Beruhigende ätherische Öle entfalten ihre Wirkung über flüchtige Pflanzenstoffe, die direkt auf das Nervensystem einwirken und körperliche wie mentale Anspannung lösen können. Substanzen wie Linalool, Bisabolol oder Santalol modulieren Neurotransmitter und aktivieren den Parasympathikus – jenen Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Dabei beschränkt sich ihr Einsatz keineswegs auf das Schlafzimmer: Beruhigende Öle leisten in der Mittagspause, vor einer Prüfung, nach einem belastenden Gespräch oder während einer Meditation wertvolle Dienste.
Die Forschungslage zu beruhigenden ätherischen Ölen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verdichtet. Eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die 44 randomisierte kontrollierte Studien einschloss, bestätigte die angstlösende Wirkung mehrerer ätherischer Öle – darunter Lavendel, Bitterorange und Damaszener Rose.[1] Für die Praxis bedeutet das: Sie können aus einer ganzen Palette pflanzlicher Düfte wählen, um sich gezielt zu beruhigen.

Dieser Ratgeber stellt Ihnen die zehn wirksamsten beruhigenden ätherischen Öle vor – mit ihren Wirkstoffen, Einsatzbereichen und einer Vergleichstabelle, die Ihnen die Auswahl erleichtert. Sie erfahren, in welchen Alltagssituationen beruhigende Öle besonders gut helfen und welche Anwendungsform sich wofür eignet.
Auf einen Blick
- Breites Wirkspektrum: Beruhigende ätherische Öle wirken über verschiedene Mechanismen – u. a. GABAerge, serotonerge und parasympathische Signalwege.
- Lavendel ist am besten erforscht: Linalool und Linalylacetat aus Lavendelöl zeigen in zahlreichen klinischen Studien angstlösende und sedierende Effekte.
- Nicht nur für Schlaf: Beruhigende Öle eignen sich ebenso für Entspannung tagsüber, Meditation, Prüfungsangst und Reizüberflutung.
- Schnelle Aufnahme: Linalool lässt sich bereits 19 Minuten nach dem Auftragen auf die Haut im Blut nachweisen.
- Individuelle Duftvorlieben beachten: Nicht jeder beruhigende Duft wirkt auf jeden Menschen gleich – persönliche Präferenzen beeinflussen die Wirksamkeit.
- Kombination verstärkt die Wirkung: Mischungen aus z. B. Lavendel, Ylang-Ylang und Bergamotte können Blutdruck, Herzfrequenz und Cortisol stärker senken als Einzelöle.
Welche ätherischen Öle wirken beruhigend?
Beruhigende ätherische Öle zeichnen sich durch einen hohen Anteil bestimmter Stoffgruppen aus: Monoterpenole wie Linalool, Ester wie Linalylacetat, Sesquiterpene wie Bisabolol und Sesquiterpenole wie Santalol. Diese Verbindungen erreichen über die Nase das limbische System oder gelangen durch die Haut in den Blutkreislauf und beeinflussen dort Neurotransmitter wie GABA, Serotonin und Dopamin.[2] Die folgende Übersicht zeigt die zehn wirksamsten beruhigenden Öle mit ihrem jeweiligen Wirkprofil. Eine ausführliche Erklärung des Wirkmechanismus über das limbische System finden Sie im Ratgeber zur Wirkung ätherischer Öle.
Lavendel – der Klassiker mit der stärksten Evidenz
Lavendelöl (Lavandula angustifolia) gilt als das am besten erforschte beruhigende ätherische Öl. Seine Hauptwirkstoffe Linalool (37–54 %) und Linalylacetat (21–36 %) beeinflussen mehrere Neurotransmittersysteme gleichzeitig: Sie modulieren GABAerge, cholinerge, histaminerge und monoaminerge Signalwege im limbischen System.[3] Linalool bindet zudem an den Serotonintransporter (SERT) und zeigt Affinität zum glutamatergen NMDA-Rezeptor, was die angstlösende und antidepressive Wirkung erklären könnte.[4]
Nach dem Auftragen auf die Haut lassen sich Linalool und Linalylacetat bereits nach etwa 19 Minuten im Blutplasma nachweisen.[2] In einer randomisierten Crossover-Studie aus 2023 senkte die Inhalation von Lavendelöl signifikant den Blutdruck, die Herzfrequenz und die Hauttemperatur – bei gleichzeitiger Zunahme von Theta- und Alphawellen im EEG, die auf Entspannung hindeuten.[5]
Praxis-Tipp: Geben Sie 3–5 Tropfen Lavendelöl in einen Diffuser für eine milde Hintergrundberuhigung. Bei akuter Anspannung reicht es oft, 1 Tropfen auf die Handinnenflächen zu geben, die Hände aneinanderzureiben und tief einzuatmen.
