Ätherische Öle bei Bluthochdruck

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ätherische Öle bei Bluthochdruck können die schulmedizinische Therapie sinnvoll ergänzen – als sanfte, komplementäre Maßnahme zur Stressreduktion und Gefäßentspannung. Arterielle Hypertonie betrifft weltweit schätzungsweise 1,28 Milliarden Erwachsene und zählt zu den häufigsten Ursachen für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen.[1] Wer dauerhaft Werte über 140/90 mmHg misst, trägt ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Mehrere klinische Studien zeigen, dass bestimmte ätherische Öle – allen voran Ylang-Ylang, Lavendel und Bergamotte – den systolischen und diastolischen Blutdruck messbar senken können. Die Wirkung beruht auf einer Aktivierung des Parasympathikus, einer Senkung des Stresshormons Cortisol und in einigen Fällen auf einer direkten Gefäßerweiterung (Vasodilatation). Ätherische Öle ersetzen dabei keine Blutdruckmedikamente, sie können aber als begleitende Maßnahme dazu beitragen, den Blutdruck natürlich zu regulieren.

Ätherische Öle bei Bluthochdruck – Fläschchen mit Ylang-Ylang, Lavendel und Bergamotte neben einem Blutdruckmessgerät

Dieser Artikel stellt Ihnen die sechs am besten untersuchten ätherischen Öle bei Bluthochdruck vor, erläutert deren Wirkmechanismen anhand konkreter Studien und zeigt Ihnen drei praktische Anwendungsmethoden für den Alltag. Sie erfahren außerdem, welche Öle Ihren Blutdruck erhöhen können und worauf Sie bei der Kombination mit Medikamenten achten sollten.

Auf einen Blick

  • Ylang-Ylang als Top-Öl: In Studien senkte die Inhalation von Ylang-Ylang-Öl signifikant den systolischen und diastolischen Blutdruck und aktivierte das parasympathische Nervensystem.[2]
  • Blutdrucksenkung messbar: Eine 4-wöchige Inhalation einer Mischung aus Lavendel, Ylang-Ylang, Majoran und Neroli senkte den systolischen Blutdruck um durchschnittlich 4,7 mmHg.[3]
  • Cortisol wird gesenkt: Ätherische Öle wie Bergamotte und Lavendel reduzieren nachweislich den Cortisolspiegel – ein Stresshormon, das den Blutdruck erhöht.[4]
  • Massage verstärkt den Effekt: Aromatherapie-Massagen mit blutdrucksenkenden Ölen erzielten in Studien eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um bis zu 15 mmHg.[5]
  • Vorsicht bei Rosmarin und Kampfer: Durchblutungsfördernde Öle können den Blutdruck erhöhen und sind bei Hypertonie zu meiden.
  • Kein Medikamentenersatz: Ätherische Öle ergänzen die ärztliche Therapie, ersetzen aber keine verordneten Blutdruckmedikamente.

Was ist Bluthochdruck und ab wann wird er gefährlich?

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) liegt vor, wenn der Druck in den Blutgefäßen dauerhaft erhöht ist. Ein Blutdruckwert besteht aus zwei Zahlen: dem systolischen Wert (Druck beim Herzschlag) und dem diastolischen Wert (Druck in der Ruhephase). Werte bis 120/80 mmHg gelten als optimal. Ab 140/90 mmHg spricht die Medizin von Hypertonie Grad 1 – ab diesem Schwellenwert steigt das Risiko für Gefäßschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich an.[1]

Das Tückische: Bluthochdruck verursacht oft jahrelang keine spürbaren Symptome. Viele Betroffene erfahren erst bei einer Routinemessung von ihren erhöhten Werten. Unbehandelt schädigt der hohe Druck jedoch schleichend Herzmuskel, Nieren, Augen und Gehirn. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Übergewicht, Bewegungsmangel, hoher Salzkonsum, Alkohol und chronischer Stress. Gerade beim Faktor Stress setzen ätherische Öle an: Sie können über das autonome Nervensystem die Stressachse dämpfen und so einen der Auslöser für erhöhten Blutdruck beeinflussen.

Welche ätherischen Öle senken den Blutdruck?

