Duftöl und ätherisches Öl stecken oft in ähnlichen Fläschchen, tragen ähnliche Etiketten und verströmen beide einen angenehmen Geruch. Doch hinter diesen Gemeinsamkeiten verbergen sich zwei grundlegend verschiedene Produkte – mit unterschiedlicher Herkunft, Zusammensetzung und Wirkung auf den Körper. Wer die Unterschiede nicht kennt, kauft womöglich ein synthetisches Laborprodukt im Glauben, ein naturreines Pflanzenextrakt in Händen zu halten.
Das Problem ist verbreitet: Laut einer Untersuchung der Environmental Working Group (EWG) enthielt ein durchschnittliches Parfumprodukt 14 chemische Inhaltsstoffe, die nicht auf dem Etikett aufgeführt waren.[1] Für Verbraucher, die ätherische Öle gezielt für Aromatherapie oder Hautpflege einsetzen möchten, kann eine Verwechslung nicht nur wirkungslos, sondern auch gesundheitlich bedenklich sein.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen die entscheidenden Unterschiede zwischen Duftöl und ätherischem Öl, erklärt, wie Sie beide anhand des Etiketts sicher erkennen, und beleuchtet die gesundheitlichen Risiken synthetischer Duftstoffe. Am Ende wissen Sie genau, wann welches Öl die richtige Wahl ist.
Auf einen Blick
- Herkunft: Ätherische Öle stammen aus Pflanzen und werden durch Destillation oder Kaltpressung gewonnen. Duftöle entstehen synthetisch oder halbsynthetisch im Labor.
- Zusammensetzung: Ein ätherisches Öl enthält bis zu 500 verschiedene Pflanzenstoffe. Ein Duftöl besteht aus wenigen, gezielt hergestellten Molekülen.
- Wirkung: Ätherische Öle besitzen pharmakologisch nachgewiesene Wirkungen (z. B. antibakteriell, angstlösend). Duftöle bieten ausschließlich Geruchserlebnis.
- Erkennung: Ein botanischer Name auf dem Etikett (z. B. Lavandula angustifolia) spricht für ein ätherisches Öl. Begriffe wie „Parfümöl" oder „Fragrance Oil" weisen auf ein synthetisches Produkt hin.
- Gesundheit: Synthetische Duftöle können Phthalate, synthetische Moschusverbindungen und deklarationspflichtige Allergene enthalten, die mit Hormonstörungen und Atemwegsbeschwerden in Verbindung stehen.[2]
- Einsatzbereich: Für Aromatherapie und therapeutische Zwecke sind ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle geeignet. Duftöle haben ihre Berechtigung in der Kerzenherstellung und dekorativen Raumbeduftung.
Was ist ein ätherisches Öl?
Ein ätherisches Öl ist ein konzentriertes, flüchtiges Pflanzenextrakt, das durch Wasserdampfdestillation, Kaltpressung oder Extraktion aus Blüten, Blättern, Rinden, Wurzeln oder Früchten einer Pflanze gewonnen wird. Die verschiedenen Herstellungsverfahren ätherischer Öle beeinflussen die Zusammensetzung und Qualität des Endprodukts erheblich. Ätherische Öle enthalten die aromatischen und bioaktiven Verbindungen der jeweiligen Pflanze – sozusagen deren chemische Essenz. Eine ausführliche Erklärung, was ätherische Öle im Detail sind und wie sie in der Pflanze entstehen, finden Sie im Grundlagen-Ratgeber zu ätherischen Ölen.
Chemisch gesehen bestehen ätherische Öle aus einem komplexen Stoffprofil: Terpene, Terpenoide, Phenylpropanoide und weitere sekundäre Pflanzenstoffe bilden gemeinsam ein natürliches Wirkstoffgemisch. Ein einziges ätherisches Öl kann 200 bis 500 verschiedene Einzelverbindungen enthalten.[3] Diese Vielstoffigkeit erklärt, warum ätherische Öle pharmakologisch wirken können – sie interagieren über mehrere Mechanismen gleichzeitig mit dem Körper.
Lavendelöl (Lavandula angustifolia) beispielsweise enthält unter anderem Linalool und Linalylacetat, die nachweislich anxiolytisch (angstlösend) und sedierend wirken.[4] Diese Wirkung lässt sich nicht einfach mit einem einzelnen synthetischen Linalool-Molekül nachahmen, weil erst das Zusammenspiel der vielen Pflanzeninhaltsstoffe den sogenannten Entourage-Effekt erzeugt.
