Die richtige Dosierung ätherischer Öle entscheidet darüber, ob eine Anwendung wirksam, unwirksam oder sogar schädlich ist. Ein einziger Tropfen Lavendelöl (Lavandula angustifolia) enthält die konzentrierten Wirkstoffe aus etwa 30 Lavendelblüten – eine Potenz, die Respekt verdient.[1] Zwischen therapeutischer Wirkung und Hautreizung liegen oft nur wenige Tropfen Unterschied.
Ätherische Öle sind 50- bis 100-mal konzentrierter als die Pflanze selbst.[2] Diese enorme Konzentration macht eine sorgfältige Verdünnung unverzichtbar – unabhängig davon, ob Sie ein Massageöl mischen, einen Diffuser befüllen oder ein Aromabad vorbereiten. Die Verdünnung schützt nicht nur die Haut vor Reizungen und Sensibilisierung, sondern verbessert nachweislich auch die Aufnahme der Wirkstoffe über die Haut.[3] Höhere Konzentration bedeutet also nicht automatisch stärkere Wirkung – ab einem bestimmten Punkt steigt lediglich das Risiko, ohne dass der therapeutische Nutzen zunimmt.[2]

Dieser Ratgeber ist die zentrale Referenz für alle Dosierungsfragen rund um ätherische Öle. Sie finden hier vollständige Verdünnungstabellen mit Tropfenangaben, Dosierungsempfehlungen für jede Anwendungsmethode – von der Massage über den Diffuser bis zur Sauna – sowie altersgerechte Verdünnungsrichtlinien für Babys, Kinder, Erwachsene und Senioren.
Auf einen Blick
- Standardverdünnung für Erwachsene: 2 % (ca. 6 Tropfen ätherisches Öl auf 10 ml Trägeröl) gilt als sicher für die tägliche Anwendung auf der Haut.
- Kinder und Senioren: Maximal 0,5–1 % Verdünnung – das entspricht 1–3 Tropfen auf 10 ml Trägeröl.
- Diffuser-Grundregel: 3–5 Tropfen für einen 100-ml-Diffuser in einem Raum von 15–20 m², 30 Minuten an / 30 Minuten aus.
- Tropfenumrechnung: 1 ml ätherisches Öl entspricht etwa 20 Tropfen aus einem Standardtropfer (Orifice Reducer).
- Hot Oils (Zimt, Oregano, Nelke): Maximale Hautkonzentration von 0,5–1 % – deutlich niedriger als bei milden Ölen.
- Badezusatz: Ätherische Öle nie direkt ins Wasser geben – immer zuerst in einem Emulgator lösen.
Warum Verdünnung bei ätherischen Ölen unverzichtbar ist
Ätherische Öle sind fettlösliche, hochkonzentrierte Pflanzenextrakte, die unverdünnt Hautreizungen, allergische Kontaktdermatitis oder sogar chemische Verbrennungen auslösen können.[2] Das Risiko steigt proportional zur Konzentration: Je höher der Anteil ätherischen Öls auf der Haut, desto wahrscheinlicher eine unerwünschte Reaktion – ein in der Dermatologie und Toxikologie gut dokumentiertes Prinzip.[4]
Die Verdünnung in einem Trägeröl erfüllt drei Funktionen gleichzeitig: Sie reduziert das Reizpotenzial, verteilt das ätherische Öl gleichmäßig über eine größere Hautfläche und verlangsamt die Verdunstung – wodurch die Wirkstoffe länger mit der Haut in Kontakt bleiben.[3] Studien zeigen, dass Bestandteile von Lavendelöl bei einer Massage bereits nach 5 Minuten im Blut nachweisbar sind und nach etwa 20 Minuten ihre maximale Konzentration erreichen.[5] Eine korrekte Verdünnung optimiert diesen Prozess.