Sechs ätherische Öle stechen in der wissenschaftlichen Literatur durch nachgewiesene blutdrucksenkende Eigenschaften hervor. Ihre Wirkung entfalten sie über unterschiedliche Mechanismen – von der Aktivierung des Parasympathikus über die Senkung von Stresshormonen bis hin zur direkten Gefäßerweiterung.

Ylang-Ylang-Öl – parasympathisch wirksam, blutdruck- und pulssenkend

Ylang-Ylang (Cananga odorata) ist das am häufigsten untersuchte ätherische Öl bei Bluthochdruck. Der süß-blumige Duft hemmt das sympathische Nervensystem und aktiviert gleichzeitig den Parasympathikus – jenen Teil des autonomen Nervensystems, der für Entspannung und Verlangsamung des Herzschlags zuständig ist.[2]

In einer Studie mit 29 gesunden Männern senkte die Inhalation von Ylang-Ylang-Aroma den systolischen Blutdruck signifikant (p = 0,001) und den diastolischen Blutdruck ebenfalls signifikant (p = 0,018). Gleichzeitig sank die Herzfrequenz in zehn von zwölf EKG-Ableitungen.[2] Eine weitere Untersuchung bestätigte, dass Ylang-Ylang-Öl bei transdermaler Aufnahme den Blutdruck senkt und die Hauttemperatur erhöht – beides Zeichen einer parasympathisch vermittelten Entspannungsreaktion.[6]

Ylang-Ylang-Öl beeinflusst zudem die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse) und senkt die Ausschüttung von Glukokortikoiden. Dieser doppelte Wirkmechanismus – parasympathische Aktivierung plus Stresshormon-Reduktion – macht Ylang-Ylang-Öl besonders wertvoll für Menschen mit stressbedingtem Bluthochdruck.

Lavendelöl – Linalool senkt Blutdruck und beruhigt

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) verdankt seine blutdrucksenkende Wirkung vor allem dem Inhaltsstoff Linalool, der bis zu 33 % des Öls ausmachen kann. Linalool moduliert die Aktivität des autonomen Nervensystems und fördert die parasympathische Dominanz, was zu einer Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck führt.[7]

Eine randomisierte, placebokontrollierte Pilotstudie aus dem Jahr 2025 untersuchte die Wirkung einer 7-tägigen Lavendelöl-Inhalation bei Erwachsenen mit Hypertonie. Die Ergebnisse waren eindeutig: Sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck sanken signifikant in der Verumgruppe im Vergleich zur Placebogruppe. Gleichzeitig reduzierten sich Angst- und Erschöpfungswerte deutlich.[7]

In der koreanischen Referenzstudie von Hwang (2006) führte die tägliche Inhalation eines Gemischs aus Lavendel, Ylang-Ylang und Bergamotte über vier Wochen zu einer statistisch signifikanten Senkung von Blutdruck, Puls, subjektivem Stress und Serum-Cortisolspiegel bei Patienten mit essentieller Hypertonie.[4]

Bergamotteöl – anxiolytisch und reflektorisch blutdrucksenkend

Bergamotteöl (Citrus bergamia) enthält hohe Anteile an Limonen (ca. 45 %), Linalylacetat (ca. 23 %) und Linalool (ca. 6,5 %). Diese Inhaltsstoffe wirken anxiolytisch – sie reduzieren Angst und psychischen Stress. Da Angst und Stress den Blutdruck reflektorisch erhöhen, senkt die Angstlösung durch Bergamotteöl indirekt auch den Blutdruck.[8]

In einer randomisierten Crossover-Studie mit 41 gesunden Frauen reduzierte eine 15-minütige Inhalation von Bergamotteöl-Dampf den Speichelcortisolspiegel signifikant (p = 0,003) und steigerte die parasympathische Aktivität, gemessen über die Hochfrequenz-Herzratenvariabilität. Gleichzeitig verbesserten sich negative Stimmungswerte und Erschöpfung.[8]

Bergamotteöl enthält Furocumarine und kann phototoxisch wirken. Tragen Sie es nicht auf Hautbereiche auf, die innerhalb von 12 Stunden Sonnenlicht ausgesetzt werden. Bei der Anwendung im Diffuser besteht dieses Risiko nicht.