Was ist ein Duftöl?
Ein Duftöl (auch Parfümöl oder Fragrance Oil genannt) ist ein im Labor hergestelltes Aromaprodukt, das einen bestimmten Geruch imitieren oder völlig neue Duftkompositionen erschaffen soll. Die Herstellung erfolgt durch chemische Synthese, wobei einzelne Aromamoleküle gezielt kombiniert werden.
Es gibt drei Varianten von Duftölen:
- Vollsynthetische Duftöle: Bestehen ausschließlich aus im Labor erzeugten Chemikalien. Sie können Düfte nachbilden, die in der Natur nicht als Öl extrahierbar sind – etwa den Duft von frischer Wäsche, Meeresluft oder Maiglöckchen.
- Halbsynthetische Duftöle (Nature-Identical): Enthalten synthetisch nachgebaute Einzelmoleküle, die chemisch identisch mit Pflanzenstoffen sind (z. B. synthetisches Linalool). Es fehlt jedoch das natürliche Begleitstoffprofil der Pflanze.
- Duftöle mit Naturanteil: Mischen synthetische Aromastoffe mit einem geringen Anteil ätherischer Öle. Die Bezeichnung „mit natürlichen Inhaltsstoffen" kann irreführend sein, wenn der Naturanteil nur 5–10 % beträgt.
Die Duftstoffindustrie verwendet über 3.500 verschiedene Chemikalien für die Herstellung synthetischer Düfte.[5] Ein einzelnes Duftöl kann 50 bis 100 Einzelchemikalien enthalten, darunter Lösungsmittel, Stabilisatoren, UV-Absorber, Konservierungsstoffe und Farbstoffe – Bestandteile, die in einem ätherischen Öl nicht vorkommen.
Duftöl vs. ätherisches Öl: Der direkte Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen Duftöl und ätherischem Öl systematisch zusammen. Sie hilft Ihnen, die beiden Produktkategorien auf einen Blick auseinanderzuhalten.
| Merkmal | Ätherisches Öl | Duftöl |
|---|---|---|
| Herkunft | Pflanzlich – aus Blüten, Blättern, Rinden, Wurzeln, Früchten | Synthetisch oder halbsynthetisch – im Labor hergestellt |
| Herstellung | Wasserdampfdestillation, Kaltpressung, CO₂-Extraktion | Chemische Synthese aus petrochemischen oder naturidentischen Ausgangsstoffen |
| Zusammensetzung | Komplexes Stoffprofil mit 200–500 Einzelverbindungen (Terpene, Terpenoide, Phenole) | Wenige, gezielt kombinierte Aromachemikalien plus Träger- und Hilfsstoffe |
| Wirkung | Pharmakologisch nachweisbar: antibakteriell, entzündungshemmend, anxiolytisch, analgetisch[3] | Rein olfaktorisch – ausschließlich Geruchswirkung, keine therapeutische Wirkung |
| Duftverhalten | Natürlich variabel, verflüchtigt sich schneller, leichte Chargenschwankungen möglich | Gleichbleibend, langanhaltend, chargenunabhängig standardisiert |
| Preis (Beispiel Lavendel, 10 ml) | Ca. 5–15 € (naturrein) – hochwertige Öle wie Rose oder Neroli deutlich teurer | Ca. 1–4 € – gleichbleibend günstig unabhängig vom imitierten Duft |
| Etikett-Kennzeichnung | Botanischer Name (lat.), Angabe „100 % naturrein", Gewinnungsmethode, Herkunftsland | „Duftöl", „Parfümöl", „Fragrance Oil", ggf. „naturidentisch" – kein botanischer Name |
| Typische Anwendung | Aromatherapie, therapeutische Hautpflege, Inhalation, Massage | Kerzenherstellung, Seifen, Raumduft, dekorative Kosmetik |
| Qualitätsprüfung | GC/MS-Analyse, Brechungsindex, spezifisches Gewicht, olfaktorische Bewertung | Keine standardisierte Prüfung für therapeutische Reinheit |
Wie erkennen Sie den Unterschied auf dem Etikett?
Das Etikett ist der zuverlässigste Anhaltspunkt, um ein ätherisches Öl von einem Duftöl zu unterscheiden. Seriöse Hersteller ätherischer Öle liefern auf dem Etikett spezifische Informationen, die bei Duftölen fehlen.