Ein häufiger Fehler in der Praxis: Ätherische Öle unverdünnt auftragen, weil sie „natürlich" sind. Doch selbst als mild geltende Öle wie Lavendel oder Teebaum können bei regelmäßiger Anwendung ohne Verdünnung eine dauerhafte Sensibilisierung auslösen – das Immunsystem reagiert dann lebenslang auf diesen Stoff.[2] Welches Trägeröl sich für welchen Zweck am besten eignet, erfahren Sie im separaten Trägeröl-Ratgeber.
Verdünnungstabelle: Tropfenanzahl nach Konzentration und Ölmenge
Die folgende Tabelle zeigt die exakte Tropfenanzahl ätherischen Öls für verschiedene Konzentrationen und Trägerölmengen. Grundlage ist ein Standardtropfer (Orifice Reducer) mit ca. 20 Tropfen pro ml. Alle Angaben gelten für ätherische Öle ohne spezifische Maximalbeschränkung – bei Ölen mit niedrigerem Dermal-Maximum (etwa Zitronengras mit max. 0,7 %) muss die individuelle Obergrenze beachtet werden.[4]
| Konzentration | 10 ml Trägeröl | 30 ml Trägeröl | 50 ml Trägeröl | 100 ml Trägeröl | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| 0,5 % | 1 Tropfen | 3 Tropfen | 5 Tropfen | 10 Tropfen | Babys ab 3 Monate, Gesichtspflege empfindliche Haut |
| 1 % | 2 Tropfen | 6 Tropfen | 10 Tropfen | 20 Tropfen | Kinder 2–6 Jahre, Schwangere, Senioren, Gesichtspflege |
| 2 % | 4 Tropfen | 12 Tropfen | 20 Tropfen | 40 Tropfen | Erwachsene Ganzkörper-Massage, tägliche Hautpflege |
| 3 % | 6 Tropfen | 18 Tropfen | 30 Tropfen | 60 Tropfen | Erwachsene gezielte Anwendung, Muskelbeschwerden |
| 5 % | 10 Tropfen | 30 Tropfen | 50 Tropfen | 100 Tropfen | Akute Beschwerden, kleine Hautareale, kurzzeitig |
| 10 % | 20 Tropfen | 60 Tropfen | 100 Tropfen | 200 Tropfen | Muskel-/Gelenkschmerzen (kleine Fläche), nur Erwachsene |
Praxistipp: Beginnen Sie immer mit der niedrigsten empfohlenen Konzentration und steigern Sie bei Bedarf. 2 % ist der „goldene Standard" für die tägliche topische Anwendung bei Erwachsenen – diese Konzentration bietet ein gutes Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Sicherheit.[4]
Tropfenumrechnung: Wie viel ist ein Tropfen?
Ein Tropfen ätherisches Öl aus einem Standard-Orifice-Reducer (dem kleinen Einsatz in der Flasche) hat ein Volumen von etwa 0,05 ml. Daraus ergibt sich: 20 Tropfen ≈ 1 ml ätherisches Öl.[4] Diese Angabe ist ein Richtwert – die tatsächliche Tropfengröße variiert je nach Viskosität des Öls, Temperatur und Tropfer-Typ.
| Dosierhilfe | Tropfen pro ml | Tropfenvolumen | Genauigkeit |
|---|---|---|---|
| Standard-Tropfer (Orifice Reducer) | ca. 20 Tropfen | ca. 0,05 ml | Für den Heimgebrauch ausreichend |
| Glas-Pipette | ca. 25–30 Tropfen | ca. 0,03–0,04 ml | Kleinere Tropfen, besser für niedrige Dosierungen |
| Messspritze (1 ml) | direkte ml-Messung | exakt | Höchste Genauigkeit, für professionelle Anwendung |
| Feinwaage (0,01 g) | Gewichtsmessung | exakt | Profi-Standard für reproduzierbare Mischungen |
Dickflüssige Öle wie Sandelholz, Vetiver oder Myrrhe bilden größere Tropfen als leichtflüssige Zitrusöle. Wer häufig mischt, profitiert von einer Feinwaage: 1 ml ätherisches Öl wiegt je nach Dichte zwischen 0,8 und 0,95 g. Für den gelegentlichen Heimgebrauch ist der Standardtropfer jedoch völlig ausreichend.