Neroliöl – blutdrucksenkend und emotional beruhigend

Neroliöl (Citrus aurantium var. amara) wird aus den Blüten der Bitterorange gewonnen und gilt in der Aromatherapie als emotional ausgleichend. In der viel zitierten koreanischen Studie von Kim et al. (2012) war Neroli fester Bestandteil der blutdrucksenkenden Ölmischung (Lavendel, Ylang-Ylang, Majoran und Neroli im Verhältnis 20:15:10:2), die über vier Wochen inhaliert wurde.[3]

Diese Mischung senkte den zu Hause gemessenen systolischen Blutdruck um durchschnittlich 4,7 mmHg und den diastolischen um 1,2 mmHg – signifikant stärker als in der Placebo- und Kontrollgruppe (p < 0,001 für SBP). Auch der Tages-Blutdruck in der 24-Stunden-Messung sank signifikant, ebenso wie der Speichelcortisolspiegel (p = 0,012).[3] Neroliöl wird dabei vor allem eine emotional beruhigende und herzfrequenzstabilisierende Rolle zugeschrieben.

Muskatellersalbeiöl – vasodilatierend durch Linalylacetat

Muskatellersalbeiöl (Salvia sclarea) enthält mit rund 64 % Linalylacetat einen besonders hohen Anteil dieser gefäßerweiternden Substanz. Anders als viele andere blutdrucksenkende Öle, die primär über Stressreduktion wirken, entfaltet Muskatellersalbei eine direktere Wirkung auf die Blutgefäße.[9]

In einer doppelblinden, randomisierten Studie mit 34 Patientinnen senkte die 60-minütige Inhalation von 5 % Muskatellersalbeiöl den systolischen Blutdruck signifikant stärker als Lavendelöl (p = 0,026) und die Kontrollgruppe (p = 0,048). Auch der diastolische Blutdruck und die Atemfrequenz sanken signifikant.[9]

Eine Tierstudie lieferte Hinweise auf den zugrunde liegenden Mechanismus: Muskatellersalbeiöl steigerte die Stickstoffmonoxid-Produktion (NO) und die Expression des Enzyms eNOS in den Blutgefäßen, was eine Gefäßerweiterung bewirkt. Gleichzeitig sank der oxidative Stress.[10] Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 bestätigte, dass Linalylacetat die endotheliale NO-Synthase-Expression erhöht und so eine Vasodilatation fördert – mit positiven Effekten auf den Blutdruck bei prähypertensiven Patienten.[11]

Zedernholzöl – beruhigend mit Sympathikus-Dämpfung

Zedernholzöl (Cedrus atlantica oder Juniperus virginiana) besitzt ein warmes, holziges Aroma, das in der Aromatherapie traditionell zur Beruhigung eingesetzt wird. Die enthaltenen Sesquiterpene – insbesondere Cedrol – wirken sedierend und dämpfen die Sympathikusaktivität. Eine Scoping-Review zur Wirkung ätherischer Öle auf das Nervensystem bestätigte, dass Zedernholzöl die autonome Nervensystemaktivität moduliert und die Cortisolausschüttung beeinflusst.[12]

Zedernholzöl ist weniger intensiv untersucht als Ylang-Ylang oder Lavendel. Seine Stärke liegt in der Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Ölen, etwa in abendlichen Diffuser-Mischungen. Der erdende Duft eignet sich besonders für Menschen, die blumige Aromen nicht mögen, aber von einer aromatherapeutischen Blutdrucksenkung profitieren möchten.

Übersicht: Ätherische Öle bei Bluthochdruck im Vergleich

Ätherisches ÖlHauptwirkmechanismusSchlüsselinhaltsstoffStudienlage
Ylang-YlangParasympathikus-Aktivierung, Sympathikus-HemmungLinalool, Germacren DMehrere Humanstudien
LavendelAutonome Regulation, CortisolsenkungLinalool, LinalylacetatMehrere RCTs
BergamotteAnxiolyse → reflektorische BlutdrucksenkungLimonen, LinalylacetatCrossover-Studie, Kombinationsstudien
NeroliEmotionale Beruhigung, HerzfrequenzstabilisierungLinalool, NerolidolKombinationsstudien
MuskatellersalbeiDirekte Vasodilatation über NO/eNOSLinalylacetat (ca. 64 %)RCT, Tierstudie
ZedernholzSedierung, Sympathikus-DämpfungCedrol (Sesquiterpen)Übersichtsarbeiten

Was sagen die Studien zu ätherischen Ölen bei Bluthochdruck?