Merkmale eines echten ätherischen Öls auf dem Etikett
Achten Sie auf folgende Angaben – je mehr davon vorhanden sind, desto wahrscheinlicher handelt es sich um ein naturreines ätherisches Öl:
- Botanischer Name in Latein: z. B. Lavandula angustifolia, Melaleuca alternifolia oder Citrus sinensis. Dieser Name identifiziert die genaue Pflanzenart und den Chemotyp eindeutig.
- Angabe „100 % naturrein" oder „100 % pure essential oil": Signalisiert, dass das Öl nicht gestreckt, verdünnt oder mit Zusätzen versehen wurde.
- Gewinnungsmethode: z. B. „Wasserdampfdestillation" oder „Kaltpressung".
- Herkunftsland: z. B. „Herkunft: Frankreich" oder „Origin: Bulgaria".
- Pflanzenteil: z. B. „aus den Blüten" oder „aus der Fruchtschale".
- Chargennummer: Ermöglicht die Rückverfolgung und ist ein Zeichen professioneller Qualitätskontrolle.
Warnsignale: So erkennen Sie ein Duftöl
Fehlt der botanische Name auf dem Etikett, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um ein ätherisches Öl. Diese Begriffe weisen auf ein synthetisches Produkt hin:
- „Duftöl", „Parfümöl", „Fragrance Oil" oder „Aromaöl" – eindeutig synthetisch
- „Naturidentisch" oder „Nature-Identical" – synthetisch nachgebaute Einzelmoleküle, die zwar chemisch gleich, aber nicht pflanzlichen Ursprungs sind
- „Duftmischung" oder „Fragrance Blend" – Kombination aus synthetischen Aromachemikalien
- „Inspiriert von …" oder „Typ …" – synthetische Nachbildung eines natürlichen Duftes
- Fantasie-Düfte: Düfte wie „Meeresfrische", „Weihnachtsgebäck" oder „Frische Wäsche" existieren nicht als Pflanzenextrakt und sind stets synthetisch
Ein weiterer Hinweis: Wenn alle Öle im Sortiment eines Anbieters exakt den gleichen Preis haben (z. B. alle 10-ml-Fläschchen für 3,99 €), handelt es sich sehr wahrscheinlich um Duftöle. Echte ätherische Öle variieren stark im Preis – Rosenöl ist ein Vielfaches teurer als Orangenöl, weil für einen Liter Rosenöl etwa 4.000 bis 5.000 Kilogramm Rosenblüten benötigt werden.
Eine umfassende Anleitung, woran Sie hochwertige ätherische Öle von minderwertiger Ware unterscheiden, finden Sie im Qualitätsratgeber für ätherische Öle.
Warum der Unterschied für die Wirkung entscheidend ist
Ätherische Öle wirken nicht nur durch ihren Geruch. Ihre bioaktiven Inhaltsstoffe interagieren über die Riechschleimhaut mit dem limbischen System des Gehirns und gelangen über die Haut in den Blutkreislauf. Dabei entfalten sie messbare pharmakologische Effekte. Studien belegen für verschiedene ätherische Öle antibakterielle, antivirale, entzündungshemmende, anxiolytische und analgetische Eigenschaften.[3] Wie dieser Wirkmechanismus im Detail funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Wirkung ätherischer Öle.
Ein synthetisches Duftöl kann zwar angenehm riechen und über den Geruchssinn kurzfristig die Stimmung beeinflussen. Es besitzt jedoch keine pharmakologische Wirkung. Das synthetische Linalool in einem Lavendel-Duftöl mag nach Lavendel duften, aber es fehlen die über 100 Begleitstoffe des echten Lavendelöls, die dessen therapeutisches Potenzial ausmachen.
Ein Überblick aus dem Jahr 2022 über die Wirkung ätherischer Öle auf das zentrale Nervensystem bestätigte, dass Aromatherapie mit echten ätherischen Ölen die Schlafqualität verbessern, präoperative Angst lindern und Schmerzen nach Operationen reduzieren kann.[4] Für synthetische Duftöle existieren solche Belege nicht.
Gesundheitsrisiken synthetischer Duftöle
Synthetische Duftöle sind nicht harmlos. Eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien weist auf gesundheitliche Risiken hin, die bei regelmäßiger Exposition relevant werden. Die drei wichtigsten Risikobereiche sind allergische Reaktionen, hormonaktive Substanzen und die Belastung der Raumluft.
