Ätherische Öle für Babys

Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Ätherische Öle und Babys – das ist ein Thema, das Eltern zu Recht verunsichert. Die konzentrierten Pflanzenextrakte, die Erwachsenen bei Erkältung oder Stress helfen, können für Säuglinge im schlimmsten Fall gefährlich werden. Ein Baby metabolisiert Wirkstoffe langsamer, seine Haut ist bis zu fünfmal dünner als die eines Erwachsenen, und die Atemwege sind noch nicht vollständig entwickelt.[1]

Trotzdem sind ätherische Öle bei Babys nicht pauschal tabu. Ab dem 6. Lebensmonat gelten einzelne, besonders milde Öle wie Lavendel (Lavandula angustifolia) und Römische Kamille (Chamaemelum nobile) in extrem niedriger Dosierung als vertretbar. Entscheidend sind die richtige Auswahl, eine korrekte Verdünnung und die passende Anwendungsmethode. Hydrolate – also die wässrigen Nebenprodukte der Dampfdestillation – bieten eine noch sanftere Alternative für die Allerkleinsten.

Ätherische Öle für Babys – sicherer Umgang mit Lavendelöl und Kamille bei Säuglingen

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche ätherischen Öle bei Babys von 0 bis 2 Jahren erlaubt sind, welche Sie unbedingt meiden müssen und wie Sie die erlaubten Öle sicher anwenden. Sie erfahren, was bei Babyschnupfen, Unruhe, Zahnen und Koliken tatsächlich hilft – und wo die Grenze zur Kinderarztpraxis liegt.

Auf einen Blick

  • Erste 6 Lebensmonate: Grundsätzlich keine ätherischen Öle verwenden – die Haut und das Nervensystem des Babys sind noch zu unreif.
  • Ab 6 Monaten erlaubt: Nur Lavendel fein und Römische Kamille, maximal 0,5 % verdünnt in einem Trägeröl wie Mandelöl.
  • Verboten für Babys: Eukalyptus, Pfefferminze, Kampfer, Wintergrün, Teebaum und alle scharfen Öle – sie können Atemkrämpfe oder neurologische Schäden auslösen.
  • Sicherste Alternative: Hydrolate (Lavendel- oder Rosenhydrolat) sind deutlich milder und eignen sich bereits für jüngere Säuglinge.
  • Diffuser-Regel: Maximal 1–2 Tropfen, nur 15–20 Minuten laufen lassen, Baby nicht direkt im Luftstrom platzieren.
  • Im Zweifel: Immer Kinderarzt oder Hebamme fragen, bevor Sie ätherische Öle bei Ihrem Baby einsetzen.

Warum sind Babys besonders empfindlich gegenüber ätherischen Ölen?

Die Empfindlichkeit von Säuglingen gegenüber ätherischen Ölen hat biologische Ursachen. Die Hautbarriere eines Neugeborenen ist noch nicht vollständig ausgebildet – die Hornschicht (Stratum corneum) ist dünner, der Wasserverlust über die Haut höher und die Aufnahme von Wirkstoffen deutlich schneller als bei Erwachsenen.[2] Das bedeutet: Eine Konzentration, die auf erwachsener Haut kaum wahrnehmbar ist, kann bei einem Baby bereits irritierend oder toxisch wirken.

Hinzu kommt, dass die Leber eines Säuglings Substanzen wie 1,8-Cineol oder Menthol langsamer abbaut. Beide Stoffgruppen finden sich in gängigen ätherischen Ölen wie Eukalyptus und Pfefferminze. Der Stoffwechselweg über die Cytochrom-P450-Enzyme reift erst in den ersten Lebensmonaten aus.[3] Auch die Atemwege sind noch eng – schon geringe Mengen reizender Substanzen können einen Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) auslösen, bei dem sich die Stimmritze reflexartig verschließt.