Die Forschungslage zu ätherischen Ölen bei Bluthochdruck hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mehrere klinische Studien – darunter randomisierte kontrollierte Studien – liefern Hinweise auf eine messbare, wenn auch moderate blutdrucksenkende Wirkung.

Kim et al. (2012): 4-Wochen-Inhalation senkt Blutdruck und Cortisol

In dieser oft zitierten Studie inhalierten 83 prähypertensive und hypertensive Probanden über vier Wochen eine Mischung aus Lavendel, Ylang-Ylang, Majoran und Neroli (Verhältnis 20:15:10:2). Die Versuchsgruppe trug tagsüber eine Aromatherapie-Halskette und platzierte nachts einen Duftstein neben dem Bett. Ergebnis: Der häusliche systolische Blutdruck sank um durchschnittlich 4,7 mmHg (p < 0,001), der Tages-SBP in der 24-Stunden-Messung sank ebenfalls signifikant, und der Speichelcortisolspiegel war reduziert (p = 0,012). Die Autoren betonen allerdings, dass die klinische Relevanz trotz statistischer Signifikanz als moderat einzustufen ist.[3]

Hwang (2006): Lavendel-Ylang-Ylang-Bergamotte gegen essentielle Hypertonie

52 Patienten mit essentieller Hypertonie wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Die Verumgruppe inhalierte täglich über vier Wochen eine Mischung aus Lavendel, Ylang-Ylang und Bergamotte. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Blutdruck, Puls, subjektiver Stress, Zustandsangst und Serum-Cortisol unterschieden sich statistisch signifikant zwischen den drei Gruppen. Die Inhalation ätherischer Öle wurde als wirksame pflegerische Intervention zur Reduktion psychischer Stressreaktionen und Blutdrucksenkung bewertet.[4]

Seol et al. (2013): Muskatellersalbei senkt Blutdruck stärker als Lavendel

Diese doppelblinde, randomisierte Studie verglich die Inhalation von Muskatellersalbeiöl, Lavendelöl und Mandelöl (Kontrolle) bei 34 Patientinnen. Muskatellersalbei senkte den systolischen Blutdruck signifikant stärker als Lavendel und die Kontrolle. Bemerkenswert: Lavendelöl zeigte in dieser Studie einen leichten (nicht signifikanten) Anstieg des Blutdrucks – ein Hinweis darauf, dass die Wirkung kontextabhängig sein kann und nicht bei jedem Menschen gleich ausfällt.[9]

Aromatherapie-Massage: Bis zu 15 mmHg Blutdrucksenkung

Eine Studie an hypertensiven Frauen mittleren Alters untersuchte den Effekt einer wöchentlichen Ganzkörpermassage mit einer 3%igen Mischung aus Lavendel, Majoran, Ylang-Ylang und Neroli in Süßmandel- und Jojobaöl. Nach fünf Sitzungen über vier Wochen sank der systolische Blutdruck in der Aromatherapie-Gruppe um rund 15 mmHg – deutlich mehr als in der Placebo-Gruppe (ca. 6 mmHg). Auch die Schlafqualität verbesserte sich signifikant.[5]

Aktuelle Studie (2023): Lavendel-Ylang-Ylang-Pflaster

Eine randomisierte kontrollierte Studie aus Thailand testete Klebepflaster mit 0,3 % Lavendelöl und 0,7 % Ylang-Ylang-Öl an 34 Probanden mit Bluthochdruck. Die Pflaster gaben die ätherischen Öle kontinuierlich ab. In der Verumgruppe sanken systolischer Blutdruck und Pulsrate signifikant stärker als in der Placebogruppe. Die Autoren bewerteten die Pflaster als sichere und alltagstaugliche Alternative zur klassischen Inhalation.[13]

Wie wende ich ätherische Öle bei Bluthochdruck an?