Kamille – sanft beruhigend und muskelentspannend
Kamillenöl aus der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) verdankt seine beruhigende Wirkung einem Zusammenspiel aus Terpenoiden und Flavonoiden. Alpha-Bisabolol und seine Oxide machen bis zu 50 % des ätherischen Öls aus und wirken entzündungshemmend, krampflösend und muskelentspannend.[6] Der Flavonoid-Bestandteil Apigenin bindet an Benzodiazepin-Rezeptoren am GABAA-Rezeptor und erzeugt so eine milde Sedierung – ohne das Abhängigkeitsrisiko synthetischer Benzodiazepine.[7]
Eine randomisierte, doppelblinde Studie an 154 Patienten mit akutem Koronarsyndrom zeigte, dass die Inhalation von Kamillenöl über zwei aufeinanderfolgende Nächte die Angst signifikant reduzierte und Blutdruck sowie Herzfrequenz verbesserte.[8] Bisabolol zeigte in Tiermodellen angstlösende Effekte, die sich durch den GABAA-Antagonisten Flumazenil aufheben ließen – ein starker Hinweis auf einen GABAergen Mechanismus.[6]
Praxis-Tipp: Kamille eignet sich besonders gut für Menschen, die gleichzeitig unter innerer Unruhe und Muskelverspannungen leiden. Der warme, krautige Duft wirkt auf viele weniger blumig als Lavendel.
Neroli – angstlösend und nervenberuhigend
Neroliöl wird aus den Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium var. amara) gewonnen und enthält Linalool (ca. 11 %), Antranilsäure, Limonen und Alpha-Terpineol als Hauptbestandteile.[9] Neroli gilt in der Aromatherapie als eines der wirksamsten Öle gegen akute Nervosität und Angst.
In einer randomisierten kontrollierten Studie (2022) an 88 Frauen während der Geburt senkte die Inhalation von Neroliöl sowohl die Angst als auch die wahrgenommene Schmerzintensität in allen Phasen der Eröffnungsperiode signifikant (p < 0,05).[9] Die Netzwerk-Metaanalyse von Tan et al. (2023) ordnete Bitterorangenöl als das zweitwirksamste ätherische Öl gegen Angst ein – direkt hinter Jasminöl.[1]
Praxis-Tipp: Neroliöl ist kostbar und teuer. Bereits 1–2 Tropfen in einem Diffuser oder verdünnt als Roll-On reichen für eine spürbare Wirkung. Der blumig-süße Duft eignet sich besonders vor aufregenden Situationen wie Vorstellungsgesprächen.
Weihrauch – beruhigend und meditativ
Weihrauchöl (Boswellia sacra / B. serrata) enthält neben Monoterpenen wie Alpha-Pinen und Limonen auch die bioaktiven Diterpene Incensol und Incensolacetat. Incensolacetat aktiviert den TRPV3-Ionenkanal im Gehirn – ein Rezeptor, der an der Wahrnehmung von Wärme beteiligt ist und offenbar auch emotionale Prozesse beeinflusst.[10]
Im Tiermodell zeigten Mäuse nach Gabe von Incensolacetat signifikant weniger Angstverhalten (Elevated Plus Maze) und weniger Immobilität im erzwungenen Schwimmtest – beides etablierte Maße für angstlösende und antidepressive Wirkung. Bei Mäusen ohne TRPV3-Rezeptor blieben diese Effekte aus, was den Mechanismus bestätigt.[10] Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch GABAA-Rezeptoren an der angstlösenden Wirkung beteiligt sind.[11]
Praxis-Tipp: Weihrauch eignet sich besonders für Meditation und Achtsamkeitsübungen. Sein harziger, warmer Duft vertieft die Atmung und fördert einen ruhigen, fokussierten Geisteszustand. 2–3 Tropfen im Diffuser genügen.