Nicht zuletzt ist das Nervensystem eines Babys hochsensibel. Die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor schädlichen Substanzen schützt, ist noch durchlässiger als bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Neurotoxische Inhaltsstoffe wie Kampfer erreichen das kindliche Gehirn daher in höherer Konzentration.[4]

Die Grundregel: Keine ätherischen Öle in den ersten 6 Lebensmonaten

In den ersten sechs Lebensmonaten sollten Sie auf ätherische Öle bei Ihrem Baby vollständig verzichten. Die American Association of Naturopathic Physicians empfiehlt, bei Säuglingen unter drei Monaten keinerlei ätherische Öle einzusetzen.[5] Die International Federation of Aromatherapists (IFA) stuft die topische Anwendung bei Kindern unter zwei Jahren generell als riskant ein.[6]

Diese Zurückhaltung ist keine übertriebene Vorsicht. Zwischen 2011 und 2015 haben sich die Vergiftungsfälle mit ätherischen Ölen bei Kindern in den USA mehr als verdoppelt – vier von fünf Betroffenen waren Kinder.[7] Selbst bei sachgemäßer Anwendung kann ein Neugeborenes empfindlicher reagieren, als es die üblichen Dosierungsempfehlungen vermuten lassen.

Wenn Ihr Baby in den ersten Monaten unruhig ist oder eine verstopfte Nase hat, greifen Sie auf ätherische-ölfreie Methoden zurück: Muttermilch-Nasentropfen, eine aufgeschnittene Zwiebel neben dem Bettchen oder pures Trägeröl für eine sanfte Bauchmassage sind in diesem Alter die sichereren Alternativen.

Welche ätherischen Öle sind ab 6 Monaten erlaubt?

Ab dem 6. Lebensmonat kommen genau zwei ätherische Öle in Frage, die in der Fachliteratur als ausreichend mild für Babys gelten: Lavendel fein (Lavandula angustifolia) und Römische Kamille (Chamaemelum nobile). Beide zeichnen sich durch einen hohen Anteil sanfter Inhaltsstoffe und ein geringes Reizpotenzial aus.

Lavendel fein (Lavandula angustifolia)

Lavendel fein ist das am besten untersuchte ätherische Öl im Bereich Pädiatrie. Die Hauptinhaltsstoffe Linalool und Linalylacetat wirken nachweislich beruhigend und schmerzlindernd. Eine doppelblinde, randomisierte Studie an Frühgeborenen zeigte, dass die Inhalation von Lavendelduft während einer Fersenblutentnahme die Schmerzwerte (PIPP-R-Score) signifikant senkte.[8] Eine weitere kontrollierte Studie bestätigte einen schmerzlindernden Effekt bei der Impfung von Säuglingen.[9]

Achten Sie beim Kauf auf die botanische Bezeichnung Lavandula angustifolia – nicht Lavandin (Lavandula × intermedia) und nicht Speiklavendel (Lavandula latifolia). Letztere enthalten deutlich mehr Kampfer und 1,8-Cineol und sind für Babys ungeeignet. Mehr zu den Unterschieden finden Sie im Lavendelöl-Ratgeber.

Römische Kamille (Chamaemelum nobile)

Römische Kamille enthält überwiegend Ester (vor allem Angelikasäure-Isobutylester), die entkrampfend und hautberuhigend wirken. In der Aromatherapie gilt sie als eines der sanftesten ätherischen Öle überhaupt. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zeigte, dass die topische Anwendung von Kamillenöl auf dem Bauch von Säuglingen mit Koliken die tägliche Schreidauer nach 14 Tagen um 58 % reduzierte – verglichen mit 29 % in der Kontrollgruppe.[10]

Verwechseln Sie Römische Kamille nicht mit Blauer Kamille (Matricaria chamomilla). Blaue Kamille ist zwar ebenfalls wertvoll, enthält aber mehr Sesquiterpene und ist in der Babyaromatherapie weniger gut untersucht.

Dosierung: Maximal 0,25–0,5 %

Für Babys ab 6 Monaten empfehlen Aromatherapie-Experten wie Robert Tisserand eine Verdünnung von 0,1 bis 0,25 %. In der Praxis bedeutet das: 1 Tropfen ätherisches Öl auf 20–40 ml Mandelöl oder ein anderes mildes Trägeröl.[11] Die National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA) empfiehlt für Säuglinge maximal 0,5 %.[5] Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.

Hydrolate – die sanftere Alternative für Babys

Hydrolate (auch Pflanzenwasser genannt) entstehen als Nebenprodukt der Wasserdampfdestillation ätherischer Öle. Sie enthalten nur Spuren der ätherischen Ölbestandteile – typisch sind Konzentrationen von 0,02 bis 0,05 % – und sind damit um ein Vielfaches milder als die konzentrierten Öle selbst. Für Babys unter 6 Monaten sind Hydrolate die einzige aromatherapeutische Option, die von Fachleuten empfohlen wird.