Dosierung nach Anwendungsmethode
Topische Anwendung und Massage
Für die topische Anwendung auf der Haut gelten Verdünnungen von 1–3 % als Standard bei Erwachsenen. Eine klinische Studie mit Knie-Arthrose-Patienten konnte mit Lavendel-Massageöl in moderater Verdünnung signifikante Schmerzlinderung im Vergleich zu reinem Mandelöl erzielen.[6] Bei Dysmenorrhoe zeigte eine Mischung aus Lavendel, Muskatellersalbei und Majoran in 3-prozentiger Verdünnung ebenfalls deutliche schmerzlindernde Effekte.[7]
| Anwendungsbereich | Empfohlene Konzentration | Tropfen auf 10 ml Trägeröl |
|---|---|---|
| Gesichtspflege (täglich) | 0,5–1 % | 1–2 Tropfen |
| Ganzkörper-Massage | 1,5–2,5 % | 3–5 Tropfen |
| Gezielte Massage (Rücken, Nacken) | 2–3 % | 4–6 Tropfen |
| Akute Muskel-/Gelenkschmerzen (kleines Areal) | 3–5 % | 6–10 Tropfen |
| Roll-On (kleines Hautareal) | 3–5 % | 6–10 Tropfen |
Die genauen Massage-Techniken und Öl-Mischungen finden Sie im separaten Massage-Ratgeber.
Dosierung im Diffuser
Ein Diffuser vernebelt ätherisches Öl als feinen Nebel im Raum. Die optimale Tropfenanzahl hängt von der Raumgröße und der Diffuser-Kapazität ab. Als Faustregel gilt: 3–5 Tropfen pro 100 ml Wasserkapazität des Diffusers. Entscheidend ist auch die Laufzeit – empfohlen werden Intervalle von 30–60 Minuten Betrieb, gefolgt von einer gleichlangen Pause, da der Körper sich an den Duft gewöhnt und die Wirkung nachlässt.[2]
| Raumgröße | Tropfenanzahl | Diffuser-Kapazität | Empfohlene Laufzeit |
|---|---|---|---|
| Kleiner Raum (bis 15 m²) | 3–5 Tropfen | 100 ml | 30 Min. an / 30 Min. aus |
| Mittlerer Raum (15–25 m²) | 5–8 Tropfen | 200 ml | 30–60 Min. an / 30–60 Min. aus |
| Großer Raum (25–40 m²) | 8–12 Tropfen | 300–500 ml | 30–60 Min. an / 30–60 Min. aus |
Praxistipp: Starten Sie bei einem neuen Öl immer mit der niedrigsten Tropfenanzahl. Intensive Öle wie Pfefferminze oder Eukalyptus brauchen deutlich weniger Tropfen als milde Öle wie Kamille oder Mandarine. Lüften Sie den Raum regelmäßig. Sind Kinder, Schwangere oder Haustiere im Raum, reduzieren Sie die Tropfenmenge um die Hälfte. Alles Weitere zu Diffuser-Typen und Kaufberatung lesen Sie im Diffuser-Ratgeber.
Dampfinhalation
Bei der Dampfinhalation über einer Schüssel mit heißem Wasser genügen 2–4 Tropfen ätherisches Öl auf ca. 1 Liter Wasser (Temperatur: 60–70 °C, nicht kochend). Die Inhalationsdauer sollte 10–15 Minuten nicht überschreiten, da längere intensive Exposition zu Kopfschmerzen oder Schleimhautreizungen führen kann.[2]
Für empfindliche Personen oder Kinder ab 6 Jahren reichen 1–2 Tropfen. Kinder unter 6 Jahren sollten keine Dampfinhalation durchführen – für sie eignet sich die Raumbeduftung über einen Diffuser besser. Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Inhalieren mit allen Methoden im Detail finden Sie im Inhalations-Ratgeber.