Drei Anwendungsmethoden haben sich in Studien als wirksam erwiesen. Die Einstiegshürde variiert – beginnen Sie mit der Methode, die am besten in Ihren Alltag passt.

Inhalation über einen Diffuser oder Riechstift

Die Inhalation ist die am häufigsten untersuchte und einfachste Methode. Geben Sie 3–5 Tropfen einer blutdrucksenkenden Ölmischung (z. B. 2 Tropfen Lavendel, 2 Tropfen Ylang-Ylang, 1 Tropfen Bergamotte) in einen Ultraschall-Diffuser und lassen Sie ihn 15–30 Minuten laufen. Abends vor dem Schlafengehen ist ein idealer Zeitpunkt, da die Entspannung den Nachtblutdruck günstig beeinflusst.

Für unterwegs eignet sich ein Aromatherapie-Riechstift: Geben Sie die Ölmischung auf das Wattepad im Stift und atmen Sie bei Bedarf 3–5 Minuten lang ruhig ein. In der Kim-Studie trugen die Probanden die Öle sogar in einer Halskette für eine 24-Stunden-Exposition.[3]

Aromatherapie-Massage

Die Kombination aus Massage und ätherischen Ölen zeigte in Studien die stärksten Blutdrucksenkungen. Mischen Sie 3–4 Tropfen ätherisches Öl (z. B. je 1 Tropfen Lavendel, Ylang-Ylang, Muskatellersalbei und Neroli) mit 10 ml eines Trägeröls wie Süßmandelöl – das ergibt etwa eine 2%ige Verdünnung. Massieren Sie die Mischung sanft in Nacken, Schultern und Unterarme ein.

Eine professionelle Ganzkörper-Aromamassage einmal pro Woche erzielte in der koreanischen Studie die besten Ergebnisse.[5] Ausführliche Anleitungen zu Massagetechniken mit ätherischen Ölen finden Sie im entsprechenden Ratgeber.

Entspannungsbad

Ein warmes (nicht heißes – 36–38 °C) Bad mit ätherischen Ölen kombiniert die Wirkung der Wärme mit der Inhalation und der transdermalen Aufnahme. Geben Sie 5–8 Tropfen Ihrer Ölmischung in einen Emulgator (z. B. 2 Esslöffel Sahne, Honig oder Meersalz), bevor Sie die Mischung ins Badewasser geben – ätherische Öle lösen sich nicht direkt in Wasser und können unverdünnt Hautreizungen verursachen. Baden Sie 15–20 Minuten und atmen Sie dabei bewusst den aufsteigenden Duft ein. Alle wichtigen Hinweise zur sicheren Anwendung im Bad finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen in der Badewanne.

Welche ätherischen Öle erhöhen den Blutdruck?

Nicht alle ätherischen Öle senken den Blutdruck – einige wirken gegenteilig. Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) und Kampfer stimulieren das sympathische Nervensystem und können den Blutdruck anheben. In einer Studie an hypotensiven Patienten führte die Einnahme von Rosmarinöl zu einem signifikanten Blutdruckanstieg.[14] Auch die transdermale Aufnahme von Rosmarinöl erhöhte in Untersuchungen den Blutdruck signifikant.

Wenn Sie unter Bluthochdruck leiden, meiden Sie diese durchblutungsfördernden ätherischen Öle oder verwenden Sie sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt. Weitere anregende Öle mit potenziell blutdrucksteigernder Wirkung sind Pfefferminze in hoher Konzentration, Thymian und Ysop.

Vorsichtsmaßnahmen: Ätherische Öle und Blutdruckmedikamente

Bluthochdruck ist eine ernste Erkrankung, die ärztlicher Überwachung bedarf. Ätherische Öle können eine medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen – sie dürfen jedoch nicht als Ersatz für verschriebene Blutdruckmedikamente verwendet werden. Setzen Sie Ihre Medikamente niemals eigenständig ab oder reduzieren Sie die Dosis ohne ärztliche Rücksprache.