Besonders geeignet für Babys sind:

  • Lavendelhydrolat: Beruhigend, hautpflegend, kann als Raumspray oder ins Badewasser gegeben werden (1–2 Esslöffel pro Babybadewanne).
  • Rosenhydrolat: Mild entzündungshemmend, leicht adstringierend, besonders sanft bei gereizter Babyhaut.
  • Kamillenhydrolat: Beruhigt gerötete Haut, kann bei Windeldermatitis als Kompresse eingesetzt werden.

Ein Praxistipp: Sprühen Sie Lavendelhydrolat auf das Bettlaken (nicht auf das Kopfkissen) des Babys, wenn es abends unruhig ist. Der leichte Duft kann beruhigend wirken, ohne dass die empfindlichen Atemwege direkt belastet werden. Achten Sie beim Kauf auf 100 % reines Hydrolat ohne Zusätze von Alkohol oder Konservierungsstoffen.

Welche ätherischen Öle sind für Babys verboten?

Die folgende Liste enthält ätherische Öle, die bei Babys und Kleinkindern unter keinen Umständen angewendet werden dürfen – weder auf der Haut noch über einen Diffuser. Die Risiken reichen von Hautreizungen bis zu lebensbedrohlichen Atemstillständen.

Ätherisches ÖlGefährlicher InhaltsstoffRisiko bei Babys
Eukalyptus (alle Chemotypen)1,8-Cineol (bis 83 %)Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus), Atemstillstand bei Gesichtsanwendung
Pfefferminze (Mentha × piperita)Menthol (30–55 %)Reflexapnoe, Laryngospasmus – laut HMPC bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert
Kampfer (Cinnamomum camphora)KampferNeurotoxisch, kann Krampfanfälle auslösen – bereits 1 ml kann bei Säuglingen gefährlich sein
Wintergrün (Gaultheria procumbens)Methylsalicylat (bis 99 %)Toxisch bei Hautkontakt, wirkt wie eine Aspirin-Überdosis – Reye-Syndrom-Risiko
Teebaum (Melaleuca alternifolia)Terpinen-4-ol, 1,8-CineolZu stark reizend, hormonell wirksame Bestandteile – erst ab 2 Jahren empfohlen
Zimt (Cinnamomum verum)ZimtaldehydStarke Hautreizung, Schleimhautverbrennung
Nelke (Syzygium aromaticum)Eugenol (bis 85 %)Schwere Hautreizung, lebertoxisch in höherer Dosis
Oregano (Origanum vulgare)Carvacrol, ThymolStark hautreizend, Schleimhautschädigend
Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris)Thymol (bis 60 %)Haut- und schleimhautreizend, nicht für Kinder unter 6 Jahren
Rosmarin Ct. Cineol (Rosmarinus officinalis)1,8-Cineol (bis 55 %)Gleiche Risiken wie Eukalyptus – nicht für Kinder unter 10 Jahren empfohlen

Eukalyptus und Pfefferminze: Warum gerade diese Öle so gefährlich sind

Eukalyptusöl und Pfefferminzöl gehören zu den häufigsten Vergiftungsursachen bei Kindern. Der entscheidende Mechanismus: Die Inhaltsstoffe 1,8-Cineol und Menthol können bei Säuglingen und Kleinkindern einen reflektorischen Verschluss der Stimmritze (Laryngospasmus) auslösen. Die direkte Anwendung im Gesichtsbereich ist besonders riskant.[12]

Eine retrospektive Analyse von 109 Kindern, die wegen Eukalyptusöl-Vergiftung im Royal Children's Hospital Melbourne behandelt wurden, dokumentierte Bewusstseinsstörungen bei 28 % der Fälle. Drei Kinder wurden bewusstlos, eines erlitt eine Ateminsuffizienz.[13] Die European Medicines Agency (EMA) stuft Pfefferminzöl bei Kindern unter 2 Jahren als kontraindiziert ein, da Menthol eine Reflexapnoe – einen plötzlichen Atemstillstand – auslösen kann.[12]

Auch das Vernebeln von Eukalyptus oder Pfefferminze über einen Diffuser ist bei Babys nicht sicher. Die IFA rät davon ab, diese Öle in der Nähe von Säuglingen zu diffundieren, da selbst geringe Konzentrationen in der Luft die Atemwege reizen können.[6]

Sichere Anwendungsmethoden für Babys ab 6 Monaten

Wenn Sie sich für ätherische Öle bei Ihrem Baby entscheiden, stehen drei Anwendungsmethoden zur Wahl. Alle setzen voraus, dass Sie ausschließlich Lavendel fein oder Römische Kamille verwenden und die Dosierung strikt einhalten.