Dosierung im Vollbad
Ätherische Öle mischen sich nicht mit Wasser – sie schwimmen als unverdünnte Tröpfchen auf der Oberfläche und können dort zu direktem Hautkontakt mit konzentriertem Öl führen, besonders in empfindlichen Körperbereichen.[2] Ein Emulgator ist daher Pflicht.
| Badtyp | Tropfenanzahl | Emulgator |
|---|---|---|
| Vollbad Erwachsene | 5–8 Tropfen | 1–2 EL Badeöl-Basis, Sahne, Honig oder Meersalz |
| Sitzbad Erwachsene | 3–4 Tropfen | 1 EL Emulgator |
| Fußbad Erwachsene | 2–4 Tropfen | 1 TL Emulgator |
| Kinderbad (6–12 Jahre) | 2–3 Tropfen | 1 EL Emulgator |
Mischen Sie die Tropfen zuerst gründlich in den Emulgator, bevor Sie die Mischung ins eingelassene Wasser geben. Zimt-, Oregano- und Nelkenöl haben im Bad nichts zu suchen – sie reizen die Schleimhäute auch in kleinen Mengen.[8] Rezepte und Emulgator-Vergleiche finden Sie im Ratgeber zum Aromabad.
Sauna-Aufguss
Für einen Sauna-Aufguss geben Sie 3–5 Tropfen ätherisches Öl in eine Schöpfkelle mit Wasser und verteilen diese Mischung über die heißen Steine. Gängige Aufguss-Öle sind Eukalyptus, Kiefer, Fichte und Pfefferminze. Geben Sie das Öl niemals direkt auf die heißen Steine – die extreme Hitze zerstört die Wirkstoffe und kann reizende Verbrennungsprodukte erzeugen. Details zur Sauna-Anwendung mit ätherischen Ölen lesen Sie im Sauna-Ratgeber.
Kompresse
Für eine aromatische Kompresse geben Sie 3–5 Tropfen ätherisches Öl in ca. 500 ml warmes oder kaltes Wasser, tauchen ein Baumwolltuch ein, wringen es aus und legen es auf die betroffene Stelle. Warme Kompressen eignen sich bei Muskelverspannungen und Menstruationsbeschwerden, kalte bei Prellungen und Kopfschmerzen. Anwendungsdauer: 15–20 Minuten.
Orale Einnahme – nur die Dosierung
Falls ein qualifizierter Therapeut die orale Einnahme empfiehlt, gelten üblicherweise 1–2 Tropfen pro Tag als Obergrenze für Erwachsene. Ätherische Öle dürfen nie pur eingenommen werden, sondern ausschließlich in einem Trägerstoff wie Honig, Pflanzenöl oder einer Kapsel.[2] Die Schleimhäute des Verdauungstrakts sind empfindlicher als die Haut – Reizungen machen sich oft erst spät bemerkbar. Ob orale Einnahme sinnvoll ist und welche Risiken bestehen, erklärt der Ratgeber zur oralen Einnahme ätherischer Öle.
Dosierung nach Altersgruppe
Kinder, ältere Menschen und Schwangere reagieren empfindlicher auf ätherische Öle als gesunde Erwachsene. Die Haut von Kindern ist dünner und durchlässiger, ihr Enzymsystem zur Verstoffwechslung noch nicht vollständig entwickelt.[9] Bei Senioren verändert sich die Hautbarriere im Alter, und die Leber- und Nierenfunktion kann eingeschränkt sein. Die folgende Tabelle basiert auf den Empfehlungen führender Aromatherapie-Sicherheitsexperten.[4]
| Altersgruppe | Max. Verdünnung topisch | Tropfen auf 10 ml Trägeröl | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Babys 0–3 Monate | Keine topische Anwendung | 0 | Ätherische Öle meiden – nur Hydrolate nach Rücksprache mit Kinderarzt |
| Babys 3–24 Monate | 0,1–0,25 % | max. 1 Tropfen (milde Öle) | Nur Lavendel, Kamille (römisch) – nie im Gesicht. Diffuser nur 5–10 Min. |
| Kleinkinder 2–6 Jahre | 0,25–0,5 % | 1 Tropfen | Kein Pfefferminz, kein Eukalyptus (1,8-Cineol) – Stimmritzenkrampf-Gefahr[10] |
| Schulkinder 6–12 Jahre | 0,5–1 % | 1–2 Tropfen | Breiteres Öl-Spektrum möglich, immer Patch-Test vorab |