Bergamotte – angstlösend und stimmungsaufhellend
Bergamotteöl (Citrus bergamia) vereint beruhigende und stimmungsaufhellende Eigenschaften – eine Kombination, die viele andere Öle so nicht bieten. In einer bahnbrechenden Studie aus 2024/2025 identifizierten Forscher erstmals den neuronalen Schaltkreis hinter der angstlösenden Wirkung: Glutamaterge Neuronen im anterioren olfaktorischen Nukleus projizieren zum anterioren cingulären Cortex und vermitteln so den anxiolytischen Effekt.[12]
Eine randomisierte Crossover-Studie von Wakui et al. (2023) belegte, dass die Inhalation von Bergamotteöl vor dem Schlafengehen sowohl den psychischen Stress reduzierte als auch die Schlafqualität verbesserte. Bei Anwendung am Morgen hob es die Wachheit und Stimmung an.[13]
Praxis-Tipp: Bergamotteöl enthält Bergapten (Furocoumarin), das phototoxisch wirkt. Verwenden Sie auf der Haut nur bergaptenfreie (FCF-)Qualität oder tragen Sie das Öl abends auf. Ausführliche Informationen zu Phototoxizität finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.
Muskatellersalbei – hormonbalancierend und krampflösend
Muskatellersalbeiöl (Salvia sclarea) enthält Linalylacetat (ca. 61 %) und Linalool (ca. 22 %) als Hauptbestandteile – ähnlich wie Lavendel, jedoch ergänzt durch das seltene Diterpen Sclareol (ca. 0,3 % im destillierten Öl, höher im Absolue).[14] Sclareol ähnelt strukturell dem Östradiol und wird für die hormonbalancierenden Eigenschaften des Öls verantwortlich gemacht.
Eine klinische Studie an Patientinnen mit prämenstruellem Syndrom zeigte, dass die Inhalation von Muskatellersalbeiöl die autonome Nervenfunktion signifikant in Richtung parasympathischer Dominanz verschob – messbar an der Herzratenvariabilität.[15] In einer Pilotstudie (2020) senkte die dermale Anwendung die Pulsfrequenz bei Männern signifikant (p = 0,013).[14]
Praxis-Tipp: Muskatellersalbei wirkt stark entspannend und kann Schläfrigkeit auslösen. Verwenden Sie ihn nicht, wenn Sie danach noch Autofahren müssen. In der Schwangerschaft ist das Öl wegen seiner östrogenähnlichen Wirkung kontraindiziert – mehr dazu im Ratgeber zu ätherischen Ölen in der Schwangerschaft.
Sandelholz – tief sedierend
Sandelholzöl (Santalum album) enthält als Leitsubstanz Alpha-Santalol (40–55 %) und Beta-Santalol (17–27 %). Alpha-Santalol zeigt eine dem Neuroleptikum Chlorpromazin ähnliche pharmakologische Aktivität und wirkt als Agonist am Dopamin-D2-Rezeptor und Serotonin-5-HT2A-Rezeptor.[16] In einer Studie an stressbelasteten Mäusen wies Sandelholzöl eine verlängerte anxiolytische Wirkung nach, die über den reinen Inhalationszeitraum hinaus anhielt.[16]
Nach transdermaler Aufnahme (ohne Inhalation, mit Atemmaske) verursachte Alpha-Santalol signifikante physiologische Veränderungen, die als relaxierend-sedierend interpretiert werden – darunter Senkung von Blutdruck und Herzfrequenz.[16] Sandalholzöl ist auch Bestandteil der „Compound Anshen"-Mischung, deren sedative Wirkung über eine Erhöhung von Serotonin und GABA im Mäusegehirn nachgewiesen wurde.[17]
Praxis-Tipp: Sandelholz hat eine ausgeprägte Basisnote – der Duft hält stundenlang an. Für eine sanfte Beruhigung genügen 1–2 Tropfen. Das Öl eignet sich hervorragend als Ankernote in Mischungen mit leichteren Düften wie Bergamotte.
Ylang-Ylang – parasympathisch aktivierend
Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata) aktiviert nachweislich das parasympathische Nervensystem. In einer vielzitierten Studie senkten Teilnehmer, die eine Mischung aus Ylang-Ylang, Lavendel und Bergamotte inhalierten, signifikant ihren Blutdruck, ihre Herzfrequenz und ihren Cortisolspiegel.[18] Eine randomisierte kontrollierte Studie an Schwangeren (2023) bestätigte die angstlösende Wirkung von Ylang-Ylang-Öl unter Geburt.[1]
Praxis-Tipp: Ylang-Ylang ist intensiv. Verwenden Sie maximal 1–2 Tropfen im Diffuser oder mischen Sie es mit Lavendel und Bergamotte. Bei Überdosierung können Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten.