Allergene in synthetischen Duftstoffen
Duftstoffallergien zählen zu den häufigsten Kontaktallergien in Europa. Das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) der EU schätzt, dass 1–3 % der europäischen Bevölkerung allergisch auf Duftstoffe reagieren – bei Ekzem-Patienten liegt die Sensibilisierungsrate sogar bei 16 %.[6]
Die EU hat auf diese Datenlage reagiert: Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 wurde die Liste deklarationspflichtiger Duftstoff-Allergene von zuvor 26 auf über 80 Substanzen erweitert.[7] Kosmetikhersteller müssen diese Allergene auf dem Etikett einzeln aufführen, wenn ihre Konzentration bestimmte Schwellenwerte überschreitet (0,001 % bei Leave-on-Produkten, 0,01 % bei Rinse-off-Produkten). Die vollständige Umsetzung muss bis zum 31. Juli 2026 erfolgen.
Allergische Reaktionen auf Duftstoffe äußern sich typischerweise als Kontaktdermatitis (Rötung, Juckreiz, Bläschenbildung), können aber auch Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen auslösen.[2]
Phthalate in Duftölen: Hormonstörungen durch Weichmacher
Phthalate – allen voran Diethylphthalat (DEP) – werden in synthetischen Duftstoffen als Lösungsmittel und Duftverstärker eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass ein Duft länger an der Haut haftet. DEP selbst hat keinen Geruch und taucht auf Etiketten meist nicht auf, weil es unter dem Sammelbegriff „Parfum" oder „Fragrance" zusammengefasst wird.
Phthalate gelten als endokrine Disruptoren: Sie können die Hormonbalance des Körpers stören, indem sie natürliche Hormone imitieren oder deren Wirkung blockieren. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 fasst zusammen, dass chronische Phthalat-Exposition mit Störungen des Reproduktionssystems, der neurologischen Entwicklung und des Stoffwechsels assoziiert ist.[8] Im Reproduktionsbereich wurden Zusammenhänge mit verringerter Spermienqualität, Fruchtbarkeitsstörungen und Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern dokumentiert.[9]
Die EU hat die Verwendung bestimmter Phthalate in Kosmetik und Medizinprodukten bereits eingeschränkt. DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat) ist in Kosmetikprodukten verboten. DEP ist jedoch weiterhin erlaubt und in Duftprodukten weit verbreitet.
Synthetische Moschusverbindungen: Langlebig im Körper
Synthetische Moschusverbindungen ersetzen in Duftölen das natürliche, tierische Moschus. Es gibt drei Generationen dieser Verbindungen:
- Nitromoschusverbindungen (erste Generation, z. B. Moschus-Xylol, Moschus-Keton): Mittlerweile in der EU stark eingeschränkt, weil sie mit Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems in Verbindung gebracht wurden.[2]
- Polyzyklische Moschusverbindungen (zweite Generation, z. B. Galaxolid, Tonalid): Werden langsam im Körper abgebaut, reichern sich in Fettgewebe und Muttermilch an und stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein.[10]
- Makrozyklische Moschusverbindungen (dritte Generation): Gelten als besser abbaubar und weniger bedenklich, sind aber kostspieliger in der Herstellung.
Die Bioakkumulation von Galaxolid und Tonalid in menschlichem Gewebe ist gut dokumentiert. Forschungsergebnisse deuten auf mögliche endokrin disruptive Effekte hin, wobei die Langzeitfolgen noch nicht abschließend geklärt sind.[10]
Raumluftbelastung durch synthetische Duftstoffe
Synthetische Duftstoffe setzen flüchtige organische Verbindungen (VOCs) frei, die die Raumluft belasten können. Eine vielzitierte Studie von Steinemann et al. wies in handelsüblichen Duftprodukten durchschnittlich 17 verschiedene VOCs nach – darunter krebserregende Substanzen wie Formaldehyd, Acetaldehyd und 1,4-Dioxan. Nur ein Bruchteil dieser Substanzen war auf den Etiketten deklariert.[11]
Ein Review aus dem Jahr 2023 bestätigte, dass die Konzentrationen von VOCs in Innenräumen zwei- bis fünfmal höher liegen als im Freien.[2] Besonders problematisch: Terpene aus Duftprodukten reagieren mit dem in der Raumluft vorhandenen Ozon und bilden sekundäre Schadstoffe – darunter Formaldehyd und ultrafeine Partikel.[12] Diese Sekundärschadstoffe können über Stunden in der Raumluft verbleiben.