| Jugendliche 12–18 Jahre | 1–1,5 % | 2–3 Tropfen | Fast Erwachsenen-Dosierung, bei empfindlicher Haut reduzieren |
| Erwachsene | 1,5–3 % (bis 5 % lokal) | 3–6 Tropfen (bis 10 lokal) | Standardkonzentration 2 % für tägliche Ganzkörper-Anwendung |
| Senioren (65+) | 0,5–1,5 % | 1–3 Tropfen | Dünnere Haut, reduzierte Leberfunktion – vorsichtig dosieren[11] |
| Schwangere | 0,5–1 % | 1–2 Tropfen | Nur nach dem 1. Trimester, nur unbedenkliche Öle – Kurzhinweis unten |
Ausführliche Sicherheitsinformationen zur Anwendung bei Kindern, einschließlich einer Liste erlaubter und verbotener Öle nach Altersgruppe, finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder. Für die Schwangerschaft gilt: Bestimmte Öle (u. a. Rosmarin, Salbei, Wermut) sind in der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert. Alle Details und eine Trimester-Übersicht bietet der Ratgeber zu ätherischen Ölen in der Schwangerschaft.
Dosierung nach Zweck: Akut, chronisch oder präventiv?
Neben Alter und Anwendungsmethode beeinflusst auch der Anwendungszweck die optimale Dosierung. Eine akute Muskelverspannung erfordert eine andere Herangehensweise als eine langfristige Aromapflege-Routine.
| Zweck | Empfohlene Konzentration | Anwendungsdauer | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Akut (z. B. akute Muskelschmerzen, Erkältung) | 3–5 % topisch | Maximal 1–2 Wochen | Höhere Konzentration, dafür zeitlich begrenzt. Auf kleines Hautareal beschränken. |
| Chronisch (z. B. wiederkehrende Gelenkschmerzen, Spannungskopfschmerz) | 1–2 % topisch | Wochen bis Monate, mit Pausen | Niedrigere Konzentration, um Sensibilisierung zu vermeiden. Öle alle 2–3 Wochen wechseln. |
| Präventiv (z. B. Hautpflege, Raumbeduftung, Entspannung) | 0,5–1 % topisch / 3–5 Tropfen im Diffuser | Dauerhaft, aber mit Intervallen | Geringste Konzentration, Diffuser intermittierend betreiben. |
Praxistipp: Vermeiden Sie die dauerhafte Anwendung desselben ätherischen Öls über Monate hinweg. Wechseln Sie regelmäßig zwischen verschiedenen Ölen mit ähnlicher Wirkung – das verringert das Sensibilisierungsrisiko und kann durch unterschiedliche Wirkmechanismen sogar den therapeutischen Effekt verbessern.[8]
„Hot Oils" – Wenn weniger wirklich mehr ist
Einige ätherische Öle sind besonders reizstark und benötigen eine deutlich niedrigere Dosierung als gewöhnliche Öle. Diese sogenannten „Hot Oils" enthalten hohe Anteile an Phenolen oder Aldehyden, die Haut und Schleimhäute irritieren können.[4]
| Öl | Reizende Hauptkomponente | Max. dermale Konzentration | Tropfen auf 10 ml Trägeröl |
|---|---|---|---|
| Zimtrindenöl | Cinnamaldehyd | 0,07 % (Rinde) / 0,6 % (Blatt) | 1 Tropfen auf 30–50 ml (Rinde) |
| Oreganoöl | Carvacrol, Thymol | 1 % | max. 2 Tropfen |
| Nelkenöl | Eugenol | 0,5 % | max. 1 Tropfen |
| Zitronengras | Citral | 0,7 % | max. 1–2 Tropfen |
| Thymian ct. Thymol | Thymol | 1,3 % | max. 2–3 Tropfen |
Diese Öle sollten im Bad und auf Schleimhäuten grundsätzlich gemieden werden.[8] Bei Kindern unter 12 Jahren und in der Schwangerschaft sind Hot Oils tabu. Wenn Sie ein Hot Oil topisch verwenden, beschränken Sie die Anwendung auf ein kleines Hautareal und stellen Sie sicher, dass die Konzentration die angegebenen Maximalwerte nicht übersteigt.