Melisse – beruhigend und antiviral
Melissenöl (Melissa officinalis) ist eines der teuersten ätherischen Öle (häufig verfälscht – achten Sie auf reine Qualität). Sein Wirkprofil umfasst beruhigende, angstlösende und antivirale Eigenschaften. Eine Metaanalyse von Ghazizadeh et al. (2021) mit zehn eingeschlossenen Studien zeigte, dass Melissenöl die Symptome von Angst (SMD: 0,98; p = 0,003) und Depression (SMD: 0,47; p = 0,0005) signifikant verbesserte – ohne schwere Nebenwirkungen.[19] Melisse wirkt über einen dämpfenden Effekt auf die Neurotransmission, wobei der genaue Mechanismus noch nicht vollständig geklärt ist.[4]
Praxis-Tipp: Wegen des hohen Preises (reines Melissenöl: 60–100 € pro ml) eignet sich eine Verdünnung von 1 % in Jojobaöl als kostengünstiger Roll-On für die Schläfen und Handgelenke.
Rose – angstlösend und emotional öffnend
Rosenöl (Rosa damascena) ist in der Aromatherapie für seine tief angstlösende und emotional harmonisierende Wirkung bekannt. Die Netzwerk-Metaanalyse von Tan et al. (2023) stufte Damaszener Rosenöl als das drittwirksamste ätherische Öl gegen Zustandsangst ein.[1] Ein systematisches Review von Mohamadi et al. (2022) bestätigte die Evidenz für Rosenöl bei psychischen Beschwerden sowohl in präklinischen als auch klinischen Studien.[20]
Rosenoxid, ein Bestandteil des Rosenöls, zeigte im Tiermodell antidepressive Aktivität, die möglicherweise über serotonerge Signalwege vermittelt wird.[21]
Praxis-Tipp: Ähnlich wie Melisse ist Rosenöl sehr kostspielig. Bereits 1 Tropfen in einer Mischung entfaltet eine spürbare Wirkung. Rose harmoniert besonders gut mit Weihrauch und Sandelholz für tiefe emotionale Entspannung.
Vergleichstabelle: Beruhigende ätherische Öle im Überblick
Die folgende Tabelle vergleicht alle zehn beruhigenden Öle nach Stärke der Beruhigung, Duftnote und Besonderheit – eine schnelle Entscheidungshilfe für die richtige Auswahl.
| Ätherisches Öl | Stärke der Beruhigung | Duftnote | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Lavendel | ★★★★★ | Kopf-/Herznote, blumig-krautig | Breiteste Studienlage, vielseitig einsetzbar |
| Kamille (deutsch) | ★★★★☆ | Herznote, krautig-warm | Zusätzlich muskelentspannend und entzündungshemmend |
| Neroli | ★★★★★ | Herznote, blumig-süß | Sehr wirksam bei akuter Angst, kostspielig |
| Weihrauch | ★★★★☆ | Basisnote, harzig-warm | Ideal für Meditation, TRPV3-Mechanismus |
| Bergamotte | ★★★★☆ | Kopfnote, zitrusartig-blumig | Beruhigend UND stimmungsaufhellend; FCF-Qualität auf Haut |
| Muskatellersalbei | ★★★★☆ | Kopf-/Herznote, krautig-nussig | Hormonbalancierend, starke parasympathische Aktivierung |
| Sandelholz | ★★★★★ | Basisnote, holzig-cremig | Lang anhaltende Wirkung, D2- und 5-HT2A-Affinität |
| Ylang-Ylang | ★★★☆☆ | Herz-/Basisnote, blumig-süß-exotisch | Senkt Cortisol; sparsam dosieren (intensiver Duft) |
| Melisse | ★★★★☆ | Kopfnote, zitronig-frisch | Antiviral, sehr teuer – auf Reinheit achten |
| Rose | ★★★★☆ | Herznote, blumig-süß-tief | Emotional harmonisierend, Top 3 in Metaanalyse |
Wann helfen beruhigende ätherische Öle besonders?