Symptome, die mit regelmäßiger Exposition gegenüber synthetischen Duftstoffen in Verbindung gebracht werden, umfassen Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Atembeschwerden und bei empfindlichen Personen Asthmaanfälle.[2]
Wann sind Duftöle eine akzeptable Wahl?
Synthetische Duftöle sind nicht pauschal „schlecht" – sie haben durchaus legitime Einsatzbereiche, solange keine therapeutische Wirkung erwartet wird und die Exposition begrenzt bleibt.
Duftöle sind sinnvoll bei:
- Kerzenherstellung: Synthetische Duftöle vertragen die hohen Temperaturen beim Kerzengießen besser als viele ätherische Öle, deren flüchtige Inhaltsstoffe sich bei Hitze zersetzen können. Mehr dazu im Ratgeber zu ätherischen Ölen in Kerzen.
- Dekorativer Raumduft: Wenn Sie Räume ausschließlich mit einem Duft versehen möchten, ohne therapeutische Ziele zu verfolgen, können qualitativ hochwertige Duftöle eine kostengünstige Option sein. Einen Überblick über verschiedene Methoden der Raumbeduftung finden Sie im entsprechenden Ratgeber.
- Seifenherstellung: Manche Düfte (z. B. „Kokosnuss" oder „Vanille-Karamell") lassen sich mit rein pflanzlichen Extrakten nicht realisieren.
- Fantasie-Düfte: Gerüche wie „Ozeanwind" oder „Regentropfen" existieren als ätherisches Öl schlicht nicht.
Duftöle sind hingegen keine geeignete Wahl, wenn Sie eine aromatherapeutische Wirkung erzielen, ätherische Öle im Diffuser verwenden oder Öle zur Hautpflege einsetzen möchten. Für all diese Anwendungen benötigen Sie 100 % naturreine ätherische Öle.
Häufige Verwechslungen und Fallen beim Kauf
Der Markt für ätherische Öle und Duftöle ist unübersichtlich, und nicht alle Anbieter sind transparent. Einige häufige Stolperfallen verdienen besondere Aufmerksamkeit.
„Naturidentisch" bedeutet nicht „natürlich"
Der Begriff „naturidentisch" klingt nach Natur, beschreibt aber ein synthetisches Produkt. Naturidentisches Linalool wird beispielsweise aus petrochemischen Vorstufen im Labor hergestellt und ist chemisch identisch mit dem Linalool aus Lavendelöl. Was fehlt, ist das komplexe Begleitstoffprofil der Pflanze – und damit jede therapeutische Wirkung über den reinen Duft hinaus.
Verdünnte Öle mit Duftöl-Zusatz
Manche Anbieter strecken echte ätherische Öle mit synthetischen Duftstoffen, um den Geruch zu verstärken oder die Kosten zu senken. Das Produkt duftet intensiv und „echt", ist aber verfälscht. Solche Produkte werden manchmal als „Aromatherapie-Öl" vermarktet – ein Begriff, der rechtlich nicht geschützt ist.
Einheitliche Preise als Warnsignal
Wenn Sandelholzöl, Rosenöl und Teebaumöl im selben Shop alle 4,99 € kosten, stimmt etwas nicht. Die tatsächlichen Herstellungskosten variieren enorm: Für 10 ml echtes Rosenöl (Rosa damascena) werden bis zu 50 kg Rosenblüten benötigt. Teebaumöl ist dagegen deutlich günstiger in der Produktion. Gleiche Preise über alle Sorten hinweg sind ein starkes Indiz für synthetische Duftöle.
Sicherheitshinweis
Unabhängig davon, ob Sie ätherische Öle oder Duftöle verwenden: Achten Sie auf mögliche allergische Reaktionen. Auch naturreine ätherische Öle können Kontaktallergien auslösen. Eine Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle. Die vollständigen Informationen zur richtigen Verdünnung und Dosierung bietet der Dosierungsratgeber.
Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle, wenn Sie eine therapeutische Wirkung erzielen möchten. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber im Detail.
Häufige Fragen
Kann ich ein Duftöl für die Aromatherapie verwenden?
Nein. Duftöle enthalten keine bioaktiven Pflanzenstoffe und besitzen keine pharmakologische Wirkung. Für die Aromatherapie – ob zur Entspannung, Schmerzlinderung oder Unterstützung bei Atemwegsbeschwerden – sind ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle geeignet. Duftöle bieten lediglich ein Geruchserlebnis, können aber keine therapeutischen Effekte erzielen.