Die häufigsten Dosierungsfehler – und wie Sie sie vermeiden
Selbst erfahrene Anwender machen Fehler bei der Dosierung. Die folgenden Punkte stammen aus der klinischen Praxis und aus Nebenwirkungsmeldungen:
- Öl pur auftragen: Der häufigste Fehler. Auch bei vermeintlich „milden" Ölen wie Lavendel und Teebaum führt unverdünnter Hautkontakt regelmäßig zu allergischer Kontaktdermatitis.[2]
- Öl direkt ins Badewasser geben: Ohne Emulgator schwimmen ätherische Öle in konzentrierter Form auf der Wasseroberfläche und verursachen an empfindlichen Hautstellen Brennen und Reizungen.[2]
- Dosis verdoppeln für stärkere Wirkung: Mehr Öl bedeutet nicht mehr Wirkung – ab einem bestimmten Punkt steigt nur noch das Risiko, während der therapeutische Nutzen ein Plateau erreicht.[12]
- Gleiches Öl monatelang täglich anwenden: Kann eine Sensibilisierung auslösen. Wechseln Sie Öle regelmäßig und legen Sie Anwendungspausen ein.
- Diffuser im geschlossenen Raum dauerhaft laufen lassen: Kann Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel verursachen. Lüften und Intervalle einhalten.
- Kinderdosis wie Erwachsenendosis berechnen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – ihre Hautbarriere und ihr Stoffwechsel unterscheiden sich fundamental.[9]
Qualität, Sicherheit und Trägeröl – Kurzhinweise
Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle in therapeutischer Qualität. Synthetische Duftöle oder verfälschte Produkte können unvorhergesehene Hautreaktionen auslösen. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.
Alle Verdünnungsangaben in diesem Artikel setzen ein geeignetes Trägeröl als Basis voraus. Jojobaöl, Mandelöl und fraktioniertes Kokosöl sind bewährte Optionen – welches Trägeröl sich für Ihren Zweck und Hauttyp am besten eignet, erfahren Sie im Trägeröl-Ratgeber (siehe Link oben).
Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Bei empfindlicher Haut empfiehlt sich vorab ein Patch-Test. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln, Kontraindikationen und Wechselwirkungen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.
Falls Sie sich fragen, was ätherische Öle eigentlich sind und wie sie gewonnen werden – unser Grundlagen-Ratgeber gibt einen kompakten Überblick. Und alle Anwendungsmethoden im Überblick finden Sie im Anwendungs-Ratgeber.
Häufige Fragen
Wie viele Tropfen ätherisches Öl kommen auf 10 ml Trägeröl?
Für eine 2-prozentige Verdünnung (Standard für Erwachsene) geben Sie 4 Tropfen ätherisches Öl auf 10 ml Trägeröl. Für eine mildere 1-prozentige Verdünnung – geeignet für Kinder, Senioren und empfindliche Haut – reichen 2 Tropfen auf 10 ml. Als Basis dient ein Standardtropfer (Orifice Reducer), der etwa 20 Tropfen pro ml abgibt.
Kann man ätherische Öle auch unverdünnt auftragen?
Nein – ätherische Öle sollten grundsätzlich nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Selbst als mild geltende Öle wie Lavendel oder Teebaum können bei unverdünnter Anwendung Hautirritationen, allergische Kontaktdermatitis oder dauerhafte Sensibilisierungen auslösen. Eine Verdünnung in einem Trägeröl schützt die Haut und verbessert gleichzeitig die Wirkstoffaufnahme.
Wie viele Tropfen ätherisches Öl gehören in den Diffuser?