Beruhigende ätherische Öle entfalten ihre Wirkung am stärksten, wenn Geist und Körper das Signal erhalten, vom Leistungs- in den Erholungsmodus zu wechseln. Die folgenden Situationen zeigen, wann sich der gezielte Einsatz besonders lohnt.
Entspannung tagsüber – Mittagspause und Feierabend
Eine 5-minütige Inhalation von Bergamotte- oder Lavendelöl genügt, um messbare Entspannungseffekte auszulösen.[13] Geben Sie in der Mittagspause 2–3 Tropfen Bergamotteöl auf ein Taschentuch und atmen Sie ruhig ein – die stimmungsaufhellende Komponente hilft gleichzeitig gegen das Nachmittagstief. Zum Feierabend eignet sich Muskatellersalbei oder Ylang-Ylang im Diffuser, um den Übergang von Arbeit zu Freizeit bewusst zu markieren.
Meditation und Achtsamkeitsübungen
Weihrauch und Sandelholz haben eine jahrtausendealte Tradition in spirituellen Praktiken – und die Wissenschaft liefert inzwischen Erklärungen dafür. Incensolacetat aus Weihrauch beeinflusst direkt die emotionale Verarbeitung im Gehirn,[10] während Alpha-Santalol aus Sandelholz die physiologische Erregung senkt.[16] Starten Sie den Diffuser 5 Minuten vor Ihrer Meditation mit 2 Tropfen Weihrauch und 1 Tropfen Sandelholz.
Nervosität vor Prüfungen oder Vorstellungsgesprächen
Akute Nervosität erfordert schnell wirksame Öle. Neroli zeigte in klinischen Studien eine signifikante Reduktion von Angst bereits während stressreicher Situationen.[9] Ein praktischer Ansatz: Bereiten Sie vorab einen Roll-On mit 2 % Neroliöl in einem Trägeröl vor und tragen Sie ihn auf die Handgelenke auf. Alternativ wirkt die Kombination aus Lavendel und Bergamotte zuverlässig angstlösend.
Nach belastenden Ereignissen
Nach einem schwierigen Gespräch, einer schlechten Nachricht oder emotionalem Stress helfen Rosenöl und Kamillenöl. Rose wirkt emotional öffnend und harmonisierend, Kamille löst gleichzeitig die körperliche Anspannung in der Muskulatur. Ein Tropfen Rosenöl auf der Brust (verdünnt in Trägeröl) kann ein wirkungsvolles Ritual zur emotionalen Verarbeitung sein.
Reizüberflutung und allgemeines Runterkommen
Bei Reizüberflutung – nach einem langen Tag mit Bildschirmarbeit, Lärm oder sozialer Überanspruchung – helfen holzige, erdige Düfte besonders gut. Sandelholz und Weihrauch verankern die Aufmerksamkeit und reduzieren mentales „Rauschen". Lavendel ergänzt mit seiner breiten anxiolytischen Wirkung. Eine abendliche Diffuser-Sitzung von 30–60 Minuten kann helfen, den Parasympathikus zu aktivieren und zur Ruhe zu kommen.
Wie werden beruhigende ätherische Öle angewendet?
Beruhigende ätherische Öle lassen sich über verschiedene Wege anwenden. Die Wahl der Methode hängt von der Situation, dem gewünschten Effekt und dem persönlichen Komfort ab.
Diffuser – für gleichmäßige Raumbeduftung
Ein Ultraschall-Diffuser verteilt die Duftmoleküle gleichmäßig im Raum und eignet sich ideal für mehrstündige Entspannung zu Hause. 3–5 Tropfen beruhigendes Öl pro 20 m² Raumfläche sind ein guter Richtwert. Lüften Sie nach 30–60 Minuten. Alles Weitere zu Diffuser-Typen und Dosierung lesen Sie im Diffuser-Ratgeber.
Beruhigendes Bad – Tiefenentspannung für Körper und Geist
Ein Aromabad kombiniert die Wirkung warmen Wassers mit der Aufnahme ätherischer Öle über Haut und Nase. Mischen Sie 5–8 Tropfen Lavendel-, Kamille- oder Sandelholzöl mit einem Emulgator (z. B. Sahne, Meersalz oder einem neutralen Duschgel), bevor Sie es ins Wasser geben. Detaillierte Rezepte und Emulgator-Anleitungen finden Sie im Ratgeber zum Aromabad.