Diffuser: So verwenden Sie ihn sicher

Ein Ultraschall-Diffuser verteilt feinste Öltröpfchen in der Raumluft und ist die am weitesten verbreitete Methode in der Baby-Aromatherapie. So gehen Sie sicher vor:

  • Tropfenzahl: Maximal 1–2 Tropfen ätherisches Öl pro Raumbeduftung.
  • Dauer: Maximal 15–20 Minuten, dann den Diffuser ausschalten. Dauerbetrieb überfordert die empfindlichen Atemwege.
  • Platzierung: Den Diffuser mindestens 1,5–2 Meter vom Babybett entfernt aufstellen. Der Nebel darf nicht direkt auf das Baby treffen.
  • Belüftung: Fenster leicht kippen oder nach der Beduftung lüften. Ein geschlossenes Kinderzimmer konzentriert die Duftstoffe zu stark.
  • Beobachten: Wenn das Baby hustet, niest oder unruhig wird, sofort ausschalten und lüften.

Ein häufiger Fehler: Eltern lassen den Diffuser die ganze Nacht laufen. Das ist selbst mit milden Ölen nicht empfehlenswert. Schalten Sie ihn 20 Minuten vor dem Einschlafen ein und danach aus – der Restduft im Raum reicht aus.

Fußmassage: Der sicherste Hautkontakt

Die Fußsohlen sind die sicherste Stelle für die topische Anwendung bei Babys. Die Haut ist dort dicker als am Rest des Körpers, und das Baby bringt die Füße nicht ins Gesicht. Mischen Sie 1 Tropfen Lavendel fein in 20 ml Mandelöl (entspricht ca. 0,25 %) und massieren Sie eine kleine Menge sanft in die Fußsohlen ein. Diese Methode eignet sich besonders abends vor dem Schlafengehen.

Badezusatz: Nur indirekt

Ätherische Öle und Wasser mischen sich nicht. Geben Sie daher niemals unverdünntes ätherisches Öl direkt ins Badewasser – die Öltröpfchen schwimmen auf der Oberfläche und können die empfindliche Babyhaut verbrennen. Die sicherste Methode für ein Babybad:

  • Beste Option: 1–2 Esslöffel Lavendelhydrolat ins Badewasser geben. Kein Emulgator nötig, kein Reizrisiko.
  • Alternative: 1 Tropfen Lavendel fein in 1 Teelöffel Sahne oder einem geeigneten pflanzlichen Emulgator lösen, dann erst ins Wasser geben.

Praxis-Szenarien: Was hilft wirklich?

Unruhiges Baby beruhigen

Wenn Ihr Baby ab 6 Monaten abends nicht zur Ruhe kommt, kann der Duft von Lavendel fein unterstützend wirken. Geben Sie 1 Tropfen in einen Ultraschall-Diffuser und lassen Sie ihn 15 Minuten vor dem Einschlaf-Ritual laufen. Eine Studie an Neugeborenen zeigte, dass Lavendel-Inhalation die Schreizeit bei einem medizinischen Eingriff fast halbierte (14,8 vs. 24,6 Sekunden).[14] Für den Alltag bedeutet das: Lavendelduft kann die Einschlaf-Routine sanft unterstützen – ein Wundermittel gegen Schlafprobleme ist er nicht.

Alternativ: 1 Tropfen Lavendel fein auf ein Taschentuch geben und dieses in 30 cm Entfernung zum Babybett platzieren (nicht im Bett selbst).

Baby-Schnupfen: Wann auf ätherische Öle verzichtet werden muss

Bei einer verstopften Nase im Säuglingsalter sind ätherische Öle tabu – auch die milden. Die Atemwege sind während eines Infekts gereizt, und selbst Lavendelduft kann zusätzlich reizen. Sichere Alternativen:

  • Zwiebel-Methode: Eine Zwiebel halbieren und in einer Schale neben das Bettchen stellen. Die schwefelhaltigen Verbindungen lösen auf natürliche Weise Schleim – ohne Risiko für die Atemwege.
  • Hydrolat: Lavendelhydrolat auf ein Tuch sprühen und in Bettnähe (nicht ins Bett) legen.
  • Kochsalz-Nasentropfen: Physiologische Kochsalzlösung (0,9 %) ist die von Kinderärzten empfohlene Standardmethode.