Für einen Standard-Diffuser mit 100 ml Kapazität empfehlen sich 3–5 Tropfen ätherisches Öl. In größeren Räumen (über 20 m²) oder bei einem 200-ml-Diffuser können 6–10 Tropfen verwendet werden. Betreiben Sie den Diffuser intermittierend (30–60 Minuten an, dann Pause) und sorgen Sie für regelmäßige Frischluftzufuhr.
Welche Dosierung ist für Kinder sicher?
Für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren gilt eine maximale Verdünnung von 0,25–0,5 % (1 Tropfen auf 10 ml Trägeröl). Schulkinder (6–12 Jahre) vertragen 0,5–1 %. Babys unter 3 Monaten sollten keinen Kontakt mit ätherischen Ölen haben. Bestimmte Öle – darunter Pfefferminze und Eukalyptus – sind für Kleinkinder generell nicht geeignet, da der hohe 1,8-Cineol- bzw. Menthol-Gehalt einen Stimmritzenkrampf auslösen kann.
Wie dosiert man „Hot Oils" wie Zimt, Oregano und Nelke?
Sogenannte Hot Oils enthalten hautreizende Phenole oder Aldehyde und benötigen deutlich niedrigere Konzentrationen. Zimtrindenöl sollte maximal 0,07 % (1 Tropfen auf 30–50 ml Trägeröl) betragen, Nelkenöl maximal 0,5 % und Oreganoöl maximal 1 %. Im Bad und bei Kindern sind Hot Oils grundsätzlich tabu. Beginnen Sie immer mit der niedrigsten Dosierung und beobachten Sie die Hautreaktion.
Quellen
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- Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals (2nd ed.). Churchill Livingstone/Elsevier. ISBN: 978-0-443-06241-4
- Herman, A., & Herman, A. P. (2015). Essential oils and their constituents as skin penetration enhancer for transdermal drug delivery: a review. Journal of Pharmacy and Pharmacology, 67(4), 473–485. doi:10.1111/jphp.12334
- Tisserand Institute. (2024). Dilution for Essential Oils. Tisserand Institute Safety Guidelines. Abgerufen von: tisserandinstitute.org/dilution-essential-oils/
- Jäger, W., Buchbauer, G., Jirovetz, L., & Fritzer, M. (1992). Percutaneous absorption of lavender oil from a massage oil. Journal of the Society of Cosmetic Chemists, 43, 49–54.
- Nasiri, A., Mahmodi, M. A., & Nobakht, Z. (2016). Effect of aromatherapy massage with lavender essential oil on pain in patients with osteoarthritis of the knee: A randomized controlled clinical trial. Complementary Therapies in Clinical Practice, 25, 75–80. doi:10.1016/j.ctcp.2016.08.002
- Ou, M. C., Hsu, T. F., Lai, A. C., Lin, Y. T., & Lin, C. C. (2012). Pain relief assessment by aromatic essential oil massage on outpatients with primary dysmenorrhea: A randomized, double-blind clinical trial. Journal of Obstetrics and Gynaecology Research, 38(5), 817–822. doi:10.1111/j.1447-0756.2011.01802.x
- National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA). (2024). Aromatherapy Safety Guidelines. Abgerufen von: naha.org/explore-aromatherapy/safety/
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- Buckle, J. (2015). Clinical Aromatherapy: Essential Oils in Healthcare (3rd ed.). Elsevier. ISBN: 978-0-7020-5440-2
- de Groot, A. C., & Schmidt, E. (2016). Essential Oils, Part I: Introduction. Dermatitis, 27(2), 43–48. doi:10.1097/DER.0000000000000175
- Chen, J., Jiang, Q. D., Chai, Y. P., Zhang, H., Peng, P., & Yang, X. X. (2016). Natural Terpenes as Penetration Enhancers for Transdermal Drug Delivery. Molecules, 21(12), 1709. doi:10.3390/molecules21121709
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- Bilia, A. R., Guccione, C., Isacchi, B., Righeschi, C., Firenzuoli, F., & Bergonzi, M. C. (2014). Essential oils loaded in nanosystems: a developing strategy for a successful therapeutic approach. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2014, 651593. doi:10.1155/2014/651593