Beachten Sie diese themenspezifischen Vorsichtsmaßnahmen:

  • Wechselwirkung mit Antihypertensiva: Ätherische Öle, die den Blutdruck senken, können die Wirkung von Blutdruckmedikamenten (z. B. ACE-Hemmer, Betablocker, Kalziumantagonisten) verstärken. Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig und informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie Aromatherapie begleitend einsetzen.
  • Blutdrucksteigernde Öle meiden: Rosmarin, Kampfer, Ysop und Thymian können den Blutdruck erhöhen und sollten bei Hypertonie vermieden oder nur mit ärztlicher Abstimmung verwendet werden.
  • Individuelle Reaktionen beachten: Nicht jedes Öl wirkt bei jeder Person gleich. In der Studie von Seol et al. zeigte Lavendel bei manchen Probandinnen einen leichten Blutdruckanstieg statt einer Senkung.[9] Kontrollieren Sie Ihre Werte, wenn Sie mit einer neuen Ölmischung beginnen.
  • Keine übertriebenen Erwartungen: Die in Studien gemessene Blutdrucksenkung durch ätherische Öle liegt bei durchschnittlich 3–5 mmHg systolisch – vergleichbar mit moderater Bewegung, aber deutlich geringer als die Wirkung von Medikamenten.

Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut – eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Verdünnen Sie das ätherische Öl auf 1–3 % in einem Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Chronischer Stress ist einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Bluthochdruck. Wenn Stress bei Ihnen ein Hauptauslöser ist, finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen gegen Stress weiterführende Strategien. Auch eine verbesserte Schlafqualität wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus – mehr dazu im Ratgeber zum Schlafen mit ätherischen Ölen.

Häufige Fragen

Können ätherische Öle Blutdruckmedikamente ersetzen?

Nein. Ätherische Öle können die schulmedizinische Therapie ergänzen, aber nicht ersetzen. In Studien lag die durchschnittliche Blutdrucksenkung durch ätherische Öle bei 3–5 mmHg systolisch – deutlich weniger als die Wirkung von Medikamenten. Setzen Sie verordnete Blutdruckmittel niemals eigenständig ab. Besprechen Sie den Einsatz von Aromatherapie als Ergänzung mit Ihrem Arzt.

Welches ätherische Öl senkt den Blutdruck am stärksten?

Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata) zeigt in Studien die konsistentesten blutdrucksenkenden Effekte durch seine Fähigkeit, das parasympathische Nervensystem zu aktivieren und gleichzeitig den Sympathikus zu hemmen. Die stärksten Ergebnisse erzielten jedoch Mischungen aus mehreren Ölen – etwa Lavendel, Ylang-Ylang, Majoran und Neroli – die synergistisch wirkten und den systolischen Blutdruck um bis zu 15 mmHg senkten (bei Kombination mit Massage).

Ist Rosmarinöl bei Bluthochdruck gefährlich?

Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) kann den Blutdruck erhöhen, da es das sympathische Nervensystem stimuliert und die Durchblutung fördert. Bei diagnostiziertem Bluthochdruck sollten Sie Rosmarinöl meiden oder die Anwendung mit Ihrem Arzt besprechen. Gleiches gilt für Kampfer, Ysop und Thymian. Verwenden Sie stattdessen beruhigende Öle wie Ylang-Ylang oder Lavendel.

Wie lange dauert es, bis ätherische Öle den Blutdruck senken?

Ätherische Öle können den Blutdruck sowohl akut als auch langfristig beeinflussen. In Studien zeigte sich bereits nach einer einmaligen 15-minütigen Inhalation eine messbare Blutdrucksenkung. Die nachhaltigsten Effekte wurden nach regelmäßiger Anwendung über 4 Wochen beobachtet, mit einer durchschnittlichen Senkung des systolischen Blutdrucks um rund 5 mmHg.

Kann ich ätherische Öle gegen Bluthochdruck einnehmen?

Die orale Einnahme ätherischer Öle wird bei Bluthochdruck nicht empfohlen. Sämtliche klinischen Studien zur Blutdrucksenkung verwendeten Inhalation oder topische Anwendung (Massage, Bad) als Applikationsweg. Diese Methoden sind sicher, gut untersucht und ausreichend wirksam. Von einer Selbstmedikation durch orale Einnahme ist abzuraten – sprechen Sie im Zweifel mit einem qualifizierten Aromatherapeuten.