Ab dem 2. Lebensjahr erweitert sich die Auswahl an Möglichkeiten bei Erkältung bei Kindern.

Zahnen: Kamille im Diffuser, aber kein Öl im Mund

Zahnende Babys sind oft quengelig, und der Griff zum Kamillenöl liegt nahe. Tragen Sie ätherisches Kamillenöl jedoch niemals direkt auf das Zahnfleisch auf – die Schleimhäute sind zu empfindlich, und es besteht die Gefahr, dass das Baby das Öl verschluckt. Ätherische Öle sind bei oraler Aufnahme toxisch.[3]

Stattdessen: 1 Tropfen Römische Kamille in den Diffuser geben und 15 Minuten laufen lassen. Die entkrampfenden Eigenschaften der Kamille können über die Inhalation leicht beruhigend wirken. Als physische Zahnungshilfe eignen sich gekühlte Beißringe oder ein mit kaltem Kamillentee getränktes Waschlappen-Stück.

Babymassage: Trägeröl pur oder mit minimalem Lavendel

Regelmäßige Babymassage fördert die Bindung, kann Koliken lindern und die Gewichtszunahme bei Frühgeborenen verbessern. In den ersten 6 Monaten verwenden Sie ausschließlich pures Trägeröl – Mandelöl oder Sonnenblumenöl eignen sich besonders gut.

Ab 6 Monaten können Sie 1 Tropfen Lavendel fein auf 30 ml Trägeröl mischen. Eine Studie an Babys mit Koliken zeigte, dass eine Aromatherapie-Bauchmassage mit Lavendelöl die Kolik-Symptome wirksamer reduzierte als eine Massage ohne ätherisches Öl.[15]

So massieren Sie richtig: Wärmen Sie das Öl zwischen Ihren Handflächen an. Massieren Sie den Bauch mit sanftem Druck im Uhrzeigersinn – das folgt dem Verlauf des Darms und kann bei Blähungen helfen. Sparen Sie den Nabel aus und massieren Sie nicht direkt nach dem Füttern.

Häufige Fehler, die Eltern vermeiden sollten

In der Praxis sehen Hebammen und Kinderärzte immer wieder dieselben Fehler beim Umgang mit ätherischen Ölen bei Babys:

  • Öl unverdünnt auftragen: Auch „milde" Öle wie Lavendel dürfen nie pur auf Babyhaut gelangen. Die Konzentration ist um den Faktor 50 bis 100 zu hoch.
  • Eukalyptus-Balsam auf die Brust: Erkältungsbalsame für Erwachsene enthalten fast immer Eukalyptus, Menthol oder Kampfer. Sie haben auf einer Babybrust nichts verloren.
  • Diffuser im Dauerbetrieb: Nachts stundenlang laufen lassen belastet die Atemwege und kann zu Kopfschmerzen oder Übelkeit führen.
  • Ölflaschen in Babynähe: 2–3 ml verschlucktes Eukalyptusöl können bei einem Säugling Bewusstseinstrübung und Krampfanfälle auslösen.[13] Bewahren Sie alle Flaschen kindersicher und außer Reichweite auf.
  • Auf Internet-Empfehlungen vertrauen: Viele Blogs und Verkaufsseiten empfehlen Teebaum, Rosmarin oder sogar Pfefferminze für Babys. Diese Empfehlungen widersprechen der Fachliteratur.

Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut – eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Ab wann dürfen Kinder mehr ätherische Öle verwenden?

Ab dem 2. Lebensjahr erweitert sich die Palette an erlaubten ätherischen Ölen schrittweise. Milde Öle wie Mandarine, Fenchel süß oder Zeder gelten dann bei korrekter Verdünnung (1 %) als vertretbar. Einen vollständigen Überblick über sichere Öle und Dosierungen nach Altersgruppe finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen für Kinder.

Häufige Fragen

Darf ich Lavendelöl bei meinem Neugeborenen verwenden?