Massage – beruhigende Berührung und Ölwirkung vereint
Die Kombination aus Massage und beruhigenden Ölen verstärkt beide Effekte. Linalool und Linalylacetat werden über die Haut aufgenommen und erreichen nach etwa 19 Minuten den Blutkreislauf.[2] Verdünnen Sie das ätherische Öl in einem Trägeröl Ihrer Wahl. Techniken und Mischungsempfehlungen finden Sie im Massage-Ratgeber.
Roll-On – schnelle Beruhigung für unterwegs
Ein vorbereiteter Roll-On mit beruhigenden Ölen passt in jede Tasche und ist sofort einsatzbereit. Tragen Sie ihn auf Handgelenke, Schläfen oder hinter den Ohren auf. Die Herstellung eines eigenen Roll-Ons mit beruhigenden Ölmischungen beschreibt der Roll-On-Ratgeber.
Sicherheit und Dosierung
Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Verdünnen Sie beruhigende Öle auf 1–3 % in einem Trägeröl – die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber. Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle – woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber. Eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.
Speziell für besseren Schlaf finden Sie gezielte Rezepte und Schlafhygiene-Tipps im Ratgeber zu ätherischen Ölen zum Schlafen. Wenn Sie unter chronischem Stress leiden, bietet der Stress-Ratgeber spezifische Strategien mit Studienbelegen. Bei Angststörungen finden Sie im Angst-Ratgeber vertiefte Informationen, und bei depressiven Verstimmungen hilft der Depressions-Ratgeber weiter. Die grundlegenden Zusammenhänge zwischen ätherischen Ölen und der Psyche – einschließlich der Neurochemie – erklärt der Psyche-Hub.
Häufige Fragen
Welches beruhigende ätherische Öl ist für Einsteiger am besten geeignet?
Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist der beste Einstieg: Es hat die breiteste Studienlage, ist erschwinglich, gut verträglich und vielseitig einsetzbar – im Diffuser, als Bad, als Massage oder als Roll-On. Der Duft wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden. Starten Sie mit 3–5 Tropfen im Diffuser und beobachten Sie die Wirkung.
Können beruhigende ätherische Öle auch tagsüber verwendet werden?
Beruhigende Öle eignen sich ausdrücklich nicht nur für den Abend. Bergamotteöl wirkt beruhigend und gleichzeitig stimmungsaufhellend – ideal für die Mittagspause. Lavendel in niedriger Dosierung senkt die Anspannung, ohne müde zu machen. Lediglich stark sedierende Öle wie Muskatellersalbei oder Sandelholz in hoher Dosierung sollten tagsüber mit Vorsicht eingesetzt werden, wenn Konzentration gefragt ist.
Wie schnell wirken beruhigende ätherische Öle?
Bei der Inhalation zeigen sich erste Effekte oft innerhalb von 5–10 Minuten, da die flüchtigen Duftmoleküle direkt über die Nase das limbische System erreichen. Studien zeigen, dass eine Inhalationsdauer von 5 Minuten wirksamer ist als 3 Minuten. Bei dermaler Anwendung (Massage, Roll-On) dauert es etwa 19 Minuten, bis Wirkstoffe wie Linalool im Blut nachweisbar sind.
Sind beruhigende ätherische Öle eine Alternative zu Medikamenten?
Beruhigende ätherische Öle sind eine ergänzende Maßnahme, kein Ersatz für ärztlich verordnete Medikamente. Bei leichter Anspannung, alltäglichem Stress oder Prüfungsnervosität können sie sehr wirksam sein. Bei diagnostizierten Angststörungen, Depressionen oder chronischen Schlafstörungen sollten Sie ätherische Öle nur als Ergänzung zur professionellen Behandlung einsetzen – und dies mit Ihrem Arzt besprechen.
Kann man verschiedene beruhigende Öle miteinander mischen?
Mischungen sind nicht nur möglich, sondern oft wirksamer als Einzelöle. Eine Kombination aus Lavendel, Ylang-Ylang und Bergamotte senkte in einer Studie Blutdruck, Herzfrequenz und Cortisol stärker als die Einzelöle allein. Achten Sie auf die Duftnoten: Eine ausgewogene Mischung enthält Kopf- (z. B. Bergamotte), Herz- (z. B. Lavendel) und Basisnoten (z. B. Sandelholz). Mehr zum Thema Mischungsverhältnisse erfahren Sie im Misch-Ratgeber.
Quellen
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