Sind Duftöle gefährlich für die Gesundheit?
Synthetische Duftöle sind bei gelegentlicher, kurzzeitiger Nutzung (z. B. eine Duftkerze bei geöffnetem Fenster) für die meisten Menschen nicht akut gefährlich. Gesundheitlich relevant wird die Exposition bei regelmäßigem Gebrauch in schlecht belüfteten Räumen, bei Vorbelastungen wie Asthma oder Duftstoffallergien sowie bei empfindlichen Personengruppen. Studien belegen, dass synthetische Duftstoffe VOCs freisetzen, die Kopfschmerzen, Atemwegsreizungen und allergische Reaktionen auslösen können.[2] Phthalate in Duftprodukten stehen zudem im Verdacht, als endokrine Disruptoren zu wirken.[8]
Woran erkenne ich auf dem Etikett, ob es sich um ein ätherisches Öl oder ein Duftöl handelt?
Der wichtigste Hinweis ist der botanische Name in Latein (z. B. Lavandula angustifolia). Ist dieser vorhanden, zusammen mit Angaben wie „100 % naturrein", Herkunftsland und Gewinnungsmethode, spricht das für ein echtes ätherisches Öl. Begriffe wie „Duftöl", „Parfümöl", „Fragrance Oil" oder „naturidentisch" weisen dagegen auf ein synthetisches Produkt hin. Fehlt der botanische Name vollständig, handelt es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um ein Duftöl.
Was bedeutet „naturidentisch" bei ätherischen Ölen?
„Naturidentisch" bedeutet, dass einzelne Duftmoleküle synthetisch so hergestellt wurden, dass sie chemisch identisch mit den in Pflanzen vorkommenden Verbindungen sind. Ein naturidentisches Linalool hat dieselbe Molekülstruktur wie das Linalool aus Lavendelblüten. Entscheidend: Dem naturidentischen Stoff fehlt das komplexe Begleitstoffprofil der Pflanze. Es handelt sich um ein Laborprodukt, nicht um ein Naturprodukt. Eine therapeutische Wirkung im Sinne der Aromatherapie ist daher nicht zu erwarten.
Warum sind ätherische Öle so viel teurer als Duftöle?
Der Preis ätherischer Öle spiegelt den enormen Rohstoffbedarf wider. Für 10 ml Rosenöl (Rosa damascena) werden rund 40–50 kg handgepflückte Rosenblüten benötigt. Auch der Anbau, die Ernte und die Destillation sind arbeitsintensiv. Duftöle lassen sich dagegen in beliebiger Menge industriell und kostengünstig synthetisieren. Ein niedriger Preis bei vermeintlichen „ätherischen Ölen" sollte daher stets skeptisch stimmen.
Quellen
- Environmental Working Group (EWG). (2010). Not So Sexy: The Health Risks of Secret Chemicals in Fragrance. EWG Report. Verfügbar unter: https://www.ewg.org/research/not-so-sexy
- Bernardo, C. O., Ferreira, J. C., & Barreto, G. E. (2023). Do Synthetic Fragrances in Personal Care and Household Products Impact Indoor Air Quality and Pose Health Risks? International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(6), 5765. doi:10.3390/ijerph20065765
- Ben Miri, Y. (2025). Essential Oils: Chemical Composition and Diverse Biological Activities: A Comprehensive Review. Natural Product Communications, 20(1). doi:10.1177/1934578X241311790
- Chen, Y., Liu, Y., & Zhang, J. (2022). Essential oils: Chemical constituents, potential neuropharmacological effects and aromatherapy – A review. Pharmacological Research – Modern Chinese Medicine, 6, 100210. doi:10.1016/j.prmcm.2022.100210
- International Fragrance Association (IFRA). (2024). IFRA Ingredients List. Verfügbar unter: https://ifrafragrance.org/
- Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS). (2012). Opinion on Fragrance Allergens in Cosmetic Products (SCCS/1459/11). European Commission.
- Commission Regulation (EU) 2023/1545 of 26 July 2023 amending Regulation (EC) No 1223/2009 as regards labelling of fragrance allergens in cosmetic products. Official Journal of the European Union, L 188, 27.7.2023.
- Wang, Y., & Qian, H. (2021). Phthalates and Their Impacts on Human Health. Healthcare, 9(5), 603. doi:10.3390/healthcare9050603
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