Nein. In den ersten 6 Lebensmonaten sollten Sie auf ätherische Öle vollständig verzichten – auch auf Lavendel. Die Hautbarriere und der Stoffwechsel eines Neugeborenen sind noch nicht ausgereift genug, um die konzentrierten Pflanzenstoffe sicher zu verarbeiten. Ab dem 6. Monat gilt Lavendel fein (Lavandula angustifolia) als das sicherste ätherische Öl für Babys, wenn es auf maximal 0,25–0,5 % verdünnt wird. Als Alternative eignet sich Lavendelhydrolat, das deutlich milder ist und bereits früher eingesetzt werden kann.

Was passiert, wenn mein Baby Eukalyptusöl einatmet?

Eukalyptusöl enthält hohe Konzentrationen von 1,8-Cineol, das bei Babys einen Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) auslösen kann. Dabei verschließen sich die Atemwege reflexartig, was im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führt. Auch das bloße Einatmen über einen Diffuser birgt bei Säuglingen ein Risiko. Wenn Ihr Baby versehentlich mit Eukalyptusöl in Kontakt kam und Symptome wie Husten, Würgen, Atemnot oder Schläfrigkeit zeigt, rufen Sie sofort den Notarzt (112). Eukalyptusöl ist für Babys unter 2 Jahren tabu.

Sind Hydrolate wirklich sicherer als ätherische Öle für Babys?

Ja. Hydrolate enthalten nur etwa 0,02–0,05 % der ätherischen Ölbestandteile und sind damit um den Faktor 100 bis 500 milder als reine ätherische Öle. Sie reizen die Haut und Atemwege kaum und sind in der Aromatherapie-Fachliteratur die empfohlene Alternative für Säuglinge. Lavendelhydrolat und Rosenhydrolat eignen sich zum Besprühen von Bettwäsche, als Zusatz im Badewasser oder als sanfte Kompresse bei gereizter Haut.

Kann ich einen Erkältungsbalsam für Erwachsene verdünnt auf mein Baby auftragen?

Nein, das ist gefährlich. Erkältungsbalsame für Erwachsene wie Wick VapoRub enthalten Kampfer (4,8 %), Eukalyptusöl (1,2 %) und Menthol (2,6 %). Alle drei Stoffe sind für Babys toxisch – auch in verdünnter Form. Kampfer kann bereits in kleinen Mengen Krampfanfälle auslösen, und die Kombination aus Menthol und 1,8-Cineol erhöht das Risiko eines Atemstillstands. Verwenden Sie bei erkälteten Babys stattdessen Kochsalz-Nasentropfen und die Zwiebel-Methode.

Wie lange darf der Diffuser im Babyzimmer laufen?

Maximal 15–20 Minuten pro Anwendung. Verwenden Sie nur 1–2 Tropfen Lavendel fein oder Römische Kamille und stellen Sie den Diffuser mindestens 1,5 Meter vom Babybett entfernt auf. Lassen Sie ihn nicht über Nacht laufen – auch milde Öle können bei Dauerbetrieb die Atemwege belasten. Schalten Sie den Diffuser idealerweise vor dem Schlafengehen ein und aus, bevor das Baby einschläft. Wenn Ihr Baby hustet oder unruhig wird, schalten Sie sofort aus und lüften Sie.

Quellen

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  2. Stamatas, G. N., Nikolovski, J., Luedtke, M. A., Kollias, N., & Wiegand, B. C. (2010). Infant skin microstructure assessed in vivo differs from adult skin in organization and at the cellular level. Pediatric Dermatology, 27(2), 125–131. doi:10.1111/j.1525-1470.2009.00973.x
  3. de Groot, A. C., & Schmidt, E. (2016). Essential Oils, Part I: Introduction. Dermatitis, 27(2), 39–42. doi:10.1097/DER.0000000000000175
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  5. National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA). Exploring Aromatherapy: Safety Information. https://naha.org/explore-aromatherapy/safety/
  6. International Federation of Aromatherapists (IFA). Aromatherapy with Children Guidelines. https://ifaroma.org
  7. Rigon, M. R., Donatello, N. N., Volpato, L. K., & Piovezan, A. P. (2021). The Use of Essential Oils in Pediatric Care: An Integrative Review. Annals of Pediatrics & Child Health, 9(8), 1258.
  8. Usta, C., Tanyeri-Bayraktar, B., & Bayraktar, S. (2021). Pain Control with Lavender Oil in Premature Infants: A Double-Blind Randomized Controlled Study. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 27(2), 136–141. doi:10.1089/acm.2020.0327
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