginger extracts on porcine coronary arteries. International Journal of Molecular Medicine, 41(4), 2420–2428. doi:10.3892/ijmm.2018.3380
  7. Taqvi, S. I. H., Shah, A. J., & Gilani, A. H. (2008). Blood pressure lowering and vasomodulator effects of piperine. Journal of Cardiovascular Pharmacology, 52(5), 452–458. doi:10.1097/FJC.0b013e31818d07c0
  8. Yoshida, A., Tamura, Y., Homma, I., & Ohtake, Y. (2024). Alleviation of acute stress response by black pepper aroma administration. Journal of Physiological Anthropology, 43(1), 1. doi:10.1186/s40101-023-00352-1
  9. Craighead, D. H., & Alexander, L. M. (2016). Topical menthol increases cutaneous blood flow. Microvascular Research, 107, 39–45. doi:10.1016/j.mvr.2016.04.010
  10. Craighead, D. H., Shank, S. W., Engeland, C. G., & Alexander, L. M. (2021). Menthol-induced activation of TRPM8 receptors increases cutaneous blood flow across the dermatome. Microvascular Research, 139, 104266. doi:10.1016/j.mvr.2021.104266
  11. Craighead, D. H., McCartney, N. B., Tumlinson, J. H., & Alexander, L. M. (2017). Mechanisms and time course of menthol-induced cutaneous vasodilation. Microvascular Research, 110, 43–47. doi:10.1016/j.mvr.2016.11.008
  12. Kataoka, T., Fujii, N., McGarr, G. W., & Kenny, G. P. (2022). TRPA1 channel activation with cinnamaldehyde induces cutaneous vasodilation through NOS, but not COX and KCa channel, mechanisms in humans. Journal of Cardiovascular Pharmacology, 79(3), 375–382. doi:10.1097/FJC.0000000000001188
  13. Bamps, D., Weerts, A., Boeckx, B., et al. (2023). TRPA1 antagonist LY3526318 inhibits the cinnamaldehyde-evoked dermal blood flow increase: Translational proof of pharmacology. Clinical Pharmacology & Therapeutics, 114(6), 1316–1325. doi:10.1002/cpt.3024
  14. Silva, H., & Garruño, J. (2020). Current knowledge on the vascular effects of menthol. Frontiers in Physiology, 11, 298. doi:10.3389/fphys.2020.00298