Quellen

  1. World Health Organization. (2023). Hypertension – Key facts. WHO Fact Sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hypertension
  2. Jung, D.-J., Cha, J.-Y., Kim, S.-E., Ko, I.-G., & Jee, Y.-S. (2013). Effects of Ylang-Ylang aroma on blood pressure and heart rate in healthy men. Journal of Exercise Rehabilitation, 9(2), 250–255. doi:10.12965/jer.130007
  3. Kim, I.-H., Kim, C., Seong, K., Hur, M.-H., Lim, H. M., & Lee, M. S. (2012). Essential Oil Inhalation on Blood Pressure and Salivary Cortisol Levels in Prehypertensive and Hypertensive Subjects. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2012, 984203. doi:10.1155/2012/984203
  4. Hwang, J. H. (2006). The effects of the inhalation method using essential oils on blood pressure and stress responses of clients with essential hypertension. Taehan Kanho Hakhoe Chi, 36(7), 1123–1134. doi:10.4040/jkan.2006.36.7.1123
  5. Ju, M. S., Lee, S., Bae, I., Hur, M. H., Seong, K., & Lee, M. S. (2013). Effects of Aroma Massage on Home Blood Pressure, Ambulatory Blood Pressure, and Sleep Quality in Middle-Aged Women with Hypertension. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013, 403251. doi:10.1155/2013/403251
  6. Hongratanaworakit, T., & Buchbauer, G. (2006). Relaxing effect of ylang ylang oil on humans after transdermal absorption. Phytotherapy Research, 20(9), 758–763. doi:10.1002/ptr.1950
  7. Saeedi, M., et al. (2025). Short- and long-term effects of inhaled lavender essential oil on anxiety, fatigue, blood pressure, and sleep quality in middle-aged adults with hypertension: A randomized placebo-controlled pilot study. Complementary Therapies in Medicine. doi:10.1016/j.ctim.2025.103128
  8. Watanabe, E., Kuchta, K., Kimura, M., Rauwald, H. W., Kamei, T., & Imanishi, J. (2015). Effects of Bergamot (Citrus bergamia (Risso) Wright & Arn.) Essential Oil Aromatherapy on Mood States, Parasympathetic Nervous System Activity, and Salivary Cortisol Levels in 41 Healthy Females. Forschende Komplementärmedizin, 22(1), 43–49. doi:10.1159/000380989
  9. Seol, G. H., Lee, Y. H., Kang, P., You, J. H., Park, M., & Min, S. S. (2013). Randomized controlled trial for Salvia sclarea or Lavandula angustifolia: differential effects on blood pressure in female patients with urinary incontinence undergoing urodynamic examination. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 19(7), 664–670. doi:10.1089/acm.2012.0148
  10. Yang, H. J., Kim, K. Y., Kang, P., Lee, H. S., & Seol, G. H. (2014). Effects of Salvia sclarea on chronic immobilization stress induced endothelial dysfunction in rats. BMC Complementary and Alternative Medicine, 14, 396. doi:10.1186/1472-6882-14-396
  11. Seol, G. H., et al. (2025). Differential effects of clary sage (Salvia sclarea L.) oil and linalyl acetate on depression levels in diabetic foot ulcer patients with T2DM: a randomized blinded controlled trial. Frontiers in Medicine, 12, 1523441. doi:10.3389/fmed.2025.1523441
  12. Sattayakhom, A., Wichit, S., & Koomhin, P. (2023). The Effects of Essential Oils on the Nervous System: A Scoping Review. Molecules, 28(9), 3771. doi:10.3390/molecules28093771
  13. Yotsawimonwat, S., et al. (2023). Effect of Lavandula angustifolia and Cananga odorata on decrease of blood pressure in high blood pressure volunteers: A randomized controlled trial. Explore, 20(3), 102040. doi:10.1016/j.explore.2023.11.005
  14. Silva-Filho, S. E., et al. (2021). The Role of Essential Oils and Their Main Compounds in the Management of Cardiovascular Disease Risk Factors. Molecules, 26(12), 3506. doi:10.3390/molecules26123506